8. WAZ-Mediengruppe

Umsatz 2006: € 1,741 Mrd.

Überblick

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Schwerpunkt der Aktivitäten der WAZ Mediengruppe mit Sitz in Essen ist traditionell der Zeitungs- und Zeitschriftensektor. Der Verlag brachte 2007 38 Tageszeitungen, 108 Zeitschriften sowie 133 Anzeigenblätter heraus. Unter der Geschäftsführung von Bodo Hombach verstärkt sich das Engagement der WAZ im Internet, wo Inhalte mehrfach verwertet werden. Stärkstes Auslandsengagement der WAZ Gruppe ist der Raum Südosteuropa.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Friedrichstraße 34-38, 45128 Essen
Telefon: 0201-804-0
Telefax: 0201-804-8862
Internet: www.waz-mediengruppe.de, www.derwesten.de

Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Internet-Services, Pressevertrieb, Werbezeitenvermarktung, Rechtehandel
Rechtsform: Westdeutsche Allgemeine Zeitungsverlagsgesellschaft E. Brost und J. Funke GmbH & Co. KG; Westdeutsche Allgemeine Zeitungsverlag GmbH & Co. Zeitschriftenbeteiligungs-KG
Gründungsjahr: 1948

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. Euro)

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

Umsatz Gesamt

1.255

1.741

1.741

1.684

1.995

1.950

1.985

1.900

Gewinn (Verlust) nach Steuern

k.A.

k.A.

k.A.

k.A.

k.A.

k.A.

 

 

 

Tab. II: Anzahl der Beschäftigten

2007

2006

2005

2000

Beschäftigte

18.000

rd. 16.000

rd. 16.000

rd. 20.000

 

Quelle 1999: HORIZONT-Magazin 30/2000; Quelle 2000: w&v, Stand: Januar 2002; Quelle 2001: dpa Medien Nr.24/2002; Quelle 2002 bis 2006: WAZ Marketing & Kommunikation

 

Geschäftsführung

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Geschäftsführung (Schlüsselpositionen):

  • Bodo Hombach
  • Christian Nienhaus

Geschäftsleitung:

  • Dr. Markus Beermann,  Verlagsgeschäftsführer NRW für die kaufmännischen, markt- und vertriebsbezogenen Angelegenheiten
  • Manfred Braun, Leiter Zeitschriftenbereich
  • Heinz-Dieter Gerdes, Leiter Druckereibetriebe und IT
  • Ulrich Hölscher,   Gesamtkoordinator des Geschäftsleitungskreises, Leiter Steuern, Revision, M&A und Unternehmensentwicklung
  • Dr. Martin Jaschke, Sprecher der Geschäftsführung der Zeitungsgruppe Thüringen
  • Joachim Kopatzki,  Leiter  Personal, Dienstleistungen und Journalistenschule Ruhr
  • Dr. Axel Kroll Leiter Recht für das In- und Ausland
  • Stephan Künze, Leiter Finanzen, Rechnungswesen, Controlling und Einkauf
  • Peter Lange, Leiter Logistik
  • Ulrich Reitz, Chefredakteur der "WAZ Westdeutsche Allgemeine" und "DerWesten.de" ,  Chef des Content-Desks, Vertreter aller Zeitungsredaktionen
  • Harald Wahls, Sprecher der Geschäftsführung der Braunschweiger Zeitung

 

Besitzverhältnisse: Brost-Holding 50%, Funke-Gesellschafter 50% (Petra Grotkamp 16,66%, Renate Schubries 16,66%, G. und R. Holthoff 16,66%; Bevollmächtigter: Rechtsanwalt Stephan Holthoff-Pförtner)

Geschichte und Profil

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Keimzelle der Zeitungsgruppe WAZ war die 1948 von dem Sozialdemokraten Erich Brost und dem Alt-Verleger Jakob Funke gegründete „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“. Nachdem die Zeitung in den ersten Jahrzehnten durch große Auflagensteigerungen und Zukäufe kleinerer Zeitungen sukzessive eine marktbeherrschende Stellung im Ruhrgebiet erwarb, kaufte sich der WAZ-Verlag 1974 bei der „Westfalenpost“ ein. In den Folgejahren übernahm das Unternehmen auch die Dortmunder SPD-Zeitung „Westfälische Rundschau“ und die „Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung“. Die WAZ-Gruppe wurde 1976 gebildet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von der holländischen Grenze bis nach Ostwestfalen und ins Sauerland (Iserlohner Kreisanzeiger). In diesen Gebieten sind die Zeitungen zum Teil konkurrenzlos, gelegentlich sind zwei Zeitungen aus der WAZ-Gruppe die einzigen oder zumindest härtesten Wettbewerber. Dass Teile der WAZ-Gruppe sich selbst Konkurrenz machen, ist wohl den Auflagen des Bundeskartellamts zu verdanken, die zu dem von Grotkamp erfundenen und mittlerweile öfter kopierten WAZ-Modell geführt haben: Die im Ruhrgebiet führenden regionalen Abo-Zeitungen (gesamte Druckauflage 1,1 Millionen) kooperieren in Verwaltung, Produktion, Vertrieb und Anzeigengeschäft. Die einzelnen Labels und Redaktionen bleiben eigenständig, die Zeitungen inhaltlich unterschiedlich ausgerichtet. Die Kooperation macht sich vor allen Dingen bei den Anzeigen bemerkbar. Die Gruppe bietet unterschiedliche Belegungseinheiten - vom einzelnen Ort bis zum Gesamtverbreitungsgebiet der Zeitungsgruppe WAZ - an. Allerdings sind die Anzeigenteile der am Ort konkurrierenden Zeitungen identisch und können nur gemeinsam belegt werden. Bewährt hat sich das Geschäftsmodell, parallel die lokale Abo-Zeitung und ein Anzeigenblatt zu verlegen. Daneben spielt in Nordrhein-Westfalen die Radiovermarktung eine große Rolle.
In Deutschland expandierte die WAZ-Gruppe nach der Wiedervereinigung in Richtung Thüringen. In den vergangenen Jahren hat sie sich neben ihren Zeitungen in NRW in Bayern insbesondere mit Zeitschriften ein zweites Standbein aufgebaut. Für 210 Mio. € kaufte die WAZ die Braunschweiger Zei-tung, die mit einer Auflage von 175.000 und einer sehr großflächigen Region zu den ertragstärksten regionalen Abo-Zeitungen zählt. Die WAZ versucht, ihre journalistischen Produkte zu modernisieren. So hat das traditionell eher der Sozialdemokratie verbundene Haus für die Stammzeitung WAZ mit Ulrich Reitz einen eher konservativen Chefredakteur geholt, der aber als kompetenter Blattmacher gilt und die WAZ eifrig nach außen vertritt. Ebenfalls von der „Rheinischen Post“ kommt Kathrin Lenzer, die neue Chefredakteurin der „Westfälischen Rundschau“, während der neue Chefredakteur der NRZ, Rüdiger Oppers, früher Unternehmenssprecher des WDR war. Fraglich ist, ob die neuen Online-Aktivitäten den Auflagenrückgang der WAZ (ca. 70.000 in den Jahren 2005-2007) kompensieren können, auf jeden Fall sollen so jüngere Leser und Konsumenten angesprochen werden. Journalistische Ambitionen werden daran sichtbar, dass alle WAZ-Zeitungen nun in Brüssel mit einem gemeinsamen Korrespondentenbüro vertreten sind.

Management

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Wie manch andere Nachkrieggründung auch, ist die WAZ-Gruppe in Familienbesitz: es sind die beiden Stämme Brost (heute vertreten durch die mittlerweile 86-jährige Witwe Anneliese Brost; die 20%-Anteile des 2007 verstorbenen Adoptivsohnes Erich Schumann fielen an sie zurück) und Funke (der bekannte Rechtsanwalt Stephan Holthoff-Pförtner ist Sprecher der Familie; Petra Grotkamp, die Tochter des Mit-Gründers Jakob Funke; stimmt mit ihm aber häufig nicht überein und beide stehen sich gelegentlich auch vor Gericht gegenüber). Oft haben sich beide Seiten blockiert. Dies betrifft sowohl wichtige Organisationsfragen (Mehrheits- oder Konsensprinzip) wie strategische Entscheidungen. Ihre Minderheitenbeteiligung an der RTL-Gruppe hat die WAZ-Gruppe für 550 Mio. € an den Hauptgesellschafter Bertelsmann verkauft. Um die Verwendung der Einnahmen wurde prozessiert. Auf operativer Ebene aber gelten effektive Strukturen und flache Hierarchien. Die Führung des Konzerns hat sich wesentlich vereinfacht, seit Bodo Hombach Geschäftsführer ist. Mit Bodo Hombach steht erstmals ein nicht familieneigener Geschäftsführer an der Spitze des Konzerns. Erich Schumann, der die Familienkontinuität auf operativer Ebene noch sicherte, verstarb im Januar 2007.
Bodo Hombach war mit Haut und Haaren Politiker. Davon hat er sich völlig verabschiedet und stattdessen mit gleichem Engagement Verantwortung im Verlagswesen übernommen. Er begann als Funktionär der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, wurde Landtagsabgeordneter und führte für Johannes Rau Wahlkämpfe; für einen entwickelte er das legendäre Motto „Wir in Nordrhein-Westfalen“. Im Landeskabinett von Wolfgang Clement wurde er Wirtschaftsminister, bis ihn Bundes-kanzler Gerhard Schröder 1988 zum Chef des Bundeskanzleramtes in Ministerrang berief. 1999 wurde er zum Koordinator für den Balkan-Stabilitätspakt ernannt. Im Februar 2002 wechselte er in die Geschäftsführung der WAZ.       
Die WAZ-Gruppe hat sich ihre Marktstellung – d. h. jeweils regionale Vorherrschaft - in aggressivem Wettbewerb erkämpft. Lokale Konkurrenten wurden in Preiskämpfe verwickelt, bis sie am Ende verkauften. Sie hat dabei manche gerichtliche Auseinandersetzung um Preisgestaltung und Vertriebsmethoden geführt, meist erfolgreich.

Geschäftsfelder

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Der Verlag bringt im Jahr 2007 38 Tageszeitungen, 108 Zeitschriften sowie 133 Anzeigenblätter her-aus. Der Post-Broschüre „Einkauf aktuell“ soll ein eignes Produkt entgegengesetzt werden.
Der WAZ-Konzern galt immer als besonders profitabel. Lange Zeit war der Ruf als besonders geschäftstüchtig stärker ausgeprägt als der journalistische. Bilanzpressekonferenzen gibt es nicht. Den-noch gilt es in der Branche als gesichert, dass die Gewinne nicht mehr so sprudeln wie einst, die Rendite aber immer noch deutlich über 10 Prozent vom Umsatz liegen soll.

Das Kerngeschäft des Konzerns sind die Printmedien und entsprechende Anzeigenvermarktung. Eine Online-Ausdehnung gehört heute ebenso dazu wie das Drängen in lokales Fernsehen. Zum komplexen Konzerngebilde zählen aber auch zahlreiche branchenfremde Beteiligungen. 

Tageszeitungen
Zeitungsverlag Ruhrgebiet GmbH & Co. Essen KG (100%); Zeitungsverlag Niederrhein GmbH & Co. Essen KG (89,4%); Zeitungsverlag Westfalen GmbH & Co. KG Essen - Dortmund (86,9); Westfalenpost GmbH & Co. Verlags-KG (100%); Iserlohner Kreisanzeiger (24,8%); Ostthüringer Zeitung Verlag GmbH Co. KG (100%); Thüringer Allgemeine Verlag GmbH & Co. KG (50%); Thüringische Landeszeitung (100%); Saale Zeitung (100%); Meininger Tageblatt (50% zur Saale Zeitung); Die Kitzinger (100%); Braunschweiger Zeitung (100%), Kurier Zeitungsverlag  und Druckerei GmbH, Wien (49,4%); Krone-Verlag Gesellschaft mbH & Co. Vermögensverwaltung KG, Wien (50%); Zeitungsbeilagenverlag GmbH & Co. KG, Wien (100% zu Mediaprint); Verlag 168 Stunden EGmbH (Tageszeitungen „24 Stunden“, „168 Stunden“), Bulgarien (100%); Media Holding (2 Tages-, 1 Wochenzeitung) (60%), Bulgarien; Pannon Lapok Kiado (Regionalzeitungen: „Naplo“, „Zalai Hirlap“, „Vas Nepe“, „Fejer Megyei Hirlap“, „Dunaujvarosi Hirlap“ sowie die Maraton GmbH mit 10 Anzeigenblättern (100%), Ungarn; Romania Libera (Tageszeitung) (50%), Rumänien; Politika Newspapers and Magazines GmbH (u.a. „Politika“) (50%), Serbien; Europress-Holding EPH (Tageszeitung „Jutarnji List“) (50%), Kroatien; Dnevnik (55%), Serbien; Verlag Media Print Macedonia (Tageszeitungen: „Dnevnik“ (100%), „Utrinski“ (76%), „Vest“ (75%)), Mazedonien.

Anzeigenblätter
Ostruhr-Anzeigenblattverwaltungsgesellschaft mbH & Co. KG (50%); WVW Westdeutsche Verlags- und Werbeverwaltungsgesellschaft mbH & Co. KG (100%); Allgemeiner Anzeiger Werbe- und Vertriebsgesellschaft mbH, Thüringen (100% zur Zeitungsgruppe Thüringen Servicegesellschaft), Show PL.US KfT (75%) Ungarn, Maraton Multivizio KfT (100%) Ungarn

Zeitschriften
Welt am Sonnabend GmbH (Verlag, 100%); VTH Verlag für Technik und Handwerk GmbH (100%); Nitschke Verlag, Eifel (80%); Gong-Verlag GmbH (100 %); VerlagsGruppe Bahn GmbH (100%); News Verlagsgesellschaft, Wien (25,3% zu Kurier); HVG Kiadoi Rt. (Zeitschriftenverlag) (75%), Ungarn; Zeitschriftenverlag MediaE (u.a. „Media Swjat“, „Hi Club“, „Auto Trud“, „Für die Frau“, „Ideales Haus“) (100%), Bulgarien; Europapress-Holding EPH (u.a. „Cosmopolitan“, „Playboy“) (50%), Kroatien; Politika Newspapers and Magazines GmbH (u.a. „Bazar“, „Huper“) (50%), Serbien, Deutsche Rätselverlag GmbH & Co. KG, Ismaning (51%)
 
Fernsehen und Radio
Für den Betrag von 550 Mio. Euro hat der WAZ-Konzern seine Minderheitenbeteiligung an der RTL-Group an den Hauptgesellschafter Bertelsmann zurückverkauft. Beteiligt ist der Konzern an den Betriebsgesellschaften von 16 lokalen Hörfunksendern in NRW.  Bei der Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen bewirbt sich die WAZ um Lizenzen für lokales Fernsehen. Die WAZ-Gruppe will eigenständig qualitativ anspruchsvolles Lokalfernsehen entwickeln. Daraus dürfte zugleich ein sinnvolles Angebot an Bewegtbildern für das Internet erwachsen. Im Vertrieb von lokalgeschichtlichen DVDs gibt es eine rege Kooperation mit dem WDR. Ein Ausbau der Zusammenarbeit in andere bereiche hinein dürfte an der WAZ nicht scheitern.

Online-Medien
Die Internetplattform „Cityweb Network“ hat die WAZ zugunsten des übergreifenden Online-Projekts „DerWesten.de“ aufgegeben. Seit 2006 arbeitet die Gruppe an einem Online-Auftritt, der regionale und lokale journalistische Kompetenz der Gruppe im Ruhrgebiet stärken und die verschiedenen Zeitungslabels übergreifen soll. Mit Katharina Borchert hat die Gruppe eine in der Szene bekannte bloggerin („Lyssas Lounge“) zur Online-Chefin gemacht. Damit sollte auch ein Imagewandel weg von grauer Tristesse hin zu Modernität vollzogen werden. Nach einigen Verzögerungen und der Online-Schulung von mehr als 800 Redakteuren ist das neue Portal mit einigen neuen Features - wie der Möglichkeit zum „Geo-Tagging“ – im Spätherbst 2007 freigeschaltet worden. Am 11.03.2008 wurde in der Staatskanzlei NRW im Beisein des Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers eine, zunächst auf ein Jahr befristete, Kooperation mit dem WDR verkündet. Eine Stunde nach TV-Ausstrahlung sollen ausgewählte Beiträge aus der WDR-Lokalberichterstattung mit Quellenangabe auch über das Portal "DerWesten.de" abgerufen werden können. Die WAZ zahlt dem WDR dafür eine pauschale Lizenzgebühr.

Nach holprigem Start verzeichnet der Branchenverband Bitkom für das Portal im Jahr 2008 49 Mio. (zum Vgl. Spiegel-online: 1,09 Mrd.) Besuche. Es gibt stärkere Angebote auch regionaler Zeitungen, die Zahl ist gleichwohl als Stabilisierung anzusehen.

Vertriebs- und Dienstleistungsbetriebe
Neben seinem Engagement bei Zeitungen und Zeitschriften ist der WAZ-Konzern auch im Vertriebs- und Dienstleistungsbereich im In- und Ausland tätig.  So ist man in die Postservicebranche (5 Prozent Anteil an der PIN Group) eingestiegen. Zunächst wurden in Dortmund erste Erfahrungen mit der Post-zustellung gesammelt. Inzwischen deckt das Tochterunternehmen WPS Westdeutsche Post Service GmbH große Teile des Ruhrgebiets ab und macht damit rund 19 Millionen Euro Umsatz. In Thüringen agiert das Schwesterunternehmen Thüringer Post Service GmbH

Engagement im Ausland

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In Ländern des ehemaligen Jugoslawien ebenso wie in den mittlerweile in die EU aufgenommenen Staaten Slowenien, Rumänien und Bulgarien ist die WAZ-Gruppe auf dem Zeitungs- wie Zeitschriftenmarkt führend vertreten. Neben Zeitungen, Zeitschriften und Druckereien in Bulgarien, Kroatien, Serbien und Rumänien, hat sie drei Tageszeitungen in Mazedonien übernommen. In Ungarn, wo die WAZ-Gruppe bisher Regionalzeitungen verlegt hat, ist sie nun an einem Magazin mehrheitlich beteiligt. Die Zeitschrift HVG berichtet über Politik und Wirtschaft und besetzt damit ein Segment, das die WAZ-Gruppe in Deutschland nicht bearbeitet. Insgesamt 40% des Umsatzes und 70% des Erlöses der WAZ-Gruppe stammen aus Beteiligungen im Ausland.
Zu den Auslands-Beteiligungen zählt auch das Engagement in Österreich. 1987 wurde die WAZ-Gruppe in Österreich aktiv und kaufte sich zunächst mit 45% bei der „Kronen Zeitung“, bald darauf auch beim „Kurier“ ein. Die „Kronen Zeitung“ gilt als besonders rentabel. Allerdings sind die WAZ-Gruppe und die Wiener Dichand-Dynastie, der die andere Hälfte der „Kronen Zeitung“ gehört,  anhaltend zerstritten. Ein Coup war es, dass es der WAZ gelang, die deutschen Print-Exklusivrechte für das erste Interview mit dem österreichischen Entführungsopfer Natascha Kampusch zu erwerben.
Neu ist der Einstieg in das Zeitungsgeschäft in Russland (75 Prozent an der Wochenzeitung Sloboda) und in Vietnam.

Aktuelle Entwicklungen

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Die WAZ-Gruppe erweckte lange Zeit den Eindruck, über ein gutes finanzielles Polster zu verfügen. Im Dezember 2007 gehörte sie zu den aussichtsreichen Bietern für die „Süddeutsche Zeitung.“ Als sehr profitabel wurde auch stets die Expansionsstrategie in Südosteuropa dargestellt. Gelegentlich gab es – so in Bulgarien – Probleme mit nationalistischen Strömungen, die WAZ feierte sich selbst aber stets „als einziges Medienhaus, das seinen Journalisten den Rücken freihält“ (Bodo Hombach). Einer weiteren Regionalisierung, einer Investition in die Kernmarken und engeren Verzahnung von regionaler Presse, Internet und TV schien nichts entgegenzustehen.
Im September 2008 verkündete die Geschäftsführung („Wir haben ein Ergebnisproblem“) dann aber einen rigorosen Sparkurs und eine völlige Abkehr vom bisher bewährten „WAZ-Modell“. Es lebte von eigenständigen, regional verankerte Zeitungstiteln. Nun sollte es im WAZ-Kernland mit den WAZ-Kerntiteln „WAZ“, „NRZ“, Westfälische Rundschau“ und „Westfalenpost“ („Nicht alle Titel schreiben schwarze Zahlen“, Christian Nienhaus) zuhauf ungenutzte Synergien und ein Sparpotential von 30 Mio. Euro geben. Selbst betriebsbedingte Kündigungen schloss die Geschäftsführung nicht aus; 262 Redakteursstellen sollten entfallen, d.h. jeder vierte fest Angestellte der vier Ruhrgebietstitel entlassen werden. Mit dem WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz zog ein Journalist in den Vorstand ein, das von ihm entwickelte Modell sieht vor: von einem zentralen Newsdesk aus sollen die vier Zeitungen künftig gesteuert werden. Der vom Axel-Springer-Verlag zur WAZ gewechselte Geschäftsführer Christian Nienhaus nennt ausdrücklich die Erstellung von Berliner Morgenpost, Welt, Welt kompakt und WeltOnline als Vorbild. Im nächsten Schritt quittierte die WAZ die Dienste der Agentur dpa – angeblich weil sie eine „Autorenzeitung“ werde. Missverständliche Äußerungen des WAZ-Chefredakteurs konnten so gedeutet werden als würde man heutzutage ja alle Informationen ohnehin (unter Missachtung des Urheberrechts) aus dem Internet bekommen können. Personelle Wechsel – so wurde der Bundesvorsitzende der Journalistengewerkschaft dju Chefredakteur der „Westfälischen Rundschau“ - kamen hinzu. Wohin die Reise geht – ob allein ein Sparprogramm oder auch eine publizistische Umorientierung womöglich zugunsten eines Einheitstitels nach dem Online-Vorbild „DerWesten.de“ - entstehen wird, ist noch nicht endgültig abzusehen. Im Auge zu behalten ist aber sicher, ob das Zusammentreffen von ökonomischer und publizistischer Krise nicht auch in der WAZ-Gruppe am Ende zu geringerer Meinungsvielfalt führen wird.

Links

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» Online-Auftritt der WAZ-Mediengruppe
» Der Westen

» Pressemitteilungen

Presseberichterstattung:

- Süddeutsche Zeitung: Ein Mann nimmt Maß – die WAZ und Stefan Aust (03.07.2009)
- Handelsblatt: WAZ-Gruppe steigt bei „Krone“ aus (25.5.2009)
- Welt am Sonntag: Ein Gigant erfindet sich neu (24.5.2009)
- Financial Times Deutschland: WAZ will „Kronen Zeitung“ loswerden (11.5.2009)

News

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