8. Verlagsgruppe Weltbild GmbH

Umsatz 2008: € 1,940 Mrd.

Überblick

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Die Augsburger Verlagsgruppe Weltbild ist ein international agierendes Medien- und Versandunternehmen und einer der größten deutschen Medienkonzerne. 7400 Beschäftigte im In- und Ausland erwirtschafteten ca. 1,94 Milliarden Euro Umsatz (2008). Weltbild vertreibt Medien und mediennahe Produkte. Zudem ist die Gruppe im Buch- und Zeitschriftenverlagssektor tätig. Der Buchhandel hat sich in den letzten Jahren zum wichtigsten Geschäftsfeld entwickelt. 23 Prozent der Umsätze entstehen durch Internet-Handel.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Verlagsgruppe Weltbild GmbH
Steinerne Furt 67 – 69
86167 Augsburg
Tel. 0821 / 70 04 - 0
www.weltbild.com

Branche: Medienversandhandel per Katalog und via Internet (weltbild.de, jokers.de, kidoh.de, buecher.de, etc.), Buchhandel (Weltbild!-Filialen, Weltbild plus – Filialen, Jokers, Wohlthat´sche Buchhandlung), Buch- und Musikverlag

Rechtsform: GmbH
Geschäftsjahr: 01.07.-.30.06.
Gründungsjahr: 1948 Gründung als Winfried-Werk GmbH, 1972 Umbenennung in Weltbild-Bücherdienst GmbH, die 1987 zur Weltbild Verlag GmbH wird. 2001 wird die heutige Verlagsgruppe Weltbild GmbH gegründet.

Tab. 1: Ökonomische Basisdaten

2008

2006/07

2005/06

2004/05

2003/04

2002/03

2001/02

Umsatz inkl. Beteiligungen (in Mio. Euro)

1.940

1.600

1.403

1.289

1.271

1.075

948,4

Beschäftigte (In- und Ausland)

7400

6900

4500

k. A.

3000

k. A.

k. A.

Geschäftsführung

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Geschäftsführung:

  • Carel Halff (Vorsitzender der Geschäftsführung)
  • Dr. Klaus Driever
  • Martin Beer

Aufsichtsrat:

  • Dr. Klaus Donaubauer (Aufsichtsratsvorsitzender, Finanzdirektor der Diözese 
    Augsburg)
  • Dr. Dr. h. c. Adolf Bauer (stellv. Vorsitzender, Finanzdirektor der Diözese Würzburg)
  • Prälat Dr. Sebastian Anneser (Finanzdirektor der Erzdiözese München und Freising)
  • Thomas Karst (Finanzdirektor des Bistums Mainz)
  • Dr. Albert Post (Leiter der Rechtsabteilung des Bischöflichen Generalvikariates Fulda)
  • Erwin - Müller-Ruckwitt (Leiter der Hauptabteilung Bildung/Medien im Generalvikariat des Erzbistums Köln)
  • Dr. Stefan Schmittmann (Vorstandsmitglied der HypoVereinsbank)

 

Gesellschafter (Anteile in Prozent): Diözese Aachen (4,2), Diözese Augsburg (11,7), Erzdiözese Bamberg (5,7), Diözese Eichstätt (3,4), Erzdiözese Freiburg (2,7), Diözese Fulda (6,8), Erzdiözese Köln (7,2), Soldatenseelsorge Berlin (4,3), Diözese Mainz (17,0), Erzdiözese München und Freising (13,2), Diözese Münster (2,4), Diözese Passau (5,7), Diözese Regensburg (5,7), Diözese Trier (4,3), Diözese Würzburg (5,7)

Geschichte und Profil

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Das katholische Unternehmen Verlagsgruppe Weltbild GmbH hat ihre Wurzeln in dem 1948 gegründeten Verlag Winfried-Werk GmbH. Dieser ist einer von zwei dezidiert konfessionell gebundenen Verlagen, die in Augsburg nach Kriegsende entstanden sind. Die Auswahl von Winfried-Werk war begrenzt, man spezialisierte sich auf die Herausgabe von Büchern und Zeitschriften zu christlichen Themen und Lebensweise wie „Gegenwartsfragen in katholischer Schau“, „Seelsorge“ oder „Ehe und Familie“.
Die Monatszeitschrift „Mann in der Zeit“ erreichte in den sechziger Jahren eine Auflage von 700.000 Exemplaren. Unter Chefredakteur Willi Weiskirch, in den 70er Jahren CDU-Sprecher und Bundestagsabgeordneter, entwickelt sich die Zeitschrift 1968 zur Illustrierten „Weltbild“. 1975 erhielt der 23jährige niederländische Verlagsbuchhändler Carel Halff den Auftrag, den verschuldeten Winfried-Werk-Verlag zu sanieren. In den folgenden Jahren baute er einen der größten deutschen Medienkonzerne auf. Dazu machte er den 1972 unter dem Namen „Weltbild-Bücherdienst“ eingeführten Katalogbuchhandel zum Kerngeschäft der Gruppe. Erst 1994 stieg das mittlerweile unter dem Namen Weltbild Verlag GmbH firmierende Unternehmen ins Filialgeschäft ein. Halff ist bis heute Geschäftsführer.
1999 fusionierte Weltbild sieben eigene Buchverlage mit fünf Buchverlagen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (Holtzbrinck in der Mediendatenbank) zur Verlagsgruppe Droemer Knaur. Im selben Jahr startet der Internetbuchhandel Booxtra, heute buecher.de, in Kooperation mit T-Online, Holtzbrinck und der Axel Springer AG (Axel Springer AG in der Mediendatenbank). Der Vertrieb via Internet wurde so neben Katalog und Filialen zum dritten Eckpfeiler der Vertriebsstrategie von Weltbild.

Die Verlagsgruppe Weltbild ist eine treibende Kraft im seit mehreren Jahren andauernden Konzentrationsprozess auf dem Buchmarkt. Im Sommer 2006 haben Weltbild und die Buchhandelskette Hugendubel (Weiland, Schmorl & Seefeld, Habel, Hugendubel) die Absicht bekannt gegeben, ihr Filialgeschäft zusammenzulegen. Die gemeinsame DBH Buch Handels GmbH & Co. KG (Anteil jeweils 50 Prozent) verfügt über mehr als 450 Buchhandlungen. Damit haben sie den bisherigen Marktführer, die Buchhandelskette Thalia, überholt. Diese konterte Anfang 2007 mit der Übernahme von „Buch & Kunst“. Zusammen beherrschen die beiden Schwergewichte damit ein Viertel des Buchmarktes in Deutschland. Weltbild ist dabei stark im Bereich Bücherdiscount vertreten und kooperiert dabei auch mit dem Springer-Verlag. 2008 profitierte die DBH von der geplatzten Übernahme der Karstadt-Buchläden durch Konkurrent Thalia. Seit Juli 2008 betreibt sie 52 der 89 Karstadt-Buchhandlungen. „Das ist ein Glücksfall für uns, damit können wir unsere Reichweite erheblich steigern,“ erklärte Geschäftsführer Haff in der Zeitung „Der Tagesspiegel“.

Die Marktmacht der beiden großen Wettbewerber führt zu Befürchtungen, Verleger könnten ihre Unabhängigkeit bei der Programmauswahl einbüßen und eigenwillige Autoren somit kaum noch eine Chance auf Publikation haben.

Der Verlag möchte christliche Werte „mit den Erfordernissen des Marktes überzeugend in Einklang bringen“. Zum Angebot gehören bisweilen aufwändig gestaltete Bibel-Sonderausgaben. 2006 erscheint in Kooperation mit der Bild-Zeitung die „Dürer Bibel“. Den Einband bildet ein Holzrelief von Dürers „betenden Händen“. Die als okkultistisch kritisierten Titel der Harry-Potter-Serie  und der Bestseller „Sakrileg“ von Dan Brown können bei Weltbild zwar gekauft werden, letzterer wird jedoch nicht beworben. Mit der Marke Jokers ist der Verlag auch im so genannten Segment „modernes Antiquariat“ eine Größe. Jokers bietet Remissionen und Restposten zu stark vergünstigten Preisen an. 2008 trennt sich die Verlagsgruppe von ihrem Zeitschriftensegment, das auf Titel mit konservativer Ausrichtung insbesondere im Bereich Familie spezialisiert gewesen ist. Käufer ist die französische Bayard-Gruppe.

Management

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Dass die Weltbild GmbH im Besitz der katholischen Kirche ist, sieht Geschäftsführer Carel Halff als Vorteil. Im Gespräch mit der Wirtschaftswoche sagte er: „Die langfristige Orientierung unserer Inhaber unterscheidet uns von vielen anderen Unternehmen. Wir haben einen längeren Atem und können über Quartale hinaus denken.“ Zudem ist das Unternehmen keine „Melkkuh der katholischen Kirche“ (FAZ). Halff darf die Gewinne reinvestieren und zur Expansion nutzen. Die Umsatzsteigerung der Gruppe seit dem Einstieg ins Bücherfilialgeschäft ist beträchtlich. Mit der Strategie, ein begrenztes Sortiment an Medientiteln zu Discountpreisen anzubieten, hat Weltbild den traditionell kleinteilig organisierten Markt stark in Bewegung gebracht. Aufgrund einer Vertriebsstrategie mit Filialen, Katalog und Internet kann der Weltbild-Verlag zielgerichtet und in großer Auflage produzieren und so Kosten senken. Eigene Titel können in Filialen und Katalog prominent platziert und beworben werden. Ein weiteres Standbein des Verlages sind günstig produzierte Lizenzausgaben. Weltbild nimmt in der Liste der größten deutschen Verlage den fünften Platz ein. Das Unternehmen gibt weder Gewinne öffentlich bekannt noch den Kaufpreis, den die Bayard-Gruppe 2008 für das Zeitschriftensegment mit 27 Titeln gezahlt hat.

Dass Halff seit Ende 2008 im Aufsichtsrat der Ravensburger AG sitzt, hat zu Spekulationen geführt, der Manager könnte das Unternehmen verlassen.

Geschäftsfelder

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Versandhandel: Der Bereich Versandhandel bildet seit 1972 das Kerngeschäft der Gruppe. Zum Weltbild-Katalog kam in den letzen Jahren der Jokers-Katalog hinzu. Außerdem vertreibt der Versandhandel KIDOH! vor allem Spielsachen und Kinderbücher.

Buchhandlungen: Durch die Zusammenarbeit mit der Buchhandelskette Hugendubel unter dem Namen Weltbild plus ist die Verlagsgruppe Weltbild zur Nr. 1 im deutschen Filialgeschäft aufgestiegen. Zu den Weltbild plus Filialen kommen noch die Läden Weltbild! und Jokers. Außerdem ist Weltbild plus zu 50 Prozent an der Wohlthat´schen Buchhandlung beteiligt. In Österreich gehören die Filialen von A&M plus und A&M! zur Weltbild-Gruppe.

Online-Buchhandel: Das Internet konnte als Vertriebsweg neben dem klassischen Katalog- und Filialgeschäft etabliert werden. Weltbild online ist in mehreren europäischen Ländern aktiv. Neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch in Polen (www.kdc.pl) und Russland (www.moymirshop.ru). Mit dem Online-Händler „Glaube & Religion“ ist es der katholischen Verlagsgruppe gelungen, auch das Geschäft im Stammsegment auf das Internet auszudehnen. Die Online-Kataloge von Jokers und KIDOH! sind für Deutschland, Österreich und die Schweiz konzipiert. Ein breiteres Angebot als Jokers („Restseller“) bietet die Plattform buecher.de, die zusammen mit T-Online, dem Holtzbrinck-Verlag und der Axel Springer AG aufgebaut wurde.

Buchverlag: Die Verlagsgruppe Droemer Knaur gehört zu 50 Prozent (Kooperation mit der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck) zu Weltbild. Weltbild produziert aber auch eigene Bücher und gibt Lizenzausgaben heraus. Besonders durch Kooperationen mit der Bild-Zeitung (Volksbibel, Bild-Jahrbuch, Bild-Bestseller-Bibliothek) werden große Auflagen- und Absatzzahlen erreich.

Musik: Die kleine Musiksparte produziert Tonträger für den Massenmarkt.

Engagement im Ausland

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Schweiz: Katalog- und Internetversandhandel, Weltbild plus-Filialen, Zeitschriften
Österreich: A&M Verlagsbuchhandlung - Filialen, Katalog- und Internetversandhandel
Polen: Klub Dla Ciebie (gemeinsam mit dem Heinrich Bauer Verlag [Verlagsgruppe Bauer in der Mediendatenbank]) – Katalog- und Internetversandhandel
Russland: Moy Mir (gemeinsam mit Burda GmbH[Burda GmbH in der Mediendatenbank]) – Katalog- und Internetversandhandel

Aktuelle Entwicklung

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2009 ist die Verlagsgruppe Weltbild der größte Player im deutschen Filialbuchhandel und agiert auf den Medienmärkten mehrerer europäischer Länder. Der Umsatz hat sich seit 1990 vervielfacht: Von € 122,7 Mio. auf € 1,94 Mrd. (2008). Der Umsatz inklusive aller Beteiligungen übersteigt € 1,9 Mrd.

Im April 2009 ist ein geplanter Verkauf der Verlagsgruppe vorerst abgesagt worden. Begründet wurde der Schritt mit ungünstigen Verkaufsbedingungen in der aktuellen Wirtschaftslage. Zuvor waren Verhandlungen mit fünf Kaufinteressenten gescheitert, darunter offenbar die Unternehmen Bertelsmann, Holtzbrinck, Thalia und der DBH-Partner Hugendubel. Veräußert wurden schließlich lediglich Anteile am niederländischen Onlineshop Bol.com, und zwar an den Fernsehproduzenten John de Mol. Erstmals war Anfang Juli 2008 über einen Verkauf des Weltbild-Konzerns und über die Motive der Eigentümer spekuliert worden. Die Aussage von Geschäftsführer Halff, die Wachstumsperspektiven seien "über die ursprünglichen Kernvorstellungen der Bischöfe" hinausgegangen, waren dahingehend interpretiert worden, dass der ökonomische Erfolg für die katholische Kirche weltanschauliche Probleme mit sich gebracht hatte.

Die Sorge der Weltbild-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze war indes berechtigt: Im Mai 2009 kündigte die Geschäftsleitung 322 Mitarbeitern der Weltbild-Plus-Filialen. Das entspricht rund einem Fünftel der Beschäftigten in den 258 Läden. Auch die Buchhandelskette Hugendubel baut Stellen ab. Im Juni 2009 kündigte man 180 Angestellten. Die Gewerkschaft Ver.di kritisierte insbesondere, dass Hugendubel vorerst keine Auszubildenden mehr einstellen wird. Nach Presseberichten sind darüber hinaus 106 Arbeitsplätze in den Filialen des Buchhändlers Buch Habel bedroht.
Die Weltbild Plus Medienvertriebs GmbH, die Hugendubel-Buchhandlungen und Buch Habel gehören der DBH-Holding in Besitz von Weltbild und Hugendubel.

Im Juni 2009 ist Weltbild-Vorstand Klaus Driever ins Präsidium des Verbands Deutscher Zeitungsverleger (VDZ) gewählt worden. Driever ist auch Vorsitzender des Verbands der Zeitschriftenverlage in Bayern (VZB).

Im Oktober 2009 kritisierte der Naturschutzverein WWF eine Reihe deutscher Verlage, darunter auch Weltbild. In einem Test wurden in Weltbild-Titeln Anteile von Tropenholz festgestellt. "Die Verlage haben die Marktmacht, die Papierindustrie zu beeinflussen und die Entwicklung neuer umweltfreundlicher Druckpapiere einzuleiten", so der WWF.

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse im Herbst 2009 erweiterte Weltbild sein Angebot an Geräten, mit deren Hilfe elektronische Bücher komfortabel gelesen werden können. Neben diesen E-Book-Readern bietet der Verlag auf seiner Internetseite auch einen Katalog an elektronischen Büchern an. Allerdings handelt es sich beim E-Book-Geschäft laut Vorstand Klaus Driever "um eine verschwindend kleine Nische". Dies werde sich frühestens in drei Jahren ändern.