44. Axel Springer AG
Umsatz 2008: € 2,720 Mrd.
Überblick
Als größter Zeitungsverlag und zugleich einer der größten Medienkonzerne des Landes stellt die Axel Springer AG eine so traditionsreiche wie machtvolle Institution der deutschen Medienlandschaft dar. Im Geschäftsjahr 2008 setzte sie mit 10.666 Mitarbeitern 2.728,5 Mrd. € um und erfreute sich des "höchsten Ergebnisses der Unternehmensgeschichte".
Rückschritte wie die PIN-Pleite bremsen Springer-Chef Mathias Döpfner kaum bei seiner Strategie mit dem Ziel, "das bestintegrierte Multimediaunternehmen in Europa zu werden". Dank zahlreicher Verkäufe und Zukäufe vor allem im Online-Geschäft kann Springer als der dynamischste deutsche Medienkonzern gelten.
Basisdaten
Hauptsitze:
Axel Springer Haus Berlin
Axel-Springer-Straße 65
10888 Berlin
Telefon: 030-25-91-0
Internet: www.axelspringer.de
Axel Springer Haus Hamburg
Axel Springer Platz 1
20350 Hamburg
Telefon: 040-347-244-99
Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Druckbetriebe, Pressevertrieb, Fernsehsender, Radio, Onlinedienste, TV-Produktion
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1909
2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | 2001 | |
Umsatz Gesamt | 2.728,5 | 2.578 | 2.367 | 2.392 | 2.402 | 2.320 | 2.777 | 2.864 |
Gewinn (Verlust) | 571 | (288) | 291 | 231 | 147,5 | 111,6 | 61 | (198) |
Aktienkurs (in € Jahresende) | 51,39 | 98 | 136 | 108 | 86,00 | 70,00 | 49,20 | 58,00 |
Dividende (pro Aktie in €) | 4,4 | 4 | 1,7 | 3,5 | 1,20 | 1,20 | 0,65 | - |
Beschäftigte | 10.666 | 10.348 | 9.733 | 10.166 | 10.700 | 10.949 | 13.203 | 14.069 |
Jahr | Zeitungen* | Zeitschriften** | Digital | Services |
2006 | 1.092,5 | 498,2 | ||
2007 | 1.073,7 | 483,0 | 6,1 | 76,8 |
2008 | 1.087,1 | 481 | 23,5 | 81,3 |
*inklusive bild.t-online.de, immonet.de, stepstone.de
**inklusive idealo.de
Geschäftsführung
Geschäftsführung/Vorstand (Schlüsselpositionen):
- Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender, Vorstand "Welt"-Gruppe/Regionalzeitungen, Vorstand Internationales
- Rudolf Knepper, Stellv. Vorstandsvorsitzender, Vorstand Technik und Logistik
- Lothar Lanz, Vorstand Finanzen und Dienstleistungen
- Dr. Andreas Wiele, Vorstand "Bild"-Gruppe und Zeitschriften
Aufsichtsrat:
- Dr. Giuseppe Vita, Berlin, Vorsitzender
- Dr. h.c. Friede Springer, Berlin, Stellv. Vorsitzende
- Dr. Gerhard Cromme, Vorsitzender des Aufsichtsrats der ThyssenKrupp AG und Siemens AG, Düsseldorf
- Oliver Heine, Rechtsanwalt, Hamburg
- Klaus Krone, Kaufmann, Berlin
- Prof. Wolf Lepenies, Hochschullehrer, Berlin
- Michael Lewis, Geschäftsführer (CEO) der Oceana Retail Holdings Limited, London
- Dr. Michael Otto, Vorstandsvorsitzender Otto GmbH & Co., Hamburg
- Brian M. Powers, Geschäftsführer (CEO) Investmentgruppe Hellman & Friedman LLC, San Francisco
Gesellschafter: Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH & Co. ( 51.5% ), Axel Springer AG (Eigenbesitz) ( 9.9% ), Deutsche Bank AG ( 8.4% ), Springer, Friede ( 7% ), Hellman & Friedman LL.C. ( 1.6% ), Rest: Streubesitz ( 21.5% )
Geschichte und Profil
Der Axel Springer Verlag geht zurück auf den 1789 gegründeten Druckereiverlag Hammerich & Lesser in Altona bei Hamburg. 1909 erwirbt der Kaufmann Hinrich Springer den maroden Betrieb, der von 1924 an die täglichen „Altonaer Nachrichten" herausgibt. 1941 fällt das Blatt an das NS-Presseimperium. Verlegersohn Axel Cäsar Springer erhält nach Kriegsende eine Lizenz für „Hör zu", die er zur meistgelesenen Programmzeitschrift der Bundesrepublik Deutschland ausbaut. Andere Objekte folgen: 1948 steigt Springer mit dem „Hamburger Abendblatt" in den Zeitungsmarkt ein; 1952 gründet er die „Bild-Zeitung", 1953 erwirbt er von britischen Besatzungsoffizieren „Die Welt". In Berlin kauft sich der rastlose Verleger Ende der 50er Jahre in die Ullstein AG („Berliner Morgenpost", „B.Z.") ein. Nach einem kurzen Gastspiel von nur drei Jahren stößt Springer den erworbenen Zeitschriftenverlag Kindler & Schiermeyer („Eltern", „Jasmin") wieder ab - ganz unter dem Eindruck einer öffentlichen Debatte über die große Springer-Meinungsmacht und über eine Konzentrationsregelung im deutschen Pressewesen. In den 70er Jahren steigt der Presseunternehmer in Regionalblätter und in Spezialzeitschriften ein. Auch ins Fernsehen will Verleger Springer schon früh investieren und 1965 das ZDF kaufen, kann Pläne eines Verleger-TV jedoch nicht vollenden.
Jahrelang hatte Axel Springer mit seinem patriarchalischen Stil die Unternehmenskultur geprägt. Der Verlag fühlte als Familie, die schweren Angriffen zu widerstehen hatte - etwa denen der APO in den 60er Jahren. Damals galt der für eine Wiedervereinigung mit der DDR kämpfende Springer als Symbol eines repressiven Staates.
Nach Axel Springers Tod 1985 brachen im Management Grabenkämpfe aus, von denen sich das Unternehmen lange nicht erholte. Die badische Verlegerfamilie des Senators Franz Burda erwies sich nicht als die gedachte starke Stütze. Burda verkaufte bereits 1988 sein erst 1983 erworbenes Springer-Aktienpaket von knapp 25% wieder an die Springer-Familie, nachdem es zunächst dem Münchner Filmhändler Leo Kirch zufallen sollte. Der hatte im Zuge des Springer-Börsengangs 1985 vorab einen Aktienanteil von 10% erworben, den er anschließend sukzessive ausbaute. Sein Kampf um Springer wurde für einige Jahre zum entscheidenden Thema im Konzern. Wenn die Springer-Spitzenmanager nicht untereinander kämpften, dann mit dem expansionswilligen Großaktionär. Unter Vorstandschef Peter Tamm eskalierte der Konflikt bis hin zu mehreren Gerichtsverfahren. Nach einer Ruhezeit unter den Tamm-Nachfolgern Günter Wille und Günter Prinz, die auf einen „Friedensschluss" zwischen der Springer-Familie und Kirch von Ende 1990 zurückgeht, ging Jürgen Richter, Springer-Vorstandsvorsitzender 1994 bis 1997, wieder voll auf Konfrontation zu Kirch. Er übernahm die Mehrheit an Sat.1-Gesellschafter Aktuell Presse Fernsehen (APF) und erhöhte sein Gewicht in dem von Kirch beherrschten Sender Sat.1: Springer disponierte schließlich über 40% des Kapitals und vier von acht Aufsichtsratsstimmen. Nach trickreichen Gegenattacken Kirchs musste Richter seinen Posten räumen.
Seit Mitte der 80er Jahre bringt das Verlagsmanagement immer neue Ableger der „Bild"-Zeitung, von „Bild der Frau" bis „Sport-Bild" heraus, und investiert zusehends im Ausland. Im Fernsehgeschäft beteiligte sich der Verlag zunächst im Schatten von Kirch an Sat.1 und dem Deutsches Sport-Fernsehen (DSF) sowie an der Sportrechte-Agentur ISPR. Ende 1996 konsolidiert Springer sein TV-Geschäft: Die verlustreiche DSF-Beteiligung wird verkauft, die Sat.1-Beteiligung aufgestockt. 1998 kommen etliche Beteiligungen an Produktionsfirmen hinzu: So will der Verlag TV-Inhalte an Sat.1 liefern, wo Springer inzwischen für den journalistischen Part zuständig ist, die Führung aber an Kirch abgetreten hat. Schließlich einigen sich die ungleichen Partner im Sommer 2000, dass Springer seine Sonderposition bei Sat.1 aufgibt und dafür 11,5 Prozent an der neuen Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media AG erhält - verbunden mit dem Recht, dieses Aktienpaket spätestens im Februar 2002 für 767 Millionen € an Kirch zu verkaufen.
Genau davon macht Mathias Döpfner, seit 2002 Springer-Vorstandsvorsitzender, Gebrauch. Das hat unter anderem die Insolvenz der Kirch-Gruppe zur Folge. Unter Döpfner befreit sich der Verlag nicht nur von der Last des Leo Kirch, auch die Bilanz, die 2001 noch riesige Verluste ausgewiesen hat, bessert sich. Döpfner investiert in ausländische Publikationen, vornehmlich in Osteuropa, wo Springer in Polen die Boulevardzeitung „Fakt“ und in Russland eine Lizenzausgabe von "Forbes" gründet. Im Mai 2004 scheitert die versuchte Übernahme der Londoner Zeitungsgruppe rund um den „Daily Telegraph“.
Eine schwere Niederlage erlitt Döpfner Anfang 2006, als das Bundeskartellamt die im Zusammenspiel mit dem ProSiebenSat.1-Großaktionär Haim Saban ausgehandelte Mehrheitsübernahme des Münchner TV-Konzerns zum Preis von 2,45 Mrd. Euro untersagte. Diese Entscheidung war von einer großen öffentlichen Debatte über die zunehmende Meinungsmacht des Axel-Springer Konzerns begleitet. Das letzte Wort ist weiterhin nicht gesprochen. Im Januar 2009 kündigt Springer an, in dieser Frage vor den Bundesgerichtshof zu ziehen.
Management
Mathias Döpfner
An der Spitze des Vorstands steht seit Anfang 2002 Mathias Döpfner. Der promovierte Musikwissenschaftler, Jahrgang 1963, wurde 1982 Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. 1992 wechselte er als Vorstandsassistent zu Gruner + Jahr, bevor er die Chefredaktionen der Blätter „Wochenpost", „Hamburger Morgenpost" und „Die Welt" leitete. Bei Springer löste er August Fischer ab, der mit einer Expansion im Ausland und bei elektronischen Medien gescheitert war.
Döpfner ist als Manager weitaus erfolgreicher als bei seinen vergangenen Engagements als Chefredakteur. Nachdem der sehr kurzzeitige Einstieg ins Postgeschäft dem Konzern 2007 einen Fehlbetrag in Höhe von 288,4 Mio. Euro beschert, folgt im Geschäftsjahr 2008 der höchste Jahresüberschuss seit Gründung des Unternehmens.
Im Kontext der Geschichte des Springer-Konzerns ist bemerkenswert, wie Döpfner seit 2006 immer wieder den Dialog mit prominenten Kritikern des Konzerns sucht, etwa Günter Grass (siehe "Spiegel"), der seit 30 Jahren Springer-Publikationen boykottiert. Döpfner erklärt sich zu „einer selbstkritischen Revision“ der Rolle des Verlags anno 1968 bereit, sofern auch die damaligen Gegner „über die inhaltlichen Verirrungen der 68er Bewegung“ diskutieren. Dieses fordernde Entgegenkommen wird von den Angesprochenen nicht unbedingt ernstgenommen, wie auch das scheiternde "Springer-Tribunal 2009" zeigte: Im Licht der Erkenntnis, dass der West-Berliner Polizist, der 1967 den demonstrierenden Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat, ein Stasi-Agent war, fordern Döpfner (und "Welt"-Chefredakteur Thomas Schmid) Entschuldigungen für "Enteignet Springer"-Forderungen anno 1967/ 68 (siehe z.B.: "Springer ist Unrecht widerfahren"/ Döpfner im "FAS"-Interview; Entgegnung Hans Leyendeckers in der "SZ"). Im Juli kündigte der Verlag an, das "Springer-Tribunal", wie es 1968 die damaligen Gegner des Konzerns planten, nachzuholen. Im August erfolgte die Absage des Vorhabens ("68er verweigern Dialog"; zum Echo siehe z.B. "Altpapier" zur Ankündigung, zur Absage).
Auch sonst will Döpfner dem Haus ein liberales, offenes Image vermitteln. Sein Ziel, den Konzern bis 2010 zum kundenfreundlichsten Medienhaus Europas zu machen, passt ins Bild. Zwar wird der propagierte interne Meinungspluralismus immer wieder auf die Probe gestellt (wie etwa die Posse um Kritik, die der „Welt“-Redakteur Alan Posener 2007 in seinem Blog an "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann übt; siehe Bildblog). Doch erweisen sich der Konzern und seine Spitzen als lernfähig. Inzwischen bloggt Diekmann selbst und "erweckt geschickt den Eindruck, er sei vielfacher Landesmeister in den Disziplinien Selbstkritik und Selbstironie", muss selbst das Bildblog konzedieren.
Vor allem schieden sich die Geister an der medienübergreifenden Expansionspolitik ins Fernsehen. Kritiker befürchten eine Gefährdung der Meinungsvielfalt. Im Zusammenhang mit der (Springer verbotenen) Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG durch die ausländischen Finanzinvestoren Permira und KKR wurden jedoch wieder Stimmen laut, die für einen Verbleib dieser Fernsehsender in deutscher Hand plädierten. Die Frage der Meinungsmacht privater Medienkonzerne dürfte die Unternehmensstrategie des Berliner Verlagshauses auch in Zukunft nachhaltig beeinflussen.
Rudolf Knepper
Rudolf Knepper ist seit 34 Jahren im Springer-Konzern tätig. Zuvor war er unter anderem Assistent des Geschäftsführers Technik, Technischer Direktor der Hamburger Druckerei und Leiter des Produktionsbereiches Zeitung. Seit 2002 ist Knepper stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Vorstand der Bereiche Technik und Logistik. Zudem ist er seit 2006 stellvertretender Präsident des Bundes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).
Obwohl Knepper als treibende Kraft hinter dem erfolglosen Einstieg beim Postanbieter PIN gilt, ist seine Position unangefochten. 2009 wurde sein Vertrag "auch über den Zeitpunkt der Vollendung seines 65. Lebensjahres hinaus" verlängert.
Andreas Wiele
Andreas Wiele war vor seiner Tätigkeit beim Springer-Konzern Redakteur der „Hamburger Morgenpost“ und Anfang der 90er Jahre Verlagsleiter der Magazine „Capital“ und „Geo“. Bevor er im Jahr 2000 den Posten des Vorstandes für Zeitschriften und Internationales beim Springer-Konzern bekleidete, war er Executive Vice President und Chief Operating Officer beim Verlag Gruner + Jahr. Wiele gilt neben Döpfner als treibende Kraft hinter der Online-Expansion des Unternehmens. Er ist zudem seit 2007 Aufsichtsratsvorsitzender des Onlinewerbespezialisten Zanox.de AG.
Ab dem 1. Januar 2008 wird Wiele zudem neuer Super-Vorstand der „Bild“-Gruppe. Er löst damit Christian Nienhaus ab, der zuvor Vorsitzender der Verlagsgeschäftsführung der Zeitungsgruppe war. Künftig verantwortet Wiele außer der Zeitungsgruppe auch den Online-Auftritt der „Bild“-Zeitung und die zuvor dem Zeitschriftenbereich zugehörigen Titel wie „Auto Bild“ und „Computer Bild“.
Lothar Lanz
Im März 2009 wurde die vorzeitige Ablösung des Finanz-Vorstands Steffen Naumann (der 2001 von Bertelsmann zu Springer gekommen war und bei Döpfners Umstrukturierung des Konzerns eine Schlüsselrolle spielte) bekannt, kurz darauf die Verpflichtung Lothar Lanz' als neuer Vorstand für Finanzen und Dienstleistungen. Dass Lanz zuvor langjähriger Finanzvorstand bei ProSiebenSat.1 war, befeuerte die immer wiederkehrenden Spekulationen, Springer könnte doch noch groß ins deutsche Fernseh-Geschäft einsteigen - zumal Lanz auf Seiten des Fernseh-Konzerns schon am gescheiterten Fusionsvorhaben beteiligt war.
Friede Springer u.a. Gesellschafter
Die Mehrheit der Aktien liegt bei den Erben des Verlegers Axel Cäsar Springer. Der Verlegerwitwe Friede Springer, der stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats, werden die Stimmrechte von 55% plus 10 Aktien zugerechnet (5% Eigenbesitz sowie die Stimmrechte der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH die ihrerseits über 50% der Aktien der Axel Springer AG verfügt). Daneben sind nur noch die Springer-Enkel Ariane und Axel Sven mit kleinen Anteilen dabei, die aber in Zukunft ausgezahlt werden dürften. Die Kinder des Gründers wurden bereits mit dicken Geldbeträgen abgefunden. Die Anteile der Münchner Kirch-Gruppe, die bis Mitte 2002 mit 40,05% beteiligt war, sind auf Friede Springer, die Axel Springer AG selbst und die US-amerikanische Finanzgesellschaft Hellman & Friedman übergegangen. Der Rest ist Streubesitz bei über 1.000 Aktionären.
Ende 2006 platzierte Hellman & Friedmann 10% seines Aktienpakets an der Börse, um die Liquidität des Konzerns insgesamt zu erhöhen. Das geringe frei handelbare Aktienvolumen der Axel Springer AG galt bis dato als eines der Haupthindernisse für eine dauerhafte Wertsteigerung der Verlagsaktien. Der Einfluss des Finanzinvestors hat sich dadurch reduziert. Im Dezember 2008 reduzierte Hellman & Friedman seine Beteiligung von zuletzt 9,9 Prozent weiter auf rund 1,6 Prozent, während die Deutsche Bank ihre auf insgesamt rund 8,4 Prozent erhöhte. Die Bank kündigte an, diese Aktien in einem erholten Kapitalmarktumfeld mittelfristig breit im Markt zu platzieren.
Geschäftsfelder
Zeitungen
Der Axel Springer Verlag ist das wichtigste deutsche Zeitungshaus. Seine Macht rührt hauptsächlich von der „Bild"-Zeitung her, die täglich im Durchschnitt rund 3,2 Mio. Exemplare verkauft und Stimmungen im Volk boulevardesk reflektiert. Kaum ein Politiker glaubt, bei seiner PR-Arbeit auf „Bild" verzichten zu können. Die Cashcow „Bild“ sowie erfolgreiche - bis zur bundesweiten Einführung der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ 2001 - konkurrenzlose Sonntagszeitungen („Bild am Sonntag“, „Welt am Sonntag“, das Wirtschaftsblatt „Euro am Sonntag") begründen die Sonderstellung Springers im deutschen Pressemarkt. Im Segment "Zeitungen National" sank der Umsatz von 1.290,3 Mio. (2007) auf 1.277,6 Mio. Euro (2008).
Das Flaggschiff "Bild"-Gruppe - seit März 2008 nicht mehr in Hamburg, sondern mit den wichtigsten Redaktionen in Berlin ansässig - ist zwar für 70 Millionen Euro Gewinn gut, gleichwohl sinken die Auflagen kontinuierlich. Durch Beteiligung der Leser an der inhaltlichen Gestaltung des Blattes („Bild-Leser-Reporter“) versucht das Management seit 2006 auf presserechtlich umstrittene Weise dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Ende 2008 brachte das Blatt gemeinsam mit der Discounter-Kette Lidl (über deren Praxis der Mitarbeiter-Überwachung 2008 vielerorts, nicht aber in "Bild" kritisch berichtet worden war) eine preiswerte Videokamera für Leserreporter auf den Markt (siehe "carta.info"). 2009 folgt die "User Generated Advertising“-Aktion "BILD dir deine Werbung", bei der Leser aufgerufen sind, Print- und Plakatanzeigen sowie für Werbespots für die "Bild"-Zeitung einzureichen. Das Ergebnis brachte dem Blatt ein Lob des viel zitierten Internet-Experten Jeff Jarvis ("Was würde Google tun?") ein.
Im Februar 2008 vermeldete Springer stolz, dass die um die traditionell verlustreiche Tageszeitung „Die Welt" angesiedelte "Welt"-Gruppe (mit "Welt kompakt", "Welt am Sonntag", "Welt Online") "erstmals schwarze Zahlen" schreibt. Sogleich verkündete Mathias Döpfner das "nächste Zehn-Jahres-Projekt" für die "blaue Gruppe": "Wir wollen die publizistisch und wirtschaftlich erfolgreichste Gruppe werden.“ Im April 2008 übernahm der bisherige "Welt"-Chefredakteur Thomas Schmid die "redaktionelle Gesamtverantwortung aller 'Welt'-Titel". Der kurz zuvor als Chefredakteur der (mittlerweile eingestellten) deutschen "Vanity Fair" ausgeschiedene Ulf Poschardt wurde stellvertretender Chefredakteur der "WamS". Der bisherige Träger der redaktionellen Gesamtverantwortung für die "Welt"-Gruppe, Christoph Keese, wird zum "Konzerngeschäftsführer Public Affairs" der Axel Springer AG. In dieser Funktion soll er Lobbyarbeit gegen womöglich drohende Werbeverbote und für weitere Expansion des Konzerns leisten. Die "taz" dazu: "Vielleicht kann man es so sagen: Keese wird hochdegradiert". In den Lobbydebatten des Jahres 2009 wirkt Keese dann prominent mit.
Aus dem lange als wichtig angesehenen Geschäft mit Regional- und Lokalzeitungen bleibt allein das "Hamburger Abendblatt" als bedeutender Titel, nachdem die "Berliner Morgenpost" weitgehend mit der "Welt"-Gruppe verschmolzen wurde und die Zeitungsbeteiligungen 2009 in zwei Etappen verkauft wurden: Zunächst gingen Springers Anteile an der "Leipziger Volkszeitung" (50 Prozent), den "Lübecker Nachrichten" (49 Prozent), den "Kieler Nachrichten" (24,5 Prozent), der Verlagsholding "Hanseatische Verlags-Beteiligung" (23 Prozent) sowie mittelbar Springers 50-Prozent-Anteil an der Rostocker "Ostsee-Zeitung" für 310 Mio. Euro an die Verlagsgruppe Madsack.
Wenig später verkaufte der Konzern die "Elmshorner Nachrichten" sowie die 23,44-prozentige Beteiligung am "Pinneberger Tageblatt" an den "Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag" (SHZ). Auch wenn die Kartellgesetze stets größere Zukäufe verhindert hatten, kam dieser Ausstieg überraschend, war doch der frühere "BamS"-Chefs Claus Strunz wurde, als er 2008 auf den Chefredakteurs-Posten des "Hamburger Abendblatts" 2008 wechselte, auch zum "Sprecher eines neu gegründeten Chefredakteur-Gremiums, das die Zusammenarbeit der Regional- und Abozeitungen koordiniert", ernannt worden. Da hat sich Koordination nun weitgehend erübrigt.
Zeitschriften
Auch aus dem generell schrumpfenden Geschäft mit deutschen Zeitschriften zieht sich der Verlag sukzessive zurück.
Zwar gelang Springer 2004 im traditionell wichtigen Segment Programmpresse („Hörzu", „Funk Uhr", „TV neu") mit „TV Digital“ eine der erfolgreichsten Neugründungen überhaupt. Die Auflage stieg 2008 auf mehr als zwei Millionen Exemplare, verlor allerdings im zweiten Quartal 2009 erheblich, "u.a. durch auslaufende Kooperationen mit Premiere/Sky" (meedia.de). Ebenfalls 2004 wurden die in den 90er Jahren gestartete Frauenzeitschrift „Allegra" eingestellt und das „Journal für die Frau“ an Burda verkauft (und ebenfalls eingestellt). 2008 bündelte der Verlag seine Frauen-, Jugend- und Musikzeitschriften in der neuen Verlagsgruppe "Frauen, Jugend und Musik", wobei die Standorte Hamburg (Frauenzeitschriften wie "Bild der Frau") und München mit Jugend- und Musikzeitschriften zunächst bestehen blieben. Doch wurden der Männer-Titel "Maxim" an die Marquard-Gruppe abgegeben, die zuletzt monatlich erschienene "Yam" 2009 eingestellt und dann auch die Münchener Dependance, Axel Springer Mediahouse, mit Titeln wie „Jolie“ und "Mädchen" sowie der 50-prozentige Anteil am bisherigen Gemeinschaftsunternehmen Family Media (u.a. "Familie&Co") an den OZ-Verlag, Rheinfelden, verkauft.
Außerdem legte Springer 2009 mit "geringen Anpassungen im Personalbereich" die Redaktion der "Frau von Heute" mit der der "Bild der Frau" zusammen.
Die Münchener Musiktitel ("Rolling Stone", "Musikexpress", "Metal Hammer") bleiben unter Zuständigkeit der "Welt"-Gruppe in Berlin und Ulf Poschardts als Herausgeber im Verlag. Zum Angebot gehören erfolgreichen „Computer Bild" und „Auto-Bild" mit zahlreichen internationalen Lizenzausgaben, „Sport-Bild", „Bild der Frau", der Wirtschaftsverlag Finanzen (Euro, Euro am Sonntag) sowie Spezialzeitschriften („Tennis-Magazin", „Fliegenfischen") der Tochter "Jahr Top Special Verlag".
Zusammengenommen stehen die deutschen Zeitungen und Zeitschriften 2008 für 70 Prozent des Springer-Umsatzes. Auf vielen kleinen Baustellen arbeitet der Konzern an weiterer Erhöhung der Profitabilität - sei es, dass Artikeltausch-Modelle für konzerneigenen Blätter entwickelt werden, sei es 2009 in der heftigen Auseinandersetzung der Verlage mit den Grossisten (in der Springer mit der "Bild"-Zeitung viel Gewicht besitzt).
Onlineangebote
Von der Konzernspitze als Wachstumsmarkt identifiziert, setzt der Konzern vehement auf eine Digitalisierung journalistischer Inhalte und Dienstleistungen und investiert Einnahmen aus Verkäufen im Print-Bereich in dieses Geschäftsfeld. 2008 hatten Internetangebote 14 Prozent Anteil am Umsatz, diese Marke soll in zehn Jahren auf 50 Prozent steigen.
Nachdem bild.de zunächst als Joint Venture mit T-Online erfolgreich positioniert wurde, übernahm der Verlag zum 1.1. 2008 die bisher von der Deutsche Telekom gehaltenen 37 Prozent und wurde zum alleinigen Gesellschafter. Seit Januar 2009 erreicht "bild.de" laut IVW monatlich mehr als eine Milliarde Page Impressions, im zweiten Quartal 2009 verzeichnete es 5,59 Millionen Unique User. Auch wenn nach der Zähleinheit der Visits "Spiegel Online" noch vorne liegt, sieht sich das Angebot "unter den Nachrichten-Angeboten deutschlandweit auf Platz 1" im Internet. Es wird zusehends mit Bewegtbildern (wie der von MME "in Kooperation mit dem Reichweitenpartner 'Bild', dem Fashion-Partner Otto und dem Musik-Partner Warner Music" produzierten Web-Serie "Dear Lucy" umrahmt. Seit 2009 zählt mit Klaus Ebert ein "Programmdirektor Bewegtbild" zur 'Bild'-Chefredaktion". Auch eine "Widget-Offensive" mit Applikationen etwa für das iPhone und das Netzwerk Facebook trägt zur Reichweite bei.
Mit "Bild"-App und "Welt"-App als (moderat) kostenpflichtigen Applikationen für das i-Phone des US-Konzerns Apple, versucht Springer unter großer Beachtung der Branche im Dezember 2009 im Kampf gegen die Gratiskultur des Internet voranzupreschen.
Während er sich von diversen Presse-Aktivitäten verabschiedet, erwirbt der Konzern laufend Online-Unternehmen - so die Preissuchmaschine Idealo im Juli 2006, und 2007 Anteile an der ZANOX.de AG (seit 2009 hält Springer 52,5 Prozent, den restlichen Anteil hält die PubliGroupe AG, Lausanne), die Wohnungsfinder AG und die wallstreet:online AG (2009 hält Springer 75,01 Prozent). Ferner übernahm der Konzern im Dezember 2006 die Minderheitsbeteilung des Immobilienverbands IVD an der Immonet GmbH und wurde alleiniger Gesellschafter. Die mehrheitliche Übernahme der französischen Webseite auFeminin.com - Springer zufolge "Europas führende Online-Plattform für die weibliche Zielgruppe" (deutsche Version: gofeminin.de) - wurde von Beobachtern als überteuert gewertet; für 2009 verkündete Döpfner jedoch eine operative Ergebnismarge von 38,5 Prozent. Ab 2010 wird die goFeminin.de GmbH Betrieb und Vermarktung von bildderfrau.de übernehmen.
2009 übernahmen Springer und sein Zanox-Partner PubliGroupe 50,1 Prozent der Anteile am britischen Affiliate-Netzwerk "Digital Window" mit rund 100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz "von mehr als 40 Millionen Euro". Allein übernahm Springer die Mehrheit an der norwegischen StepStone ASA (Umsatz 2008: 123,5 Mio. EUR). Nach einem öffentlichen Übernahmeangebot an die freien Aktionäre hält der Konzern 87,8 Prozent am Betreiber der gleichnamigen internationalen Jobbörse. Bislang war er Minderheitsgesellschafter sowie Partner des deutschen StepStone-Portals.
Weitere Ausdrücke der Digitalisierungsoffensive sind zum Beispiel die Gründung der Axel Springer Digital TV GmbH (2006), die Bewegtbildinhalte für digitale Medienangebote, vor allem das Internet produzieren und vermarkten soll, und die Errichtung des größten integrierten Newsrooms Deutschlands für die Zeitungsgruppe „Die Welt/Berliner Morgenpost“ im November 2006. 2007 gaben der unter Arcandor firmierende ehemalige Karstadt-Quelle-Konzern und die Axel Springer AG den Startschuss für ihr Internet-Handelsportal „Myby“. Das Portal sollte "zum führenden Elektronik-Online-Fachmarkt im deutschen Internet werden", was bis zur Arcandor (Karstadt-)Insolvenz 2009 freilich nicht gelang.
Fernsehsender/Fernsehproduktion
Zum Jahreswechsel Ende 2007/ 2008 beendete die Springer AG ihr Engagement auf dem deutschen Fernsehmarkt vorerst. Der Zwölf-Prozent-Anteil an ProSieben Sat.1 wurde im Januar 2008 für rund 500 Millionen Euro an die Hauptgesellschafter der Sendergruppe, die Private-Equity-Firmen KKR und Permira, verkauft. Döpfner und "Bild"-Verlagsgeschäftsführer Christian Nienhaus legten ihre Mandate im ProSiebenSat.1-Aufsichtsrat nieder. Einen Zusammenhang zwischen dem kurz zuvor beim Ausflug in das Post-Geschäft mit dem Erwerb der "PIN" vernichteten Kapital wies Döpfner zurück.
Springer hält 27 Prozent am Lokalsender Hamburg 1 und besitzt die Produktionsfirma Schwartzkopff TV. Prinzipielles Interesse an einem Einstieg in den deutschen Free-TV-Markt wird dem Unternehmen weiterhin nachgesagt und von ihm auch bekundet.
Radio
Im Hörfunk ist Springer direkt beteiligt an der Radio Hamburg GmbH (25%), der Antenne Bayern Hörfunkanbieter GmbH (16%), der Radio/Tele FFH GmbH (10,3%), der Stuttgart Regional Hörfunk GmbH (10,3%) sowie der Regiocast GmbH (k.A.). Dadurch kann der Konzern auf eine Vielzahl von Radioprogrammen Einfluss nehmen, u.a. auf die großen landesweiten Sender Radio Schleswig-Holstein, Radio Hamburg, Radio ffn in Niedersachsen, Radio FFH in Hessen, Antenne Bayern, Antenne 1 und Radio NRW u.v.m.
Sonstige
Im Buchgeschäft engagiert sich Springer allein über die Verlagstochter Ullstein GmbH. Den Heyne-Verlag übernahm Bertelsmann (Mediendatenbank), die anderen Firmen der Econ-List-Gruppe übernahm der schwedische Bonnier-Konzern. Romanheftchen erscheinen im Cora-Verlag, der jährlich über 30 Reihen mit mehr als 700 Ausgaben veröffentlicht.
Verkauft wurden auch Grundstücke und eine Mehrheits-Beteiligung an der Tiroler Landeszeitung. Die eigenen Tiefdruck-Aktivitäten wurden in eine gemeinsame Firma mit Bertelsmann ausgelagert, die Prinovis Ltd. & Co. KG. Bei den elektronischen Medien kommt über AS Interactive der Computel-Telefonservice für 0190er-Nummern hinzu. Unter großem Werbeaufwand brachte der Konzern Mitte Oktober 2007 über die "Bild"-Zeitung einen eigenen Mobilfunktarif auf den Markt.
2007 sorgten der Einstieg ins Briefzustellgeschäft sowie der noch überraschendere Ausstieg für viel Aufsehen. Im Juni erwarb Springer für rund 510 Millionen Euro von den Miteigentümern "WAZ", Holtzbrinck und der luxemburgischen Beteiligungsgesellschaft Rosalia die Mehrheit am Post-Dienstleister PIN AG. Als sich im November die Einführung eines Postmindestlohns abzeichnete, ruderte Döpfner zurück. Zwar startete die „Bild“-Zeitung eine Kampagne gegen den Mindestlohn (nachdem sie Monate zuvor noch gegen so genannte „Hungerlöhne“ mobil gemacht hatte), doch ohne Wirkung. Döpfner, der gern in Superlativen spricht, bezeichnete das Scheitern der Pin AG als „schwerste Niederlage“ seines Lebens, wollte aber keine Managementfehler erkennen.
Mir einer 2009 eingereichte Klage gegen den Insolvenzverwalter der Pin Group wollen Springer, die WAZ und Holtzbrinck erreichen, dass bei der Verteilung der Insolvenzmasse statt des deutschen das luxemburgische Recht angewendet wird, demzufolge Gesellschafterdarlehen gleichrangig behandelt werden.
Engagement im Ausland
Die Axel Springer AG ist in Europa, Russland und der Türkei unternehmerisch tätig. Im Jahr 2008 verlegt der Konzern mehr als 140 Zeitungen und Zeitschriften in 35 Ländern, in eigenen Tochterfirmen oder als Lizenzausgaben unter fremdem Vertrieb. Das Segment "Print International" erwirtschaftete 15 % des Gesamtumsatzes.
West- und Mitteleuropa
Die Aktivitäten des Springerverlags in West- und Mitteleuropa konzentrieren sich auf die Schweiz und Frankreich. Durch die Übernahme der Jean Frey AG 2007 verlegt der Konzern in der Schweiz außer der „Handels-Zeitung" zwei Wirtschaftszeitungen, fünf Zeitschriften und drei weitere Zeitschriften („Beobachter“, „Bilanz“, „TV-Star“). 2007 folgte die Übernahme von vier weiteren Schweizer Blättern (u.a. „Tele“, „TVVier“) vom Verlag Ringier.
In Frankreich ist der Konzern bisher mit lediglich drei verlegten Zeitschriften im Vergleich zu anderen Länder schwach auf dem Printmarkt vertreten. 2007 wurde das Projekt eines angekündigten Ablegers der „Bild“-Zeitung, für den 120 Mio. Euro Investitionskosten eingeplant waren, überraschend aufgegeben. Das fragmentierte französische Distributionssystem, das strenge Persönlichkeitsrecht und nicht zufrieden stellende Resonanz bei mehreren Nullnummern hätten den Ausschlag gegeben.
In Spanien umfasst das Engagement des Verlags 16 Zeitschriften (2008).
Osteuropa und Russland
Osteuropa bildet den Schwerpunkt der internationalen Springer-Aktivitäten. In Ungarn sieht sich der Konzern als "mit über 30 Zeitschriften und zehn Zeitungen" größter Verlag des Landes.
Noch größer wurde das Engagement in Polen. Axel Springer Polska bringt die auflagenstarke überregionale Tageszeitung "Fakt" (über 500.000 Exemplare), eine Sporttageszeitung sowie zehn Zeitschriften (darunter eine "Newsweek"-Lizenzausgabe) heraus. Die 2006 zunächst erfolgreich eingeführte Qualitätszeitung "Dziennik" verkaufte Anfang Februar 2009 durchschnittlich nur noch weniger als 90.000 Exemplare, nachdem es ein Jahr zuvor noch 157.000 waren. Im Herbst 2009 geht die im Joint Venture "Infor Biznes" mit dem Wirtschaftsverlag Infor PL auf, an dem Springer lediglich 49 Prozent hält. Die Mitteilung, dass "Dziennik" und die von Infor PL publizierte Wirtschaftstageszeitung "Gazeta Prawna" werden "zu einer neuen Qualitätstageszeitung zusammengeführt", was sich auch so lesen lässt, dass Springer seine "polnische Qualitätszeitung einstellen" muss ("Standard"/ APA). Wie in Deutschland, so scheiterte Springer auch in Polen mit dem Versuch, in den Fernsehmarkt einzusteigen, an der Wettbewerbsbehörde.
In Tschechien gehören sieben Zeitschriften dem Springerverlag, in Rumänien ist Springer mit 40 Prozent am Joint Venture Edipresse AS Romania beteiligt.
In Russland verlegt Springer Lizenzausgaben der Zeitschriften „Forbes“ und „Newsweek“ - die Kooperation mit Forbes wurde 2008 bis "mindestens 2020" verlängert und soll um Line-Extensions erweitert werden -, einen russischen Ableger der „Computer BILD“ und mit „OK!“ ein People-Magazin (beide seit 2006). Ende 2009 übernahm der Konzern das Russland-Geschäft des deutschen Rivalen Gruner+Jahr, der sich aus dem Markt zurückzog, und erweiterte sein Portfolio an Lizenzausgaben um Titel wie "Geo", "Gala Biografia" und "Geo Traveller" sowie Internetportale.
Türkei
Zu einem endlosen Hin und Her entwickelt sich der erstmals Ende 2008 verkündete Einstieg Springers bei der Dogan Yayin Holding. Zur führenden türkischen Mediengruppe, die 2007 einen Umsatz von etwa zwei Mrd. USD erwirtschaftete, gehören Zeitungen wie "Milliyet" und die - auch in Deutschland präsente - "Hürriyet". Da Springer zugleich 5,1 Prozentpunkte seiner erst 2006 zum stolzen Preis von 375 Mio. Euro. erworbenen 25-Prozent-Beteiligung an der Dogan TV-Gruppe wiederum an die Dogan Yayin Holding verkaufte, sollten "letztendlich 30 Mio. Euro an Springer zurück" fließen ("FTD"). Helmut Thoma, der langjährige RTL-Geschäftsführer, sollte für die Deutschen in den Verwaltungsrat der Dogan Yayin Holding einziehen.
Doch wurde gerade dieses komplizierte Geschäft einer der Anlässe für gewaltige, insgesamt umgerechnet mehr als zwei Mrd. Euro umfassende Strafzahlungen, die die türkische Regierung dem Dogan-Konzern auferlegte. Tatsächlicher Hintergrund dürften politische Auseinandersetzungen zwischen der islamistischen Regierungspartei AKP des Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan und der säkularen Opposition sein, zu der Dogan gerechnet wird (siehe "taz"/ Februar 2009; "FR"/ September '09). 2009 kündigte der Konzern erneut einen Einstieg bei Dogan - und kurz darauf erneut einen Rückzug von diesem Plan an (ftd.de). Einstweilen bleibt er allein an Dogan TV beteiligt.
Aktuelle Entwicklungen
Im ersten Geschäfts-Halbjahr 2009 blieb die Axel Springer AG erwartungsgemäß hinter den Rekordwerten des Vorjahres zurück. Der Konzernumsatz lag mit 1.254,8 Mio. Euro um 6,6 Prozent unter dem Wert des Vorjahreswert. Die Werbeerlöse sanken insgesamt um 13 Prozent auf 541,5 Mio Euro, vor allem im Zeitschriftengeschäft (minus 22,1 Prozent), aus dem sich der Konzern konsequenterweise weiter verabschiedete. Bei den digitalen Medien stiegen die Werbeerlöse um 15,1 Prozent (auf 145,4 Mio. Euro). Die Entwicklung setzte sich über das dritte Quartal fort. Der Superlativfreund Mathias Döpfner sprach davon, den "tiefsten Punkt des Tales" (der Medienkrise) hinter sich gelassen zu haben.
Auch jenseits des Geschäftlichen sorgt der umtriebige Springer-Chef stets gern für Debatten, etwa in der 2009 besonders virulenten Diskussion über Zeitungen und Internet. Döpfners Äußerungen bei der Unterzeichnung der von (zunächst) sechs Verlagen unterzeichneten "Hamburger Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums" im Juni 2009 wie "Lieber gar keine Presse als eine staatlich subventionierte" und "Das Copyright ist der Copypreis der Zukunft" werden gern und breit zitiert. Später wurde die Erklärung von zahlreichen weiteren nationalen und internationalen Verlagen sowie den Verlegerverbänden WAN-IFRA und EPC unterschrieben und der EU-Kommission überreicht.
In unabhängigen Internet-Communitys erregte sie allerlei Kritik (Stefan Niggemeier: "Hamburger Bankrott-Erklärung"). Gespannt erwartet wird nun die Gesetzesform, in die die neue Bundesregierung das vor allem von Springer eingeforderte, den Verlegern versprochene Leistungsschutzrecht gießen wird.
Im von deutschen Verlegern 2009 entschlossen diskutierten, vorerst weniger entschlossen in die Tat umgesetzten Kampf gegen die Gratiskultur des Internet setzte sich Springer unter anderem mit seinet kostenpflichtigen "App" (Applikation) der "Bild"-Zeitung für das iPhone an die Spitze. Bei der geplanten Einführung von Bezahlinhalten sichert sich der Konzern mit Pathos ("Hamburger Abendblatt", 15.12.2009: "Vielleicht ist es aussichtslos. Vielleicht ist es selbstmörderisch. Vielleicht ist es auch unverschämt. Doch vor allem ist es eins: Es ist alternativlos") zumindest eine Pionierrolle.
Im März 2010 wird der frühere Ebay-Manager Philipp Justus Vorstandsvorsitzender der Springer-Tochter Zanox. Der Mediendienst meedia.de sieht "die international wohl profilierteste deutsche <dfn>Web</dfn>-Führungskraft" bereits als "neuen Kronprinz" im Konzern.
Nachdem eine 2009 verhängte Veranstaltungspause des - eigentlich mit öffentlichkeitswirksamen Empfängen und Galas wie der Verleihung der "Goldenen Kamera" keineswegs geizenden - Konzerns im Dezember mit der von Thomas Gottschalk fürs ZDF moderierten, von der "Bild"-Zeitung iniitierten Gala "Ein Herz für Kinder" endete, will Springer 2010 gar in Herne im Ruhrgebiet eine "Veranstaltungsstadt" unter den Logos der "Bild"-Markenfamilie errichten ("Erleben Sie Ihr rotes Wunder!").
Links
Informationen des Unternehmens:
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» Geschäftsbericht 2008
Presseberichterstattung:
- Handelsblatt: Stepstone - Axel Springer poliert seine Bilanz auf (04.09.2009)
- FAZ: Mathias Döpfner - „Bild.mobile auf dem iPhone muss bezahlt werden“ (14.08.2009)
- Der Spiegel: Springer will Geld für Onlinejournalismus (13.08.2009)
- Manager Magazin: Umsatzrückgang - Werbeflaute trifft Springer (06.08.2009)
- Der Spiegel: Springer lädt 68er zum Tribunal (02.07.2009)
- Süddeutsche Zeitung: Im Zweifel Stasi (13.06.2009)
- netzeitung.de: „Bild“ zieht nach Berlin (17.03.2008)
- Süddeutsche Zeitung: Höhere Vorstandsgehälter – Schlechter Stil (12.03.2008)
- FAZ: Mathias Döpfner - Der Verlierer (16.12.2007)
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