46. Activision Blizzard Inc.

Umsatz 2015: $ 4,664 Mrd. (€ 4,204 Mrd.)

Überblick

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Activision Inc. ist nach Sony und Microsoft der größte Publisher von interaktiven Unterhaltungssoftwareprodukten mit einem Produktportfolio, das sich über eine Vielzahl von Genres erstreckt und auf zahlreichen Hardwareplattformen und Betriebssystemen spielbar ist. Das Unternehmen hat verschiedene Marken mit hohem Bekanntheitsgrad hervorgebracht, lizenziert und erworben, die es an eine immer breiter gefächerte Zielgruppe vermarktet. Zu den bekanntesten Titeln von Activision gehören "World of Warcraft" sowie seit der Übernahme von King Entertainment im November 2015 auch "Candy Crush Saga".

News

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11.06.14 / Sony Entertainment, Nintendo Company Ltd., Electronic Arts, Activision Blizzard Inc.

Die größten Game Publisher 2014

29.05.13 / Microsoft Corporation/MSN, Activision Blizzard Inc., Nintendo Company Ltd., Sony Entertainment, Ubisoft Entertainment, Electronic Arts

Die zehn größten Game Publisher 2013

Basisdaten

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Hauptsitz:
Activision Incorporated
3100 Ocean Park Boulevard
Santa Monica, CA 90405
Tel.: 001 (310) 255-2000
www.activisionblizzard.com
 
Rechtsform:
Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.04 – 31.03
Gründungsjahr: 1979

Tab. I: Ökonomische Basisdaten in Mio. €/USD
20162015²2014²2013²2012¹2011¹2010¹2009¹2008¹2007¹2006¹
Umsatz6.6084.6644.4084.5833.7683.4323.3304.2793.0261.3491.018
Gewinn (Verlust)*9668928351.0101.4191.011692**113(107)227139
Aktienkurs (Jahresende)36.1138.7120.1517.8310.6212.3212.4411.118.6414.648.62
Mitarbeiter9.6007.3006.8006.9006.7007.3007.6007.0007.0002.6402.125

* Net Income
**EBITA
¹Geschäftszahlen in Euro
²Geschäftszahlen in USD

Geschäftsführung

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Management:

  • Robert Kotick, Chief Executive Officer
  • Eric Hirshberg, Chief Executive Officer, Activision
  • Brian Hodous, Chief Customer Officer
  • Michael Morhaime, President & Chief Executive Officer, Blizzard Entertainment
  • Brian Stolz, Chief People Officer
  • Thomas Tippl, Chief Operating Officer
  • Dennis Durkin, Chief Financial Officer
  • Chris Walther, Chief Legal Officer
  • Ricardo Zacconi, CEO, King Digital Entertainment

 

Board of Directors:

  • Robert J. Corti, Avon
  • Hendrik J. Hartong III, Brynwood Partners
  • Brian Kelly, Activision Blizzard
  • Robert Kotick, Activision Blizzard
  • Barry Meyer, Warner Bros.
  • Peter Nolan, Leonard Green & Partners
  • Robert Morgado, Maroley Media Group
  • Casey Wasserman, Wasserman
  • Elaine Wynn, Wynn Resorts

Geschichte und Profil

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Activision wurde 1979 vom ehemaligen Plattenboss Jim Levy sowie den Programmierern David Crane, Bob Whitehead, Larry Kaplan und Alan Miller gegründet. Crane und Co. hatten genug davon, für Atari Videospiel-Bestseller zu produzieren, ohne am finanziellen Erfolg beteiligt und als Programmierer individuell wahrgenommen zu werden. David Crane produzierte zum Beispiel bei einem Jahresgehalt von 20000 US-Dollar in kompletter Eigenregie Spiele, die sich zwanzig Millionen mal verkauften. Zudem hatte sich Warner Communications bei Atari eingekauft und die dortige hippie-esque Arbeitskultur zugunsten einer eher traditionellen Konzernatmosphäre abgeschafft. Da die vier für etwa die Hälfte aller damaligen Atari-Spiele verantwortlich waren, weigerte sich Atari zunächst, das Programmiererteam gehen zu lassen. Erst 1982 wurde ein entsprechender Gerichtsprozess zugunsten von Activision entschieden. In diesem Jahr landete das neu gegründete Unternehmen mit „Pitfall!“ einen ersten großen Hit. Das Spiel gilt heute als einer der Urvter aller folgenden Plattform/Jump’n’Run-Spiele und begründete die Popularität ähnlicher Titel in den 1980er und 1990er Jahren.

Ab Mitte der 80er Jahre begann Activision durch die Akquise anderer Spielehersteller zu expandieren. Erstes Übernahmeobjekt war das Unternehmen Infocom, das sich in Zeiten von grafisch unterentwickelten 8-Bit Computern auf die Produktion von damals sehr beliebten Text-Adventures spezialisiert hatte. Als Bruce Davis 1986 Jim Levy als CEO beerbte, sorgte er durch gravierende Managementfehler für die Auflösung von Infocom im Jahr 1989. Zu dieser Zeit war niemand der fünf Gründungsmitglieder mehr an Bord von Activision.

1988 änderte Activision seinen Namen in Mediagenic, unter anderem weil das Unternehmen neben Computerspielen mittlerweile auch Büro-Organisationssoftware anbot. Der Ausflug in Videospiel-fremde Märkte erwies sich nicht als kluger Schachzug. 1992 musste Mediagenic Insolvenz anmelden. Robert „Bobby“ Koteck und seine BHK Corporation übernahmen Mediagenic und gaben ihr ihren ursprünglichen Namen Activision zurück. Koteck wurde der Nachfolger des erfolglosen Bruce Davis und schaffte es, Activision von einer bankrotten Firma in einen der erfolgreichsten Game Publisher der Gegenwart zu verwandeln. Sein Erfolgsrezept bestand darin, den Unternehmenssitz in die Nähe der Filmindustrie nach Los Angeles zu verlegen, die Belegschaft effektiv zu verkleinern, die bekanntesten Spieleentwickler einzustellen und Hollywood-Stars und prominente Sportler als Werbeträger zu engagieren. In den darauf folgenden Jahren expandierte Activision durch Aufkäufe von Konkurrenzfirmen (unter anderem Take Us!, Head Game Publishing und Neversoft) sowie durch den Erwerb wertvoller Lizenzen für die Entwicklung von Videospiel-Adaptionen von Kino-Blockbustern (unter anderem Marvels „Spiderman“, Tony Hawk, und „Transformers“).

2007 schließlich unterzeichneten Activision und der einstige Konkurrent Vivendi Games, Eigentümer des Videospielverlags Blizzard („World of Warcraft“), ein Abkommen über eine Fusion, die Mitte 2008 den neu strukturierten Konzern namens Activision Blizzard entstehen ließ. Der strategische Schritt wurde unternommen, um die Marktführerschaft von Electronic Arts zu brechen. Die Transaktionskosten der Fusion lagen bei 18,9 Milliarden US-Dollar. Im Sommer 2013 wurde die Fusion jedoch teilweise wieder rückgängig gemacht. Activision kaufte zunächst 48 Prozent der Anteile für 6,2 Milliarden Euro zurück. Vivendi hielt zunächst weiterhin zwölf Prozent, bzw. 5,7 Prozent der Anteile. Diese gingen jedoch schließlich Anfang 2016 für 1,1 Milliarden endgültig an Activision zurück.

Management

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Robert Kotick, seit 1991 Direktor, Vorstandsvorsitzender und CEO, hat auch nach der Fusion zu Activision Blizzard seine Chefrolle beibehalten. Kotick, der privat mit Facebooks Managerin Sheryl Sandberg liiert ist, hat in Interviews zugegeben, kein großer Fan von Videospielen zu sein. Laut Eigenaussage ist das einzige Spiel, mit dem er sich aktiv auseinandersetzt, die Rock-Simulation „Guitar Hero“, bei der man mit einem gitarrenförmigen Controller vor dem Fernseher populäre Rocktitel nachspielt, die man auch bei iTunes erwerben kann. Den öffentlichen Diskurs über einen möglichen Zusammenhang zwischen Gewalt und Videospielen bezeichnet Kotick als „Kommunikationsproblem“. Er verweist stets darauf, dass mehr als 50 Prozent aller Videospiele-Konsumenten zwischen 18 und 35 Jahren alt sind und an denselben (gewalttätigen) Inhalten wie im Fernsehen und Kino interessiert seien.

Zu Activisions ambitioniertesten Errungenschaften und der Ägide des in der Gamer-Szene umstrittenen Kotick zählt die Entwicklung von „dynamic ad serving technology“, die es Activision erlaubt, zusätzliche Einnahmen durch die Platzierung von Werbung in Videospielen zu generieren. Dabei kooperiert Activision mit dem Unterhaltungssoftware-Werbevermarkter Massive, der von Microsoft akquiriert wurde. Für reichlich Unglauben und Kritik sorgte jedoch Koticks Entscheidung, "Candy Crush"-Publisher King zu übernehmen. Insbesondere der Preis von knapp sechs Milliarden Dollar - mehr als beispielsweise Disney für die Marvel- und Star Wars-Lizenzen ausgab, wie der "Guardian" bemerkte - und fehlende Synergieeffekte für die anderen Activision-Titel sorgte für Kopfschütteln in der Branche. Dennoch konnte Kotick das Activision-Publikum mit der Akquisition mit einem Schlag um 500 Millionen Spieler erhöhen.

Geschäftsbereiche

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Das Unternehmen ist in die beiden Geschäftsbereiche Activision und Blizzard aufgeteilt. Activision ist ein Entwicklungsstudio und Publisher für Konsolen- und PC-Spiele. Insbesondere auf dem Markt für first person-shooter ist Activision mit den Serien "Call of Duty", "Destiny" und "Overwatch" führend. "Call of Duty: Black Ops II" generierte 2012 zwei Wochen nach Erscheinen mehr als eine Milliarde Dollar an Umsätze und war damit lukrativer als "Avatar", der damals erfolgreichste Film aller Zeiten. Enorm profitabel ist auch die "Skylanders"-Reihe, die echte Spielzeugfiguren mit Videospielen kombiniert.

Blizzard produziert hingegen Abonennement-basierte Massive Multiplayer Online Role Playing Games (MMORPG). Neben "World of Warcraft", das über eine Community von mittlerweile 5,5 Millionen Spieler verfügt, sind die wichtigsten Blizzard-Franchises das in Korea enorm populäre "Starcraft" sowie "Diablo", "Heroes of the Storm" und "Heroes of Warcraft" und betreibt außerdem die Onlineplattform Battle.net.

Aktuelle Entwicklungen

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Langfristig will Activision Blizzard mehr sein als nur ein Games Studio und hat bereits damit begonnen, die Popularität seiner Charaktere und Gamesreihen in anderen Feldern zu monetarisieren. So wurde im Herbst 2015 mit Nick van Dyk ein ehemaliger Walt Disney-Stratege engagiert, um ein TV- und Filmproduktionsstudio ins Leben zu rufen. Anstatt von einem großen Medienkonzern übernommen zu werden, produziert der Konzern die Filme und Serien - etwa basierend auf der "Call of Duty"-Reihe - selbst. Das Unternehmen kooperiert beim Vertrieb von Filmen dabei mit Hollywood-Studios; für Serien könnte Activision jedoch auch seinen eigenen Streamingdienst starten und mit seinen diversen Online-Games verknüpfen. Das auf Activision-Titeln basierende Filme - zumindest in Asien - durchaus erfolgreich sein können, bewies im Sommer 2016 die Adadption von "Worlf of Warcraft", die in China Rekordergebnisse erzielte.

Nachdem Disney die Produktion seiner "Infinity"-Reihe 2016 überraschend einstellte, hat Activision mit Time Warners "Lego Dimensions" nur noch einen Konkurrenten auf dem Spielzeug/Games-Hybrid-Markt. Activisions "Skylander"-Reihe, von der bisher 250 Millionen Spielfiguren abgesetzt und die mehr als drei Milliarden Dollar Umsatz generiert hat, könnte davon langfristig profitieren. Von Activisions künftigen Erfolg wird jedoch vor allem abhängen, ob es gelingt, den Mobile Games-Hersteller King, dessen Übernahme 2016 abgeschlossen wird, sinnvoll in den Konzern zu integrieren. Sollte der momentane "Candy Crush Saga"-Hype jedoch abebben und King kein vergleichbaren Hit nachlegen, wären die knapp sechs Milliarden Dollar die Activision zahlte rausgeschmissenes Geld.