45. RCS Media Group
Umsatz 2007: € 2,738 Mrd.
Überblick
Die RCS Media Group ist die größte Verlagsgruppe Italiens. Sie vertreibt Tageszeitungen, Zeitschriften und Bücher. Außerdem ist sie in den Bereichen Rundfunk, Werbung und Internet aktiv. Zu ihr gehört die wichtige italienische überregionale Tageszeitung “Corriere della Sera”, die in Mailand erscheint. Hohe Verbreitung und Bekanntheit genießt außerdem die siebenmal wöchentlich erscheinende Sportzeitung “La Gazzetta dello Sport”. RCS macht 40 Prozent des Geschäfts außerhalb von Italien und ist damit die am stärksten auf ausländischen Märkten vertretene italienische Verlagsgruppe. Zu ihr gehören die spanische Tageszeitung “El Mundo” sowie Verlage in Frankreich und Großbritannien. Der Verlag ist an der Mailänder Börse notiert.
Basisdaten
Hauptsitz:
Via San Marco 21
20121 Mailand, Italien
www.rcsmediagroup.it
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. – 31.12.
Gründungsjahr: 1909
2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | |
Umsatz | 2.206 | 2.673 | 2.737 | 2.379 | 2.191 | 2.150 | 2.236 |
Gewinn nach Steuern | -129,7 | 38,3 | 219.7 | 219,5 | 219,3 | 102,6 | 46,1 |
Beschäftigte | 6.427 | 6.701 | 6.944 | 5.179 | 5.210 | 4.902 | 5.580 |
Geschäftsführung
Geschäftsführung/Verwaltungsrat:
- Präsident: Piergaetano Marchetti*
- Vizepräsident: Renato Pagliaro*
- CEO: Antonello Perricone*
Board of Directors:
- Raffaele Agrusti
- Roberto Bertazzoni
- Gianfranco Carbonato
- Claudio De Conto*
- Marco De Luca*
- Diego Della Valle*
- John P. Elkann*
- Giorgio Fantoni
- Berardino Libonati
- Jonella Ligresti
- Giuseppe Lucchini
- Paolo Merloni
- Andrea Moltrasio
- Carlo Pesenti*
- Virginio Rognoni
- Alberto Rosati
- Enrico Salza*
(*) Mitglieder des Executive Committee
Besitzverhältnisse: 65,7% der Aktien befinden sich in Besitz eines Stimm- und Beratungstrusts. Die größten Anteilseigner in diesem Block sind Mediobanca (13,7%) und FIAT (10,3%). Ferner gehören dem Pakt der Kontrollaktionäre mit Anteilen um 5% Banca Intesa, Pirelli, Versicherung Generali, Ligresti und Dorint Holding (Diego Della Valle) an. Andere Aktionäre: 21%. Streubesitz: 12,2%.
Geschichte und Profil
Die Geschichte der RCS Media Group (vormals RCS/Rizzoli-Corriere della Sera Group) ist eng verbunden mit der Verlegerfamilie Rizzoli. Den Grundstein des heutigen Unternehmens legt 1909 Angelo Rizzoli (1889-1970). Im Alter von 20 Jahren gründet der in einem Waisenhaus aufgewachsene Mailänder eine Druckerei, 1929 folgt die Gründung des Verlages Rizzoli & Co., der vier Zeitschriften verlegt: „Novella“, „Commedia“, „La Donna“ und „Il Secolo Illustrato“. 1943 gründet Rizzoli die Produktionsgesellschaft „Cineriz“, welche die Don-Camillo-und-Peppone-Serie sowie später Filme von de Sica und Fellini („La Dolce Vita“, „Otto e Mezzo“) produziert. Nach Kriegsende nutzt Rizzoli die neue Pressefreiheit zur Gründung einer Reihe von Wochenzeitschriften. 1945 erscheinen die ersten Ausgaben von „Oggi“ und „Candido“ mit einer monarchistischen bis reaktionären Linie. („In der Wahlkabine sieht Gott dich, nicht Stalin.“). Erster Chefredakteur von „Oggi“ ist Edilio Rusconi, der 1956 den Rusconi-Verlag gründet. 1953 erwirbt Verleger Rizzoli den Hauptanteil an der Zeitschrift „L’Europeo“, die klar Position für die junge Republik bezieht. Für „L’Europeo“ schreiben bis zur vorübergehenden Einstellung 1995 viele bedeutende italienische Journalisten. Als Rizzoli 1970 stirbt, übernimmt Sohn Andrea die Geschäfte. Rizzoli Editore, zu dieser Zeit der größte Verlag Italiens, gerät jedoch ab 1974 in Schieflage. Auslöser ist der Kauf der Kommanditgesellschaft Editore del Corriere, die die 1876 gegründete Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ herausgibt.
Der „Corriere della Sera“ ist neben dem Verlag Rizzoli die zweite Keimzelle der RCS Media Group. Das renommierte Blatt ist seit Jahrzehnten eine der führenden Tageszeitungen Italiens. Zu Beginn der siebziger Jahre wird allerdings auch der „Corriere“ von der allgemeinen Strukturkrise im Pressesektor erfasst. Aufgrund der angespannten Lage auf dem Zeitungsmarkt verkaufen die Familie Crespi, FIAT-Boss Gianni Agnelli und andere ihre Anteile an den Verleger Rizzoli. Dieser kann das Blatt jedoch nicht sanieren, da die Politik Preisanpassungen untersagt und die staatlichen Banken Kredite zurückhalten. Damit soll Druck auf den für die Regierung unbequemen Chefredakteur Piero Ottone ausgeübt werden. Der kritische Ottone wird 1977 abserviert. 1980 übernimmt Angelo Rizzoli, Enkel des Unternehmensgründers, das Ruder des Konzerns. Als Konsequenz der finanziellen Krise des „Corriere“ gerät Angelo Rizzoli und mit ihm das Verlagshaus in den Strudel der Skandale, die das Italien der beginnenden 80er Jahre erschüttern. Mit dem Zusammenbruch der Ambrosiano-Bank steht auch Rizzoli vor dem Konkurs. Der Verlag wird unter staatliche Kontrolle gestellt und schließlich 1984 an die FIAT-Finanzgesellschaft „Gemina“ verkauft. Außerdem sichert sich der Mailänder Bauunternehmer Silvio Berlusconi (Mediaset in der Mediendatenbank) die erfolgreiche Fernsehzeitschrift „TV Sorrisi e Canzoni“. Die Übernahme des in RCS/Rizzoli-Corriere della Sera umbenannten Verlags spiegelt den Trend wider, dass Tageszeitungen in Italien zu großen, branchenfernen Konzernen gehören. In den Jahren nach der Übernahme durch FIAT expandiert RCS. Allerdings gelingt es nicht, wie geplant im aufkommenden privaten Fernsehmarkt Fuß zu fassen. Das TV-Engagement mittels des Senderzusammenschlusses PIN (Prima Rete Indipendente) wird 1981 beendet. Stattdessen wird eine Reihe von Verlagen aufgekauft. Hinzu kommen Aktivitäten in den Bereichen Home-Video und Kino sowie eine 45-prozentige Beteiligung an der zweitgrößten spanischen Tageszeitung „El Mundo“. Eine zweiprozentige Beteiligung am französischen Privatsender TF1 wird 1993 verkauft.
Mitte der neunziger Jahre gerät RCS/Rizzoli-Corriere della Sera erneut in die Krise, als zehn Haftbefehle gegen Manager der Gruppe und Gemina wegen Bilanzmanipulation ergehen. Verluste sind verschleiert worden. Im Zuge der folgenden Sanierung müssen 1000 Angestellte gehen und zudem wird die traditionsreiche Filmproduktions- und Distributionssparte aufgelöst. Auch die Überkreuzbeteiligung mit dem deutschen Burda-Konzern wird umstrukturiert. 1997 erfolgt die Umwandlung in die RCS S.p.A., die Kernstück der Holding HdP (Holding di partecipazioni Industriali) ist. Die Familie von FIAT-Gründer Agnelli hält eine Sperrminorität an der Holding, zu der auch der Sportartikelhersteller FILA gehört. RCS expandiert unterdessen weiter international, indem die Gruppe weitere Verlage zukauft: So kann man sich beispielsweise mit der Akquise von Flammarion auf dem französischen Markt positionieren. 2001 startet RCS zudem die Gratiszeitung „City“ in Mailand. Die Holding HdP verkauft 2003 die Sportbekleidungsfirma FILA an den Finanzinvestor Cerberus, womit man sich endgültig auf RCS, also den Medienbereich konzentriert. Ausdruck dieser Neuausrichtung ist die Umbenennung der Holding in RCS Media Group.
Die RCS-Gruppe ist heute in den Bereichen Tageszeitungen, Zeitschriften, Bücher und Rundfunk aktiv.
Management
Die RCS Media Group wird von einem Stimm- und Beratungstrust kontrolliert, der 65% der Aktien hält. Der Trust gibt die Verlagsstrategien vor und trifft wichtige Personalentscheidungen. Er nimmt eigenen Angaben zufolge keinen Einfluss auf einzelne Entscheidungen von Verwaltungsrat, Management oder Journalisten der Gruppe. Präsident des RCS-Syndikatspakts ist der Zementuntermehmer Giampiero Pesenti, der 2004 auf den Stahlunternehmer Luigi Lucchini folgte.
Der RCS-Stimm- und Beratungstrust wird von der eng verbandelten Industrie- und Finanzelite Italiens beherrscht. Mitglieder des Pakts sind etwa die Finanzinstitute Mediobanca und Banca Intesa sowie der Versicherungskonzern Generali. Der frühere Mehrheitsaktionär Fiat hält noch gut 10 Prozent an dem Verlag. Außerdem poolten der Reifenhersteller Pirelli, der Bau- und Versicherungsunternehmer Ligresti und der Lederwarenunternehmer Della Valle ihre Anteile in dem Trust. Die Gesellschafter Mediobanca und Fiat entsenden jeweils zwei Mitglieder in den Verwaltungsrat. Alle anderen Anteilseigner bestimmen jeweils ein Mitglied, sofern sie über 2% der Aktien besitzen. Vier der 19 Verwaltungsratsmitglieder sind unabhängig. Der Verwaltungsrat bestimmt aus seiner Mitte den Präsidenten, den Vizepräsidenten, den CEO, das Executive Committee, das Komitee für interne Kontrolle sowie das Komitee für die Vergütung des Managements.
Im März 2010 kam es jedoch zu einer grundlegenden Änderung der Haltung der RCS-Großaktionäre. Erstmals nahmen die Spitzen der italienischen Finanz und Industrie persönlich Platz im Verwaltungsrat der strategisch wichtigsten Verlagstochter RCS Quotidiani, die Tageszeitungen wie "Corriere della Sera" und "Gazzetta dello Sport" herausgibt. Es war die Abkehr von der bisherigen Praxis, Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft als Puffer zwischen den Aktionären und den Presseorganen in den Board zu entsenden.
Zum zweitgrößten RCS-Aktionär ist der Klinikbetreiber Giuseppe Rotelli mit einem Aktienanteil von 10,9% aufgestiegen. Der Unternehmer aus Pavia gehört nicht dem Syndikatspakt von 17 Aktionären an. Im Verwaltungsrat der Holding ist er durch den Anwalt Marco De Luca vertreten. Rotelli baute sein Verlagsengagement durch die Übernahme von Anteilen des römischen Immobilienhändlers Stefano Ricucci aus, der im Sommer 2005 versucht hatte, sich den ehrwürdigen Verlag des "Corriere della Sera" einzuverleiben. Der windige Spekulant stockte seine Aktienbeteiligung innerhalb weniger Wochen von zwei auf 21 Prozent auf. Dann kam die Justiz den krummen Touren des gelernten Zahntechnikers und seiner Geschäftsfreunde, die damals auch einen Übernahmeangriff auf das Kreditinstitut Banca Antonveneta führten, auf die Schliche. Ricucci musste sein RCS-Paket mit einem hohen Millionenverlust verkaufen und wurde verhaftet.
Gewichtige Aktionäre, die nicht dem RCS-Syndikatspakt angehören, sind ferner Edizione Holding der Textilfamilie Benetton (5,1%) und der römische Bauunternehmer Toti (5%).
Geschäftsfelder
Tageszeitungen
Die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ ist eine italienische Institution und das Flaggschiff des traditionsreichen Rizzoli-Verlags. Mit 486.000 verkauften Exemplaren ist sie die auflagenstärkste Zeitung des Landes, dicht gefolgt von "La Repubblica" (457.000) aus Rom. Im April 2009 kehrte Ferruccio De Bortoli als Chefredakteur in das 1876 gegründete Blatt aus der Via Solferino zurück. De Bortoli hatte die Zeitung des lombardischen Bürgertums bereits 1997 bis 2003 geführt. Gegen seine damalige Entlassung hatte die Redaktion mit einem dreitägigen Streik zur Verteidigung der Pressefreiheit protestiert. Viele Journalisten fühlten sich an die siebziger Jahre erinnert, als der "Corriere" stark in politische Machtkämpfe verstrickt war. Der Verlagspräsident beschwichtigte, es habe „keinen politischen Druck gegeben“. Doch im Frühjahr 2009 gab die Ablösung von Chefredakteur Paolo Mieli erneut Anlass zu Spekulationen über eine Einflussnahme seitens der Regierung Berlusconi auf die Entscheidung. Über Wochen hinweg tobte der Kampf um die Absetzung Mielis und die Berufung eines Nachfolgers. Unter den Großaktionären der RCS Media Group herrschte Dissens im sogenannten "Krieg um die Via Solferino". Die Redaktionsversammlung pochte darauf, dass die Zeitung nicht "als Tauschware zwischen wirtschaftlichen Mächten und der Politik" benutzt werden dürfte.
Der "Corriere della Sera" gibt neben der umfangreichen Beilage "Corriere Magazine" verschiedene Supplements („Style Magazine“, „Casamica“, "IO Donna" etc.) sowie Regionalteile für Venetien, Trient, Südtirol, Verona, Rom und Süditalien heraus. Die Online-Ausgabe bietet Archiv, E-Paper, SMS-Nachrichtenservice und Multimediacontent. Die Zeitungsauflage fiel im Krisenjahr 2009 stark. Sie lag im März 2010 gegenüber dem Vorjahresmonat 14,4% niedriger.
Nicht zu unterschätzen ist im fußballvernarrten Italien der Einfluss der täglichen Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ – zumindest auf die Welt des Sports. Im März 2010 wurden 305.000 Exemplare des auf rosa Papier gedruckten Blattes verkauft - 6,4% weniger als im Vorjahr. Die „Gazzetta“ publiziert die Samstagsbeilage „Sportweek“ und eine Internetausgabe. Chefredakteur ist seit Februar 2010 Andrea Monti.
Zur RCS Gruppe gehören weiterhin einige Zeitungen in Spanien, darunter die überregionale Tageszeitung „El Mundo“ aus Madrid.
Gratiszeitung
Die Gratiszeitung „City“, geleitet von Bruno Angelico, startete 2001 in Mailand. Mittlerweile werden Ausgaben in den 15 Städten verteilt, darunter Bari, Brescia, Bologna, Como, Florenz, Genua, Rom, Neapel, Turin und Verona. Die Druckauflage beträgt 850 000 Exemplare. Laut Verlag wird „City“ täglich von 1,7 Mio. Menschen gelesen.
Zeitschriften
Die verschiedenen Verlage der Zeitschriftentochter RCS Periodici geben zusammen 33 Titel heraus, darunter der Klassiker „Oggi“ sowie „Max“ und „Amica“. Der Umsatz der Zeitschriftensparte ging 2009 um 21% auf 246 Mio. Euro zurück. Das Zeitschriftengeschäft litt neben dem Auflagenschwund besonders unter der Verringerung der Werbeerlöse um knapp 30%.
Bücher
Die Gruppe RCS Libri publiziert mit ihren Verlagen und Verlagsbeteiligungen ein breites Programm. Der Umsatz der Gruppe ging 2009 von 692 Mio. auf 579 Mio. Euro (-16%) zurück. Über die Hälfte davon wird im Ausland realisiert. Zur RCS-Büchergruppe gehören die Verlage Adelphi, Bompiani, BUR, Fabbri, Marsilio, Rizzoli, Sonzogno, etc. Auf die französische Tochter Flammarion entfällt ein Großteil des ausländischen Umsatzes. Zur Zweiggesellschaft Divsione Education gehören verschiedene wissenschaftliche Verlage, darunter Oxford University Press. Zu den 100%igen Töchtern kommen Beteiligungen in mehreren Ländern.
Rundfunk
Über eine Beteiligung an Gruppo Finelco ist RCS Media Group im Radiogeschäft aktiv mit den landesweit ausstrahlenden Sendern Radio 105, Radio Monte Carlo und Virgin Radio sowie zahlreichen Web-Radiokanälen. Der Finelco-Anteil wurde im Juli 2009 auf 37,2% erhöht. Die Radio-Sparte sei "strategisch für die Weiterentwicklung integrierter Medienaktivitäten", begründete RCS-Chef Perricone den Schritt. Die Fernsehsparte Digicast baute ihren Umsatz 2009 geringfügig auf 27,6 Mio. Euro aus. RCS bietet fünf Spartenkanäle auf der Satellitenplattform des Senders Sky Italia an.
Werbung
RCS Media Group verfügt über eine Werbetochter, RCS Pubblicità, die italienische Marktführerin im Presse-Werbegeschäft mit einem Anteil von 19% ist. Ferner kontrolliert RCS Pubblicità die Gesellschaft Blei, die Werbung italienischer Unternehmen in ausländischen Medien platziert. Die RCS-Werbetochter hält 34,5 Prozent an IGPDecaux, Italiens Marktführer in der Außenwerbung. Der Umsatz von RCS Pubblicità sank 2010 um 29,4% auf 435,8 Mio. Euro.
Neue Medien
RCS Media Group hält 49,51% an dem börsennotierten Unternehmen Dada aus Florenz, das international Internet- und Handydienste wie Portale, Unterhaltungsangebote und Social-Networking-Plattformen produziert. Dada verwaltet 1,3 Mio. Portale für 430000 Firmenkunden. Die Community "The Music Movement" hat nach Unternehmensangaben 12 Mio. Nutzer in 40 Ländern. Dada beschäftigt mehr als 600 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in Mailand, New York, Barcelona, Paris, London, Peking und Rio de Janeiro. Der Umsatz fiel 2009 um 9% auf 155 Mio. Euro.
RCS Media Group kontrolliert zu 100% die multimediale Presseagentur AGR, die Nachrichten in Text, Audio und Video für Web-Plattformen und lokale TV-Sender anbietet. AGR ist spezialisiert auf die Bereiche News, Sport, Wetter und Verkehrsmeldungen.
Vertrieb
Die RCS Media Group hält 45% an der Firma m-Dis Distribuzione Media, Italiens führendem Pressevertrieb. Die übrigen Anteile gehören den Verlagen De Agostini (45%) und Hachette Rusconi (10%).
Engagement im Ausland
Die RCS Media Group agiert international. Besonders stark ist der Mailänder Verlag in Spanien, wo man über das zu 96,3% kontrollierte Unidad Editorial die zweitgrößte Tageszeitung "El Mundo" (Auflage 300.000), die führende Sportzeitung „Marca“ (Auflage 284.000) und das Wirtschaftsblatt „Expansión“ herausgibt. Unidad Editorial betreibt außerdem eine Reihe von Websites. In Frankreich besitzt RCS mit Flammarion einen der größten Verlage. Ein weiterer wichtiger Auslandsmarkt ist Großbritannien. Oxford University Press beispielsweise verlegt akademische Bücher sowie Schul- und Wörterbücher.
Mit der Beendigung der nahezu zehnjährigen Kooperation zwischen RCS und dem deutschen Medienunternehmen Hubert Burda Media im Jahr 2004 endete auch das Deutschland-Engagement der Gruppe. Die gegenseitigen Beteiligungen wurden gelöst: Burda verkaufte seinen 40%-Anteil an der Zeitschriftengruppe der RCS Media Group, RCS Periodici, an Rizzoli und übernahm von diesem gleichzeitig dessen Anteile an der Burda Verlag Osteuropa GmbH sowie an der Burda RCS International Holding GmbH. Wenige Monate später kaufte Burda der RCS-Gruppe auch noch den 50%-Anteil an der gemeinsamen Burda Rizzoli Verlagsbeteiligungen GmbH ab. Dieser GmbH gehörten 80% an der Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße („Amica“, „Fit for Fun“, „TV-Spielfilm“). Milchstraße ging damit in den Besitz der Hubert Burda Media über.
Aktuelle Entwicklungen
Trotz Stellenabbaus und weiterer Sparmaßnahmen gibt es bei Italiens größter Verlagsgruppe im Frühjahr 2010 noch keine Entwarnung. Die Weltwirtschaftskrise und die miserable Werbekonjunktur haben den Umsatz der RCS Mediagroup 2009 empfindlich gedrückt. Die schwierige Geschäftslage und die Restrukturierungskosten verursachten einen Verlust in Höhe von 130 Mio. Euro. Ende 2009 schwächte sich die negative Entwicklung zwar ab. Eine Trendwende zeichnete sich aber noch nicht ab, konstatierte die Verlagsführung anlässlich der Bilanzpräsentation im März. Am schwersten trifft die Krise das RCS-Werbegeschäft. Der Einbruch der Erlöse zog sowohl die Ergebnisse in Italien als auch in Spanien nach unten. Der Auflagenschwund bei Tageszeitungen, Zeitschriften und Magazinen fiel zum Teil sehr deutlich aus. Auch auf dem Wachstumsmarkt Neue Medien trübte sich die Lage ein. So hatte der Anbieter von Internet- und Handy-Diensten Dada mit einem verschärften Wettbewerb und sinkenden Margen zu kämpfen. 2010 erwarten die Spitzen des Mailänder Großverlags eine allgemeine Verbesserung der Lage. Man stelle sich auf "ein Jahr des Übergangs" ein, heißt es vorsichtig.
Um die Kostenstruktur an die Einbußen durch die Werbe- und Auflagenkrise anzupassen, beschloss RCS am 14. Mai 2009 strukturelle Maßnahmen zur Einsparung von 200 Mio. Euro im Jahr. "Die Kostenreduzierungen wurden zum Großteil bereits 2009 umgesetzt", meldete der Verlag im vergangenen März. RCS strich 586 Stellen. Im Juli hatte sich die Verlagsführung mit den Journalistengewerkschaften auf den Abbau von 100 Stellen in den RCS-Redaktionen geeinigt. Der Wegfall von Redakteursstellen trifft vor allem den "Corriere della Sera" (49 Stellen) und die angeschlagene Zeitschriftensparte (35 Stellen). Anfang 2010 wurden weitere Absprachen mit den Gewerkschaften zur Frühpensionierung von Druckern, Journalisten und Verlagsangestellten getroffen. Auch bei der spanischen Tochter Unidad Editorial schieden 180 Mitarbeiter aus. Die Kosten des Stellenabbaus habe man weitgehend bereits im Bilanzjahr 2009 verbucht, was zu dem hohen Verlust geführt habe, teilte Verlagschef Perricone mit. Man erwarte nun, dass sich die positiven Effekte der Kürzungen 2010 bemerkbar machen.
Weiterhin wird auch die Veräußerung von Sparten und Beteiligungen erwägt, die nicht zum Kerngeschäft gehören. RCS verkaufte im März 2010 seine 10%-Beteiligung an der Florentiner Verlagsgruppe Poligrafici, die große Regionalzeitungen wie "La Nazione", "Il Resto del Carlino" und "Il Giorno" herausgibt. Weitere konkrete Schritte erfolgten jedoch nicht. Perricone stellte lediglich fest, dass die spanische Tageszeitungsgruppe Unidad Editorial als "strategische Beteiligung" angesehen wird. Unidad Editorial schloss ein Abkommen mit Gruppo Bermont zur Gründung eines gemeinsamen Druckereiunternehmens in Spanien, an dem die RCS-Tochter 37% hält. Die Gemeinschaftsfirma soll Effizienzsteigerungen im Druckgeschäft herbeiführen.
Inhalte
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- Daily Mail & General Trust plc
- Quebecor Inc.
- TF1 S.A.
- Hubert Burda Media Holding Gmbh & Co.