19. Virgin Media Inc.

Umsatz 2007: £ 4,074 Mrd. (€ 6,016 Mrd.)

Überblick

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Das angloamerikanische Unternehmen Virgin Media Inc., ein Fusionsprodukt aus den Kabelanbietern NTL und Telewest und dem Mobilfunkanbieter Virgin Mobile, ist der erste Medienkonzern Englands, der Fernseh-, Internet-, Festnetztelefonie- und Mobilfunkdienste aus einer Hand vertreibt.

Basisdaten

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Virgin Media Corporate Headquarters 
909 Third Avenue, Suite 2863.
New York NY 10022
Tel.: 001-212-906-8440
Fax: 001-212-397-59-49

Virgin Media Operational Headquarters
Bartley Wood Business Park,
Bartley Way, Hook,
RG27 9UP, Great Britain
Tel: +44 (0)1256 752000
Internet: www.virginmedia.com

Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr:  4. Juli 2006 (Virgin Media); 1992 (NTL); 1984 (Telewest)

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten

2009

2008

2007

2006

2005

Umsatz (in Mio. £)

3.804.4

4.015.9

4.073.7

3,602.2

1,947.6

Gewinn (Verlust) nach Steuern (in Mio. £)*

142

(339.3)

16.6

9.8

(19.7)

Aktienkurs (in $, Jahresende)

16,79

4,99

17,09

27,5

27,78**

Dividende (pro Aktie in £)

0,16

0,16

0,13

0.03

--

Beschäftigte

12,107

k.A.

15,060

17,034

k.A.

*Operating Income
**zum damaligen Zeitpunkt als NTL an der Börse gehandelt

 

Tab. II: Umsatz nach Segmenten (in Mio. £)

Sparten

2009

2008

2007

Kabel (Kunden)

3,083.1

3,029.0

3087.3

Kabel (Business)

580.8

626.0

641.8

Content

140.5

121.8

109.5

* inklusive Segment "Kabel (Business)"

Geschäftsführung

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Geschäftsführung /Management Team:

  • Neil Berkett, CEO
  • Andrew Barron, Chief Customer & Officer Operations
  • Eamon O'Hare, Chief Financial Officer
  • Bryan H. Hall, General Counsel
  • Elisa Nardi, Managing Director People
  • Marin Wyke, Chief Technology & Information Officer
  • Jeff Wollen, Executive Director of Change
  • Paul Buttery, Chief Customer and Networks Officer



Vorstand/Board of Directors:

  • Neil Berkett, Virgin Media
  • James F. Mooney, Sirius Satellite Radio, CRN
  • Charles Allen, Global Radio
  • William R. Huff, W.R. Huff Asset Management Co.
  • Gordon McCallum, Virgin Group
  • George R. Zoffinger, New Jersey Resources Inc.
  • James A. Chiddix, Open TV Corp.
  • Andrew Cole, Asurion
  • Steven J. Simmons, Simmons/ Patriot Media Communications
  • John Rigsby, Bright House Networks
  • Doreen A. Toben, ehemals Verizon Communications


Hauptanteilseigner: Virgin Entertainment Investment Holdings (Richard Branson), James F. Mooney, Neil Berkett, Eamon Ohare, Bryan  H. Hall (Für eine Übersicht der institutionellen Anteilseigner siehe Virgin Media-Homepage)

Geschichte und Profil

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Der Konzern Virgin Media, wie er in seiner heutigen Form existiert, ist das Produkt einer Reihe von länderübergreifenden Fusionen und Joint Ventures, angesichts derer man schnell den Überblick verlieren kann. Grundsätzlich spielen drei Firmen eine zentrale Rolle bei der Genese des einflussreichsten und diversifiziertesten Medienkonzerns Groß Britanniens: National Transcommunications Limited (NTL), Telewest und die Virgin Group.

Der älteste der drei Konzerne ist der Kabelnetzbetreiber Telewest, der 1984 unter dem Namen Croydon Cable gegründet wurde. Vier Jahre später wurde Croydon von United Cable of Denver aufgekauft, das wiederum 1989 mit United Artists Cable fusionierte. Doch damit nicht genug: 1991 wurde United Artists Cable mit Tele-Communications, Inc. (TCI) zusammengeschlossen, die zusammen den damaligen größten Kabelanbieter Nordamerikas formten. In der Folge sorgte ein Joint Venture zwischen TCI und dem Kommunikationsunternehmen US West für eine Umbenennung in Telewest. 1995 erreichte das Kabelnetz von Telewest bereits 1.3 Millionen Haushalte, nicht zuletzt wegen der Übernahme von SBC Communications. Durch Aufkäufe von Konkurrenten wie General Cable, Birmingham Cable, Cable London und Flextech vergrößerte Telewest seine Reichweite auf fast fünf Millionen Haushalte in den USA und Großbritannien.

Die Anfänge von NTL gehen auf den 1981 von Barclay Knapp und George Blumenthal in Groß Britannien gegründeten Mobilfunkbetreiber Cellular Communications zurück. Um ein Stück des Kuchens zu erhalten, der durch die Liberalisierung des britischen Kabelnetzes entstanden war, wurde 1993 die Tochterfirma International Cable Tel ins Leben gerufen. Was folgte, war der Startschuss für eine aggressive Expansionstour, an deren Ende die Marktführerschaft auf dem Kabel- und Telefoniemarkt der grünen Insel stand. Diverse Akquisitionen von britischen Konkurrenten und ein gleichzeitiger Ausbau des Glasfasernetzes sorgten für eine Monopolstellung, die es Cable Tel als einzigem Konzern in Groß Britannien ermöglichte, den Kunden Fernsehen und Telefondienste aus einer Hand anzubieten. 1996 verfügte Cable Tel über einen Stamm von etwa zweieinhalb Millionen Kunden in Städten wie Glasgow, Cardiff oder Newport. Im selben Jahr kauften Knapp und Blumenthal schließlich NTL, den privatisierten Nachfolger der britischen Kabelnetzbehörde IBA (Independent Broadcasting Authority), dessen Namen sie 1998 für ihr gesamtes Unternehmen adaptierten.  Durch ein Joint-Venture mit Virgin.net stieg NTL in das Internetzugangsgeschäft ein und expandierte auch zunehmend außerhalb des Vereinten Königreiches, etwa durch Minderheitsbeteiligungen an der deutschen Firma eKabel oder dem schwedischen Pendant Svenska Bredbandsbolaget.

Allerdings zeigte der ab dem Jahr 2000 einsetzende Zusammenbruch des Telekommunikationsmarkts NTL mehr als deutlich die Grenzen des Wachstums auf. Ein verantwortungsloser Umgang von CEO Knapp mit den in Zeiten der Euphorie der Neunziger zur Verfügung gestellten Bankkrediten ließ NTL einen Schuldenberg von 19 Milliarden Euro anhäufen, der 2002 in die Insolvenz führte.
Im Zuge der Rekapitalisierung des Konzerns wurde die Führungsetage ausgewechselt, der kontinentaleuropäische sowie der irische Geschäftsbereich abgestoßen und die Rundfunksparte an die Macquire Communications Infrastructure Group veräußert. Stattdessen begann man 2005 „Video On Demand“ anzubieten.

Im März 2006 schließlich kreuzten sich die Wege von Telewest und NTL. Die Fusion ließ den neuen Konzern NTL: Telewest Business entstehen, der fortan sogenannte „Triple-Play Services“ anbot (TV, Festnetztelefonie, Breitband).
Doch um das Angebot mittels eines Mobilfunkdienstes eine Stufe höher auf „Quadruple-Play“ (Triple-play + Mobilfunk) zu erweitern, schloss NTL:Telewest im Juli 2006 die Akquisition von Virgin Mobile ab, der Mobilfunksparte von Sir Richard Bransons Firmenimperium Virgin Group. Für 962 Millionen Pfund wechselte Virgin Mobile den Besitzer, wobei Branson sowohl Bargeld als auch mehr als zehn Prozent Aktienanteile am neuen Konzern erhielt. Aufgrund der Attraktivität und dem Bekanntheitsgrad der Marke „Virgin“ wurde vor der Übernahme eine Vereinbarung über ein 30 Jahre andauerndes exklusives Nutzungsrechte des Namens der Marke Virgin ausgehandelt. Seit Februar 2007 firmiert der Zusammenschluss aus NTL: Telewest Business und Virgin Mobile unter dem Namen Virgin Media Inc..

Das erste Geschäftsjahr war für Virgin Media vor allem durch einen in der Öffentlichkeit ausgetragenen Schlagabtausch mit der konkurrierenden News Corp.-Tochter British Sky Broadcasting (BSkyB) geprägt. BSkyB, der Betreiber des größten Pay-TV-Anbieters Sky wurde bis Ende 2007 von James Murdoch, dem Sohn von Medienmogul Rupert Murdoch, gemanagt und strahlt traditionell die attraktiveren Hollywood-Serien sowie englischen Premier League-Fußball aus.
Ausgangspunkt für die Fehde waren Pläne von Virgin Media, mit dem Marktführer unter den britischen Privatfernsehsendern, ITV, zu fusionieren. Doch als James Murdoch davon erfuhr, eignete er sich für eine knappe Milliarde Pfund Aktienanteile an ITV an und ließ auf diese Weise die Fusion platzen.
Die entrüsteten Reaktionen von Seiten Virgin Media ließen nicht lange auf sich warten. Ex-CEO Burch nannte BSkyBs Geschäftspraktiken „unfair“. Richard Branson bezeichnete Murdoch als „Gefahr für die Demokratie“. Er drängte Wirtschaftsminister Alistair Darling dazu, eine Untersuchung bei der Ofcom-Behörde (Office for Communication) einzuleiten. Diese kam zu dem Ergebnis, dass Sky seine Anteile an ITV wieder verkaufen muss, was der Satellitensender erst Anfang 2010 zähneknirschend akzeptierte.

In der Zwischenzeit übte sich BSkyB in Vergeltung und entfernte im März 2007 praktisch über Nacht Sky-Sender, die Top-Serien wie „Lost“, „24“ oder „The Simpsons“ ausstrahlen aus den Fernsehpaketen für Virgin Media-Kunden. Zuvor hatte BSkyB die illusorische Forderung gestellt, die Sender für 35 Millionen Pfund im TV-Angebot von Virgin Media zu belassen, worauf sich die Virgin-Verantwortlichen nicht einließen. Der Schachzug, die Fernsehkonsumenten von ihren Lieblingsformaten abzukappen, wurde als besonders niederträchtiger Versuch gewertet, die Virgin-Kunden zu BSkyB zu locken. Tatsächlich verlor Virgin Media im zweiten Quartal 2007 rund 40.000 Kunden. Ihre Rivalität hinderte die beiden Konkurrenten jedoch nicht daran, Geschäfte miteinander zu machen. Nach einjährigen Verhandlungen verkaufte Virgin Media im Juni 2010 sämtliche seiner Fernsehkanäle für 160 Millionen Pfund an BskyB.

Management

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Virgin Medias erster Geschäftsführer Stephen Burch trat nach weniger als einem Jahr bereits zurück und wurde von Neil Berkett beerbt. Berketts Engagement war anfänglich nur als Interimslösung gedacht, der Konzern beauftragte eigens eine entsprechende Agentur für die Suche eines offiziellen Nachfolgers. Im März 2008 schließlich wurde der gebürtige Neuseeländer als offizieller CEO von Virgin Media inthronisiert . Ein Vorteil des als pragmatisch geltenden Berketts ist es, dass er sich offensichtlich besser mit dem einflussreichen Vorstandsvorsitzenden Mooney versteht als Vorgänger Burch. Ein erstes Ausrufezeichen setzte Berkett im März 2008, als er die Idee der Netzwerk-Neutralität als „einen Haufen Schwachsinn“ bezeichnete, und ankündigte, jeden Internet-Service oder jede Website, die nicht bereit wäre, eine Extra-Gebühr an Virgin Media zu zahlen „in die Warteschleife“ zu stellen.

Nicht ins operative Tagesgeschäft involviert, dafür aber mit 6,5-Prozent Aktienbesitz viertgrößter Anteilseigner ist Sir Richard Branson. Der Entrepreneur und „Hippie-Milliardär“ (FAZ) fungiert jedoch nicht nur als Namengeber, sondern bezieht auch immer wieder Stellung zu wichtigen Unternehmensfragen. Dabei spielt seine langjährige Erfahrung publicitywirksamer Selbstinszenierungsauftritte im Namen der Virgin Group eine wichtige Rolle, um nun auch den Virgin Media-Konzern angemessen zu promoten. Branson operiert Zeit seines Lebens mit dem „Trial & Error“-Prinzip: Bei den über 350 verschiedenen Firmen seines Imperiums, zu denen u. a. ein Cola-Ableger, ein Brautkleid-Hersteller, eine samoanische Billigfluglinie und ein Betreiber von Weltraumtourismus gehören, investiert er scheinbar wahllos Kapital in verschiedene Unternehmungen, um sich je nach Profit von ihnen wieder zu trennen oder an ihnen festzuhalten. Laut der im April 2010 von der Sunday Times veröffentlichten "Rich List" ist Richard Branson der reichste Medienunternehmer Großbritanniens.

Branson verkaufte im May 2009 einen erheblichen Teil seiner Virgin Media-Anteile und trat die Stimmrechte für 12,8 Millionen Aktien an die Credit Suisse-Gruppe ab. Branson benötigt das Geld aus dem Verkauf, um in seine anderen weltweiten Projekte, darunter vor allem die amerikanische Fluglinie Virgin America, zu investieren.

Virgin Media gilt als einer der schlechtesten Arbeitgeber in Großbritannien. Für Aufsehen sorgte ein Anfang 2008 im Internet veröffentlichter Brief eines Servicemitarbeiters, der an Sir Richard Branson gerichtet war. Der anonyme Techniker ist dafür verantwortlich, im Auftrag von Virgin Media die Internetzugänge der Kunden zu installieren. Er skizzierte ein deprimierendes Bild über die Arbeitszustände der Servicekräfte, die von Virgin an die Firma Avonline ausgelagert wurden. Dem Brief zufolge leidet die Mehrheit der Belegschaft von Avonline unter Erschöpfungssymptomen, die aus einer den Mindestlohn unterschreitenden Bezahlung (weniger als umgerechnet fünf Euro pro Stunde), 72-Stunden-Wochen und mangelnder technischer Ausrüstung resultieren. Da die Techniker bei Hausbesuchen der Kunden zum Gesicht des Unternehmens werden, bekommen sie den ganzen Zorn unzufriedener Virgin-Kunden jeden Tag aufs Neue zu spüren.

Geschäftsfelder

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Virgin Media bietet seinen Kunden digitales Fernsehen, Mobilfunk- und Festnetztelefonie, sowie Breitband-Internetdienste. Ein als "Quadruple-Play" vermarktetes Paket aller vier Dienste, einst das wichtigste Produkt von Virgin Media, verliert zunehmend an Bedeutung. Unter CEO Berkett konzentriert sich das Unternehmen vor allem auf schnelle Breitband-Internetdienste.

Virgin Broadband
4.2 Millionen Menschen in Großbritannien nutzen die Breitband-Dienste von Virgin Media. Virgin Broadband bietet Nutzern - abhängig von ihrem Standort - verschieden schnelle Verbindungsgeschwindigkeiten an. Das ambitionierteste Projekt soll Ende 2010 abgeschlossen werden: Ultra-schnelles Breitband-Internet ("Wideband") mit einer Übertragungsrate von 100 MB pro Sekunde. Damit würde Virgin Media neben Japan (wo in einigen Regionen Übertragungsraten von 160-200 MB pro Sekunde möglich sind) zum schnellsten Internet Service Provider der westlichen Hemisphäre werden. Doch damit nicht genug: Mit Hilfe des neuen Telekommunikationsstandard DOCSIS3 (Data Over Cable Service Interface Specification) plant Virgin Media in naher Zukunft sogar Übertragungsraten von 400 Mbps anzubieten.

Neil Berketts Haltung zum Thema Netzwerk-Neutralität (siehe Management) droht für das Unternehmen zu einem ernsthaften Problem zu werden. Als Reaktion hat sich in der Internet-Community eine Protestbewegung formiert, an deren Spitze die „STOP Virgin“-Kampagne steht. Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, Virgin daran zu hindern, „das Internet zu zerstören“ und warnt davor, das Internet Service Provider in Zukunft wie Fernsehsender agieren, die ihren Zuschauern vorschreiben, wann sie welche Inhalte abrufen können. Inzwischen hat die Regulierungsbehörde Ofcom angekündigt, einen genauen Blick auf die Praktiken der britischen Telekommunikationskonzerne zu werfen, um zu prüfen, ob sie bestimmte Websites gegenüber anderen in Bezug auf Zugang und Schnelligkeit bevorteilt werden. Zu den Webseiten, die in der Vergangenheit von Virgin Media zeitweise gesperrt wurden, zählen unter anderem die Sharehoster Rapidshare und Megaupload.

Die Virgin Media-Kunden müssen sich zudem um ihre Privatsphäre sorgen. Genau wie die Internet Service Provider der Konkurrenzunternehmen BT und Carphone Warehouse kooperiert auch Virgin Media mit der Online-Firma Phorm, die in der Vergangenheit als Produzent von Spyware in Erscheinung getreten ist. Phorm generiert seinen Umsatz, indem es Daten aus den Surfgewohnheiten eines Users an werbetreibende Firmen vermittelt, die daraufhin zielgruppengerichtete Werbung schalten. Der Internet-Think Tank „Foundation for Information Policy Research“ (FIPR) bezeichnete Phorm als “illegal”. Nachdem sowohl Amazon als auch die Wikimedia Foundation ihre Zusammenarbeit mit Phorm aufgrund schlechter Publicity beendet haben, überdenkt nun auch Virgin Media seine Partnerschaft.

Doch seit Ende 2009 laufen Datenschützer gegen eine weitere geplante Maßnahme von Virgin Media Sturm. Das Unternehmen plant mittels dem auf der Deep Packet Inspection-Technologie basierenden Programm CView das Ausmaß der Internet-Piraterie seiner Nutzer zu messen. Bemerkenswert ist dies vor allem, da Virgin Media diese Messungen freiwillig vornimmt und nicht von Regierungsseite dazu verpflichtet wird. Andere Internet Service Provider haben sich in der Vergangenheit damit gerühmt, keine DPI-Scans vorzunehmen, um die Privatssphäre der Nutzer zu respektieren. Virgin Media agiert mit dem Einsatz von CView in einer rechtlichen Grauzone. Der britische Datenschutz-Aktivist Alexander Hanff hat Virgins Gebrauch von Cview als illegal bezeichnet, da es unter Berücksichtigung der Gesetze RIPA (Regulation of Investigatory Powers Act) und PECR (Privacy and Electronic Communications Regulations) einer richterlichen Anordnung bedarf, den Datenverkehr von 1,6 Millionen Internetnutzern auszuspionieren. CView, das vom Rüstungskonzern BAE Systems entwickelt wurde, wird auch von diversen Regierungen zum Schutz der nationalen Sicherheit benutzt. Für Virgin Media soll das Programm den Inhalt der (anonymisierten) Daten auf Verletzungen von Urheberrechten überprüfen. Auf diese Weise kann etwa ermittelt werden, welcher Song am häufigsten illegal heruntergeladen wurde.

Virgin Media-Chef Neil Berkett ist einer der verhementesten Kritiker von "Project Canvas", dem online-basierten Video-On-Demand-Dienst, den die BBC gegenwärtig gemeinsam mit Channel Four, Channel Five und ITV sowie den Telekommunikationskonzernen BT, TalkTalk und Arqiva entwickelt. Das Joint-Venture hat sich zum Ziel gesetzt, eine Open Source-basierte Plattform, die den Fernsehkonsum über das Internet (via spezieller Set-Top-Boxen) vereinheitlichen und vereinfachen soll. Virgin Media hat als Anbieter von Bezahl-Kabelfernsehen naturgemäß kein Interesse an einer Verbreitung solcher virtual cable-Technologien. Als der BBC-Trust das Vorhaben im Februar 2010 unter Auflagen genehmigte, tobte Berkett und sprach davon, der Trust hätte Project Canvas einen Persilschein ausgefüllt. Der Trust, so Berkett, sei offensichtlich strukturell nicht in der Lage, das Management der BBC effektiv zu kontrollieren. Mit der Genehmigung hätte die BBC bald die Rolle des Gatekeepers in Bezug auf Online-Fernsehen. Inzwischen hat Berkett seine Meinung insoweit geändert, als dass er im "Guardian" äußerte, dass Virgin Media gerne Teil von Project Cavas wäre. Doch dazu, so Berkett, müsste Project Canvas noch offener werden, da es ansonsten einen "restriktiven und wettbewerbschädlichen Versuch darstelle, die Zukunft des Home Entertainments zu kontrollieren".

Virgin Mobile
4.5 Millionen Menschen in Groß Britannien nutzen den Mobilfunkservice von Virgin Media. Wie bei herkömmlichen Anbietern können die Kunden zwischen diversen monatlichen Komplettpaketen, sowie verschiedenen Pay-as-you-go-Tarifen auswählen.

Virgin Phone
Virgin Phone ist das Festnetzpendant zu Virgin Mobile.

Virgin Television
Nach dem Verkauf seiner Fernsehsparte an BskyB tritt Virgin Television nur noch als Anbieter und Distributor von Kabelkanälen von Drittanbietern auf.
Gegen Ende 2010 plant Virgin Media gemeinsam mit der US-Firma Tivo, die seit geraumer Zeit digitale Videorecorder produziert, eine Set-Top-Box auf den Markt zu bringen. Damit koppelt Virgin über Breitband übertragenes On-Demand-Fernsehen und Internet mit regulärem Free-TV. Mit Hilfe der Technologie von Tivo können die verschiedenen Sendungen, Sender und Internet-Clips aufgezeichnet werden. Die bekannten Tivo-Suchfunktionen sollen wiederum mit Werbung versehen und vermarktet werden.

Games
Virgin Media möchte in Zukunft verstärkt in den Video- und Computerspielbereich investieren. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde im Februar 2010 unternommen, als Virgin Media gemeinsam mit dem Videospiel-Portal Videogamer.com eine eigene Website rund um Videospiele launchte. Im Juni 2010 wurde zudem die führende Videospiel-Turnierseite World Gaming akquiriert.

Aktuelle Entwicklungen

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Das Jahr 2010 begann erfreulich für Virgin Media. Dem Unternehmen wurde von mehreren Banken ein weiterer Kredit in Höhe von insgesamt 1,25 Milliarden Pfund gewährt. Mit dem Kredit, der bis spätestens 2015 zurückgezahlt werden muss, soll der anhaltende Expansionskurs finanziert sowie der bestehende gigantische Schuldenberg von 6,1 Milliarden Pfund partiell beglichen werden. Wann das Unternehmen schwarze Zahlen schreiben wird, ist unklar. Im Kalenderjahr 2009 generierte Virgin einen Netto-Verlust von mehr als 350 Millionen Euro.

Mit dem Verkauf seiner Fernsehsender an BskyB im Juni 2010 hat sich Virgin Media endgültig aus der Produktion von Inhalten zurückgezogen. Virgins TV-Werbevermarkter IDS schloss seine Pforten und die Werbezeit wird zukünftig von Sky verkauft. Im Gegenzug wurde der jahrelange Disput über die Vorenthaltung von Sky-Programmen in Virgins Kabelnetz beendet, indem Virgin Media im Rahmen des Verkaufs ein langjähriges Recht eingeräumt wurde, die Sender Sky1, Sky News, Sky Arts sowie Skys HD-Sportkanäle zu vertreiben. 

Mit Spannung wird Virgin Medias angekündigtes Musikportal erwartet. Gemeinsam mit der zum Medienkonzern Vivendi gehörenden Universal Music Group plant Virgin Media, Anfang 2011 einen Flatrate-Dienst für den unbegrenzten Download von Musikstücken zu starten (Arbeitstitel: MusicFish). Gegen eine Extra-Gebühr von 6,49 Pfund oder als Teil eines Breitband-Flatrate sollen zahlende Kunden beliebig viele Songs herunterladen dürfen und diese auch behalten. Verhandlungen mit den vier großen Labels EMI, Sony, Universal und Warner wurden zwecks Kooperation erfolgreich abgeschlossen. Konkurrent BskyB bietet seit geraumer Zeit bereits eine solche Musik-Flatrate an ("Sky Songs"). Experten glauben, dass die Verknüpfung von Internet-Flatrates mit Musik-Flatrates den britischen Internet-Anbietern Gewinne in Höhe von 200 Millionen Pfund bescheren kann.