25. ARD

Umsatz 2013: € 6,284 Mrd.

Überblick

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Die ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) ist hinter der britischen BBC das zweitgrößte öffentlich-rechtliche Medienunternehmen der Welt. Seine Einnahmen aus Rundfunkgebühren und Werbung übersteigen die Budgets der meisten kommerziellen Medienkonzerne im klassischen Fernseh- und Hörfunkgeschäft. Doch ist es innerhalb des ARD-Konglomerats umstritten, ob der Zusammenschluss einzelner Landesrundfunkanstalten überhaupt als Unternehmen, im ökonomischen und im kulturellen Sinne, gilt. Die ARD verantwortet unter anderem das Vollprogramm Erstes Deutsches Fernsehen, das seit April 1996 unter dem Markenbegriff „Das Erste“ firmiert.

Basisdaten

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Hauptsitze:

ARD-Programmdirektion
Arnulfstraße 42
80335 München
Programmdirektor Volker Herres
Tel.: 089-5900-01
www.daserste.de

ARD-Generalsekretariat Berlin
Masurenallee 8-14
14057 Berlin
Generalsekretärin Dr. Susanne Pfab
Tel.: 030- 8904313-10
www.ard.de

Branche: Fernsehen, Hörfunk, Online-Angebote, Merchandising
Rechtsform: nicht rechtsfähige, öffentlich-rechtliche Arbeitsgemeinschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1950 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten
20152014201320122011201020092008200720062005
Etat/Umsatz (in Mio. €)6.4856.3726.2846.2656.2216.2616.3316.1816.2886.2566.160
Planstellen20.61720.69320.74421.05220.67720.73620.22620.73620.97321.03720.979

 

 

Tab. II: Erträge bzw. Etats der Rundfunkanstalten (in Mio. €)¹

201520142013201220112010200920082007Planstellen
2015²
Westdeutscher Rundfunk, Köln1.390,41.375,41.3291.3451.3341.3451.3531.3421.3604411
Südwestrundfunk, Stuttgart1.1711.175,11.1381.1411.1401.1541.1511.1191.1353619
Norddeutscher Rundfunk, Hamburg1.078,41.063,81.0731.0651.0541.0641.0831.0561.0663426,5
Bayerischer Rundfunk, München1.024,61,014,49999869739741.0069569863175
Mitteldeutscher Rundfunk, Leipzig681662,46586576506476496366292009
Hessischer Rundfunk, Frankfurt4914864784734744774814644761750
Rundfunk Berlin-Brandenburg, Berlin/Potsdam434,6411,14083993943954053954031459,5
Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken117,5109,4110108110109109116116555
Radio Bremen, Bremen95,992,2919192939497117211,5
Gesamt6.4856,371,86.2846.2656.2216.2616.3316.1816.28920.616,5
ZDF2.113,62.063,3201120281.9932.0462.0461.9511.9593.630,5
Deutschlandradio**226,8213,5218233214209212199198722

¹Die Erträge beinhalten neben den Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag, die die Anstalten 2015 auf insgesamt 7,53 Mrd Euro prognostizieren, u.a. Werbe- oder sonstige Erlöse und teilweise auch Einnahmen aus dem ARD-Finanzausgleich. In den Erträgen enthalten sind ferner die Mehreinnahmen aus dem Rundfunkbeitrag, die die Anstalten aber nicht ausgeben dürfen, sondern in einer Rücklage anzulegen haben („Beitragsrücklage“). Alle Anstalten kalkulieren somit bei der Aufstellung ihrer Betriebshaushaltspläne mit einer Brutto-Rechnung. Netto fallen die erwarteten verfügbaren Erträge geringer aus, was zur Folge hat, dass auch das prognostizierte Ergebnis entsprechend anzupassen ist. Die elf öffentlich-rechtlichen Sender planen laut ihren Betriebshaushaltsplänen,
Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag in Höhe von zusammen 164,5 Mio Euro auf Sperrkonten anzulegen. Wie hoch
die Beitragsrücklage der Anstalten für 2015 tatsächlich ausfällt, wird erst im Spätsommer 2016 feststehen, wenn die Jahresabschlüsse 2015 der Sender genehmigt und veröffentlicht wurden. Nach den Planzahlen kalkulieren die Sender in diesem Jahr mit folgenden Einzahlungen in die Beitragsrücklage: Beim WDR sind es 24,7 Mio Euro, beim SWR 21,3 Mio Euro, beim NDR 14,2 Mio Euro, beim BR 14,6 Mio Euro, beim MDR 11,8 Mio Euro, beim HR 6,8 Mio Euro, beim RBB 12,1 Mio Euro, beim SR 1,4 Mio Euro, bei Radio Bremen 1,9 Mio Euro, beim ZDF 54,5 Mio Euro und beim Deutschlandradio sind es 1,2 Mio Euro.
²Die angegebenen Planstellen enthalten nicht die Stellen von ausgegliederten ARD-Gemeinschaftseinrichtungen wie beispielsweise ARD-aktuell oder die von ARD und ZDF getragenen Spartenkanäle Kinderkanal (Kika) und Phoenix. Außerdem sind in den Zahlen nicht die Stellen von Tochterfirmen der öffentlich-rechtlichen Sender wie etwa der ARD-Werbegesellschaften enthalten. Nicht alle Sender haben alle verfügbaren Planstellen auch tatsächlich besetzt. Die Stellenbesetzungsquote liegt 2015 zwischen 88 und 100 Prozent. Den niedrigsten Stellenbesetzungsgrad weist der HR mit 88 Prozent auf, beim MDR sind alle Stellen besetzt.

Quellen: für die Zahlen von 2006 bis 2009: ARD-Jahrbücher 2007, 2008, 2009 und 2010; für die Zahlen von 2010-2015: Funkkorrespondenz Nr. 51-52/09 (S. 2) vom 18.12.09, Nr. 3/11 (S. 2) vom 28.1.11, Nr. 5/12 (S. 2) vom 03.02.2012,  7/13 (S. 2) sowie Medienkorrespondenz 12/2014 (S. 19) und 16/2015 (S. 2).

Geschäftsführung

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ARD-Vorsitz und -Geschäftsführung 2016:
Prof. Dr. Karola Wille, Mitteldeutscher Rundfunk
Kantstraße 71-73, 04275 Leipzig
Tel.: 0341 300 9696
www.mdr.de

Generalsekretärin (2015-2020): Dr. Susanne Pfab

Intendantinnen und Intendanten der ARD-Mitglieder:

  • WDR: Tom Buhrow
  • NDR: Lutz Marmor
  • BR: Ulrich Wilhelm
  • MDR: Prof. Dr. Karola Wille 
  • HR: Manfred Krupp
  • SWR: Peter Boudgoust
  • RBB: Patricia Schlesinger
  • SR: Thomas Kleist
  • Radio Bremen: Jan Metzger

Geschichte und Profil

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Die ARD („Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“) wurde im Juni 1950 gegründet. Die Satzung der ARD benennt als Ziel der Arbeitsgemeinschaft unter anderem die „Bearbeitung gemeinsamer Fragen des Programms sowie gemeinsamer Fragen rechtlicher, technischer und betriebswirtschaftlicher Art“. Gründungsmitglieder waren der Bayerische Rundfunk, der Hessische Rundfunk, Radio Bremen, der Süddeutsche Rundfunk, der Südwestfunk, der später geteilte Nordwestdeutsche Rundfunk sowie mit beratender Stimme der RIAS Berlin. Analog zum föderalen Aufbau der Bundesrepublik (Kultur als Ländersache) wurde bei der ARD die Form einer nicht rechtsfähigen Arbeitsgemeinschaft auch deshalb gewählt, um sich von der Rolle des zentralisierten Propagandafunks der NS-Zeit deutlich abzugrenzen. Allerdings führte das Modell eines lockeren Zusammenschlusses von Rundfunkanstalten ganz unterschiedlicher Größe und volatiler politischer Verankerung auch zu aufwändigen bürokratischen Verfahren, neuen politischen Abhängigkeiten, Behördenmentalität und zu entsprechender Reaktionsschwäche im liberalisierten Medienmarkt.

Die Geschäftsführung der ARD wechselt im zweijährlichen Turnus. ARD-Vorsitzender ist der Intendant der jeweils geschäftsführenden Landesrundfunkanstalt. Daneben verfügt die ARD über eine zentrale Programmdirektion in München für die Koordination und Planung des Ersten Deutschen Fernsehens, dessen Chef lange Zeit als „König ohne Land“ galt. Denn er muss weitgehend abhängig von den Beschlüssen der Intendanten agieren. Dem von 1992 bis Oktober 2008 amtierenden ARD-Programmdirektor Günter Struve gelang es in zäher Kleinarbeit, die Stellung der Münchner Dependance zu stärken. Er zentralisierte das Marketing des Ersten und nahm wesentlichen Einfluss auf die gesamte Programmstruktur. Als Struves Leidenschaft galt der quantitative Erfolg des Ersten bei gleichzeitiger Wahrung eines öffentlich-rechtlichen Programmniveaus. Dabei musste sich er sich von Kritikern immer wieder vorwerfen lassen, dass er den Informationsanteil des Ersten zugunsten der Unterhaltung entkernt habe. Tatsächlich gibt es nur noch wenige auffällige Reportagen und Dokumentationen im Ersten, in der Primetime (20.00 bis 23.00 Uhr) tauchen sie fast gar nicht mehr auf. Die ARD-Politmagazine haben ihre gesellschaftspolitische Funktion weitgehend verloren. Durch eine seit dem 1. Januar 2006 gültige Programmreform für das Erste wurde die Sendezeit dieser Magazine zudem von 45 auf 30 Minuten reduziert.

Am 26. November 2007 wählten die neun Intendanten der ARD-Landesrundfunkanstalten Volker Herres, Jg. 1957, zum neuen Programmdirektor der ARD. Herres, zuvor seit Mai 2004 Fernsehprogrammdirektor beim NDR, trat am 1. November 2008 die Nachfolge Struves an. Herres arbeitete in den folgenden zwei Jahren an einer Reform des ARD-Programmschemas am Abend. Diese Reform wurde von den Intendanten im November 2010 beschlossen. Sie trat im August/September 2011 in Kraft und bedeutet zum einen eine größere Vereinheitlichung der Anfangszeiten der ARD-„Tagesthemen“, die nun von montags bis donnerstags jeweils um 22.15 Uhr beginnen. Zum anderen erweiterte die ARD im Zuge der kontroversen Verpflichtung von RTL-Star Günther Jauch die Anzahl ihrer abendlichen Talksendungen von vier auf fünf. Nach teilweise vernichtenden Kritiken entschied sich Jauch seinen 2015 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.

Mitte 2006 schuf die ARD als neue Stabsstelle ein Generalsekretariat, das in Berlin angesiedelt wurde und das alte, 1965 gegründete ARD-Büro in Frankfurt am Main ablöste. Die ARD wurde durch diesen Schritt auch medienpolitisch in der Hauptstadt präsent. Das Generalsekretariat ist dem alle zwei Jahre wechselnden ARD-Vorsitzenden direkt unterstellt, die Leitung des Generalsekretariats soll den ARD-Vorsitzenden in seiner Arbeit unterstützen. Laut Stellendefinition ist die Leitung des Generalsekretariats verantwortlich für die strategische Positionierung des Senderverbundes und die Interessenvertretung nach außen. Zugleich hat die Person, die das Generalsekretariat leitet, auch den stellvertretenden Vorsitz der ARD-Strategiegruppe. Sie hat zudem das Recht, an Sitzungen aller Kommissionen und Arbeitsgruppen des Senderverbundes teilzunehmen und mitzuwirken. Das gilt auch für Tochterunternehmen der ARD sowie für Sitzungen der Fernsehprogrammkonferenz und der ARD-politisch relevanten Gremien.

Die ARD unterhält weitere Zentraleinrichtungen wie die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) in Köln, die in Frankfurt am Main ansässige Degeto Film GmbH (für die ARD-Fernsehfilmproduktion, den Rechtehandel mit diesen Filmen und für Produktionsbeteiligungen), das in Potsdam und Frankfurt am Main angesiedelte Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) und die Zentrale Fortbildung der Programm-Mitarbeiter (ZFP; zusammen mit dem ZDF). Die Redaktion ARD-aktuell hat ihren Sitz beim NDR in Hamburg; mit rund 200 Mitarbeitern erstellt sie die aktuellen TV-Nachrichtensendungen („Tagesschau“, „Tagesthemen“, „Nachtmagazin“, „Wochenspiegel“). Ansonsten gilt bei der ARD das föderale Prinzip. Federführung haben bei senderübergreifenden Projekten jeweils einzelne Landesrundfunkanstalten, etwa bei Übertragungen großer Sportereignisse.

Die Fernseh- und Radioprogramme der ARD waren und sind ein wesentlicher kultureller und gesellschaftlicher Faktor in der Geschichte der Bundesrepublik. Nationale Wirkungen erzielten ab den 1960er Jahren Politikmagazine wie "Panorama“, vom NDR nach BBC-Vorbild geschaffen, oder „Monitor“ vom WDR, zeitkritische Fernsehspiele von Regisseuren wie Egon Monk, Peter Beauvais, Eberhard Fechner oder Heinrich Breloer, die „Stuttgarter Schule“ des dokumentarischen Fernsehens, Unterhaltungssendungen mit Hans Joachim Kulenkampff und Rudi Carrell. Da sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in den 1950er Jahren in vielen Redaktionen zu einem Sammelplatz der kritischen Intelligenz entwickelt hatte, galt der ARD-Verbund schon für die seinerzeitige Adenauer-Administration als suspekt und linkslastig. Ende der 1950er Jahre versuchte Kanzler Konrad Adenauer (CDU), mit dem Projekt eines „Freien Fernsehens“, einer Mischung aus Staats- und kommerziellem TV, das ARD-„Monopol“ zu brechen. Mit dem sogenannten „Fernsehurteil“ stoppte das Bundesverfassungsgericht 1961 die Adenauer-Pläne. Vom Juni 1961 bis Ende März 1963 wurde täglich etwa 150 Minuten lang ein zweites ARD-Programm ausgestrahlt, bis am 1. April 1963 das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) als zusätzlicher bundesweiter Sender seinen Programmbetrieb aufnahm. Am 22. September 1964 startete der Bayerische Rundfunk ein bildungs- und kulturorientiertes Drittes Fernsehprogramm. Diesem Modell folgten schrittweise alle ARD-Landesrundfunkanstalten. Ein gemeinsames Drittes Programm veranstalteten der NDR und Radio Bremen sowie zum Teil der SWR und der Saarländische Rundfunk.

Im Verlauf des Bundestagswahlkampfs 1976 wurde dem ARD-Fernsehen seitens der CDU/CSU (im Verbund mit der publizistikwissenschaftlichen „Mainzer Schule“ der Demoskopin Elisabeth Noelle-Neumann) vorgeworfen, die Wahlen zum Nachteil der Unionsparteien beeinflusst zu haben. Danach nahm der politische Druck auf die ARD, deutlich sichtbar im Einfluss auf wichtige Personalentscheidungen, ständig zu. Unter der Ägide von Bundeskanzler Helmut Kohl und des seinerzeitigen Postministers Christian Schwarz-Schilling (beide CDU) wurden seit 1984 auch in der Bundesrepublik private Fernseh- und Hörfunkangebote zugelassen. Wie sich zeigen sollte, tangierte diese Entwicklung nachhaltig das Selbstverständnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Trotz großzügiger Finanzausstattung sah sich das ARD-Management, auf die neuen Marktverhältnisse nur unzureichend vorbereitet und politisch, ökonomisch und medienkulturell bedroht.

Im Januar 1995 schlugen die Ministerpräsidenten Sachsens und Bayerns, Kurt Biedenkopf (CDU) und Edmund Stoiber (CSU), in einem aufsehenerregenden Papier die Abschaffung des Ersten Deutschen Fernsehens und eine Reduktion der ARD auf größere Landessender mit nur noch Regionalfernseh- und Hörfunkprogrammen vor, falls die ARD nicht intensive Rationalisierungsmaßnahmen einleite. Die ARD kam den Forderungen nach. Aus den bis dahin elf Landesrundfunkanstalten wurden neun. 1998 wurden der Südwestfunk (SWF) und der Süddeutsche Rundfunk (SDR) zum Südwestrundfunk (SWR) zusammengelegt; am 1. Mai 2003 entstand aus der Fusion von Sender Freies Berlin (SFB) und Ostdeutschem Rundfunk Brandenburg (ORB) die neue Zwei-Länder-Anstalt Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Politische Angriffe auf die Existenz und Grundstruktur der ARD fanden danach nicht mehr statt.

Seit der öffentlich-rechtliche Rundfunk ab 2006/07 seine Angebote verstärkt auch via Internet zugänglich macht, steht die ARD (wie auch das ZDF) im Zentrum heftiger Kritik vor allem seitens der Verleger, die hier eine Wettbewerbsverzerrung sehen. Sie fordern, dem gebührenfinanzierten Rundfunk müssten für sein Online-Engagement deutliche Grenzen gesetzt werden, da ansonsten das privatwirtschaftliche Geschäftsfeld der Verlage in seiner Existenz bedroht sei.

Nach langwierigen Beratungen unterzeichneten die Ministerpräsidenten der Bundesländer Ende 2008 eine Rundfunknovelle: Mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag wurden auf Basis des sogenannten Beihilfekompromisses zwischen Deutschland und der Europäischen Kommission die neuen Regelungen für das Internet- bzw. digitale Engagement von ARD, ZDF und Deutschlandradio eingeführt. Die Novelle trat am 1. Juni 2009 in Kraft. Der Staatsvertrag schuf für die Sendeanstalten im Online-Bereich (Telemedien) zahlreichen Beschränkungen. Dadurch sollen die Verlage vor übermäßiger Konkurrenz geschützt werden. So dürfen die öffentlich-rechtlichen Anbieter im Internet zum Beispiel ihre Fernseh- und Hörfunksendungen generell nur bis zu einer Dauer von sieben Tagen nach deren Ausstrahlung zugänglich machen (wobei es einige Ausnahmeregelungen gibt). Nach der Sieben-Tage-Frist müssen sie ihre Inhalte wieder aus dem Netz entfernen. Dies schuf für den öffentlich-rechtlichen Rundfunkbereich das völlig neue Arbeitsfeld des Depublizierens – also gleichsam eine „journalistische“ Zwangspraxis, die man eigentlich eher in autokratischen Staaten verorten würde. Eine weitere eingrenzende Vorschrift für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten: Sie dürfen im Internet nur sendungsbezogene Angebote betreiben, nicht-sendungsbezogene Beiträge sind für sie verboten.

Zudem schrieb der neue Rundfunkstaatsvertrag als zentrales Element sogenannte Drei-Stufen-Tests vor. Mit diesen aufwändigen Prüfverfahren mussten bis Ende August 2010 alle bereits bestehenden Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender geprüft werden. Die ARD hatte anschließend rund 35 Drei-Stufen-Tests zu absolvieren. Dies geschah unter der Verantwortung der Rundfunkräte der Landesrundfunkanstalten, wobei die Gremien in großem Umfang kostenpflichtige Prüfauftrage an externe Gutachter vergaben. Bis auf ein Verfahren beim NDR, das etwas später beendet wurde, wurden alle Verfahren bis Juli 2010 abgeschlossen. Ein Ergebnis war zwar, dass die ARD nach eigenen Angaben über 100.000 einzelne Dokumente aus dem Internet löschen musste. Doch am Ende wurden im Grundsatz sämtliche bestehenden Online-Angebote der ARD relativ problemlos genehmigt. Das wurde von Kritikern zwar als bescheidenes Ergebnis eines fast megaloman anmutenden bürokratischen Verfahrens bezeichnet, seither aber stehen die Telemedien-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender auf rechtlich gesichertem Boden.

Management

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Die Stelleninhaber bei der ARD sind fast ausschließlich durch Hausberufungen auf ihre Posten gelangt. Der Umbruch des deutschen Fernsehmarkts in den 1980er Jahren führte eher zu hoheitlichen Deklamationen und Wagenburg-Mentalitäten als zu einer handlungsorientierten Selbstreflexion. Der Abbau des aufgeblähten ARD-Verwaltungsapparats wurde nur zögerlich angegangen. Ebenso langsam setzte sich ein Bewusstsein für Marketing und Public Relations durch. ARD-Führungspositionen wurden bisher in der Regel nach politischer Couleur und interner Bewährung vergeben. In die Intendanzen zog 2003 mit RBB-Intendantin Dagmar Reim erstmals eine Frau ein - inzwischen sind mit Reim-Nachfolgerin Patricia Schlesinger, der MDR-Intendantin und ARD-Vorsitzenden Karola Wille und Generalsekretärin Susanne Pfab immerhin vier der elf höchsten ARD-Ämter mit Frauen besetzt .

Exemplarisch für die Verflechtung von Politik und öffentlich-rechtlichen Rundfunk war die Wahl von Ulrich Wilhelm zum Intendanten des Bayerischen Rundfunk Anfang 2011. Wilhelm, Mitglied der CSU, war von November 2005 bis Juli 2010 Chef des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung und Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).  Dass, wie beim BR geschehen, der Intendant eines öffentlich-rechtlichen Senders direkt aus dem Umfeld einer Bundesregierung rekrutiert wurde, ist eine in dieser Form noch nie da gewesene Konstellation im deutschen Rundfunk nach 1945. Wilhelm war von 1999 bis 2003 auch Pressesprecher des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) und der bayerischen Staatsregierung.

Geschäftsfelder

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Fernsehen – Fernsehformate:
Für ihre Informationsberichterstattung verfügt die ARD über das größte Auslandskorrespondentennetz der Welt (rund 90 Korrespondenten in über 30 Metropolen), die dem Ersten und auch den Dritten Programmen für ihre Informationssendungen zuarbeiten. Führende Marken der ARD sind die Nachrichtensendungen „Tagesschau“ und „Tagesthemen“. Außerdem zählen die Krimireihe „Tatort“, die ARD-„Sportschau“ mit Zusammenfassungen von der Fußball-Bundesliga, abendliche Serien wie „In aller Freundschaft“ oder „Um Himmels Willen“ und Soap Operas wie „Lindenstraße“ oder „Verbotene Liebe“ zu den bekannten Marken im Ersten.
Mehr als alle anderen Sender versuchte sich die ARD in den vergangenen Jahren mit Talkshows zu profilieren. An den verschiedenen Wochentagen sind im Ersten nach zwischenzeitlich fünf abendlichen Talkformaten mittleweile nur noch drei im Programm ("Anne Will", "Hart aber Fair" "Menschen bei Maischberger")

Die attraktive Erstberichterstattung über die Fußball-Bundesliga im Free-TV konnte die ARD ab der Saison 2003/04 überraschend für ihre „Sportschau“ zurückerobern, nachdem mehrere Jahre lang die kommerzielle Konkurrenz – zunächst RTL und dann Sat 1 – die Rechte besessen hatte, die den Privatsendern jedoch zu teuer wurden. Ob die ARD ab der Saison 2017/18 weiterhin die Rechte für die Zweitverwertung hält, wird sich in der Ausschreibung im Juni 2016 zeigen.

Dritte Programme:
Die Dritten Programme sind in den 1980er Jahren sukzessive zu Vollprogrammen ausgebaut worden, die meisten werden über Kabel und Satellit und mittlerweile zusätzlich im Internet auch bundesweit verbreitet. Ihren ursprünglichen Charakter als Experimentierfeld und formelle Bildungsinstitutionen haben die Dritten nahezu vollständig verloren. In den zurückliegenden Jahren haben sie dafür das Regionale als ihre eigentliche Stärke entdeckt, die ihnen hervorragende Einschaltquoten garantiert. Zum Teil werden die Dritten Programme auch als Experimentierfläche für neue Formate genutzt, die im Erfolgsfall ins Erste Programm wechseln können.

Sonder-TV-Engagements:
Ihren 1986 gestarteten Kulturfernsehkanal Eins plus gab die ARD Ende November 1993 auf und beteiligte sich stattdessen mit 30 % am von ZDF, ORF (Österreich) und SRG (Schweiz) betriebenen Gemeinschaftsprojekt 3sat, dem internationalen deutschsprachigen Kulturfernsehen. Seit 1992 ist die ARD zudem mit 25 % am in Straßburg angesiedelten deutsch-französischen Kulturfernsehkanal Arte beteiligt (25 %: ZDF, Arte France 50 %). 1997 starteten die beiden öffentlich-rechtlichen Spartenfernsehprogramme Phoenix und KIKA. Phoenix ist ein sogenannter Ereignis- und Dokumentationskanal und hat seinen Sitz in Bonn. Beim KIKA handelt es sich um den unter MDR-Federführung in Erfurt angesiedelten Kinderkanal. An diesen beiden Sendern sind ARD und ZDF mit je 50 % beteiligt.

Digitale Sender:
Im digitalen Zeitalter wird bei ARD und ZDF das Spartenfernsehen als notwendiges Angebot im Gesamtbouquet betrachtet, allein um die Konkurrenzfähigkeit zu erhalten. So verfügt die ARD seit Ende August 1997 über drei via Kabel und Satellit digital verbreitete Spartenkanäle: Eins Plus (Ratgeber- und Servicekanal, am Hauptabend jugendaffines Programm; SWR), Eins Festival (Schwerpunkt Kultur; WDR) und Tagesschau 24 (bis zum 30. April 2012: Eins Extra; Infokanal; NDR). 
 
Radio:
Die neun ARD-Landesrundfunkanstalten betreiben über 50 Hörfunkprogramme. Die Radiowellen aller ARD-Anstalten sind heute über die „Zielgruppe“ und die „Musikfarbe“ definiert (Jugendwelle, Kulturradio, Mainstream-Programm, Wortradio, Nachrichtensender).  Alle ARD-Sender bieten einen Teil ihrer Hörfunkprogramme inzwischen auch über Internet an. Teilweise gibt es auch erste speziell für das Internet geschaffene Hörfunkangebote (etwa 1Live diggi vom WDR). Des Weiteren ist ein Teil der ARD-Radiowellen über die Digitaltechnik DAB plus zu empfangen.

Aktuelle Entwicklungen

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Der Wechsel von der geräteabhängigen Rundfunkgebühr zur Haushaltsabgabe bescherte den öffentlich-rechtlichen Sendern für den Zeitraum 2017-2020 rund 1,6 Milliarden Euro Mehreinnahmen. Die Ministerpräsidenten müssen nun entscheiden, ob die Gebühr auf 17,20 Euro gesenkt (wie von der Behörde KEF gefordert) oder das Geld für erwartete Mehrausgaben ab 2021 in den Kassen bleiben soll. Internen Berechnungen zufolge könnten die Gebühren ab 2021 dennoch auf monatlich 19 Euro steigen.

Im Sommer 2016 wird die ARD gemeinsam mit dem ZDF rund 280 Stunden aus Rio de Janeiro über die Olympischen Spiele berichten - vielleicht zum letzten Mal für längere Zeit. Denn für die nächsten drei olympischen Sport-Events, die zwischen 2018 und 2024 stattfinden hat die ARD keine Rechte. Diese wurden ihr 2015 überraschend von Discovery Communications (Eurosport) weggeschnappt. Ob sich die ARD mit Discovery über Zweitverwertungsrechte eingen kann, steht noch in den Sternen.

Nach jahrelangen Verhandlungen gab es im Oktober 2015 von den Ministerpräsidenten der Länder endlich grünes Licht für einen öffentlich-rechtlichen Online-Jugendkanal, über dessen Namen noch nicht entschieden wurde. Das auf 14-29-jährige ausgerichtete Portal, das TV- Radio und Onlinebeiträge vereint, soll nach Unterzeichnung des Staatsvertrages im Oktober 2016 starten. Auch weil offenbar noch immer Formate fehlen, wurde im Mai 2016 vom RBB ein Ideenwettbewerb namens "Wigo" (What is going on) ins Leben gerufen.

News

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09.06.10 / ARD, ZDF, TF1 S.A., France Télévisions S.A., Walt Disney Corp., BBC, ITV plc

WM-Rechte: Medienkonzerne geben Rekord-Summen aus

Inhalte

Ranking - Die 50 größten Medienkonzerne 2015*

  1. Comcast
  2. Google Inc.
  3. The Walt Disney Company
  4. News Corp. Ltd. / 21st Century Fox
  5. AT&T Entertainment Group (DirecTV)
  6. Viacom Inc./CBS Corp.
  7. Time Warner Inc.
  8. Sony Entertainment
  9. Bertelsmann SE & Co. KGaA
  10. Apple Inc.
  11. Cox Enterprises Inc.
  12. Liberty Media Corp./Liberty Interactive
  13. Dish Network Corporation
  14. Vivendi S.A.
  15. Tencent Holdings Ltd.
  16. Thomson Reuters Corporation
  17. Facebook, Inc.
  18. Rogers Comm.
  19. The Hearst Corporation
  20. Microsoft Corporation
  21. Lagardère Media
  22. RELX Group
  23. Charter Comm. Inc.
  24. Bloomberg L.P.
  25. ARD
  26. Pearson plc
  27. Advance Publications
  28. BBC
  29. Baidu Inc.
  30. Globo Communicação e Participações S.A.
  31. The Naspers Group
  32. Cablevision Systems Corp.
  33. iHeart Media
  34. Nielsen Holdings plc
  35. Discovery Communications
  36. Nippon Hoso Kyokai
  37. Fuji Media Holdings, Inc.
  38. Grupo Televisa
  39. Gannett Co. Inc.
  40. Netflix
  41. Nintendo Company Ltd.
  42. S&P Global
  43. ITV plc
  44. Wolters Kluwer nv
  45. Shaw Communications
  46. Yahoo! Inc.
  47. Mediaset SpA
  48. Asahi Shinbun Company
  49. Activision Blizzard Inc.
  50. Electronic Arts
  51. Axel Springer SE
  52. Amazon.com Inc.
  53. ProSiebenSat.1 SE
  54. France Télévisions S.A.
  55. Graham Holdings Company
  56. Bonnier AB
  57. Nippon Television Holdings
  58. Shanghai Media Group
  59. RAI Radiotelevisione Italiana Holding S.p.A.
  60. Quebecor Inc.
  61. Tokyo Broadcasting System Holdings, Inc.
  62. Time Inc.
  63. Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.
  64. IAC/InterActiveCorp.
  65. Daily Mail & General Trust plc
  66. Bauer Media Group
  67. Univision Communications
  68. Tribune Co./Tribune Publishing
  69. China Central Television
  70. TF1 S.A.
  71. Bandai Namco Holdings Inc.
  72. ZDF
  73. Scripps Networks Interactive
  74. Lions Gate Entertainment Corporation
  75. Hunan Broadcasting System
  76. AOL
  77. Sanoma Group
  78. Schibsted Media Group
  79. Modern Times Group
  80. Georg von Holtzbrinck GmbH
  81. King Digital Entertainment plc
  82. Grupo Planeta
  83. Scholastic Corporation
  84. Egmont Group
  85. Jiangsu Broadcasting Corporation
  86. Ubisoft Entertainment
  87. John Wiley & Sons, Inc.
  88. Grupo PRISA
  89. NOS
  90. SRG SSR
  91. De Agostini Group
  92. Gazprom-Media
  93. RCS Media Group
  94. Seven West Media Ltd.
  95. GungHo Online Entertainment
  96. New York Times Company
  97. Mondadori Group
  98. China Publishing Group
  99. Meredith Corporation
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