41. France Télévisions S.A.

Umsatz 2007: € 2,928 Mrd.

Überblick

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France Télévisions ist eine staatliche TV- und Radioholding und beschäftigte 2008 rund 10.000 Mitarbeiter in 40 Tochterunternehmen.

Basisdaten

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Hauptsitz:
7, esplanade Henri de France
75907 Paris, Frankreich
Tel.: 0033-1-56 22 60 00
Internet: www.francetelevisions.fr 

Branche: Fernsehsender (Free TV, Pay TV), TV- und Filmproduktion, Vertrieb, Werbezeitenvermarktung, Verlag, Multimedia
Rechtsform: Aktiengesellschaft in staatlichem Besitz Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12. Gründungsjahr: 1949 Gründung der RTF (Radio et Télévision Françaises); 1974 Aufspaltung des ORTF (Office de la radio et de la télévision françaises, RTF-Nachfolgeholding) in die Fernsehsender TF1 (1987 privatisiert), Antenne 2 und FR3; 2000 Gründung von France Télévisions S.A., Holding aller öffentlichen TV-Sender.

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten

2008

2007

2006

2005

Etat/Umsatz (in Mio. Euro)

2.750,3

2.927,7

2.856,5

2.711

Beschäftigte

10.135

11.500

10.997

10.983

Geschäftsführung

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Geschäftsführung / Vorstand (Membres du comité de direction):

  • Patrick de Carolis, Président Directeur Général
  • Patrice Duhamel, Directeur général en charge des antennes, des programmes et de l’information
  • Camille Pascal, Secrétaire général
  • Damien Cuier, Directeur général en charge de la gestion, des finances et des ressources humaines
  • Geneviève Giard, Directrice générale déléguée en charge des réseaux régionaux
  • François Guilbeau, Directeur général délégué en charge de la fabrication, des technologies, et des développements numériques
  • Claude-Yves Robin, Directeur général délégué en charge du marketing et de la communication
  • Yves Garnier, Directeur général adjoint en charge des moyens des antennes
  • Kim Pham, Directeur général adjoint en charge de la gestion et de l’organisation
  • René Maisonneuve, Directeur général adjoint en charge des ressources humaines
  • Roger Gicquel, Directeur général adjoint des réseaux et directeur des opérations
  • Christian Vion, Directeur général adjoint à la fabrication, aux technologies, et aux développements numériques
  • Laurence Tourcher, Directrice générale adjointe marketing et communication
  • Arlette Chabot, Directrice générale adjointe en charge des journaux télévisés nationaux
  • Paul Nahon, Directeur général adjoint en charge des magazines d’information
  • Daniel Bilalian, Directeur général adjoint des sports
  • Maria Sanchez-Perez, Directrice financière
  • Sylvie Courbarien, Directrice juridique
  • Philippe Vilamitjana, Directeur des programmes
  • Philippe Santini, Responsable de la filière commerciale


Besitzverhältnisse: Französischer Staat (100%)

Geschichte und Profil

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France Télévisions ist Rechtsnachfolger des staatlichen französischen TV-Senders (RTF - Radiodiffusion-télévision française, ab 1949) bzw. der Sendergruppe ORTF (Office de Radiodiffusion-Télévision Française, ersetzte die RTF 1964). 1974 wurde der ORTF aufgelöst. France 2, 1963 als zweiter Kanal der RTF etwa zeitgleich mit dem ZDF gestartet, und France 3, gegründet 1972, erhielten je einen autonomen Status. 1992 wurden beide Kanäle unter dem Namen France Télévision (ohne „s“) wieder zusammengeführt, der Posten eines gemeinsamen Präsidenten wurde eingerichtet. 2000 entstand France Télévisions S.A. als Holding der öffentlichen Fernsehsender, eine Aktiengesellschaft unter staatlicher Kontrolle. Das Mandat des Präsidenten wurde von drei auf fünf Jahre verlängert.

Dann kam Nicolas Sarkozy. Seine Neujahrsansprache 2008 hinterließ eine verblüffte, z.T. konsternierte Medienwelt. Der Präsident wünschte sich mehr Qualität im öffentlichen Fernsehen und weniger (erfolgreiche) US-Serien und zauberte gleich einen Plan für ein totales Werbeverbot im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aus dem Hut: die Abschaffung von Werbung nach 20 Uhr ab dem 5. Januar 2009; die komplette Werbefreiheit ab 2011. Für France Télévisions bedeutet das, ab 2009 auf 20-30% des Etats (823 Mio. € für Werbung und Sponsoring 2007, 618,5 Mio. € in 2008) verzichten zu müssen. Das Werbeverbot („une révolution culturelle dans le service public de la télévision“) sorgte umgehend für Proteste. Es kam zu einem kurzen Streik, die Mittagsnachrichten fielen aus. Die linksgerichtete Libération schrieb von einem „800-Millionen-Euro-Scheck“ für Sarkozy-Spezi Martin Bouyges, Besitzer des Privatsenders TF1 und, wie es schien, größter Profiteur der Angelegenheit. Von Gewerkschaftsseite hieß es, der Präsident wolle das öffentliche Fernsehen „ausbluten“ lassen. Media-Agenturen und Werbewirtschaft sprachen von einer möglichen „Destabilisierung“ des Marktes, ganze Zielgruppen könnten wegfallen (Besserverdiener, Über-50-Jährige).

Im Februar wurde eine Ad-Hoc-Kommission („commission pour la nouvelle télévision publique“) unter Vorsitz des UMP-Abgeordneten Jean-François Copé eingerichtet, um über die Zukunft des öffentlichen Fernsehens nachzudenken, die Möglichkeiten der Refinanzierung der Werbefreiheit auszuloten und auch, wie Libération schrieb, um der spontanen Verkündung des Präsidenten einen demokratischen Anschein zu geben. Die Sendergewerkschaft nannte das Ganze eine „Maskerade“, eine „Operation zur Tarnung einer Zerschlagung des öffentlichen Fernsehens zugunsten des privaten Sektors“. Schon bald zeichnete sich ab, dass der Präsident den Empfehlungen der Kommission, v.a. einer Erhöhung der Rundfunkgebühren, nicht folgen würde (die französischen Gebühren liegen derzeit mit 116 € pro Jahr deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 161 €).

Anfang März 2009 wird das „Gesetz zur Reform des audiovisuellen Sektors“ verabschiedet und verkündet. Die wichtigsten Maßnahmen: das Werbeverbot im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dessen zukünftige Finanzierung (eine Steuer für Privatsender von 3% des Umsatzes, eine Steuer für Internet- und Handyanbieter von 0,9% des Umsatzes) sowie die äußerst umstrittene Ernennung der Präsidenten der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten im Ministerrat durch den Staatspräsidenten.

Vor allem der letzte Punkt rief besorgte Reaktionen hervor, im In- und Ausland sieht man seitdem die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Frankreich gefährdet. Gerade einmal ein Jahr hat es gedauert, um die französische Medienpolitik neu zu definieren, um die Einflussnahme des Staates auf die öffentlichen Kanäle spürbar auszuweiten. Was im Rest Europas so, d.h. auch ohne nennenswerte Opposition wohl nicht denkbar wäre, siehe das über vier Jahre mit großem Aufwand und einem hohen Maß an gesellschaftlicher Mitbestimmung erarbeitete Modell der BBC-Charta, oder das komplexe und penibel ausgewogene System zur Findung eines ZDF-Intendanten. Unmissverständliche Signale also aus dem Élysée: zurück zum Staatsfernsehen.

Management

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Patrick de Carolis, Jahrgang 1953, Journalist und TV-Moderator, fungiert seit Juli 2005 als Président Directeur Général. Er kam so nach oben wie viele beim französischen Staatsfunk, durch gute Kontakte zu Machthabern, denen an Informationskontrolle gelegen ist und die traditionell die öffentlichen Sender als ihr Eigentum betrachten. Carolis führte mit der Zustimmung von Jacques Chirac 2001 eine Reihe von Interviews mit der Präsidentengattin Bernadette. Sie sind zusammengefasst in „Conversation“ (2001), einem zahmen, erfolgreichen, oft als hagiographisch beanstandeten Porträt.

2005 erfolgte seine Ernennung zum Chef von France Télévisions - unter für einen solchen Posten typischen, komplexen Umständen von Machtspiel, Ranküne, Konkurrenz. Die Unterstützung aus dem Élysée-Palast aber hat letztlich den Ausschlag gegeben. Das Chirac-Ticket ist heute freilich ohne Wert. Seit Beginn der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy im Mai 2007 gilt Patrick de Carolis als lame duck.
Im Konflikt mit Sarkozy allerdings konnte Carolis sein Profil schärfen; manche sprechen sogar von einem Imagewandel: Von Sarkozys Reformen erfuhren er und sein Führungszirkel (v.a. Programmchef Patrice Duhamel, die Nummer Zwei von France Télévisions) am 8.1.2008 in den Fernsehnachrichten – niemand hatte sie zuvor unterrichtet, selbst die Kulturministerin hatte nichts gewusst. Zudem verkündete der Staatspräsident, die Programme von France Télévisions ähnelten immer noch zu sehr denen der privaten Sender. Carolis – zunächst sprachlos, dann mit Rücktrittsgedanken, dann wütend – schlug zurück. In einem Radiointerview kritisierte er Sarkozys Statement als „falsch, ungerecht, dumm“. Ein unerhörter Affront gegenüber dem Präsidenten und selbsternannten Programmchef von France Télévisions.

Geschäftsbereiche

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Unter dem Dach der France Télévisions-Holding sind sämtliche öffentliche TV-Sender Frankreichs gruppiert, vom altehrwürdigen öffentlich-rechtlichen Flaggschiff France 2 (17,5% Marktanteil 2008), dem stärker regional orientierten France 3 (13,3%), dem Kultur- und Bildungskanal France 5 (3%), die alle terrestrisch empfangbar sind, bis zur Sendergruppe RFO (Réseau France Outre-mer) mit 17 Fernseh- und zehn Radiosendern in den französischen Überseegebieten, dem in Frankreich ausgestrahlten France Ô mit Programmen aus den RFO-Territorien und France 4 (zuvor „Festival“), dem über Kabel, Satellit und französischem DVB-T verbreiteten, erfolgreichen Spielfilm-, Serien-, Comedy- und Musiksender (Zielgruppe: 15-34).

Weiterhin hält France Télévisions u. a. Anteile an den Sendern Arte France (45% und darüber 50% an Arte), TV5 Monde (47,5%) sowie an den Spartenkanälen Mezzo, Planète Thalassa, Gulli und EuroNews. Dazu kommen weitere Tochterunternehmen aus den Bereichen Werbung (France Télévisions Publicité), Rechtevertrieb (France Télévisions Distribution) und Filmproduktion (France 2 Cinéma, France 3 Cinéma).

Engagement in Deutschland

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Die Aktivitäten von France Télévisions beschränken sich auf Frankreich und die angeschlossenen Übersee-Territorien. Das Unternehmen hält keine ausländischen Beteiligungen.

Aktuelle Entwicklung

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Inwieweit oder wie bald sich die Orakelsprüche vom Ende der Pluralität erfüllen werden, bleibt abzuwarten. Die von allen prognostizierten automatischen Gewinnzuwächse der privaten Sender nach dem Werbeverbot im öffentlichen TV aber waren ein Trugschluss. Im Gegenteil: die Werbeerlöse des privaten Marktführers TF1, zuvor einstimmig als Hauptprofiteur der Großen Reform ausgemacht, gingen im ersten Quartal 2009 um sage und schreibe 27% zurück.

Das Schicksal von PDG Carolis ist besiegelt (sein Mandat endet im August 2010), auch wenn man ihn durch die Bank als erfolgreichen Fernsehmanager lobt – redaktionell und betriebswirtschaftlich. Dem Verlust von 78 Mio. Euro 2008 gegenüber steht 2009 ein Nettogewinn von 19,6 Mio. Euro (im ursprünglichen Budget für 2009 war man noch von einem Defizit in Höhe von 135 Mio. Euro ausgegangen). Auch für 2010 wird ein positives Ergebnis prognostiziert.

Dennoch, über den Nachfolger entscheidet Sarkozy („France Télévisions gehört dem Staat und der Staat bestimmt den Direktor“). Diverse Namen kursierten seit geraumer Zeit (die Regisseurin Yamina Benguigui, der ehemalige directeur général von France 3 Rémy Pflimlin, die Leiterin des Centre national du cinéma Véronique Cayla, der Abgänger der ENA-Eliteschmiede Alexandre Bompard, geboren 1972, derzeit Chef des Radiosenders Europe 1 (Lagardère)).

Im Frühjahr 2010 spitzte sich die Lage zu. Alle warteten darauf, dass Sarkozy den neuen Direktor von France Télévisions öffentlich nominiert. Am 14. April schrieb die ehemalige Kultur- und Kommunikationsministerin und heutige Vize-Präsidentin des Senats Catherina Tasca auf mediapart.fr über den „Staatsfluch auf France Télévisions“, am 2. Juni veröffentlichte das renommierte Kulturmagazin Télérama ein Manifest mit dem Titel „Befreit den öffentlichen Rundfunk!“ (unterzeichnet von 100 Persönlichkeiten aus Politik und Kulturbetrieb), gegen die „unerträgliche Regression“, die der direkte Draht zwischen der Exekutive und der Führung des öffentlichen Rundfunks bedeutet. 1982, nach einem Jahr an der Macht, hatten die Sozialisten unter François Mitterand das staatliche Rundfunkmonopol abgeschafft. Am 8. Juni 2010 nominierte Patrick de Carolis sich selbst und kandidierte nunmehr offiziell für die eigene Nachfolge, selbst wenn, wie er selbst sagte, es eigentlich keinen Grund dafür gibt. Denn alles liegt in der Macht des Präsidenten.

Am Morgen des 5. Juli wird aus dem Élysée gemeldet: Rémy Pflimlin wird der neue patron von France Télévisions. Es ging dann doch schneller als vermutet, hatte man mit der Bekanntgabe des Namens eigentlich erst am 14. Juli, dem Nationalfeiertag,  gerechnet. Es scheint, als habe Sarkozy mit dem (eher unspektakulären) PR-Coup versucht, von den Skandalen in seiner Regierung und dem eigenen Umfragetief abzulenken. Erst am Vorabend des 5. Juli musste Sarkozy zwei Staatssekretäre zum Rücktritt auffordern (Der eine, Christian Blanc, hatte auf Staatskosten für 12.000 Euro Zigarren gekauft; der andere, Alain Joyandet, war mit einem Privatjet für 117.000 Euro zu einer Konferenz in die Karibik geflogen).

Rémy Pflimlin, 56, geboren im elsässischen Mulhouse, war von Anfang an im Mediensektor tätig. Er arbeitete u.a. bei der Straßburger Tageszeitung Les Dernières Nouvelles d’Alsace, bevor er 1999 Chef des öffentlich-rechtlichen Kanals France 3 wurde. Er ging 2005, als Patrick de Carolis zur France Télévisions-Holding kam und seine eigenen Leute mitbrachte. Pflimlins Kompetenzen für den neuen Job sind unstrittig. Für viele aber bleibt nach seiner direkten Ernennung durch Nicolas Sarkozy ein unerfreulicher Beigeschmack.

News

09.06.10 / ARD, ZDF, TF1 S.A., France Télévisions S.A., Walt Disney Corp., BBC, ITV plc

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06.01.09 / France Télévisions S.A.

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