5. Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck
Umsatz 2010: € 2,260 Mrd.
Überblick
Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Stuttgart. Sie ist in mehr als 80 Ländern tätig und publiziert in klassischen und elektronischen Medien in den Bereichen Information, Bildung und Unterhaltung.
Basisdaten
Hauptsitz:
Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH
Gänsheidestraße 26
70184 Stuttgart
Telefon: 0711-2150-0
Telefax: 0711-2150-269
Internet: www.holtzbrinck.com
Branche: Zeitschriften, Zeitungen, Buchverlage, TV-Produktion, Internet-Services, Marktforschung
Rechtsform: GmbH
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1936
2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003 | 2002 | |
Umsatz Gesamt | 2.260 | 2.357,6 | 2.589 | 2.489 | 2.243 | 2.086 | 1.961 | 1.937 | 2.241 |
Gewinne (Verluste) | 230,0* | 188,7* | 165,4* | 222,1* | 206,6* | 187,8* | k.A. | k.A. | k.A. |
Beschäftigte | 15.307 | 16.460 | 17.447 | 17.086 | 15.473 | 13.872 | 12.855 | 11.800 | 12.500 |
* Operating EBITDA, bereinigt um außergewöhnliche und einmalige Effekte
Geschäftsführung
Geschäftsführung/Vorstand (Schlüsselpositionen):
- Dr. Stefan von Holtzbrinck, Vorsitzender
- Dr. Michael Brockhaus, Strategie und M&A (Mergers and Acquisitions)
- Dr. Johann Butting, Geschäftsführer Holtzbrinck Digital GmbH
- Dr. Rüdiger Salat, Geschäftsführer Holtzbrinck Buchverlage
- John Sargent
- Jens Schwanewedel
- Dr. Annette Thomas
- Dr. Johann Kempe (assoziiert)
- John Sargent, CEO Holtzbrinck Publishers
- Jens Schwanewedel, kaufmännischer Geschäftsführer
- Dr. Annette Thomas, CEO Macmillan
Aufsichtsrat:
- Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann, Vorsitzender (Präsident von Goethe-Institut und Stiftung Preußischer Kulturbesitz)
- Dr. Bernd Scheifele, stellvertretender Vorsitzender (Vorstandsvorsitzender der HeidelbergCement AG)
- Prof. Dr. Jürgen Mlynek (Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft)
- Monika Schoeller (geborene von Holtzbrinck, Verlagsleitung S. Fischer)
- Joachim Schoss (IT-Unternehmer Scout24, Beisheim Holdings, Myhandicap.com)
Gesellschafter: Monika Schoeller (50%), Dr. Stefan von Holtzbrinck (50%).
Geschichte und Profil
Der Buchvertreter Georg von Holtzbrinck, sinnenfroher Abkömmling eines westfälischen Adelsstamms, gründet 1936 zusammen mit seinem Freund Wilhelm Schlösser die Deutsche Verlagsexpedition. Das Vertriebsunternehmen ist die Keimzelle eines sich rasch ausbreitenden Medienunternehmens. Das habe Holtzbrinck auch den guten Beziehungen zur NSDAP zu verdanken gehabt, schrieb das US-Magazin „Vanity Fair" 1997. Im Jahr 1943 übernimmt Holtzbrinck den Wiesbadener Verlag „Deutsche Volksbücher“, den die Alliierten 1946 lizensieren. Nach dem Krieg kommt Holtzbrinck auf die Idee, für die lesehungrigen Deutschen einen Buchklub zu gründen. 1948 entsteht die Stuttgarter Hausbücherei, später werden der Deutsche Bücherbund (1959), die deutsche Hausbücherei (1960) und der Deutsche Buchklub (1966) hinzugekauft. Vier Jahrzehnte bleiben die Buchklubs das Kerngeschäft des Unternehmens. Zur Absicherung aber tritt Holtzbrinck zunehmend als Verleger auf und kauft sich bei Zeitungen und Zeitschriften ein. Vor allem an Buchverlagen ist der ehemalige Jurastudent Holtzbrinck interessiert.
Als der Verlagsgründer 1983 stirbt, arbeitet sein ältester Sohn Dieter bereits drei Jahre im Unternehmen als Geschäftsführer (beim Handelsblatt). Im Unternehmen erwirbt sich der Sohn schnell Respekt, als er nach dem Tod des Vaters die Führung übernimmt und den radikalen Umbau des Unternehmens vorantreibt. Dazu gehört die vorher gemiedene Expansion auf internationale Märkte (Auslandsanteil 2001: 40%). 1986 kauft Holtzbrinck in den USA den Buchverlag Henry Holt und die "Scientific-American-Gruppe", 1994 das angesehene New Yorker Buchhaus Farrar, Straus & Giroux, 1995 für knapp 600 Mio. DM eine 70,8-prozentigen Anteil an dem britischen Großverlag Macmillan. Zudem wird das Forschungsinstitut Prognos AG in Basel mehrheitlich übernommen.
Gleichzeitig entschließt sich Holtzbrinck - zunächst in enger Allianz mit dem Münchner Filmhändler Leo Kirch - zum Vorstoß in die elektronischen Medien. Holtzbrinck wird 1983 Gründungsgesellschafter beim TV-Sender Sat.1, hält dort nach einer Reorganisation im Jahr 1986 15% der Anteile und verkauft sie schließlich Ende 1996 für knapp 200 Mio. DM an Kirch. Der Wetter- und Reisekanal, an dem Holtzbrinck ein Viertel der Anteile hielt, stellt 1998 nach kurzer Zeit den Betrieb wieder ein. Außerdem beteiligt sich der schwäbische Unternehmer mit 25% am Nachrichtenkanal n-tv, um das Wirtschaftsfernsehen voranzutreiben, und baut diesen Anteil bis auf 47% aus. Jedoch verkauft die Stuttgarter Gruppe Mitte 2002 die Senderanteile - zusammen mit Beteiligungen an zwölf Radiostationen - an den Bertelsmann-Konzern (Bertelsmann in der Mediendatenbank).
Dieter von Holtzbrinck kaufte zudem in kurzer Folge die Zeitungen „Main-Post" (1992), „Tagesspiegel" in Berlin (1992), und „Trierischer Volksfreund" (1993). Ein Höhepunkt der Offensive ist 1996 der Kauf der angesehenen Wochenzeitung „Die Zeit" (Auflage: rund 480.000) für 140 Millionen Mark vom alleinigen Gesellschafter Gerd Bucerius.
Den Akquisitionen steht eine wesentliche interne Bereinigung gegenüber: 1989 reicht Holtzbrinck den Deutschen Bücherbund, das einstige Herzstück des Unternehmens, für 250 Mio. DM an Kirch weiter. Die Zeit für Buchklubs sei vorbei, erklärte Holtzbrinck, und merkte seinerzeit an, dass das auch für das Unternehmen Bertelsmann gelte, das den Bücherbund 1992 von Kirch kaufte. Noch Mitte der Achtziger hatten die Buchklubs jede zweite Mark im Unternehmen erwirtschaftet. Auch von der Musikfirma Intercord trennt sich Holtzbrinck - sie geht an EMI. Und schließlich werden auch die Druckereien Claussen & Bosse und Franz Spiegel Buch verkauft.
Zum 1. Januar 1999 führt der Unternehmer fünf eigene Verlage mit sieben Verlagen der katholischen Weltbild-Gruppe aus Augsburg in einer gemeinsame Verlagsgruppe zusammen, die unter dem Namen Droemer Knaur firmiert.
Im Juni 2002 übernimmt Holtzbrinck den angeschlagenen Berliner Verlag, zu dem auch die „Berliner Zeitung“ gehört, von Gruner + Jahr. Das unter kartellrechtlichen Vorbehalten abgewickelte Geschäft gerät zum Desaster für die Stuttgarter Verlagsgruppe. Das Bundeskartellamt untersagt die Transaktion mit Hinweis auf Holtzbrincks marktbeherrschende Stellung bei den Berliner Abonnementzeitungen, die entstünde, wenn „Tagesspiegel“ und „Berliner Zeitung“ in Zukunft von einem Unternehmen verlegt würden. Holtzbrinck beantragt am 14. Januar 2003 beim damaligen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) eine Ministererlaubnis, um das Veto der Kartellbehörde zu umgehen. Um die Zustimmung Clements zu bekommen, schlägt Holtzbrinck ein Stiftungsmodell vor. Nach diesem soll die Redaktion des „Tagesspiegel“ in eine Gesellschaft überführt werden, deren Unabhängigkeit durch ein neunköpfiges Kuratorium überwacht werden soll. Rechtlich gesehen kann Clement die Erlaubnis nur erteilen, wenn „gesamtwirtschaftliche Vorteile“ bzw. „ein überragendes Interesse der Allgemeinheit“ schwerer wiegen als die Konzentrationsbedenken. Am 13. Mai erteilt Clement daher einen Zwischenbescheid, in dem Holtzbrinck aufgefordert wird, sechs Wochen lang nach Käufern für den „Tagesspiegel“ zu suchen. Wäre kein Käufer gefunden worden, hätte Clement die Erlaubnis erteilen können. Kurz darauf melden die Verlagsgruppen Bauer und Ippen ihr Kaufinteresse an. Im September 2003 verkauft die Holtzbrinck-Gruppe den „Tagesspiegel“ an ihren früheren Manager Pierre Gerckens zu einem Vorzugspreis (von 10 Millionen Euro war die Rede, der Konzern äußerte sich dazu nicht). Danach scheint der Weg frei für die Übernahme der „Berliner Zeitung“, aber das Bundeskartellamt verbietet diese zum zweiten Mal im Ferbuar 2004, da die an Gerckens verkauften „Tagesspiegel“-Anteile noch immer dem Konzern zuzurechnen seien. Daraufhin klagt Holtzbrinck vor dem OLG Düsseldorf und dem BGH gegen die Entscheidung des Bundeskartellamts, allerdings ohne Erfolg. Als Konsequenz verkauft der Konzern im Oktober 2005 den Berliner Verlag an ein angloamerikanisches Investorenkonsortium (VSS) und die Mecom-Group. Der Brite David Montgomery, Vorstandsvorsitzender der Mecom Group, leitet als Aufsichtsratschef seitdem die Geschicke des Berliner Verlags.
Unternehmensgründer Georg von Holtzbrinck im Dritten Reich
Nach zehn Jahren Forschung legte der Journalist Thomas Garke-Rothbart im November 2008 seine wissenschaftliche Studie über die Wurzeln des Unternehmens vor, die den Unternehmensgründer und Namensgeber Georg von Holtzbrinck und seine Zeit während der NS-Zeit betreffen. Der Titel lautet „... für unseren Betrieb lebensnotwendig ...“; die Studie erschien im K.G. Saur-Verlag. Garke-Rothbart begann das Projekt, nachdem die US-Zeitschrift „Vanity Fair“ 1998 die NSDAP-Parteikarte des Verlagsgründers Georg von Holtzbrinck abgedruckt und einen Bericht über seine „dunkle Vergangenheit“ publiziert hatte. Offiziell beginnt die Verlagsgeschichte erst 1948. Als Garke-Rothbart zur Überraschung der Verlegerfamilie private Dokumente in einem öffentlichen Archiv fand, erklärte sich die Familie bereit, ihn zu unterstützen, indem sie Akten zur Verfügung stellte, Kontakte zu Zeitzeugen und Archiven ermöglichte und einen Teil der Recherchekosten übernahm.
Der Historiker Wolfgang Benz schrieb im Holtzbrinck-eigenen Tagesspiegel, die Studie sei von „akribischer Recherche“ geprägt. Positiv wertete er den Verzicht des Autors auf moralische Anklage. Es sei „keine elegante Darstellung“, aber sie sei „höchst willkommen und aufschlussreich“, urteilte Benz. Denn Georg von Holtzbrinck sei „ein wichtiger Akteur“ in der Buchhandels- und Verlagsgeschichte im Dritten Reich gewesen. Er war Mitglied der NSDAP, aber nicht als fanatischer Nazi in Erscheinung getreten.
Benz bilanziert: „Die Geschichte des Unternehmers Georg von Holtzbrinck im Dritten Reich ist so unspektakulär wie bedrückend. Er war kein fanatischer Ideologe, kein bösartiger Antisemit, kein wilder Militarist, er hat sich nur einfach angepasst. Um des Geschäftserfolgs willen. Wenn er mit der offiziellen Linie vielleicht einmal nicht einverstanden war, hat er es niemanden merken lassen. Das aber hat den Erfolg des NS-Regimes ermöglicht – die Anpassungsfähigkeit, der Opportunismus, das Schweigen so vieler.“ Nach dem Krieg beklagte er die drei verlorenen Jahre wegen seines Entnazifizierungsverfahrens, das ihn als Mitläufer einstufte.
„Zu unserem großen Bedauern“, teilten die Kinder Monika Schoeller von Holtzbrinck, Dieter und Stefan von Holtzbrinck in einem Statement mit, sei das NS-Regime „in alle Lebens- und Arbeitsbereiche und damit auch in das verlegerische Handeln unseres Vaters eingedrungen“. Mit dem neuen Buch zur verlegerischen Rolle Georg von Holtzbrincks im Dritten Reich, heißt es weiter, werde ein „bislang weitgehend unbekanntes Teilstück der deutschen Buchhandelsgeschichte in der Nazi-Zeit bekannt. Im Interesse der erwünschten rückhaltlosen Aufklärung wurden alle in Familien- und Unternehmenshand befindlichen Materialien zur Verfügung gestellt und die akademische Arbeit unterstützt. In Summe erschlossen sich nahezu dreißig Archive zwischen Washington und Moskau, alle aufgefundenen Dokumente stehen der weiteren Forschung zur Verfügung.“
Dieter von Holtzbrinck Medien
2006 war Dieter von Holtzbrinck aus dem Aufsichtsrat ausgestiegen und wollte sich eigentlich ganz auf den Aufbau einer Stiftung konzentrieren, in die er sein Vermögen einbrachte. Das Unternehmen und seine gut 15.000 Mitarbeiter wurden fortan von seiner Schwester Monika Schoeller und seinem Halbbruder Stefan von Holtzbrinck geführt, die ihrem Bruder jährlich rund 30 Millionen Euro zahlen mussten. Dazu waren sie offenbar nicht mehr in der Lage: Aufgrund der Wirtschaftskrise musste das Unternehmen 2008 Wertberichtigungen in Höhe von 35 Millionen Euro vornehmen.
Am 26. März 2009 überraschten die beiden Halbbrüder Stefan und Dieter von Holtzbrinck die Öffentlichkeit mit der Nachricht, Dieter kehre zum 1. Juni in das Verlagsgeschäft zurück. Das Comeback - laut dem Medienwissenschaftler Horst Röper ein „sehr ungewöhnlicher und merkwürdiger Vorgang“ (Stuttgarter Nachrichten) - entsprach einer Auszahlung in Naturalien: Ein Kaufpreis wurde nicht genannt, doch Dieter von Holtzbrinck übernahm die Handelsblatt-Gruppe u.a. mit dem Handelsblatt und der Zeitschrift Wirtschaftswoche, außerdem die Tagesspiegel-Gruppe in Berlin sowie 50 Prozent der ZEIT. Ab einem Zeitpunkt zwischen 2011 und 2021 wolle sich Dieter von Holtzbrinck jedoch wieder ganz seiner Stiftung zuwenden, sagte er in einem Interview mit dem Handelsblatt.
Management
Mit seinen mehr als 50 Tochterunternehmen und den 15.307 Mitarbeitern ist der Mutterkonzern ein relativ anonymes Gebilde geblieben. Eine eigene Markenpolitik wird nicht betrieben und man versucht, keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Die Unternehmensphilosophie beruht auf Qualität, Dezentralität und Individualität. Die Verlagsgruppe gliedert sich in vier Geschäftsbereiche: Publikumsverlage, Bildung und Wissenschaft, Zeitungen und Wirtschaftsinformationen und elektronische Medien und Services. Bei bestimmten Zielgruppen, etwa Wissenschaftlern oder Geschäftsleuten, nimmt Holtzbrinck eine führende Stellung ein. Mit seinen renommierten Buchverlagen kann es der schwäbische Verbund an Geltung mit dem wirtschaftlich potenteren Rivalen Bertelsmann leicht aufnehmen. „Die anderen mögen größer sein, wir aber haben Fischer und Rowohlt", soll der Firmengründer Georg von Holtzbrinck auf dem Totenbett gesagt haben. Hinzu kommt eine Reihe bedeutender Regionalzeitungen, der „Tagesspiegel" in Berlin und das bekannte Wochenblatt „Die Zeit".
Seit dem überraschenden Ausscheiden Dieter von Holtzbrincks Ende Juni 2006, des „stillen Tycoons“, als Gesellschafter und Aufsichtratsvorsitzender hält Stefan von Holtzbrinck die Zügel des Unternehmens fest in der Hand. Dieter, der den Konzern 20 Jahre lang geleitet hatte, legte seine Planungen und Investitionsrechnungen langfristig auf mindestens zehn Jahre an. Als Motto galt: „Firma geht vor Familie“, wonach mind. 80% der Gewinne in die Firma reinvestiert werden mussten. Gezielt akquirierte er Regionalzeitungen, die beim fälligen Generationenwechsel Probleme bekamen und bei denen sich mehrere Familienstämme um die Führung stritten. Das Beste seien gezielte Zukäufe bei notleidenden Unternehmen, die saniert werden müssen, glaubte Dieter.
Die moderierende Art der Unternehmensführung seines Bruders Dieter und die Fokussierung auf langfristige Ziele will Stefan fortführen. Das Verhältnis zwischen Dieter und Stefan von Holtzbrinck soll zunehmend schwierig gewesen sein. Während sein älterer Stiefbruder zuweilen zu mehr Vorsicht riet, setzt Stefan von Holtzbrinck heute vermehrt auf wirtschaftliche Expansion abseits des Kerngeschäfts. Stefan widmet sich dem Ausbau des digitalen Geschäftsbereichs. Im Jahr 2011 soll nach seiner Vorstellung etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes im Internet erwirtschaftet werden. Mit langfristigen, partnerschaftlichen Kooperationen will man die Zukunft der Verlagsgruppe als wettbewerbsfähiges „Mittelstandsunternehmen“ (Konzernangabe) sicherstellen. Stefan lenkt sein Reich über eine Holding, die mit nur rund 70 Mitarbeitern relativ schwach besetzt ist. Er hält viel von der Führungsphilosophie „Steuern durch Nicht-Steuern";. Konzerndenken sei ihm „fremd";, gestand er in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die „intellektuell-kreative Tätigkeit" der Lektoren und Verleger in seinem Haus stünde dem entgegen. Jeder Mitarbeiter habe die „größtmögliche Freiheit, seinen Ideen und Geschäften nachzugehen: In unserem Haus finden Sie viele politische Facetten." Dieter von Holtzbrinck gab einmal kund, es sei nicht mehr zeitgemäß, eine inhaltliche Linie exakt vorzugeben: Es käme auf die „Sozialpflichtigkeit der Journalisten" an, sie müssten fair die komplexen Zusammenhänge von vielen Seiten darstellen. Er selbst sah sich als „Sparringspartner der Chefredakteure". Dabei ist dem unscheinbaren Verlag eine prononciert liberal-konservative Note wohl am liebsten. Eine politische Nähe zur CDU zeigte sich in der Vergangenheit bei einigen Personalien, etwa der Partnerschaft mit dem verstorbenen Kohl-Regierungssprecher und ehemaligem „Zeit-Herausgeber “ Diether Stolze oder der zeitweise engen Allianz mit Kohl-Freund Kirch über den Fernsehsender Sat.1. (Von 1990 bis 1992 war Stefan von Holtzbrinck zudem als Assistent der Geschäftsführung der Kirch-Gruppe in München tätig). Eine offene Parteinahme hat die Familie Holtzbrinck, die enge Beziehungen zu Israel über die Jerusalem Foundation unterhält, freilich immer vermieden.
Starker Mann im Hintergrund war lange Zeit der Österreicher Michael Grabner, enger Vertrauter Dieter von Holtzbrincks, der beispielsweise persönlich die Sanierungsarbeit bei der Handelsblatt-Gruppe in Düsseldorf übernahm. Er wechselte im März 2007 – ein Jahr früher als geplant - in den Gesellschafterausschuss des größten österreichischen Verlagskonzerns „Mediaprint“. Von einem abrupten Strategiewechsel will Stefan von Holtzbrinck aber nichts wissen. Den Geschäftsbereich Wirtschaftsinformationen übernimmt Finanzchef Dr. Jochen Gutbrod, der zuvor bereits bei Holtzbrinck Digital tätig war.
Am 20. Juni 2007 erklärte der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) seinen Rücktritt vom Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden. Späth, der diese Aufgabe erst im Juni 2006 von Dieter von Holtzbrinck übernommen hatte, begründete diesen Schritt mit kollidierenden Interessen aus seiner Vollzeittätigkeit als Deutschlandchef der Investmentbank Meryll Lynch. Die Bank betätigt sich vermehrt im Medienbereich.
Die Anteile der Holtzbrinck-Verlagsgruppe teilen sich die Geschwister Monika Schoeller und Stefan von Holtzbrinck zu je 50%. Dieter von Holtzbrinck hat seine Anteile seit 2006 schrittweise in eine gemeinnützige Stiftung überführt.
Geschäftsfelder
Publikumsverlage: Die Publikumsverlage sind der älteste Geschäftsbereich der Holtzbrinck-Gruppe. Heute setzt Holtzbrinck jährlich über 500 Mio. Euro mit Verlagen wie S. Fischer (Verlagsleitung: Monika Schoeller), Rowohlt (Alexander Fest), Kiepen-heuer & Witsch (Helge Malchow) und Henry Holt um. Es handelt sich aber um ein wenig einträgliches Geschäft, für das Holtzbrinck in der Vergangenheit Unternehmensberater wie McKinsey engagiert hat, um das Geschäftsergebnis insgesamt zu verbessern.
Bildung und Wissenschaft: Die Bildungs- und Wissenschaftsverlage setzen 2005 640,4 Mio. € um. Zu dem Geschäftszweig gehören „Scientific American“ mit dem Ableger „Spektrum der Wissenschaft" (Heidelberg), die Schulbuchverlage Schroedel (Hannover) und Diesterweg (Frankfurt) und vor allem die britische Macmillan-Gruppe, die in Indien und China stark expandiert. Dazu kommt die Nature Publishing Group, die die renommierte Wissenschaftszeitschrift „Nature“ verlegt und als Leitmedium wissenschaftlicher Publizistik für Biologen, Mediziner und Physiker gilt. Nur jedes zwölfte eingesandte Manuskript wird veröffentlicht.
Zeitungen und Wirtschaftsinformationen: Die im März 2009 angekündigten Verkäufe werden diesem Geschäftsfeld ein neues Gesicht geben. Bislang besaß Holtzbrinck zwei überregionale Tageszeitungen, den „Tagesspiegel" in Berlin und das Wochenblatt „Die Zeit" in Hamburg. Das Segment Regionalzeitung umfasst fünf größere Blätter, darunter die „Saarbrücker Zeitung" (Holtzbrinck-Anteil: 52,3%) mit den angeschlossenen Tochterunternehmen „Lausitzer Rundschau" in Cottbus und „Trierischer Volksfreund" sowie „Südkurier" (Konstanz) und „Main-Post" (Würzburg).
Zu den neuen Aktivitäten gehörte seit Mai 2004 der Einstieg in das Tabloidformat: Die Zeitung „20 Cent“, die in der Lausitz und im Saarland erschien, richtete sich in erster Linie an junge Leser. Im Februar 2009 wurde die Zeitung wegen geringer Anzeigenerlöse eingestellt. Im September 2004 wurde die Zeitung „News“ als Tageszeitung für Frankfurt gegründet. Sie war als Konkurrenzprodukt zum Springer-Blatt „Welt Kompakt“ gedacht, das - ebenfalls im Tabloidformat - seit Mai 2004 erschien. Anfang Mai 2006 wurde der Redaktionssitz der „News“ nach Berlin verlegt, wo sie ab dem 7. August 2006 unter dem Namen „BusinessNews“ erschien und sich seitdem vor allem Wirtschaftsthemen widmete. Aufgrund zu geringer Verkaufszahlen wurde das Blatt am 18. Juni 2007 eingestellt.
In der deutschen Wirtschaftspublizistik ist Holtzbrinck die Nummer eins - dank der Düsseldorfer Handelsblatt-Gruppe („Handelsblatt", „Wirtschaftswoche", „VDI-Nachrichten" und etliche Fachpublikationen). Das Blatt „Euro“, in dem „DM“ aufgegangen war, wurde verkauft. Weiterhin besitzt die Gruppe eine Beteiligung an der europäischen Ausgabe der Wirtschaftstageszeitung „Wall Street Journal".
Als im Jahr 2007 die Anteilsmehrheit am „Süddeutschen Verlag“ zum Verkauf stand, signalisierte auch die Verlagsgruppe Holtzbrinck Interesse. „Die Süddeutsche Zeitung ist eine attraktive und erfolgreiche Qualitätszeitung, die gut zu uns passen würde“, sagte Jochen Gutbrod, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Holtzbrinck im Sommer. Im Herbst 2007 zeichnete sich dann ein Ende des Bieterwettbewerbs ab. Neben dem Holtzbrinck-Verlag waren der Kölner Zeitungskonzern DuMont Schauberg, die Essener WAZ-Gruppe sowie zwei Finanzinvestoren als Finalisten beteiligt. Die Eigentümerfamilien des Süddeutschen Verlags verkauften schließlich Ende Februar 2008 ihre Anteile an die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH).
Elektronische Medien: „Nicht unbeträchtliche Investitionen fließen in verlagsnahe neue Geschäftsmodelle“ – so informiert die Webseite der Holtzbrinck-Gruppe über ihr Engagement im digitalen Bereich. Drei Tochterunternehmen setzen die allgemeine Strategie für diesen Geschäftsbereich um: Holtzbrinck Ventures, Holtzbrinck eLab und Holtzbrinck Networks.
Holtzbrinck eLab entwickelt in erster Linie eigene Internet- und Mobilanwendungen und beteiligt sich nur in Einzelfällen an extern kreierten Geschäftsmodellen, wozu der übernommene IT-Informationsdienst „Golem.de“ und das Gesundheitsportal „NetDoktor.de“ zählen (beide im Juli 2007). Beispiele für eigens entwickelte Geschäftsideen sind „autoplenum.de“, eine Informations- und Bewertungsplattform rund um das Automobil und die Vertical Commerce GmbH, die E-Commerce-Plattformen entwickelt und betreibt. Dr. Stephan Roppel leitet die Geschäfte bei Holtzbrinck eLab.
Die 2000 gegründete Holtzbrinck Ventures GmbH beteiligt sich an jungen Unternehmen mit Risikokapital. Über 40 Unternehmen im Bereich Neue Medien wurden bisher unterstützt, unter anderem das Online-Netzwerk „StudiVz“, der Marktplatz für Handwerks- und Dienstleistungsauktionen „My Hammer“ und die größte Online-Partneragentur im deutschsprachigen Raum „Parship“. Alle drei Unternehmen wurden später übernommen. Als Frühphaseninvestor stellt das Unternehmen zwischen einer und fünf Millionen Euro als Startkapital zur Verfügung und kalkuliert mit einem zeitnahen Ausstieg, sobald das junge Unternehmen auf eigenen Beinen stehen kann.
Für strategische Investments ist die Holtzbrinck Networks GmbH zuständig. Langfristige Beteiligungen werden in den Bereichen E-Commerce, Online Portale, Online Abonnements und E-Travel angestrebt. Zum Unternehmen gehören beispielsweise die auf den Büchervertrieb spezialisierte Firma „buecher.de“ und meinestadt.de, einem lokalen Suchportal für deutsche Städte. Geschäftsführer sowohl von Holtzbrinck Networks als auch von Holtzbrinck Ventures sind Konstantin Urban und Martin Weber.
Für Schlagzeilen sorgte das Unternehmen Anfang 2007 mit der Übernahme von „StudiVZ“, einer Community-Plattform für Studenten. Für ca. 80 Millionen Euro kaufte Holtzbrinck das Berliner Start-up Unternehmen von den Gründern und den Minderheitsgesellschaftern (zu denen auch Holtzbrinck Ventures gehörte). Bis zuletzt hatte sich auch die Axel Springer AG (Axel Springer AG in der Mediendatenbank) am Bieterwettbewerb beteiligt.
Vom bis dahin werbefreien StudiVZ, welches nach eigenen Angaben 2,5 Millionen Studierende erreichte, versprach sich Holtzbrinck gute Einnahmen aus zielgruppengerechter Werbung. Probleme bereitete die Internationalisierung von StudiVZ: Ausländische Ableger von StudiVZ konnten schon zu Beginn in Spanien und Italien nicht recht Fuß fassen. Ende 2008 wurde dann endgültig das Aus für die Plattformen studiQG (Frankreich), studiLN (Italien), estudiLN (Spanien) und studentIX (Polen) bekannt gegeben. Die Nutzer sollten zu meinVZ umziehen. Da StudiVZ als geschlossenes Netzwerk begriffen wurde, beteiligte man sich bis 2009, als die Gefahr durch die US-amerikanische Konkurrenz Facebook nicht mehr zu übersehen war, nicht an der Google-Initiative OpenSocial, die im November 2007 startete. Google hatte ein technisches System zur einfachen Einbindung externer Programme („Apps“) in soziale Netzwerke entwickelt. Die Plattform dient dem Zweck, mit Facebook mitzuhalten, für das externe Entwickler Tausende von Zusatzprogrammen bereitgestellt haben. OpenSocial verbindet dazu programmiertechnisch soziale Netzwerke wie Xing, LinkedIn, Viadeo, Hi5, Friendster und die Google-eigenen Netzwerke Orkut und Google+, die zusammen mehr als 100 Millionen Nutzer haben, zudem auch die Softwareunternehmen Oracle und Salesforce. Schnittstellen, die OpenSocial zur Verfügung stellt, ermöglichen beispielsweise den Austausch der Informationen aus den Profilen der Nutzer, über ihre Freunde und über ihre Handlungen im Netzwerk. OpenSocial soll vor allem kleinen Netzwerken Vorteile bringen, da sie erstmals für Entwickler interessant werden.
Zum Online-Portfolio der Verlagsgruppe stieß im Februar 2007 das Hauptstadtportal „watchberlin.de“ hinzu, auf welchem Künstler, Journalisten und Berliner Originale ihren Blick auf die Hauptstadt darlegen. Dieser Internetauftritt ist so originell, dass „watchberlin.de“ für den Grimme Online Award 2007 nominiert wurde. Konzipiert und betreut wird der Internetauftritt von der Boogie Medien GmbH, einem Hamburger Medien- und Consulting-Unternehmen, an dem Holtzbrinck über sein Tochterunternehmen germanblogs 80% der Anteile hält. germanblogs.de ist ein Blognetzwerk mit zurzeit 40 themenorientierten Blogs aus den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft, Leben, Metropolen, Reise, Unterhaltung, Sport und Technik
Einen Feldversuch wagt die renommierte Verlagstochter Nature Publishing Group mit dem Umbau ihres Online-Auftritts. Neben einer Präsenz des Blattes in der Alternativwelt „Second Life“ wird zurzeit ein Forum für Vorabveröffentlichungen von wissenschaftlichen Manuskripten erprobt. Der Austausch professioneller Kritiken (peer reviews) soll dadurch vereinfacht und mit dem Gütesigel der Nature Redaktion versehen werden. Der SPIEGEL will erfahren haben, dass sich Stefan von Holtzbrinck persönlich über den Fortgang der Online-Experimente informiert.
Services: Zum Unternehmen gehört nach dem Verkauf von zahlreichen Radiobeteiligungen sowie von seinem 47-prozentigen Anteil am Nachrichtensender n-tv noch die TV-Produktionsfirma AVE, die die Firmen Spektrum TV und Zeit TV besitzt. Diese Firma stellt u.a. politische Talkshows her. Langfristig könnte AVE zum Spezialisten der Verlagsgruppe für das Internet- und Mobilfernsehen aufgebaut werden. Das Unternehmen Mobile 3.0, an dem der Holtzbrinck-Verlag beteiligt ist, erhielt Ende Oktober 2007 den Zuschlag für das Betreiben des neuen Handystandards DVB-H (Digital Video Broadcasting – Handheld). Anfang 2008 soll das neue Handyfernsehen deutschlandweit in Betrieb genommen werden.
Seit Dezember 2006 hält der Konzern auch 40,3% der Anteile an Gute Laune TV, einem Sender rund um deutsche Schlagermusik.
Im Oktober 2006 beteiligten sich die Holtzbrinck-Gruppe und Hubert Burda Media mit jeweils 33,3% an Neva Media, einem Plattformbetreiber für Handy-TV. Marktforscher gehen davon aus, dass auf diesem Gebiet bis zum Jahr 2010 rund 450 Millionen Euro pro Jahr umgesetzt werden könnten. Ist das mobile Fernsehen momentan noch wenig verbreitet, so erwartet man von der in Kürze anstehenden Sendelizensvergabe für den neuen Standard DVB-H einen Aufschwung für die Branche. Frühester Sendebeginn ist Anfang 2008.
Seine Anteile an dem Briefzustelldienst PIN Group AG, einem Joint Venture mit der WAZ-Mediengruppe, der Axel Springer AG und der Rosalia Beteiligungsgesellschaft, hat der Konzern im Juni 2007 größtenteils an die Axel Springer AG verkauft. Holtzbrinck behält sich aber vertraglich einen späteren Zukauf vor, sollte die PIN Group AG der Deutschen Post nach dem Wegfall des Briefmonopols ab 1.1.2008 erfolgreich Paroli bieten können.
Engagement im Ausland
Holtzbrincks Engagement im Ausland ist bei den Verlagsgruppen Macmillan, Holtzbrinck Publishers und Handelsblatt gebündelt. In über 80 Ländern können heute Verlagsprodukte bezogen werden.
Macmillan Limited
Macmillan ist seit 1999 eine hundertprozentige Tochter der Holtzbrinck GmbH. Das ursprünglich schottische Unternehmen verlegt wissenschaftliche und berufsbezogene Literatur, Belletristik, Sachbücher und Lehrmaterial. Erfolgreiche Marken des Hauses sind die Nature Publishing Group („Nature“), Palgrave Macmillan, Pan und Picador. Die Gruppe ist in mehr als 70 Ländern tätig.
Holtzbrinck Publishers Limited
Holtzbrinck Publishers bündelt die Verlagsaktivitäten von Macmillan und Holtzbrinck in den Vereinigten Staaten. Literatur, Sachbücher und wissenschaftliche Beiträge werden über die Verlage Farrar, Straus & Giroux, Henry Holt, Palgrave Macmillan, Picador, Tor Books, Roaring Brook Press, St. Martin’s Press, Audio Renaissance und die Bedford, Freeman & Worth Publishing Group verlegt und publiziert.
Handelsblatt-Gruppe
Zusammen mit dem amerikanischen Verlagshaus Dow Jones gibt die Handelsblatt-Gruppe „The Wall Street Journal Europe“ heraus. Die Verlagstochter Economia ist Marktführerin in Tschechien und der Slowakei („Hospodářské Noviny“). Über Economedia AD mit Sitz in Sofia – einem Joint Venture mit dem bulgarischen Verlag Agency for Investment Information OOD – bietet die Gruppe Wirtschafts- und Finanzinformationen in Bulgarien an.
Aktuelle Entwicklungen
Erfolg mit der Wochenzeitung „Die Zeit“
Positive Nachrichten kamen Anfang 2012 aus Hamburg, wo der ZEIT-Verlag einen Rekordumsatz für 2011 meldete: Er war um 13 Prozent auf 151 Millionen Euro gesteigert worden. Der Umsatz hat sich damit seit 2003 verdoppelt. Rund 30 Prozent des Umsatzes entfielen 2011 auf neue Geschäftsfelder (Magazine, Editionen, Veranstaltungen sowie TEMPUS CORPORATE) und Online-Aktivitäten (ZEIT ONLINE und academics.de) - eine Steigerung um 10 Prozentpunkte in zwei Jahren. Das Online-Angebot der ZEIT konnte Visits und Werbeumsätez um 38, bzw. 50 Prozent steigern.
Abstieg der VZ-Netzwerke
Zahlreiche komplette oder teilweise Zukäufe von Internetfirmen belegen (u.a. myphotobook.de, gutefrage.net, MeinAuto.de, GameDuell), dass der Konzern die allgemein fortschreitende Digitalisierung aktiv und frühzeitig mit gestalten will. Dass dabei nicht jedes Projekt gelingen kann, zeigte sich spätestens im Februar des Krisenjahrs 2009, als das Nachrichtenportal Zoomer.de nach stark gefallenen Besucherzahlen geschlossen wurde.
Aktuelles Beispiel ist das „stille Sterben von StudiVZ“ (FAZ) im Konkurrenzkampf mit Facebook, das seit Anfang 2008 in Deutschland aktiv ist, um die Social-Network-Nutzer. Auch wenn die VZ-Netzwerke für das 2. Halbjahr 2010 erstmals Profitabilität - bei einem Umsatz von 30 Millionen Euro - vermeldeten, so hatte zu diesem Zeitpunkt der Niedergang der Popularität bereits begonnen. In den September-Monaten der Jahre 2008 bis 2011 betrug die Anzahl der Besuche aller VZ-Netzwerke (StudiVZ, SchuelerVZ und meinVZ) jeweils 339 Mio., 439 Mio., 369 Mio. und zuletzt nur noch 105 Millionen. Mit Stand vom 24.10.2011 hat StudiVZ einen Alexa-Rang (gebildet aus Besuchern und Seitenaufrufen) von weltweit 1988. In Deutschland sind laut diesem Index 88 Webseiten populärer als das soziale Netzwerk. Weltweit wie in Deutschland belegt Facebook laut Alexa Rang 2 (nach Google) und ist somit deutlich populärer als die VZ-Netzwerke. Auch bei den Nutzerzahlen liegt das US-amerikanische Pendant weit vorn: Im Juli 2010 verzeichneten die VZ-Netzwerke insgesamt ca. 17 Millionen Mitglieder. Während im April 2011 laut einer Umfrage 27% der deutschen Internetnutzer bei einem der VZ-Netzwerke registriert waren, hatten 47% ein Facebook-Profil.
Ab September 2011 gab es eine Reihe von Veränderungen in den VZ-Netzwerken, die zur Stabilisierung der Nutzerzahlen führen sollen. Dazu gehören größere Unterschiede zwischen den drei VZ-Netzwerken, die die verschiedenen Nutzergruppen bedienen sollen, eine neue technische Basis, ein neues Design und die Umbenennung von meinVZ in freundeVZ. Dass diese begrenzten Veränderungen jedoch die gewünschte Wende bringen, kann bezweifelt werden. Hauptprobleme der VZ-Netzwerke sind seit langem die erfolglose Internationalisierung und Innovationsarmut - zusätzlich zu Facebook, das Ende 2011 einen deutlichen Vorsprung vorweisen konnte.
News
17.04.12 / Apple Inc., Amazon.com Inc., Pearson plc, Lagardère Media, Viacom Inc./CBS Corp., News Corp. Ltd., Georg von Holtzbrinck GmbH
Buchhandlungen als Showrooms für Amazon?
05.03.12 / Axel Springer AG, Google Inc., WAZ Mediengruppe, Georg von Holtzbrinck GmbH
Koalition beschließt Leistungsschutzrecht: Reaktionen
06.12.11 / Georg von Holtzbrinck GmbH, Lagardère Media, News Corp. Ltd., Pearson plc, Apple Inc., Amazon.com Inc., Viacom Inc./CBS Corp.
E-Books: Geheime Absprachen von Apple mit Lagardère, News Corp., CBS, Pearson und Holtzbrinck?
Inhalte
Ranking - Top 10 (Deutsche Konzerne) 2012
- Bertelsmann
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