9. Bauer Media Group

Umsatz 2008: € 1,790 Mrd.

Überblick

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Das Familienunternehmen Heinrich Bauer Verlag KG (Bauer Media Group) mit Sitz in Hamburg ist einer der großen Player im deutschen Publikumszeitschriftenmarkt. Die Verlagsgruppe publiziert insgesamt 308 Titel in 14 Ländern, 46 davon in Deutschland. Wichtige Zeitschriften sind „Bravo“, „Auf einen Blick“, „TV-Movie“, „tv14“ und „Neue Post“. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen im Ausland: Im Jahr 2009 lag der Auslandsanteil am Umsatz bei 57 Prozent.

Basisdaten

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Hauptsitz: Burchardstraße 11, 20077 Hamburg
Telefon: 040 / 30 19 - 0
Internet: www.bauerverlag.de

Branche: Printmedien, elektronische Medien

Rechtsform: KG
Geschäftsjahr: 01.01. -31.12.
Gründungsjahr: 1875 als J.A.L. Bauer, 1962 Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft

Geschäftsführer: Heinz Heinrich Bauer

Tab. 1: Ökonomische Basisdaten

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

Umsatz

2.060*

1.790

1.810

1.790

1.757

1.703

1.679

1.709

1.752

Beschäftigte

6.965

6.600

6.417

6.550

6.371

6.402

6.575

6.288

* (Hochrechnung. Die Bauer Media Group veröffentlicht ihre Umsatzahlen jeweils am Ende eines Jahres für das abgeschlossene Vorjahr.)

Geschichte und Profil

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1875 gründet Johann Andreas Ludolph Bauer (1852 – 1941) einen kleinen, nach ihm benannten Betrieb für Lithografie und Steindruckerei am Billhorner Röhrendamm in Hamburg. Dort druckt das vorübergehend in Bauer & Baltzer umbenannte Unternehmen ab 1897 die Rothenburgsorter Zeitung, ein kostenloses Anzeigenblatt. Wenige Jahre später übernimmt der Sohn des Gründers, Heinrich Bauer, die Druckerei. Der Familienbetrieb verlegt sein Stammhaus 1923 in die Burchardstraße und gibt ab 1926 die Zeitschrift „Rundfunkkritik“ heraus. Mit der zunehmenden Bedeutung des neuen Mediums Radio steigt auch die Auflage. Aus der „Rundfunkkritik“ wird die „Funk-Wacht“. Nach Kriegsende übernimmt Alfred Bauer die Geschäftsführung von seinem Vater Heinrich. Da Bauer in der Nachkriegszeit von der britischen Verwaltung keine Presselizenz erhält, kann mit dem Verlegen von Zeitschriften erst wieder nach Gründung der Bundesrepublik begonnen werden. In den 60er Jahren expandiert der Verlag - weniger aufgrund der Einführung eigener Titel als durch den Zukauf von Verlagen. 1961 wird der Kurt-Müller-Verlag aus Düsseldorf erworben, 1963 der Wiener Lachner Verlag. Im selben Jahr übernimmt Heinz Heinrich Bauer die Verlagsleitung. Mit der Akquise von Titeln wie „Hören und Sehen“, „Quick“ und „Bravo“ wächst das Unternehmen rasant und setzt zum Sprung ins Ausland an. 1980 startet mit „Woman’s World“ die erste Bauer-Zeitschrift in den USA. Es folgt in den 80er Jahren die Gründung von Tochtergesellschaften in Frankreich, Großbritannien und Spanien. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nutzt Bauer wie viele andere deutsche Verlage die Chance zur Expansion in Mittel- und Osteuropa. Polen wird zu einem wichtigen Markt, auf dem die Hamburger Verlagsgruppe kräftig mitmischt. Heute agiert die Verlagsgruppe in 15 Ländern.

Aber es müssen auch Rückschläge hingenommen werden. Anfang der neunziger Jahre wird das Magazin „Quick“ eingestellt. Auch das Projekt, dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ mit dem eigenen Nachrichtenmagazin Ergo Konkurrenz zu machen, scheitert schließlich. Zudem stockt die geplante Ausweitung des Engagements im Tageszeitungsmarkt. Zwar ist Bauer interessiert, als der Verkauf der Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ zur Disposition steht - ein renommiertes Hauptstadtblatt soll das biedere Image des  Fernsehwoche-Verlags aufpolieren - das Geschäft scheitert jedoch am Holtzbrinck-Verlag und Bauer nennt weiterhin lediglich die „Magdeburger Volksstimme“ sein eigen. Weiterhin ist Bauer 2002, wie wohl jedes schlagkräftige deutsche Medienunternehmen, als potenzieller Käufer von Sat.1 und Pro Sieben aus der Kirch-Konkursmasse im Gespräch. Die Unterzeichnung der bereits unterschriftsreifen Verträge scheitert jedoch, weil man sich nicht über den Status von Kirchs Filmrechtebibliothek einigen kann.

In der Konsequenz bleibt Bauer seinem Stammgeschäft, den Zeitschriften, über die Jahrzehnte mehr oder weniger treu. Eine Beteiligung an Sat.1, für das in den 80er Jahren einige Formate produziert werden, wird wieder ad acta gelegt. Im Bereich der elektronischen Medien tragen heute die Beteiligungen an Radio Hamburg und RTL II zum Konzernergebnis bei.

Ab 2006 übernahm Bauer Anteile an dem polnischen Radiounternehmen Broker FM, das mit RMF den meistgehörten polnischen Sender veranstaltet (rund 22 Mio. Hörer pro Woche) und inzwischen komplett zur Verlagsgruppe gehört. Im Februar 2008 wurde zudem die Übernahme des britischen Medienhauses Emap abgeschlossen. Emap-Angaben zufolge hat Bauer umgerechnet rund 1,6 Milliarden Euro für die Unternehmensteile gezahlt - für die Zeitschriftensparte knapp eine Milliarde, für die Radiosender knapp 600 Millionen Euro. Zu den nun zu Bauer gehörenden Zeitschriften in Großbritannien zählen Titel wie "Yours", "FHM", "Grazia" oder "Closer". Die 38 Radiosender decken den Großteil Großbritanniens ab. 2007 hatte Emap mit den Magazinen und Radiosendern 700 Mio. Euro umgesetzt und einen operativen Gewinn von 140 Mio. Euro erwirtschaftet. Bauer ist nun zweitgrößter kommerzieller Radiobetreiber und größter Zeitschriftenverlag in Großbritannien.

Seit dem Jahr 2000 verleiht Bauer den Medienpreis „Goldene Feder“. Die Jury besteht aus Chefredakteuren des Verlags. Preisträger 2008 waren u. a. der Schriftsteller Schriftsteller Henning Mankell  sowie die Regisseurin Doris Dörrie. Den Ehrenpreis erhielt der Schauspieler Armin Mueller-Stahl.

Management

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Familie Bauer vereinigt mindestens 96% der Unternehmensanteile auf sich. Heinz Heinrich Bauer, Jahrgang 1939, behält sich Entscheidungen in allen Unternehmensbereichen vor. Bauer, der den Verlag in der vierten Generation führt, ist verantwortlich für die Internationalisierungsstrategie der letzten Jahrzehnte. Das Unternehmen wird wohl auch nach dem bevorstehenden Generationenwechsel in Familienhand bleiben. Bauer ist Vater von vier Töchtern und einem Sohn, der früh verstorben ist. Bei der Verlagspressekonferenz im Dezember 2006 kündigt der Patriarch an, dass eine Frau seine Nachfolgerin werde. Damit dürfte eine seiner Töchter gemeint sein, denen auch jeweils 1% des Unternehmens gehören, wie die „Financial Times Deutschland“ recherchierte („Bauer sucht Frau“): Mirja, Nicola,  Yvonne und Saskia. Die älteste Tochter Mirja Bauer war Objektleiterin der Frauenzeitschrift „Laura“ und ist Herausgeberin der Mode- und Promi-Postille „Life&Style“. Sie ist mit dem Manager Sven-Olof Reimers verheiratet. Nicola Bauer volontierte bei der „Bild“-Zeitung und trat später die Chefredaktion der erfolgreichen People-Zeitschrift „InTouch“ an. Ende 2008 wechselte sie auf den Chefsessel der Zeitschrift „Life&Style“ und ist bei „InTouch“ Herausgeberin. Yvonne Bauer ist Geschäftsleiterin der Bauer Vertriebs KG, die jüngste Tochter, Saskia Bauer, ist Assistentin ihres Vaters.

Geschäftsfelder

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Zeitschriften:
Bauer ist der Verlag mit der größten Reichweite in Deutschland. Im Kerngeschäft der Verlagsgruppe nehmen die Segmente Frauen-, Jugend- und Programmzeitschriften eine herausragende Stellung ein. Nicht wenige verbinden den Bauerverlag in erster Linie mit Blättern wie „Revue“ und „Neue Post“, in denen es auf schlechtem Papier um Prominentennachwuchs, Adelshochzeiten und Sommerrezepte geht. Dank niedriger Copypreise können hohe Auflagenzahlen erreicht werden. Hinter dem bemerkenswerten, andauernden Erfolg einiger Zeitschriften steckt dabei eine Strategie, die auf Bewährtes setzt. Innovation findet eher durch umsichtiges Re-Design der Titel denn im Start neuer Projekte statt. Man versucht, erfolgreiche Marken auch in anderen Ländern zu positionieren. Ein Beispiel ist die Einführung von „InTouch“ auf dem deutschen Markt, einem Titel, der in den USA äußerst erfolgreich läuft. „InTouch“ soll den Marktführern im Segment, „Bunte“ (Burda) und „Gala“ (Gruner und Jahr), Konkurrenz machen. Und „InTouch“ ist dann doch Ausdruck einer Neujustierung des Images: Weniger „Praline“ (mittlerweile eingestellt), mehr Hochglanz und Lifestyle. Eine weitere Säule in der Unternehmensstrategie sind Spin-Offs. Zum Beispiel wurde die Marke „Bravo“, deren Bekanntheitsgrad kaum zu überschätzen ist, konsequent erweitert. Mittlerweile gibt es „Bravo Girl!“, „Bravo Sport“ und „Bravo Screenfun“. Bei den Programmzeitschriften ist Bauer Marktführer in Deutschland. Die auflagenstärksten Titel sind „tv14“ mit über zwei Millionen verkauften Exemplaren sowie „TV Movie“ mit rund 1,6 Millionen verkauften Exemplaren (IVW IV/2008).

Tageszeitung:
Die „Magdeburger Volksstimme“ erscheint in der Magdeburger Verlags- und Druckhaus GmbH mit einer verkauften Auflage von 47.474 (IV/08). Die Gesamtauflage der in der Magdeburger Verlags- und Druckhaus erscheinenden Tageszeitungen beträgt 204.702 (IV/08).

Radio und Fernsehen:
Das Engagement von Bauer in den elektronischen Medien ist seit der Übernahme des britischen Unternehmens Emap Anfang 2008 deutlich stärker als in der Vergangenheit. Die Verlagsgruppe ist mit 31,5 Prozent am dem Grünwalder Privatsender RTL II beteiligt (weitere Gesellschafter von RTL II sind: RTL Group S.A. (Bertelsmann) 35,9%, Tele München Fernsehen GmbH & Co. Medienbeteiligung KG 31,5%, Burda GmbH 1,1%). Zudem besteht eine 25-prozentige Beteiligung an Radio Hamburg (weitere Beteiligungen an Radio Hamburg GmbH & Co. KG: UFA (Bertelsmann) 29,2%, Axel Springer AG 25%, etc.). Die Publikumszeitschriftensparte der früheren Emap wurde in die Bauer Consumer Media, die Radiosparte in Bauer Radio überführt. Zu Bauer gehört auch die polnische Radiogruppe Broker FM.

Verlag und Vertrieb:
Die Pawel-Moewig Verlag KG, die Modeverlag Arnold GmbH und die Wiesbadener Verlagsunion KG sind 100-prozentige Töchter von Bauer.

Auslandsengagement

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  • Vereinigtes Königreich: 78 Zeitschriftentitel und 38 Radiosender, darunter „bella“, „TV Choice“, „TV Quick“
  • USA: 11 Zeitschriftentitel, darunter „FIRST“, „InTouch“, „Woman’s World“
  • Spanien: 10 Titel, u. a. „Autodefinidos“, „Bravo“,  „InTouch“
  • Frankreich: 6 Titel, „GIRL“, „MAXI“, „MAXI Cuisine“, „Les Jeux de Maxi“
  • Österreich: 2 Titel, „BAZAR“, „MotorBAZAR“
  • Polen: 46 Titel sowie Beteiligung an Hörfunkgruppe Broker FM, u. a. „Auto Moto“, „Bravo“, „Tina“
  • Portugal: 1 Titel, „Bravo“
  • Rumänien: 4 Titel, u.a. „Bravo“, „BravoGirl“
  • Ungarn: 8 Titel, darunter „Tina“, „Bravo“
  • Tschechien: 18 Titel, u.a.: “Tina”, “Bravo”, “Zena a zivot”
  • Slowakei: 4 Titel, darunter “Euroteleviza”
  • China: 3 Titel, darunter “Do Shi Li Ren”
  • Russland: 40 Titel, darunter „Bravo“, „777“, „Fity-Fifty“
  • Mexiko: 1 Titel, „Bravo por ti“

Aktuelle Entwicklung

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Seit der Kirch-Pleite und dem „Berliner Zeitungskrieg“ um den Verkauf des „Tagesspiegels“ sind mit der Verlagsgruppe Bauer KG verbundene Nachrichten aus der Branche selten geworden. Das Verlagshaus konzentriert sich auf seine Zeitschriften und auf das prosperierende Auslandsgeschäft. Die zentralen Märkte sind dabei Großbritannien, Polen und zuletzt auch Russland. Die Ruhe wird nur 2006 durch Berichte gestört, die die Bauer KG mit Drückerkolonnen und gefälschten Abo-Bestellscheinen in Verbindung bringen. Der Chef der Vertriebs KG, Bernd Baginski, muss im September 2006 gehen. Dies zieht weitere personelle Veränderungen auf der Führungsebene nach sich. Verlagsmanager Manfred Braun verlässt kurze Zeit später das Unternehmen aufgrund „unterschiedlicher Auffassungen mit Verleger Heinz Bauer über zentrale Fragen der Unternehmensführung“, wie es offiziell heißt. Das Branchenblatt „Horizont“ vermutet als Grund für die Entlassung einen Streit über die Entscheidung, sich von Baginski zu trennen. In der zugehörigen Pressemitteilung dankt das Unternehmen für die „langjährige Zusammenarbeit“ und das „große Engagement“ für das Unternehmen - Worte, die beim Rauswurf Baginskis nicht vorkommen. Die Leitung der Vertriebs KG übernimmt im April 2007 Heinz Bauers Tochter Yvonne.

Im Dezember 2007 wurde bekannt, dass der Heinrich Bauer Verlag stark auf dem britischen Markt expandiert. Durch den Kauf eines Pakets von Zeitschriften und Radiostationen von der Firma Emap für ca. 1,6 Milliarden Euro wird Bauer zum zweitgrößten kommerziellen Radiobetreiber in Großbritannien.

Im März 2009 wurde bekannt, dass Bauer seine Wirtschaftstitel „Geldidee“ und „Wertpapier“ aufgeben will. Ebenfalls seit Anfang 2009 streitet sich Bauer mit dem bestehenden Grosso-System. Verträge mit einigen Grossisten wurden gekündigt und das eigene Unternehmen Presse-Vertrieb Nord in Stellung gebracht. Der Bauer Verlag fühlt sich vom bestehenden Grosso-System benachteiligt, weil Bauer sehr vertriebsstarke Zeitschriften am Markt hat, seine Stellung aber durch den Vormarsch immer neuer Billig-Titel gefährdet sieht. Vom Pressegrosso werden unabhängig von Auflage und Verlagsmacht alle Titel genauso an Kiosken platziert, wie die Bauer-Zeitschriften.

Links

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Informationen des Unternehmens:

» Homepage
» Geschäftsberichte

Presseberichterstattung:

- FAZ: Prinzessin Yvonne kommt der Krone näher (27.11.2009)
- W&V: Heinz Bauer bereitet den Machtwechsel vor (29.10.2009)
- Süddeutsche Zeitung: Verleger Heinz Bauer - Also spricht das Phantom (29.06.2009)
- Der Spiegel: Heinz Bauer - „Ich gelte als altmodisch“ (Heft 27/2009 vom 29.06.2009, S. 70-72)
- Hamburger Abendblatt: Verleger-Tochter Yvonne Bauer befördert (25.06.2009)
- NDR: Heinrich Bauer Verlag - Yellow-Press und seichte Seiten (25.07.2008)

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