28. BBC

Umsatz 2013/14: £ 5,066 Mrd. (€ 5,965 Mrd.)

Überblick

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Die 1927 gegründete British Broadcasting Corporation ist die größte Rundfunkanstalt der Welt. Innerhalb Großbritanniens produziert die BBC ein ausschließlich gebührenfinanziertes Radio- und Fernsehprogramm, das seine Zuschauer "informieren, bilden und unterhalten" soll. Im Ausland erwirtschaftet der kommerziell agierende Arm BBC Worldwide durch das Betreiben von Fernsehsendern, die Lizenzierung von Fernsehformaten und die Veröffentlichung von Büchern zusätzliche Erträge, die an die Anstalt zurückgeführt werden und die Gebührenzahler entlasten sollen. Im Onlinebereich betreibt die BBC mit ihrer Homepage die reichweitenstärkste Internetseite Europas.

Basisdaten

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Hauptsitz: Broadcasting House, Portlands Place, London W1A 1AA, Großbritannien
Telefon: 0044-20-7580-4468
Telefax: 0044-20-7765-1630
Internet: www.bbc.co.uk

Branche: Fernsehsender, Radio, Rechtehandel, TV-Produktion, TV-Spartenkanäle, Zeitschriften, Buchverlage
Rechtsform: Öffentlich-rechtliche Anstalt 
Geschäftsjahr: 01.04. - 31.03.
Gründungsjahr: (1922) 1927

Tab.: Ökonomische Basisdaten

2014/152013/142012/132011/122010/112009/102008/092007/082006/07
Etat/Umsatz (in Mio. £)4.8055.0665.1025.0864.9934.7904.6064.4154.117
davon Licence Fee (in Mio. £)3.7353.7263.6563.6063.5133.4473.4943.3693.243
sonstiges (in Mio. £)1.0701.3401.4461.4801.4801.3431.1161.046934
Beschäftigte18.97418.64721.82821.94022.89922.86122.87431.10123.037

 

 

Geschäftsführung

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Executive directors:

  • Tony Hall, Director-General
  • James Harding, Director, News
  • Helen Boaden, Director, Radio
  • Danny Cohen, Director, Television
  • James Purnell, Director Strategie & Digital
  • Ken MacQuarrie, Director BBC Scotland
  • Rodri Talfan Davis, Director BBC Cymru Wales
  • Peter Johnston, Director BBC, Northern Ireland
  • Peter Salmon, Director BBC North
  • Anne Bulford, Director Operations and Finance
  • David Jordan, Editorial Policy and Standards
  • Philip Almond, Director, Marketing
  • Alan Yentob, Creative Director
  • Ralph Rivera, Director, Future Media
  • Valerie Hughes-D'Aeth, Director, HR
  • Tim Davie, Director, BBC Worldwide

 

Non-executive directors:

  • Simon Burke
  • Howard Stringer
  • Dame Fiona Reynolds
  • Alice Perkins
  • Nicolas Hytner
  • Darmash Mystry

 

BBC Trust:

  • Rona Fairhead, Chairman
  • Diane Coyle, Vice Chairman
  • Sonita Alleyne, Trustee
  • Richard Ayre, Trustee
  • Nicholas Prettejohn, Trustee
  • Aideen McGinley, Truste for Northtern Ireland
  • Bill Matthews, Trustee for Scotland
  • Elan Closs Stephens, Trustee for Wales
  • Suzanna Taverne, Trustee
  • Lord Williams, Trustee

Geschichte und Profil

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1927 erhielt die fünf Jahre zuvor als British Broadcasting Company gegründete British Broadcasting Corporation (BBC) ihre erste "Royal Charter", die sie, wie die Bank von England, zu einer staatlichen Institution außerhalb des Einflussbereichs der Regierung, nicht aber des Parlaments machte. Ausschließlich finanziert über eine so genannte „Licence Fee“ war so der unabhängige, öffentlich-rechtliche Rundfunk geboren. Kern des BBC-Programmauftrags ist bis heute, durch Information, Bildung und Unterhaltung „dem öffentlichen Interesse zu dienen“.

Zunächst auf den Hörfunk beschränkt, nahm die BBC 1946 den regelmäßigen Fernsehbetrieb auf, 1952 gelang mit der internationalen Live-Übertragung der Krönung von Elisabeth II. ein erster Durchbruch für das neue Medium. Bereits 1955 erhielt das BBC-Fernsehprogramm kommerzielle Konkurrenz durch die Einführung der werbefinanzierten, regional organisierten ITV-Sender (Independent Television).

Mitte der 60er Jahre wurde BBC und später erst, Anfang der 80er Jahre, auch dem Privatfernsehen, jeweils ein weiteres Programm (BBC 2 bzw. Channel Four) genehmigt. Seit dem Einstieg ins digitale Fernsehen Mitte der 90er Jahre baut die BBC planmäßig ihr Programmangebot aus. Durch Übernahme der eigentlich für einen kommerziellen Veranstalter vorgesehenen Lizenz für terrestrisches Digitalfernsehen in Großbritannien durch ein Konsortium aus BBC und Rupert Murdochs Pay-TV-Plattform BSkyB (FreeView) ist die öffentlich-rechtliche Anstalt dominierende Kraft im britischen TV-Markt.

Alle kommerziellen Aktivitäten der BBC sind – national wie international – seit 1994 im Tochterunternehmen BBC Worldwide zusammengefasst. Worldwide vermarktet die über die Rundfunkgebühr finanzierten Programminhalte und Spin-Offs wie Magazine, Bücher usw. und ist selbst – vor allem im Ausland – Programmveranstalter im Pay- wie im Free-TV. Alle Gewinne von BBC Worldwide werden an die BBC-Mutter zurückgeführt.

Alle BBC-TV- und Radio-Programme sind werbefrei und werden aus der Rundfunkgebühr finanziert, die in Großbritannien ausschließlich von TV-Zuschauern zu entrichten ist. Der Empfang von Radioprogrammen ist frei.

Der BBC wurde 2007 ursprünglich eine schrittweise Erhöhung der Gebühr auf 151,50 Pfund im Jahr 2012 zugestanden. Der Tag, an dem die Neuregelung der Rundfunkgebühr für die BBC verkündet wurde, war medial allerdings von trivialeren Ereignissen überschattet: In der britischen „Celebrity-Big-Brother“-Variante hatte sich die B-Prominenz gegenseitig mit rassistischen Bemerkungen überzogen. Die Klagen der BBC, dass sie wegen des für sie unbefriedigenden Deals bis 2012 mit mindestens 2 Milliarden Pfund (umgerechnet 2,9 Milliarden Euro) weniger auskommen muss als geplant, verhallten daher mehr oder weniger ungehört.

Dabei ist die Gebührenanpassung ein heftiger Traditionsbruch. Seit 1988 war die von Regierung und Unterhaus festgesetzte „Licence Fee“ an die Inflationsrate gekoppelt. Diese Indexierung ist in Großbritannien nun passé. Die Gebühr stieg 2007/2008 noch einmal um jeweils drei Prozent, und dieser Satz geht bis zum Auslaufen der Gebührenperiode 2012/2013 stufenweise weiter zurück. Die Journalistengewerkschaft NUJ protestierte energisch gegen dieses „Below-Inflation-Settlement“, es kam zu einzelnen Streiks bei der BBC. Der Generaldirektor betonte, dass die Finanzierungslücke Konsequenzen für das Programm haben könne, und kündigte eine hauseigene Bestandsaufnahme an, mit der Einsparmöglichkeiten aufgespürt werden sollten.

Weiteren Druck erhielt die BBC von Seiten des Mitte Juni 2009 veröffentlichten „Digital Britain Reports“: Erstmals wurde im von Lord Carter vorgelegten Weißbuch verlangt, die BBC solle ab 2013 von den Rundfunkgebühren 3,5% an ihre kommerziellen Rivalen abführen, um deren „Public-Service“-Angebote mitzufinanzieren. Weiterhin solle der Ausbau des Breitband-Internet-Netzes zum Teil aus den überschüssigen Gebühren aufgrund der günstigeren digitalen Rundfunkverbreitung („Digital Switchover Surplus“) finanziert werden. Zusätzlich sollen aus diesem Budget - 130 Mio. Pfund bis 2012 - drei Pilotprojekte für die Regionalnachrichten bei ITV gefördert werden. Diese „Regional News Programmes“ bilden den Kern der „Public-Service“-Auflagen für das werbefinanzierte Programm, waren laut dem größten britischen Privatsender aber wegen dramatischer Werbeeinbrüche nicht mehr bezahlbar.
Auch die Gewinne der kommerziellen BBC-Tochter BBC Worldwide, die bislang komplett an die BBC zurückfließen, können laut Weißbuch ebenfalls künftig zugunsten von „Public-Service“-Angeboten bei anderen Sendern angezapft werden. Das Weißbuch ebnet auch den Weg zu einer Teilprivatisierung von BBC Worldwide und schlägt vor, dass andere Medienunternehmen in beschränktem Ausmaß Anteile an BBC Worldwide erwerben können sollen.

Management

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George Entwistle trat im Herbst 2012 im Zuge des Jimmy Savile-Skandals nach nur 54 Tagen als Generaldirektor wieder zurück. Der inzwischen verstorbene "Top of the Pops"-Moderator Savile sowie andere Personen sollen im Rahmen von BBC-Produktionen über Jahre hinweg unbehelligt hunderte minderjährige Jugendliche sexuell belästigt haben. Entwistle musste gehen, weil das BBC-Magazin Newsnight Ende 2011 in letzter Sekunde einen kritischen Bericht über die Vorwürfe gegen Saville zurückgezogen hatte. Auch auf Vorgänger Mark Thompson, inzwischen CEO der New York Times Company, wirft die Affäre kein gutes Licht.

Generaldirektor ist seit März 2013 Tony Hall. Er war fast dreißig Jahre in verschiedenen Positionen in der BBC tätig (unter anderem als Nachrichtenchef), ehe er 2001 die Leitung des Royal Opera House übernahm. Lord Hall of Birkenhead (so sein offizieller Titel) war die Wunschlösung des BBC Trusts; kein anderer Kandidat wurde kontaktiert. Er gilt als Ideallösung, weil er die BBC kennt, jedoch in den vergangenen Jahren den nötigen Abstand zur Anstalt bewahrt hat. Ihm wird zugetraut das Vertrauen der Gebührenzahler zurückzugewinnen. Als einer seiner ersten Amtshandlungen setzte er das Limit der umstrittenen Abfindungszahlungen für BBC-Manager auf 150.000 Pfund. Nebentätigkeiten der Manager (die BBC-Controllerin Lias Opie betrieb nebenbei ein Café in ihrer Heimatstadt) kritisierte er dagegen er verhalten; berufliche Aktivitäten außerhalb der BBC, sofern sie nicht Überhand nähmen, könnten sogar von Vorteil für die Anstalt sein, da so ein Blick über den Tellerrand möglich sei.

An der Spitze des BBC-Trusts steht seit September 2014 mit Rona Fairhead erstmals in der Geschichte der Anstalt eine Frau. Fairhead war zuvor Chefin der Financial Times-Gruppe, von der sie sich 2013 nach sieben Jahren mit einem umstrittenen Abfindungspaket in Höhe von 3,1 Millionen Pfund verabschiedete. Sie sitzt zusätzlich im Aufsichtsrat von PepsiCo und Barclays und gilt als öffentlichkeitsscheue Finanzexpertin. Fairhead lässt politisch nur schwer verorten - den einzigen Hinweis liefert in diesem Zusammenhang ihr Ehemann, ein Investmentbanker, der als Tory-nah gilt. Beobachter zeigten sich angesichts Fairheads Nominierung überrascht, da sie über keinerlei Erfahrungen im Rundfunkbereich verfügt (das langjährige Trust Mitglied Diane Coyle wurde bei der Nominierung übergangen).

Die von Januar 2007 bis 2016 gültige neue „Royal Charter“ führte zu einschneidenden Reformen bei der BBC, insbesondere im obersten Management und bei der Selbstaufsicht der Anstalt. Geleitet wird die BBC von einem Management-Team („BBC Executive Board“), an dessen Spitze der Generaldirektor steht. Der Generaldirektor ist gleichzeitig als „oberster Chefredakteur“ für alle Programme verantwortlich. Die neue Charter schreibt, wie in britischen Vorständen üblich, verbindlich mindestens vier so genannte Non-Executive-Directors im Board vor, deren Position eher mit der eines Aufsichtsrates zu vergleichen ist. Die Position des erst 2004 eingeführten stellvertretenden Generaldirektors wurde 2011 im Zuge von umfassenden Kürzungen bei der BBC gestrichen.

Um „einsamen Entscheidungen“ des Generaldirektors vorzubeugen, wurde auch die bislang vom „Board of Governors“ ausgeübte Selbstkontrolle der BBC neu organisiert. An die Stelle der Governors, die einerseits oberste Management-Instanz und gleichzeitig das anstaltseigene Aufsichtsgremium darstellten, trat der „BBC Trust“. Er hat zwar keine direkten Management-Aufgaben mehr, verfügt aber über deutlich mehr Kompetenzen bei der Besetzung des Executive Board, das seit Januar 2007 als BBC-Exekutive firmiert. Außerdem soll der Trust die Programmleistung der BBC und ihre Übereinstimmung mit ihrem Programmauftrag detailliert überwachen. Zu diesem Gremium gehören Chairman, Vice-Chairman und zehn Trustees. Sie repräsentieren formal – ähnlich wie die Rundfunkräte in Deutschland – die gesellschaftliche Vielfalt im Land. Durch ihre im Vergleich zu deutschen Aufsichtsgremien viel geringere Zahl sind die einzelnen Trust-Mitglieder mächtiger. Anders als in Deutschland werden sie auch nicht von entsprechenden „Trägern des gesellschaftlichen Lebens“ nominiert, sondern von der Königin auf Vorschlag der Regierung ernannt.

Geschäftsfelder

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Fernsehen: Bis 2012 verbreitet die BBC weiterhin auch analog ihre beiden TV-Programme BBC One (mit Regionalfenstern für Schottland, Nordirland, Wales und England) und BBC Two (mit Regionalfenstern für Schottland, Nordirland und Wales).

Freeview, die seit 2002 bestehende digitale terrestrische Plattform der BBC für rund 75 Programme, und Freesat, eine seit 2008 bestehende frei empfangbare digitale Satelliten-Plattform für bis zu 300 TV- und Radioprogramme, sind als Übertragungskanäle mittlerweile fest etabliert. Nach dem „switchover“ 2012 sollen auch die meisten der abgelegenen Haushalte Freeview empfangen können, die bis dahin eine Satellitenschüssel für Freesat benötigten um digital fernzusehen. Mit den beiden Übertragungstechniken ist die BBC endgültig zum wesentlichen Faktor im Medienmarkt der Zukunft geworden, da sie hier auch Programme anderer Anbieter verbreitet.

Nicht analog, dafür unter anderem über Freeview und Freesat betreibt die BBC sieben Programme im digitalen, terrestrischen Standard DVB-T bzw. in DVB-S: BBC Three (Zielgruppe junge Erwachsene), BBC Four (Kultur/Bildung), BBC HD (aufwändige Serien, Dokus und Großveranstaltungen), BBC News (Nachrichtenkanal), BBC Parliament (Live-Übertragungen aus Westminster) sowie die beiden Kinderkanäle CBBC (Children’s BBC) und das an Kleinkinder gerichtete Programm CBeebies. Zusätzlich wird BBCs erster Sender als BBC One HD ausgestrahlt, während der Regionalnachrichten jedoch nur mit hochgerechnetem Material in Standardauflösung. Der Sender BBC Alba, ein auf schottisches Programm spezialisiertes Joint-Venture mit Virgin Media, ist dort auch über Freeview und im Rest Großbritanniens nur über die anderen nicht-terrestrischen Übertragungswege empfangbar.

BBC Worldwide betreibt aktuell 24 TV-Sender (inkl. 3 Simulcasts), zum Teil als Joint-Ventures mit anderen Medienunternehmen. Sie sind über Satellit, Kabel, IPTV, zum Teil Internet-TV und nur außerhalb Großbritanniens auch terrestrisch zu empfangen. Hierzu gehören BBC Entertainment (BBC-Programm-Highlights), der internationale Nachrichtenkanal  BBC World News, BBC HD (innerhalb Großbritanniens von der BBC ausgestrahlt), BBC America (auch simultan in HD), BBC Canada, BBC HD Scandinavia, BBC Knowledge (auch simultan in HD), BBC Lifestyle, die internationale Version des Kindersenders CBeebies, BBC Kids, der Sender UKTV für Australien und Neuseeland (auch simultan in HD) sowie das eigenständige, auch in Großbritannien zu empfangende Pay-TV-Paket UKTV (Joint-Venture mit Scripps Network).

Radio: Derzeit senden fünf analoge UKW-Sendeketten: Radio 1 (Pop, Jugend), Radio 2 (allgemeine Unterhaltung), Radio 3 (E-Musik, Kultur), Radio 4 (Unterhaltung, Nachrichten, Hörspiele) und Radio 5 Live (Nachrichten, Sport), dazu kommen regionale Hörfunk-Programme für Schottland, Wales und Nordirland sowie rund 40 BBC-Lokalsender in England. Außerdem werden die Programme zum Großteil auch über digitale Rundfunk-Standards verbreitet, die zusätzlich fünf exklusive Sender bieten (siehe digitaler Rundfunk).

Fünf Radiokanäle betreibt die BBC exklusiv über digitale Sendetechnik: Radio 1Xtra (aktuelle Musik), Radio 4 Extra (Comedy, Hörspiele, Kinderprogramm), Radio 5 Live Sports Extra (mehr Kommentar als beim Schwestersender), Radio 6 Music (alternative und „indie“-Musik) sowie das an Migranten gerichtete Asian Network, das überwiegend in Englisch, zum Teil aber auch in diversen Sprachen aus Indien und angrenzenden Gebieten sendet. Landesweite BBC-Radiosender sind in digitaler Form neben DAB auch über DVB-T und -S empfangbar, bei den Programmen der britischen Teilnationen und Lokalsendern ist die Verfügbarkeit unterschiedlich. Der neue Standard DAB+, der unter anderem höhere Tonqualität bietet, spielt programm- und empfangstechnisch noch keine Rolle.

BBC World Service sendet in über 30 Sprachen und erreicht wöchentlich mindestens 140 Millionen Hörer in aller Welt. Traditionell über Kurzwelle zu empfangen, wird der "World Service" in mehr und mehr Ländern ganz oder teilweise auf UKW- und Mittelwelle-Frequenzen übernommen. Das in den vergangenen Jahren trotz heftiger interner und öffentlicher Kritik eingeschränkte Programmangebot wird vollständig über einen "Grant in Aid“, einen festen Etatposten des Außenministeriums finanziert, das aber keinerlei Einfluss auf den Programminhalt hat. Der World Service finanziert auch TV-Angebote wie die im März 2008 bzw. im Januar 2009 gestarteten Nachrichtenkanäle BBC Arabic Television und BBC Persian Television, die in erster Linie über Satellit empfangbar sind.

Digitaler Rundfunk: Anders als die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland ist die BBC bereits stärker in der Welt des digitalen Rundfunks aktiv und sieht sich selbst als treibende Kraft hinter dem für 2012 geplanten „switch off“ der analogen TV-Sender. Die Umstellung auf digitale Sendetechnik ist in einigen Regionen bereits komplett abgeschlossen und soll im TV-Bereich bis 2012 im ganzen Land die analogen Signale ersetzen - für die Radiosender steht jedoch noch kein „switch-off“-Datum fest.

Der Prozess, der mit dem „switch off“ der analogen Radio- und TV-Sender enden soll, wird „Digital Switchover“ genannt und durch das Non-Profit-Unternehmen „Digital UK Limited“ geleitet. Die Firma wurde 2005 im Auftrag der Regierung gegründet, ist in Besitz und wird finanziert von den öffentlichen Sendeanstalten (hauptsächlich der BBC) und Multiplex-Betreibern und arbeitet eng mit einigen Behörden zusammen. Digital UK und der „Digital Switchover Help Scheme“ (DSHS, Hilfe für Senioren und behinderte Menschen bei der Umstellung) waren im Geschäftsjahresbericht 2010/2011 der BBC zusammen mit £ 80,3 Mio. veranschlagt (vgl. „BBC Four“ £ 67,1 Mio.). Weiterhin informiert Digital UK beispielsweise auf Informationsveranstaltungen und dem zugehörigen Internetportal. Im September 2011 waren bereits mehr als die Hälfte der „TV-Regionen“ des Vereinigten Königreichs umgestellt. Der „switch off“ der Radioprogramme hat jedoch viele Gegner und wird den ursprünglich angepeilten Termin 2015 voraussichtlich weit verfehlen.

Internet: Der Fokus der BBC auf das Digitale ist auch im klassischen Internet bemerkbar. Seit Sommer 2006 versuchte Generaldirektor Mark Thompson mit seiner „Delivering-Creative-Future“-Strategie die BBC auf die Konvergenz der Medien einzustellen. Online-Interaktivität soll dabei speziell durch Web-2.0-Techniken wie das „Teilen“ von BBC-Programmen sowie Nutzer-Blogs und andere „Community“-Werkzeuge gefördert werden.
Eines der ersten unter der Strategie vorgestellten Projekte war der im April 2007 vom BBC Trust durchgewinkte iPlayer - die BBC-Mediathek im Internet. Hier können bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung die meisten BBC-Sendungen online abgerufen werden. Seit September 2010 ist der Service in Version 3 verfügbar und bietet neben einer überarbeiteten Bedienung auch Verknüpfungen mit Twitter, Facebook und Windows Live Messenger, Empfehlungen von Freunden und Links zum Video-on-Demand-Programm anderer Sender. Der iPlayer ist in verschiedenen Varianten auch über den privaten Kabelnetzbetreiber Virgin Media, private Fernsehanbieter, Spielekonsolen und mobile Geräte verfügbar. Bis März 2011 waren allein für Entwicklung und Funktion des iPlayers £ 22,5 Mio. aufgewendet worden und es wird von zukünftigen Kosten in Höhe von £ 5,2 Mio. pro Jahr ausgegangen. Im Juli 2011 startete der iPlayer in 11 westeuropäischen Staaten als iPad-App, deren Programm größtenteils nur gegen eine Gebühr in Höhe von 50% der britischen Rundfunkgebühren verfügbar ist und somit die Beitragszahler im Vereinigten Königreich entlasten soll.

Im Zuge der gescheiterten Komplett-Digitalisierung des BBC-Archivs in Form der Digital Media Initiative wurden auch Zweifel an der kompletten Digitalstrategie des Senders laut. Nach wie vor wird nur ein Bruchteil der Programmstunden online angeschaut. Auch als Reaktion auf die gescheiterte YouView-SetTop Box-Allianz mit Telekommunikationsunternehmen schloss sich die BBC mit den privaten Sendern ITV und Channel 4 zur Freeview Connect-Initiative zusammen, um künftig besser auf der neuen Generation von Smart TVs empfangbar zu sein.

Lizenzhandel: BBC Worldwide ist für den internationalen Rechtehandel mit BBC-Programmen und Koproduktionen zuständig.

Zeitschriften/Ton- und Bildträger: Neben Magazinen gibt die BBC Hörbücher, Tonträger, DVDs und Lehrmaterialen zu den diversen BBC-Bildungsprogrammen heraus. Der Löwenanteil der von BBC Worldwide verlegten Publikumszeitschriften wurde jedoch im Herbst 2011 an die Private Equity Firma Exponent verkauft, darunter das Programmheft „Radio Times“, „Top Gear“ oder „Gardener's World“, werden für 121 Millionen Pfund (138 Millionen Euro) verkauft. Anfang 2013 trennte man sich ebenfalls vom Reiseführer-Verlag Lonely Planet. 

Engagement in Deutschland

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Programm: Der internationale, kommerzielle Nachrichtenkanal BBC World News wird in den meisten deutschen Kabelfernsehnetzen weiterverbreitet, er kann außerdem per Satellit und in einigen Pay-TV-Angeboten über DVB-T empfangen werden. Im Großraum Berlin verfügt außerdem das Radioprogramm des BBC World Service über eine eigene UKW-Frequenz. Die BBC kooperiert mit mehreren deutschen Fernsehsendern. Besonders eng sind - auch über die Europäische Rundfunk Union / European Broadcasting Union (EBU) - die traditionellen Kontakte zu den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Aber auch Privatsender strahlen BBC-Produktionen aus; der zur RTL-Gruppe gehörende Kanal Vox sendet in Lizenz auch eine Programmstrecke unter dem Titel „BBC exklusiv“.

In Berlin ist die BBC mit einem bi-medialen Korrespondentenbüro vertreten (Radio und TV), allerdings wurde 2005 im Zuge des Ausbaus des Brüsseler BBC-Büros die Zahl der Mitarbeiter deutlich reduziert. Derzeit hat die BBC nur einen festen Korrespondentenplatz in Berlin.

BBC Worldwide Germany: BBC Worldwide, der kommerzielle Arm der BBC, ist seit 2004 wieder mit einem eigenen Büro in Deutschland vertreten und firmiert als BBC Worldwide Germany GmbH. Hauptgeschäftsfelder sind nach BBC-Angaben der Verkauf von TV-Rechten, Lizenzierung von Video/DVD- sowie Zeitschriften- und Buchrechten und das Merchandising. Außerdem wird über die Niederlassung im Kölner Mediapark der Kontakt zur deutschen Produzentenszene gehalten, da die Zahl der länderübergreifenden Koproduktionen seit Jahren steigt. Geleitet wird das Büro von Isabelle Helle, die als „Head of German Speaking Territories“ firmiert und auch für BBC-Belange in Österreich und der deutschsprachigen Schweiz zuständig ist. Unter www.bbcgermany.de bietet die BBC Informationen zu BBC-Programmen und Ausstrahlungsterminen auf deutschen Sendern, Video-on-Demand-Angeboten, Hintergrundinformationen zu ausgewählten Programmen sowie Merchandising – von der DVD bis zum klassischen Bildband.

Aktuelle Entwicklungen

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Anfang 2015 verfasste der Medienausschuss des britischen Unterhauses den Bericht "Die Zukunft der BBC". Darin wurde die Höhe der Rundfunkgebühren, die umstrittene Rolle des BBC Trusts bei der Kontrolle der Anstalt sowie die zahlreichen Skandale der letzten Jahre scharf kritisiert.

Der Pädophilie-Skandal um das langjährige BBC-Aushängeschild Jimmy Savile hatte die Anstalt im Herbst 2012 in eine handfeste Krise gezogen. George Entwistle musste nach nach nur acht Wochen im Amt des Generaldirektors wieder zurücktreten. Nachfolger Tony Hall steht nun vor der Herausforderung, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Anstalt wieder herzustellen. Währenddessen könnten die Ausmaße des Skandals jedoch um ein weiteres größer sein, als zunächst angenommen.

„Delivering Quality First“: Die Entwicklungen dieses aktuellen Sparprogramms im Zuge des zweiten „Licence Fee Settlement“ lassen sich bereits bis zum Sommer 2006 zurückverfolgen, als der damalige BBC-Generaldirektor die „Delivering-Creative-Future“-Strategie vorstellte. Das bis 2012 laufende Programm hatte drei Grundpfeiler: Qualität - weniger, aber innovativere Sendungen; Verschlankung durch Kürzungen; Digitalisierung - Inhalte überall und zu jeder Zeit zur Verfügung stellen. Dies bedeutet Einsparungen in Höhe von £ 2 Mrd. bis 2013, unter anderem durch den Wegfall von mindestens 1500 Arbeitsplätzen von 2007 an und den Verkauf des „BBC Television Centre“ in London. Im Jahr 2011 zog das Unternehmen vollständig in das traditionsreiche Londoner „Broadcasting House“ und in die „MediaCityUK“ in Salford (Raum Manchester) um.

Aufgrund eines durch die Wirtschaftskrise gebeutelten Staatshaushaltes entschied die Regierung Mitte Oktober 2011, die eigentlich bis 2012 steigenden Rundfunkgebühren auf dem Niveau von 2010 - 145,50 Pfund - einzufrieren. Dieses neue „Licence Fee Settlement“ läuft bis Ende März 2017.

Weitere Einsparungen sollen unter anderem durch Kürzungen bei Gehältern (besonders beim Management - siehe auch die Kontroverse um die im Sommer 2013 enthüllten überhöhten Abfindungszahlungen an 150 BBC-Manager) und erhöhte Ressourcen-Effizienz in den Gebäuden der BBC erreicht werden (allein 2012 wurden 875 Laptops von BBC Mitarbeitern verlegt oder gestohlen - Kosten in Höhe von 255,000 Pfund für die die Gebührenzahler aufkommen). Das ambitionierte Ziel bis 2017 ist, das Budget pro Jahr um insgesamt 20% effektiver auszugeben. Für den Zeitraum der Geschäftsjahre 2013/14 bis 2016/17 sind unter anderem folgende, große Änderungen geplant: Die BBC soll den Service BBC Monitoring und den Hauptanteil an dem walisischen TV-Sender S4C finanzieren, der Breitbandausbau soll mit 150 Mio. Pfund unterstützt werden und der BBC World Service wird von der BBC bezahlt werden. Dies führt voraussichtlich zu Kosten von 1,2 Mrd. Pfund in diesen vier Jahren. Bei der Beschreibung der Wege dieser Umsetzungen wird immer wieder das Mantra verbreitet: Effizienz, Einsparungen, Priorisierung. Bei der Belegschaft kommen diese Maßnahmen naturgemäß nicht gut an: Im Februar 2013 wurde mit vereinzelten Streiks gegen den Personalabbau protestiert. Der Versuch das gesamte BBC-Archiv zwecks Effizienzsteigerung zu digitalisieren entwickelte sich jedoch zum Fiasko. Im Mai 2013 wurde die entsprechende "Digital Media Initiative" nach Kosten von 100 Millionen Pfund ergebnislos abgebrochen. Ex-Chef Mark Thompson, nun bei der New York Times Company, wird sich wegen dem DMI-Debakel in Kürze mal wieder vor einem parlamentarischen Ausschuss verantworten müssen.

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Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2015*

  1. Comcast
  2. Google Inc.
  3. The Walt Disney Company
  4. News Corp. Ltd. / 21st Century Fox
  5. DirecTV, LLC
  6. Viacom Inc./CBS Corp.
  7. Time Warner Inc.
  8. Sony Entertainment
  9. Bertelsmann SE & Co. KGaA
  10. Apple Inc.
  11. Cox Enterprises Inc.
  12. Liberty Media Corp./Liberty Interactive
  13. Dish Network Corporation
  14. Vivendi S.A.
  15. Tencent Holdings Ltd.
  16. Thomson Reuters Corporation
  17. Facebook, Inc.
  18. Rogers Comm.
  19. The Hearst Corporation
  20. Microsoft Corporation
  21. Lagardère Media
  22. RELX Group
  23. Charter Comm. Inc.
  24. Bloomberg L.P.
  25. ARD
  26. Pearson plc
  27. Advance Publications
  28. BBC
  29. Baidu Inc.
  30. Globo Communicação e Participações S.A.
  31. The Naspers Group
  32. Cablevision Systems Corp.
  33. iHeart Media
  34. The Nielsen Company
  35. Discovery Communications
  36. Nippon Hoso Kyokai
  37. Fuji Media Holdings, Inc.
  38. Grupo Televisa
  39. Gannett Co. Inc.
  40. Netflix
  41. Nintendo Company Ltd.
  42. S&P Global
  43. ITV plc
  44. Wolters Kluwer nv
  45. Shaw Communications
  46. Yahoo! Inc.
  47. Mediaset SpA
  48. Asahi Shinbun Company
  49. Activision Blizzard Inc.
  50. Electronic Arts
  51. Axel Springer SE
  52. Amazon.com Inc.
  53. ProSiebenSat.1 SE
  54. France Télévisions S.A.
  55. Graham Holdings Company
  56. Bonnier AB
  57. Nippon Television Holdings
  58. Shanghai Media Group
  59. RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
  60. Quebecor Inc.
  61. Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
  62. Time Inc.
  63. Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
  64. IAC/InterActiveCorp.
  65. Daily Mail & General Trust plc
  66. Bauer Media Group
  67. Univision Communications
  68. Tribune Co./Tribune Publishing
  69. China Central Television
  70. TF1 S.A.
  71. Bandai Namco Holdings Inc.
  72. ZDF
  73. Scripps Networks Interactive
  74. Lions Gate Entertainment Corporation
  75. Hunan Broadcasting System
  76. AOL
  77. Sanoma Group
  78. Schibsted Media Group
  79. Modern Times Group
  80. Georg von Holtzbrinck GmbH
  81. King Digital Entertainment plc
  82. Grupo Planeta
  83. Scholastic Corporation
  84. Egmont Group
  85. Jiangsu Broadcasting Corporation
  86. Ubisoft Entertainment
  87. John Wiley & Sons, Inc.
  88. Grupo PRISA
  89. NOS
  90. SRG SSR
  91. De Agostini Group
  92. Gazprom-Media
  93. RCS Media Group
  94. Seven West Media Ltd.
  95. GungHo Online Entertainment
  96. New York Times Company
  97. Mondadori Group
  98. China Publishing Group
  99. Meredith Corporation
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