9. ZDF

Umsatz 2006: € 1,660 Mrd.

Überblick

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Das ZDF ist ein zentraler öffentlich-rechtlicher Fernsehsender in Deutschland mit Sitz in Mainz (Rheinland-Pfalz) und zählt zu den größten TV-Unternehmen in Europa. Es nahm am 1. April 1963 seinen regelmäßigen Sendebetrieb auf.
Der Einfluss der ZDF-Aufsichtsgremien (Fernsehrat, Verwaltungsrat), die hochrangig politisch besetzt sind, gilt als stark. Ebenso typisch für den im Mainzer Vorort Lerchenberg ansässigen Sender ist die prägende Rolle langfristig amtierender Intendantenpersönlichkeiten. Medienpolitisch orientiert sich das ZDF an der britischen BBC und forciert seine Präsenz im Internet. Dennoch gilt die Bindung jüngerer Publikumsschichten an die Traditionsmarke als Dauerproblem des ZDF.

Basisdaten

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Hauptsitz:
ZDF-Straße 1
55127 Mainz
Tel.: 06131/70-1
Fax: 06131/70-2157
Internet: www.unternehmen.zdf.de

Branche: Fernsehen, Online-Angebote
Rechtsform: nicht rechtsfähige, öffentlich-rechtliche Arbeitsgemeinschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1961

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Betriebshaushalt; Beträge in Mio. €)

Erträge

2010

2009

2008

2007*

2006*

2005

2004

Fernsehgebühren

1.752,5***

1.773,5***

1.663,8

1660,4

1.620,5

1.522,9

Erträge aus dem Werbefernsehen

125

112

110

120

99,2

109,3

übrige Erträge

152,7

147,4

123,3

131,7

167,5

163,5

Summe Erträge

2.045,8**

2.048,6**

1.993,0

1.910,6**

1.925,0**

1.887,2

1.795,7

Beschäftigte

rund 3.600

3.600

k.A.

k.A.

k.A.

*   basierend auf dem Haushaltsplan 2007
**  zuzüglich Zinserträge
*** basierend auf dem Haushaltsplan 2010

 

Geschäftsführung

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Geschäftsleitung:

  • Markus Schächter, Intendant
  • Hans-Joachim Suchan, Verwaltungsdirektor
  • Thomas Bellut, Programmdirektor
  • Peter Frey, Chefredakteur
  • Gottfried Langenstein, Direktor der Europäischen Satellitenprogramme des ZDF
  • Andreas Bereczky, Produktionsdirektor
  • Peter Weber, Justiziar


Fernsehrat: Der Fernsehrat überwacht das Programm, genehmigt den vom Verwaltungsrat beschlossenen Haushalt und wählt den Intendanten. Der Fernsehrat besteht aus 77 Mitgliedern, die unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen vertreten. Den Vorsitz hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz.

Verwaltungsrat: Der Verwaltungsrat setzt sich aus 14 Mitgliedern zusammen. Ihm gehören fünf Vertreter der Länder und ein Vertreter des Bundes sowie 8 vom Fernsehrat gewählte Mitglieder an. Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates ist der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und sein Stellvertreter des sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich.

Geschichte und Profil

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Die Gründung des ZDF resultierte aus turbulenten medienpolitischen Auseinandersetzungen am Ende der Adenauer-Ära, als die Bundesregierung neben der ARD ein zweites, staatsnäheres Programm plante. Nachdem in Großbritannien 1955 mit der ITV privatrechtlich organisiertes Fernsehen eingeführt worden war, wollten die Bundesregierung und Interessengruppen aus der Wirtschaft kommerzielles Fernsehen auch in Deutschland. So entstand eine Konstruktion aus einer Bund-Länder-Trägergesellschaft und der kommerziellen Betreibergesellschaft „Freies Fernsehen GmbH“ (FFG). Doch die Versuche von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU), die Länder durch Verhandlungen und Druck auf dieses Modell einzuschwören, scheiterten. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Peter Altmeier (CDU) opponierte in dieser Frage gegen den Kanzler. Im August 1960 klagten einige SPD-geführte Länder gegen das Adenauer-Fernsehen, weil sie ihre Hoheitsrechte in Rundfunkfragen verletzt sahen. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe stoppte die operativ schon weit gediehenen Sendevorbereitungen der FFG mit einer Einstweiligen Anordnung. Am 28. Februar 1961 entschied es mit Verweis auf das Grundgesetz, dass der Bund lediglich für das Fernmeldewesen, nicht aber für Rundfunkveranstaltungen zuständig sei. Damit war das „Adenauer-Fernsehen“ gescheitert.
Am 6. Juni 1961 schlossen die Länder daraufhin einen Staatsvertrag über die Gründung einer „gemeinnützigen Anstalt des öffentlichen Rechts mit Namen Zweites Deutsches Fernsehen“. Der neue Sender trat das programmliche und politische Erbe des „Adenauer-Fernsehens“ an und wurde zur öffentlich-rechtlichen TV-Konkurrenz für die 1950 gegründete ARD, die im Gegensatz zum ZDF auch Radio veranstaltet.

Das ZDF erbte zunächst den Studiobetrieb der FFG in Wiesbaden-Eschborn (verächtlich „Telesibirsk“ genannt) und auch wesentliche Teile der FFG-Programmstruktur. Der FFG-Programmchef, der später bekannte Sexologe, Wilhelm-Reich-Schüler und BBC-Kenner Ernest Borneman (1915 – 1995) war jedoch nicht ZDF-kompatibel. Am 12. März 1962 wurde der promovierte Pädagoge und Philosophie-Ordinarius Karl Holzamer (1906 - 2007) zum Gründungsintendanten des ZDF gewählt. Der CDU-Kandidat war zuvor schon für die Leitung der FFG vorgesehen. Er blieb bis zum März 1977 Intendant und prägte die katholische Integrationsphilosophie des Mainzer Senders maßgeblich.

Die frühen Jahre
Das ZDF galt von Beginn an als konservativer (im Informationsbereich symbolisiert etwa durch das umstrittene „ZDF-Magazin“ von Gerhard Löwenthal) als die ARD. Diese Ausrichtung schloss allerdings den frühen Import von US-Serien, Programmexperimente und alternative Jugendsendungen nicht aus. Auch dank der „Mainzelmännchen“-Figuren im Werberahmenprogramm wurde der Sender mit katholischer und moderat konservativer Grundierung, der sich auch selbst gern "das Zweite" nennt ("Mit dem Zweiten sieht man besser"), zu einer der stärksten Medienmarken Deutschlands.
Holzamers Philosophie entsprachen insbesondere die großen Fernsehshows, mit denen sich das ZDF in den 1960er und 1970er Jahren profilierte. Massenwirksame Sendungen sollten die ganze Familie vor dem Bildschirm versammeln. Programmprägende Showmaster des ZDF waren in dieser Zeit Peter Frankenfeld („Vergissmeinnicht“), Lou van Burg („Der Goldene Schuss“), Hans Rosenthal („Dalli-Dalli“) und Wim Thoelke („3x9“, „Der Große Preis“). Verbunden waren diese Shows vielfach mit Engagement für einen guten Zweck, etwa mit einer Lotterie für die „Aktion Sorgenkind“ (heute „Aktion Mensch“).

Internationales Profil gewann das ZDF durch Fernseh-Kino-Koproduktionen (zum Beispiel mit Ingmar Bergman) sowie durch starke Non Fiction-Abteilungen. Ab 1969 (bis 1972) machte das ZDF mit der von Dietmar Schönherr und Vivi Bach präsentierten Samstagabend-Show „Wünsch Dir was“ von sich reden. In dieser für ihre Zeit sehr modernen Show (einer Koproduktion mit ORF und SRG) traten Familien gegeneinander an und mussten sich in verschiedenen Prüfungen etwa im sozialen Verhalten bewähren. Für Furore im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sorgte etwa im November 1970 der Auftritt einer jungen Kandidatin in einer transparenten Bluse.

Die "mittleren" Jahre (80er, 90er)
Seit 1984 sendet das ZDF vom Mainzer Stadtteil Lerchenberg aus. Der seinerzeit moderne ZDF-Gebäudekomplex war in mehreren Bauabschnitten über zwanzig Jahre hinweg entstanden und nach und nach bezogen worden. Mit der Etablierung des ZDF prägte sich die so genannte „Auftragsproduktion“ aus, d. h. die Auslagerung der Herstellung von Fernsehsendungen an formell unabhängige Produktionsfirmen. So entstanden etwa die prägenden „Weihnachtsmehrteiler“ des Produzenten Walter Ullbrich (Tele München) in Koproduktion von ZDF, ORTF (Frankreich) und rumänischen Filmstudios. Diese Fernseh-Epen, häufig nach Erzählungen von Jack London („Der Seewolf“, „Lockruf des Goldes“), waren Straßenfeger. Enge Beziehungen unterhielt das ZDF über Jahrzehnte zum Filmrechtehändler Leo Kirch, markiert auch durch wichtige personelle Querbeziehungen und langjährige Freundschaften innerhalb des Führungspersonals beider Häuser. Programm-Stärken des ZDF waren und sind traditionell Fernseh-Krimis, wie „Der Kommissar“, „Derrick“, „Der Alte“ (alle geschrieben von Herbert Reinecker), der „Fernsehfilm der Woche“ am Montag und leichtere Unterhaltungsstoffe (wie „Schwarzwaldklinik“, „Das Traumschiff“).

Am 14. Februar 1981 startete die erfolgreichste und langlebigste Show des ZDF, „Wetten, dass ...?“, erfunden und moderiert von Frank Elstner. Als er sich zurückzog, übernahm im September 1987 Thomas Gottschalk die Sendung, die er (mit kurzer Unterbrechung) bis heute moderiert und seit einigen Jahren auch äußerst gewinnbringend koproduziert. Gottschalk wurde zu einem der bekanntesten Fernsehgesichter Deutschlands, „Wetten, dass ...?“ erreichte noch 2008 teilweise deutlich mehr als zehn Millionen Zuschauer und bleibt damit dauerhaft die erfolgreichste Sendung des deutschen Fernsehens überhaupt. Nur Live-Fußball bringt höhere Quoten.

Die 2000er Jahre
Zu den bekanntesten neueren Programm-Marken gehörten der Entertainment-Talk mit dem 1998 von Sat.1 angeheuerten Talker Johannes B. Kerner, bis der sich 2009 wieder zu Sat.1 verabschiedete, die Polit-Talkshow „Maybrit Illner“, das Magazin „Frontal 21“, sowie Dokumentar-Reihen („ZDF Expedition“, History-Dokumentationen des „ZDF-Historikers“ Professor Guido Knopp). Mit Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen konkurriert der Mainzer Sender gegen die härteren Krimistoffe der ARD am Sonntag. Experimentelles und jüngeres Programm wird im „Kleinen Fernsehspiel“  montags gegen Mitternacht gepflegt.

Ende 2007 feierte das ZDF einen unerwarteten Erfolg dank eines wichtigen Sendergesichts: Auf der Suche nach einem Nachfolger für den entlassenen Chefredakteur Stefan Aust war der "Spiegel"-Verlag auf Claus Kleber, den Moderator und Redaktionsleiter des ZDF "heute journals", verfallen. Als das vorzeitig publik wurde, entschied sich Kleber, beim ZDF zu bleiben und gilt seitdem als blendend bezahlter "Spitzenmann des deutschen TV-Journalismus" (ZDF-Intendant Schächter).

2008 bescherte ein altes Sendergesicht dem Sender öffentliche Aufmerksamkeit: Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der im ZDF lange "Das Literarische Quartett" bestritt, wies bei der (2008 turnusgemäß vom ZDF ausgerichteten) Verleihung des Deutschen Fernsehpreises die Ehrung für sein Lebenswerk zurück (Sequenz der zeitversetzten ZDF-Übertragung bei Youtube). Grund: die schlechte Qualität des Fernsehens. Das ZDF reagierte, indem es Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk "Aus gegebenem Anlass" über das Themenfeld talken ließ.

Im Haushaltsplan-Ansatz des Jahres 2009 überschritt das ZDF erstmals die Zwei-Milliarden-Grenze auf der Ertragsseite  (2.048,6 Mio. Euro; "dies ist im Wesentlichen auf die zu Beginn der neuen Gebührenperiode erfolgende Anpassung der Rundfunkgebühr zurückzuführen"). Mit Investitionen von 500 Mio. Euro präsentiert sich der Sender als "größter Einzel-Auftraggeber" der Film-Produktionswirtschaft in Deutschland. Die große Zahl an Fernsehfilmen, die ZDF wie auch ARD in Auftrag geben, zeigte sich erneut in dem, was Kritiker "Kampfprogrammierung" nennen. Mehr als solche Tatsachen erregte 2009 jedoch der politische Streit um die Neubesetzung des Chefredakteurs-Posten die Aufmerksamkeit der interessierten Öffentlichkeit (siehe Management).

In seinem Programm erregte das ZDF 2009 mit einem für rund 30 Mio. Euro eingerichteten neuen Nachrichtenstudio Aufsehen (siehe "taz"), das auf 3-D-Elemente und "hochmoderne Kameraroboter" setzt und viele Zuschauer zunächst irritierte.  Bei der Suche nach neuem Personal - vor allem als Ersatz für das zu Sat.1 zurückgekehrte Programm-Gesicht Johannes B. Kerner - wurden die Mainzer bei den öffentlich-rechtlichen Rivalen fündig und heuerten nach langem Tauziehen den bislang noch vor allem bei der ARD beschäftigten Moderator Jörg Pilawa an ("Berliner Zeitung": "ein Zeichen für die Mutlosigkeit der Fernsehsender"). Hoffnungen, dass anstelle des omnipräsenten Johannes B. Kerner mehr Vielfalt im Hauptprogramm des ZDF einkehren könnte, sind damit zerstreut.

Das Zukunfts-Problem mit dem "jungen" Zuschauern
Während das ZDF beim Gesamtpublikum (Zuschauer ab 3 Jahren) weiterhin zu den erfolgreichsten drei deutschen Fernsehprogrammen gehört und 2010 laut GfK mit 12,7 Prozent Marktanteil (2009: 12,5, 2008: 13,1 Prozent) hinter dem Privatsender RTL (13,6 Prozent) und dem ARD-Programm "Das Erste" (13,2 Prozent) den dritten Platz in der Marktanteilsbilanz belegte, erreichte es bei Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren 2010 wie im Vorjahr Platz 6 (hinter RTL, Pro Sieben, Sat.1, Vox und ARD) - mit einem Marktanteil von nurmehr 6,7 Prozent. Was für die langfristige Akzeptanz des Senders eine erhebliche Hypothek darstellt.

Auch wenn Sportjahre wie 2010 (Olympische Winterspiele, Fußball-WM) diese Werte regelmäßig aufhübschen, bleiben Bemühungen, junge Zuschauer zu erreichen, höchst aktuell. Chefredakteur Nikolaus Brender hatte zu diesem Zweck 2009 Internet-Kooperationen mit der Google-Tochter Youtube (z.B. die Kanäle "Mitreden bei Maybrit Illner" und "Open Reichstag") lanciert und anlässlich der Bundestagswahl aus Kanada die Fernsehshow "Ich kann Kanzler" importiert, die allerdings nur einmalig live im ZDF lief. Zum Auftrag seines Nachfolger Peter Frey zählt ausdrücklich auch die "Verjüngung" des Programms. Zu Freys (z.B. gegenüber dem "Tagesspiegel") angekündigter Strategie gehört, die Zahl der Moderatoren zu verringern und entsprechend "prägende ZDF-Gesichter" öfter auf dem Bildschirm einzusetzen. Solche Gesichter gehören etwa Theo Koll, dem Leiter der Hauptabteilung Außenpolitik und neuen Leiter der Ressorts Innen-, Gesellschafts- und Bildungspolitik, Bettina Schausten, Freys Nachfolgerin als Leiterin des Berliner Hauptstadtstudios, und Maybrit Illner. Die Donnerstagabend-Talkerin rückte (mit etwa 40 Auftritten pro Jahr) ins Team der Moderatoren des "heute journal" auf, nachdem Steffen Seibert das Angebot annahm, als Sprecher der Bundesregierung nach Berlin zu wechseln (siehe auch unten: Management). Zu einem weiteren Nachfolger Seiberts wurde der Leiter des Washingtoner ZDF-Studios, Matthias Fornoff, bestimmt.

In einer Betrachtung der TV-Saison 2010/11 vermeldete dwdl.de neue "Tiefpunkte" im Mai für den Sender (11,3 Prozent Marktanteil im Gesamtpublikum, 5,5 Prozent bei 14- bis 49-jährigen Zuschauern). Vor diesem Hintergrund könnte auch das Rezept, jüngeres Publikum mit den digitalen Sendern "ZDF-neo" und "zdf.info" und "zdf.kultur" erreichen zu wollen, also gerade nicht im Hauptprogramm, noch für Diskussionen sorgen. Diese Sender stellen einen wichtigen, freilich in Marktanteilen bislang kaum messbaren Baustein der ZDF-Strategie dar (s.u., "Geschäftsfelder" und "aktuelle Entwicklungen").

Management

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Die Führung des ZDF zeichnet sich durch Kontinuität aus. In der gesamten Sendergeschichte gab es bislang nur vier Intendanten. Auf Karl Holzamer folgte 1977 der Berufsoffizier, Diplomat und ehemalige Regierungssprecher Karl-Günther von Hase, der 1982 durch den bis 2002 amtierenden Dieter Stolte abgelöst wurde. Stolte war zuvor Holzamers persönlicher Referent sowie u. a. Programmdirektor beim Südwestfunk in Baden-Baden. Er führte die 19-Uhr-Anfangszeit für die ZDF-Hauptnachrichten („heute“) ein: „Dieter Stolte hat Mediengeschichte nicht nur geschrieben, sondern sie auch gestaltet. ... Der Bogen von Stoltes Programmentscheidungen spannt sich bis zur Schemareform 1998, in der er den ehemaligen ’Unterhaltungsdampfer’ ZDF in die Spur eines führenden Informations- und Dokumentationssenders brachte. Gerade im offenen Wettbewerb mit den kommerziellen Anbietern bewies Stolte das Stehvermögen und die Ausdauer, seine Spur auch inhaltlich zu halten“, lobte ihn sein Nachfolger Markus Schächter, der seit März 2002 nach langwieriger Kandidatenkür als ZDF-Intendant amtiert.

Schächter, der sich u. a. gegen den ARD-Programmdirektor Günter Struve durchsetzte, war zuvor im ZDF durch nahezu alle Abteilungen gegangen und zuletzt als Programmdirektor tätig. Im Dezember 2005 wurde er vorzeitig für eine zweite fünfjährige Amtszeit wiedergewählt, die am 15. März 2007 begann. Der Senderchef, geboren am 31. Oktober 1949 im pfälzischen Hauenstein, studierte Geschichte, Politologie, Publizistik und Religion in München, Lyon, Paris und Mainz. Nebenher arbeitete er frei für den damaligen Südwestfunk (SWF) und das ZDF sowie die Nachrichtenagentur dpa in Paris. Nach dem Staatsexamen war er ab 1974 zunächst fester Freier, später fest angestellter Kulturredakteur im SWF-Landesstudio Rheinland-Pfalz in Mainz. Nach einer Tätigkeit als Pressesprecher des rheinland-pfälzischen Kultusministeriums unter der Ressortchefin Hanna-Renate Laurien (CDU) trat er 1981 in das ZDF ein und war unter anderem Referent des damaligen Programmdirektors Alois Schardt, anschließend bis 1985 Redaktionsleiter Kultur und Gesellschaft und bis 1992 Leiter der Redaktion Kinder und Jugend. 1993 übernahm er die Leitung der Hauptabteilung Programmplanung, ab 1998 amtierte er als Programmdirektor, bevor er schließlich am 15. März 2002 Intendant des Senders wurde. Im Januar 2004 ernannte die Hamburger Hochschule für Musik und Theater ihn zum Professor.

Im Vergleich zu seinem mitunter autokratisch amtierenden Vorgänger Stolte gilt Schächter als pragmatischer Teamspieler. Eine Besonderheit des ZDF ist die Trennung von Programm- und Chefredaktion nach der  politischen „Farbenlehre“, die aufgrund des ausgeprägten Konkurrenzverhältnisses beider Bereiche mitunter zu Blockaden bei der Entwicklung neuer Formate führt. Programmdirektor ist der als CDU-nah geltende Thomas Bellut, Chefredakteur der zunächst als SPD-Kandidat gehandelte Nikolaus Brender, der vom WDR kam und bei der „Elefantenrunde“ nach der Bundestagswahl 2005 durch ein scharfes Rencontre (siehe Youtube) mit dem gerade abgewählten SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder auffiel. 2009 wurde Schächter mit einem Emmy ausgezeichnet (ZDF-Pressemitteilung) - und doch schien er seit der Aufregung um Nikolaus Brender (s.u.) angeschlagen. Anfang 2011 kündigte er an, sich nicht mehr zur Wiederwahl zu stellen; 2012 wird ihm sein Programmdirektor Thomas Bellut nachfolgen (siehe "aktuelle Entwicklungen").

Schächter liegt als ZDF-Intendant mit Bezügen von rund 299.000 Euro im Jahr nicht an der Spitze, aber in der Spitzengruppe deutscher Sender-Intendanten. Entsprechende "Rankings" wurden 2010 möglich, nachdem zunächst der dazu gesetzlich neu verpflichtete WDR und dann die Mehrzahl der ARD-Anstalten die Gehälter ihrer Geschäftsleitungen publiziert hatten. Im September 2010 veröffentlichte auch das ZDF das Gehalt seines Intendanten. 

Die "Affäre Brender"
Diese Personalie erregte 2009/10 viel Aufsehen. Im März 2009 flammten, als Unions-Politiker im ZDF-Verwaltungsrat, insbesondere der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), die von Schächter vorgeschlagene Vertragsverlängerung für Chefredakteur Brender verhindern wollten, Diskussionen über den starken Einfluss der Parteien auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk erneut auf (z.B.: "Angriff auf das ZDF", Frank Schirrmacher in der "FAZ"). Die Sache wurde bis nach der Bundestagswahl im Herbst vertagt - und dann rasch entschieden: Trotz eines offenen Briefes von 35 Verfassungsrechtlern ("FAS") und eines im Internet von fast 39.000 Menschen unterzeichneten Appells für die Rundfunkfreiheit - um nur zwei von zahllosen Initiativen für Brender zu nennen - beschloss der Verwaltungsrat auf einer in der Medienbranche und im Internet (Liveblog auf Carta) viel beachteten Sitzung am 27.11.2009 in Berlin, Brenders Vertrag nicht zu verlängern. Intendant Schächter erklärte (PDF) am selben Tag: "Ich habe kein Verständnis dafür, dass sogar mein mit Nikolaus Brender abgestimmter Versuch, die festgefahrene Situation durch einen Kompromiss zu lösen, nämlich eine verkürzte Beauftragung bis Januar 2012, nicht mehrheitsfähig war". Dennoch unterbreitete er, wie es die herkömmlichen ZDF-Abläufe vorsehen, demselben Verwaltungsrat einen anderen Personalvorschlag, den das Gremium kurz darauf durchwinkte (siehe "taz"): Zum 1. April 2010 wurde der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, Peter Frey, neuer ZDF-Chefredakteur. Seine Nachfolge trat die Leiterin der Hauptredaktion Innen-, Gesellschafts- und Bildungspolitik, Bettina Schausten an. Frey gilt als eher linksliberal, Schausten als CDU-nah.

Insofern bleibt das beim ZDF traditionelle parteipolitische Gleichgewicht gewahrt. Doch der im Sender (wie in den ARD-Anstalten) gern gepflegte Anschein der Staatsferne ist recht ramponiert. 2010 hielten die Diskussionen an, auch Brenders selbst wegen. Der sprach noch vor seinem Abschied vom ZDF in einem provokanten "Spiegel"-Interview von einem "Spitzelsystem" innerhalb des Senders und von "Inoffiziellen Mitarbeitern, wirklich vergleichbar mit den IM der DDR", die den großen Parteien Senderinterna zutragen würden. Diese Aussagen zogen unter anderem wiederum eine Entgegnung des Intendanten Markus Schächter ("in der Sache falsch und in der Form maßlos und inakzeptabel") und viele weitere Stimmen nach sich. Seit 2011 liegt als Nachhall der Personalie der ZDF-Staatsvertrag dem Bundesverfassungsgericht zur Überprüfung vor. Nachdem ein Normenkontrollverfahren der Grünen scheiterte, brachte schließlich die SPD (die mit Kurt Beck den Vorsitzenden des Verwaltungsrats stellt) eines auf den Weg.

Einstweilen bleibt im ZDF-Verwaltungsrat alles fast beim Alten. Den im März 2011 ausgeschiedenen, in die Privatwirtschaft wechselnden Ex-Ministerpräsidenten Roland Koch (der bei der Ablösung Brenders eine führende Rolle gespielt hatte) ersetzte Stanislaw Tillich - der Ministerpräsident Sachsens (ebenfalls CDU).

Dass zumindest der neue Chefredakteur Frey gern Distanz zur Politik demonstriert, zeigte seine offizielle Reaktion auf den überraschenden Wechsel des "heute journals"-Moderators Steffen Seibert auf den Posten des Sprechers der Bundesregierung im Juli 2010. "Wir bedauern, dass Steffen Seibert seine Perspektive nicht im Journalismus gesehen hat. Er nimmt die bundesweite Bekanntheit, die er auf dem Schirm als Moderator von heute und heute journal erworben hat, und die damit verbundene Kompetenz und Glaubwürdigkeit  mit in seine neue Aufgabe...", so die bemerkenswert dürren Worte des Chefredakteurs des "emotional wundgescheuerten" Senders (Frey).

Mittleres Management
Unterhalb der Direktorate existiert im ZDF ein ebenfalls politisch austariertes System von Hauptabteilungs- und Abteilungsleitern. Das Management des ZDF ist durch Binnenrekrutierung und eine Sozialisation nach der Hausphilosophie geprägt. Dieses System führt zu Stabilität und einiger Gelassenheit, aber häufig auch zu verzögerten Reaktionen auf Trends in der medialen Umwelt.

2008 wurde etwa Heike Hempel, bis dahin u. a. Leiterin der renommierten Redaktion "Das kleine Fernsehspiel", Leiterin der ZDF-Hauptredaktion "Unterhaltung - Wort". Im Juni übernahm der für den erfolgreichen Start der ZDF-Mediathek zuständige Leiter der Hauptredaktion Neue Medien, Robert Amlung, die Leitung des neugeschaffenen, in der Intendanz angesiedelten Bereichs "Digitale Strategien des ZDF". 2009 ging der langjährige Fernsehspielchef und stellvertretende Programmdirektor Hans Janke in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Reinhold Elschot, der zuvor die Filmproduktions-Firma Network Movie (eine ZDF-Tochter) leitete.

Nächster Intendant Thomas Bellut
Im Juni 2011, in dem das ZDF seinen 50. Geburtstag beging (weil am 6. Juni 1961 der ZDF-Staatsvertrag unterzeichnet wurde), ging die Wahl seines fünften Intendanten reibungslos vor sich: Am 15. März 2012 wird Thomas Bellut, der derzeitige Programmdirektor des Senders, Markus Schächters Nachfolge antreten. Schächter hatte im Januar mitgeteilt, nach Ablauf seiner zweiten fünfjährigen Amtszeit keine Wiederwahl anzustreben, obwohl diese kaum auf Probleme gestoßen wäre. Von 73 bei der Wahl-Sitzung in Berlin anwesenden Mitgliedern des ZDF-Fernsehrats stimmten 70 für Bellut, sodass die erforderliche Drei-Fünftel-Mehrheit weit übertroffen wurde.

 

 

Geschäftsfelder

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Internet-Aktivitäten
Das ZDF ist ein nahezu reines Fernsehunternehmen, das anders als die ARD keine Radioprogramme veranstaltet. Früher als die ARD und auch konsequenter weitete es seine Aktivitäten auf das Internet aus. Als Beispiel für viel diskutiertes Engagement, um alle Gebührenzahler zu erreichen, kann das „Forum am Freitag“ gelten, eine (auch in den digitalen "ZDF-infokanal" hinein verlängerte) Online-Plattform für den Dialog mit Muslimen.

Im September 2007 startete das ZDF als wesentliche Innovation im Internet seine Mediathek - so erfolgreich, dass sich der Markenname inzwischen als Gattungsname für alle Portale durchgesetzt hat, die TV-Bewegtbilder zum Online-Abruf anbieten. In der Mediathek war und ist ein Großteil der selbst produzierten Sendungen verfügbar - meistens bis eine Woche nach Ausstrahlung, teilweise länger. Mit Inkrafttreten des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag (RfStV) zum 1. Juni 2009 kündigte das ZDF an, rund 80 Prozent des Bestandes seiner Online-Angebote zu löschen - rund 93.500 Dokumente, überwiegend Websites, wie sie von Zeitungs- und Zeitschriften-Verlegern während der Diskussionen im Vorfeld des RfStV als "elektronische Presse" attackiert worden waren. Vor dem Hintergrund des Wettbewerbs der im Internet zusammenwachsenden Medien hatten ZDF-Repräsentanten wie Intendant Schächter und Chefredakteur Brender sich 2009 auf zahllosen Podiumsdiskussionen mit Vertretern der privaten Medien auseinandergesetzt und mit Kampfbegriffen wie "Morgenthau-Plan" und "Zensur" ebenso scharf wie die Gegenseite agiert. Zwischenzeitlich geführte Verhandlungen über eine Online-Kooperation des ZDF mit dem privatwirtschaftlichen "sueddeutsche.de" im Bereich Bewegtbilder - nach dem Muster der vielbeachteten Zusammenarbeit von "WAZ" und WDR - scheiterten kurzfristig. 2008 nahmen jedoch das ZDF und "zeit.de" (Verlagsgruppe Holtzbrinck) eine solche Kooperation auf. Seit 2009 kooperiert auch die WAZ mit dem ZDF.

Wie vom 12. RfStV vorgesehen, führte der ZDF-Fernsehrat Drei-Stufen-Tests für die vom ZDF verantworteten Telemedienangebote durch und meldete einige Änderungswünsche an. Am meisten beachtet wurden die Regelungen für die Verweildauer von unterschiedlichen Fernsehgenres in der Mediathek. Die Löschung ("Depublikation") alter Onlinebeiträge in Folge gesetzlicher Vorgaben erregte Ärger bei Internetnutzern und wurde von den Senderverantwortlichen ostentativ bedauert (Schächter dazu: "Anders als im Netz eigentlich üblich und normal, verschwinden viele ZDF-Angebote schon nach kurzer Zeit und können dort nicht mehr zur Recherche und Vertiefung abgerufen werden.")

Im Zusammenhang mit der medialen Entwicklung, vor allem der Empfangbarkeit von Fernsehprogrammen auf sämtlichen internetfähigen Endgeräten, steht die ab 2013 vorgesehene Umwandlung der an die GEZ zu zahlende Rundfunkgebühr in eine geräteunabhängige Haushaltsabgabe. Sie ist für 2013 beschlossen, dürfte aber noch Thema heftigen Streits werden. Gegner bezeichnen sie bereits als "Pay-TV für alle". Auch über die Höhe der durch diese Umstellung mutmaßlich erzielten Einnahmen und über Ausnahmeregeln wird immer wieder erregt diskutiert. Als Grundlage für die 2010 gefallene Entscheidung der Ministerpräsidenten diente ein von ARD, ZDF und Deutschlandradio beauftragtes "Gutachten über die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks" (PDF) des ehemaligen Richters am Bundesverfassungsgericht, Paul Kirchhof.

Digitalsender
Oft beklagte das ZDF, dass ihm - anders als der ARD mit ihren Dritten Programmen - eine Senderfamilie fehle und es damit keine Chance gäbe, ungewöhnliche Formate jenseits des Hauptprogramms zu erproben. Allerdings war das ZDF schon immer an den Gemeinschaftsprogrammen 3sat (Hauptsitz ebenfalls in Mainz), Phoenix,  Kinderkanal (Kika) und Arte beteiligt. Bis 2011 hat es seine drei bis dahin nur marginal wahrgenommenen Digitalkanäle (unrsprünglich: ZDF-Info, ZDF-Doku und  ZDF-Theaterkanal) in eine Art Senderfamilie umgewandelt. Im November 2009 begann diese Digitaloffensive mit dem Start von ZDF-neo (anstelle des Doku-Kanals). Die Privatsender sahen durch den betont jugendlichen Sender ihr eigenes Terrain angegriffen, und tatsächlich zeigt der Sender Programmfarben, die im Hauptprogramm des ZDF zurzeit praktisch gar nicht vorkommen: etwa US-Serien wie "Mad Men" sowie deutsche Doku-Soaps und Sitcoms (wie "Die Snobs" mit Christian Ulmen). ZDF-neo hat sein Ziel, innerhalb eines Jahres sein Publikum zu verdoppeln, auf bescheidenem Niveau sogar übertroffen: Der Marktanteil stieg von 0,1 Prozent (des Vorgängersenders "ZDF doku") auf 0,3 Prozent - sowohl bei allen Haushalten als auch in der eigentlichen Zielgruppe des "Digitalkanals des ZDF für Zuschauer zwischen 25 und 49 Jahren".

Die Umwandlung des Theaterkanals in "zdf.kultur" und der Start von "ZDFinfo" bildeten 2011 die nächsten Schritte (s.u., "aktuelle Entwicklungen"). Ob die ambitionierten Ansprüche umgesetzt werden oder ob der neue Kulturkanal den längst bestehenden, ebenfalls ambitionierten, aber vom großen Publikum eher selten beachteten (und ebenfalls vom ZDF mitverantworteten) Kulturkanälen 3sat und Arte ins Gehege kommt, wird spannend zu beobachten sein. Nicht zuletzt unter dem Aspekt der Finanzierung: Der Etat des Theaterkanals bzw. von ZDFkultur soll von 8,08 Mio. Euro (2010) auf 12,58 Mio. Euro (2011) steigen. "Die Erhöhung wird durch Umschichtungen innerhalb des bestehenden ZDF-Haushalts finanziert" - also andere ZDF-Aktivitäten treffen. So kündigte das ZDF an, seine Unterstützung für den 2010 25 Jahre alt gewordenen deutsch-österreichisch-schweizerischen Kultursender 3sat um rund ein Viertel (24, 4 Mio. Euro) zu reduzieren, ohne diesen dabei zu schwächen. Zwischen den Kanälen sollen Synergien entstehen.


Produktion und Distribution
Dem Sender gehört mit der in Mainz ansässigen ZDF Enterprises GmbH eine 100-prozentige Tochtergesellschaft zur Schaffung, Verwertung und Distribution des ZDF-Programmvermögens. ZDF Enterprises wickelt seit Januar 1993 Programmeinkauf, Vertrieb und Koproduktionen ab. Das Tochterunternehmen hat Außenstellen in Köln und New York.

Über ZDF Enterprises ist das ZDF an Produktionsfirmen beteiligt, die vor allem, aber nicht nur das ZDF-Programm bedienen, u. a. Network Movie (Köln/Hamburg), Doc Station, Gruppe 5 Filmproduktion und Dolce Media GmbH (Christoph und Thomas Gottschalk). 2007 hat das ZDF, ebenfalls über ZDF Enterprises, für etwa 8 Millionen Euro eine Beteiligung von 50 Prozent an der Bavaria Fernsehproduktion GmbH übernommen. Diese GmbH war zuvor eine 100-prozentige Tochter der Bavaria Film GmbH (Geiselgasteig bei München), die seit Februar 2007 als Holdinggesellschaft der gesamten Bavaria-Unternehmensgruppe fungiert. An der Bavaria Film sind der WDR, der MDR, der SWR und der BR über Tochterunternehmen mehrheitlich beteiligt; Anteile hält über eine Tochterfirma auch die bayerische Förderbank LfA. Die Bavaria-Film-Gruppe gehört zu den größten TV-Produktions- und Dienstleistungsunternehmen Deutschlands. Die Bavaria Fernsehproduktion, in der die Unternehmensgruppe ihre Fernsehproduktionsaktivitäten gebündelt hat, erzielte 2007 einen Umsatz von rund 75 Mio. Euro und produziert Serien und Filme für öffentlich-rechtliche und private TV-Sender. Dazu gehören etwa die Daily Soap „Marienhof“ und die Telenovela „Sturm der Liebe“ (ARD), die Serien „Die Rosenheim-Cops“ (ZDF) und „Alle lieben Jimmy“ (RTL) sowie Fernsehfilme für die Reihen „Tatort“ (ARD) und „Inga Lindström“ (ZDF). Der Einstieg des ZDF bei der Bavaria wurde innerhalb der TV-Produktionsbranche zum Teil heftig kritisiert, da unabhängige Produzenten fürchten, künftig weniger Aufträge vom ZDF zu bekommen.

ZDF Enterprises hat sich an der Mainstream Networks Holding beteiligt, die mit "Romance TV" die vom ZDF in großer Zahl hergestellten eskapistischen Fernsehfilme etwa nach Rosamunde Pilcher oder Katie Fforde international vermarktet (siehe dwdl.de).

 

Engagement im Ausland

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Das ZDF ist wie die ARD an den internationalen Programmen arte (deutsch-französischer Kulturkanal) und 3Sat (Deutschland/ Schweiz/ Österreich, seit Mai 2010 auch terrestrisch in Südtirol ausgestrahlt) beteiligt. 3sat hat seinen Hauptsitz in Mainz und gilt als vor allem vom ZDF, von Gottfried Langenstein, dem "Direktor Europäische Satellitenprogramme des ZDF" (und überdies Arte-Präsident von 2007 bis Ende 2010) gelenkter Sender.

Im Nachrichtenbereich arbeitet das ZDF seit 2007 mit der türkischen Unternehmensgruppe Dogan Media zusammen. Dogan Media erhält Zugang zu Fernsehmaterial aus Deutschland und der EU; im Gegenzug hat das ZDF-Studio in Istanbul schnellen Zugriff auf aktuelles Nachrichtenmaterial aus der Türkei, das von den Dogan-Sendern Kanal D und CNN Turk produziert wird. Dogan betreibt CNN Turk als Joint Venture mit dem CNN-Mutterkonzern Time Warner (Time Warner in der Mediendatenbank). Die Vereinbarung soll vor allem die türkische und türkischstämmige Bevölkerung in Deutschland, die fast 60 Prozent der Zuschauerschaft der beiden Dogan-Sender ausmacht, besser mit Nachrichten aus Deutschland und Europa versorgen und näher an die deutsche Sprache heranführen, hieß es.

Nach einer Verwaltungsvereinbarung vom 28. November 2006 kann der Auslandsrundfunk Deutsche Welle (DW) seit Januar 2007 für sein weltweites Fernsehprogramm DW-TV Sendungen des ZDF (wie auch der ARD) nutzen. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, das deutsche Auslandsfernsehen und damit die „mediale Außenrepräsentanz Deutschlands“ qualitativ zu verbessern. Die Deutsche Welle hat seither Zugriff auf Inhalte aus dem ZDF und den ARD-Programmen und ihrer assoziierten Kultursender.

Aktuelle Entwicklung

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Vermutlich bis ins Jahr 2012 hinein wird die Medienöffentlichkeit eine weitere Top-Personalie abwarten müssen, die der künftige Intendant Thomas Bellut noch in seiner derzeitigen Funktion als ZDF-Programmdirektor klären muss: die Suche nach einem Nachfolger für das mit Abstand populärste Fernsehgesicht des Senders. "Wetten, dass..?"-Moderator Thomas Gottschalk hatte Anfang 2011 seinen Abschied von der Erfolgsshow angekündigt, nachdem er im Dezember 2010 eine Sendung wegen eines schweren Unfalls abbrechen musste (der Wettkandidat Samuel Koch erlitt beim Versuch, "mit Sprungfedern an den Füßen über ein fahrendes Auto zu springen" schwere Verletzungen). Im Juli 2011, nachdem Gottschalk mit einer aus Mallorca übertragenen Show-Ausgabe noch einmal 12,43 Millionen Zuschauer in Deutschland (42,8 Prozent Marktanteil) erreicht hatte, wurde bekannt, dass er 2012 zur ARD wechseln und dort eine werktägliche Vorabendsendung bestreiten wird. In einer weiteren von Gottschalks (ziemlich vielen) Abschiedssendungen verkündete im November der von Boulevardmedien über Monate am heißesten gehandelte Nachfolgekandidat Hape Kerkeling, dass er die Show nicht übernehmen möchte.

Weiterhin zielstrebig expandiert das ZDF in die digitale Welt. Im Mai 2011 wurden knapp sechs Millionen Nutzer der Telemedienangebote des ZDF (wie die vor allem zum Videoabruf genutzten Mediatheken rundfunkrechtlich heißen) gezählt. Die seit September 2011 zum Gratis-Download angebotene Mediathek-App, mit der sich ZDF-Videos auch auf Smartphones ansehen lassen, wurde bereits in der ersten Woche 390.000 Mal heruntergeladen, meldete der Sender. 

Auch die Entscheidung des Chefredakteurs Peter Frey, ab 2012 aus dem gemeinsamen Vormittagsnachrichten-Programm mit der ARD auszusteigen und anstatt alternierend die "Tagesschau" zu übernehmen, werktäglich um 9.00 und 12.00 Uhr eigene "heute"-Nachrichten zu senden, hängt nach Meinung einiger Beobachter mit der Absicht zusammen, "auch zu dieser Tageszeit Bewegtbilder für den eigenen Internet-Auftritt generieren zu können" (Südeutsche Zeitung). Andere sahen darin eine "versteckte Kriegserklärung" an die ARD (Spiegel Online).

Im digitalen Fernsehen ging im September 2011 der letzte der drei vom ZDF betriebenen Digitalsender mit neuem Design und (leicht verändertem) neuem Namen auf Sendung: Aus dem "ZDFinfokanal" wurde "ZDFinfo" - im Namensmuster entsprechend "zdf.kultur", wie der vormalige "ZDFtheaterkanal" seit Mai 2011 heißt. Soll bereits dieser Sender noch "jünger als ZDFneo" sein und auch stärker auf das Internet setzen (dwdl.de), so nimmt sich auch "ZDFinfo" unter Leitung des früheren "auslandsjournal"-Leiters Robert Bachem vor, "eine Brücke in die Welt der politischen Diskussion und Meinungsbildung im Internet" zu schlagen.

Die Digitalsender, die sich explizit an die Zielgruppen richten, die vor allem das Publikum der Privatsender bilden, sind nicht unumstritten. Umstrittener war eine andere ZDF-Aktion: der Kauf der Free-TV-Rechte an der Fußball-Champions League ab 2012/ 13. Mit seinen Einnahmen aus Rundfunkgebühren stach das ZDF den Privatsender Sat.1 aus, der derzeit mit dem Fußball relativ verlässliche Einschaltquoten-Erfolge erzielt (siehe FAZ).

Gemeinsam erwarben ZDF und ARD außerdem umfassende audiovisuelle Rechte an den Olympischen Winterspielen 2014 und Sommerspielen 2016. Dabei verhandelte erstmals nicht die European Broadcasting Union (EBU) mit dem Internationalen Olympischen Komitee, sondern die Sportrechte-Agentur von ARD und ZDF, SportA. Dem Branchendienst "kress" zufolge zahlen ARD und ZDF für dieses Paket "weniger als für die Spiele in Vancouver (2010) und London (2012)". Der Preis wurde jedoch nicht beziffert.

Weiterhin steht auch eine grundsätzliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über den ZDF-Staatsvertrag aus. Anfang 2011 hatte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) nach äußerst reiflicher Überlegung einen Normenkontrollantrag gegen den Staatsvertrag gestellt, damit in höchster Instanz und "im Interesse des öffentlich-rechtlichen Rundfunks" geklärt werde, "ob die Gremien des ZDF zu stark von Vertretern der Politik und des Staates dominiert" sind - ein später Nachhall der Brender-Affäre. Das ZDF selbst forderte in einer beim Verfassungsgericht eingereichten Stellungnahme, dass die in seinen Aufsichtsgremien vertretenen gesellschaftliche Gruppen ihre Vertreter künftig ohne staatliche Bestätigung entsenden sollten und so der staatliche Einfluss reduziert wird.

 

 

Literatur

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Klaus Wehmeier: Geschichte des ZDF, Teil 1: Entstehung und Entwicklung 1961 – 1966, Mainz 1979.

Nicole Prüsse: Geschichte des ZDF, Teil 2: Konsolidierung, Durchsetzung und Modernisierung 1967 – 1977 Münster 1997.

Florian Kain: Die Geschichte des ZDF 1977 – 1982, Baden-Baden 2007 (Geschichte des ZDF, Bd. 3).

Rüdiger Steinmetz: Freies Fernsehen - Das erste privat-kommerzielle Fernsehprogramm in Deutschland, München 1996.

Dieter Stolte/ Joachim Haubrich: Wie das Fernsehen das Menschenbild verändert, München 2004.

News

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09.06.10 / ARD, ZDF, TF1 S.A., France Télévisions S.A., Walt Disney Corp., BBC, ITV plc

WM-Rechte: Medienkonzerne geben Rekord-Summen aus