3. ProSiebenSat.1

Umsatz 2008: € 3,054 Mrd.

Überblick

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Das Kerngeschäft der ProSiebenSat.1 Media AG ist Free-TV. Daneben ist sie in den Bereichen Produktion, Vermarktung, Vertrieb von Sendungen, Pay-TV, Internet und Transaktionsfernsehen aktiv. Seit 2003 wird die Sendergruppe, aus der die (seit Gründung von Sat.1 im Jahr 1984 beteiligte) Axel Springer AG 2008 ausstieg, von internationalen Finanzinvestoren kontrolliert.

Die Investoren der zweiten Generation, KKR und Permira, verschmolzen ProSiebenSat.1 2007 mit der paneuropäischen SBS Broadcasting Group. Dadurch wurde das Unternehmen mit Hauptsitz bei München zum zweitgrößten Fernsehkonzern Europas, allerdings auch mit hohen Schulden beladen.

Basisdaten

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Hauptsitz:
Medienallee 7
85774 Unterföhring
Tel. +49-89-9507-10
Fax +49-89-9507-1122
Internet: www.prosiebensat1.de

Branche: TV-Sender, TV-Produktion, Radio, Internet
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 2000 (Fusion von Sat.1 und ProSieben Media AG)

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. €; vorläufige Zahlen 2008)

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

Umsatz

3.054,2

2.702,5

2.105

1.989

1.840

1.807

1.895

2.015

2.155

Konzern-Überschuss

-129,1

384.284

444,3

383,7

133,6

39,4

12,58

68

93

Aktienkurs (Jahres-Schlusskurs in Euro)

2,40

16,39

24,85

16,35

13,50

13,25

6,50

5,75

32,09

Dividende

0,02

1,25

0,89

0,84

0,30

0,02

0,02

0,16

0,30

Beschäftigte

6057

4852

2.976

2.788

2.699

2.899

3.062

3.029

3.187

Geschäftsführung

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Geschäftsführung/Vorstand (Schlüsselpositionen):

  • Thomas Ebeling (Jahrgang 1959), Vorstandsvorsitzender, Vorstand für Group Content, International Free-TV und Pay-TV, Print, Corporate, Human Resource sowie Sales & Marketing
  • Axel Salzmann (Jahrgang 1958), Vorstand für Group Operations, Group Controlling, Finance/Investor Relations, Legal Affairs, Accounting, Tax und Portfolio Management, Regulatory Affairs und Administration
  • Marcus Englert (Jahrgang 1965), Vorstand für New Media (New Media & Diversification, German Pay-TV, Video on Demand, Participation-TV, Radio, Distribution und Business Development)
  • Andreas Bartl (Jahrgang 1962), Vorstand für German Free-TV

 

Aufsichtsrat:

  • Johannes Peter Huth, Vorsitzender, Partner und Europa-Chef bei Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR)
  • Götz Mäuser, Stv. Vorsitzender, Partner bei der Permira Beteiligungsberatung GmbH (Permira)
  • Robin Bell-Jones, Principal bei Permira
  • Greg Dyke, Medienberater
  • Philipp Freise, Principal bei KKR
  • Lord Clive Hollick, Partner bei KKR
  • Jörg Rockenhäuser, Geschäftsführer Permira Beteiligungsberatung GmbH
  • Adrianus Johannes Swartjes, Vorstandsvorsitzender bei Telegraaf Media
  • Prof. Dr. Harald Wiedmann (ehemals Präsident des Standardisierungsrates)

 

Gesellschafter (Anteile in Prozent): 56,7% Lavena Holding 4 Gmbh, 6 % Telegraaf Media Groep, 37,3% Streubesitz (Lavena 5 besitzt 88 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien und rund 25 Prozent der nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien). Die ProSiebenSat.1-Aktie ist im M-Dax notiert.

Geschichte und Profil

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Das Unternehmen ProSiebenSat.1 ist mit den großen Namen und Dramen der jüngeren deutschen Mediengeschichte eng verbunden. Zuerst gehörte die Firma zum Imperium des Filmhändlers Leo Kirch, der das Unternehmen im Oktober 2000 durch die Fusion der beiden Sender Sat. 1 und ProSieben aus der Taufe hob - zuvor hatten die Konzentrationsregeln dies nicht erlaubt. Daher führte zuvor jahrelang offiziell sein Sohn, Thomas Kirch, ProSieben. Im Zuge dieser Fusion erwarb dann die Axel Springer AG einen 11,5-prozentigen Anteil an der neuen ProSiebenSat.1 Media AG. Springer war zuvor bereits an Sat.1 beteiligt gewesen; Kirch hielt zudem 40% an der Springer AG. Nachdem 2001 erste Zweifel an Kirchs Zahlungsfähigkeit aufgekommen waren, versuchte Springer-Chef Mathias Döpfner, Kirch den Todesstoß zu versetzen: Er übte eine Put-Option aus, die es ihm erlaubte, den Anteil an ProSiebenSat.1 für 790 Millionen € zu verkaufen. Er hoffte, bei Zahlungsunfähigkeit die Sendergruppe zu erhalten. Allerdings hatte Döpfner die Rechnung ohne die Gläubigerbanken gemacht: Die Kirch-Gruppe zerfiel und die „Überreste“ wurden einem jahrelangen Insolvenzverfahren überantwortet. Im Zuge der Verhandlungen wurde fast jedes größere Medienunternehmen als potenzieller Käufer gehandelt, etwa Sony, TF1, der Bauer-Verlag, die WAZ-Gruppe oder auch der internationale Medien-Tycoon Rupert Murdoch.

Schließlich erhielt im August 2003 ein hierzulande bis dato unbekannter US-amerikanischer Medienunternehmer den Zuschlag: Haim Saban übernahm gemeinsam mit einem Bankenkonsortium die Aktienmehrheit am Konzern. Damit wurde ein wichtiger Teil der Deutschland AG an ausländische Investoren verkauft - obwohl einige deutsche Medienpolitiker dies mit einer ‚deutschen Lösung’ zu verhindern suchten. Saban schien sein Glück im Nachhinein selbst kaum fassen zu können, hatte er doch für ‚nur’ 525 Millionen Euro ein Herzstück der deutschen TV-Industrie erworben. "That level of ownership would never be allowed in the U.S.. It would be too much concentration", so Saban 2004 zur "New York Times". Insbesondere sein charmantes Auftreten dürfte ihm bei dem Deal geholfen haben. Während John Malones kompromissloser Übernahmeversuch der deutschen Kabelnetze gescheitert war, konnte Saban die Bedenken der Aufsichtsbehörden en passant ausräumen. Der "NYT" verriet er sein Erfolgsgeheimnis: „I sweet talked them“.
Trotz aller Beteuerungen, längerfristig engagiert zu bleiben, entschied sich Saban bereits Mitte 2005 für den Verkauf von ProSiebenSat.1. Verhandlungen mit der Axel Springer AG über eine Komplettübernahme des Konzerns waren bereits weit gediehen, als das Bundeskartellamt und die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) dem Verlagshaus einen Strich durch die Rechnung machten. Die offizielle Begründung rekurrierte auf die nach dem Kartellrecht nicht genehmigungsfähige Marktmacht des Springer-Konzerns, die durch einen Zusammenschluss auf dem Fernsehwerbemarkt, dem Lesermarkt für Straßenverkaufszeitungen sowie dem bundesweiten Anzeigenmarkt für Zeitungen entstünde. Das sich abzeichnende Veto der Behörden führte Anfang 2006 zu einer Rücknahme des Übernahmeangebots aus dem Hause Springer.

Im zweiten Anlauf zum Verkauf einigte sich Saban Ende 2006 mit einem Konsortium ausländischer Finanzinvestoren. Zu einem Preis von ca. 3 Milliarden Euro ging der Konzern an Permira und KKR. Am 6. März 2007 erlangte die Mehrheitsübernahme der ProSiebenSat.1 AG durch die von KKR und Permira kontrollierte Lavena Holding 4 GmbH Rechtskraft. Der größten Deal in der deutschen Mediengeschichte hatte Sabans eingesetztes Kapital nahezu versechsfacht.

Die Axel Springer AG verkaufte im Dezember 2007 überraschend ihren 12-prozentigen Anteil an der Sendergruppe für gut 19 Euro pro Aktie an Permira / KKR. Im Sommer zuvor war eine Aktie noch 30 Euro wert gewesen; im späteren Rückblick erwies sich das Geschäft als dennoch nicht schlecht: 2008 unterschritt der Kurs (trotz inzwischen erfolgter Fusion mit SBS Broadcasting) 5 Euro, im März '09 fiel er zeitweilig unter die 1-Euro-Marke. Vor diesem Hintergrund kein Wunder, dass Gerüchte über ein Springer-Engagement in der Sendergruppe oder bei einzelnen Sendern weiter kursieren. Nachdem das Oberlandesgericht Düsseldorf 2008 das Verbot der ProSiebenSat.1-Übernahme bestätigt hatte, kündigte Springer an, vor den Bundesgerichtshof zu ziehen. 

Ebenfalls wegen des Kursverfalls beschloss die zuvor an der SBS-Gruppe beteiligte niederländische Telegraaf Media Group, eine zum 1. Juni 2008 eingeräumte Kaufoption auf 12% der Stammaktien nicht auszuüben. Dennoch wurde sie von Permira/ KKR zur Übernahme der Anteile zum für die Verkäufer vorteilhaften Preis von 377 Mio. Euro "gezwungen" ("blogs.taz.de"). Das entsprach einem Preis von 28,71 Euro pro Aktie, die an der Börse zum gleichen Zeitpunkt für 5,50 Euro zu haben war.

Management

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Als durch Fusionen entstandene Sendergruppe hat ProSiebenSat.1 immer darum gerungen, das Marktpotenzial seiner einzelnen Sender zu nutzen und auf digitalen Märkten einzusetzen: Die Programminhalte der beiden großen Kanäle Sat.1 und ProSieben waren aufeinander abzustimmen, Kostenreduktionen bestimmten die Unternehmensstrategie, wobei die Gruppe durch die Etablierung kostengünstiger, seriell hergestellter Formate („Verliebt in Berlin“, „Richterin Barbara Salesch“, „Lenßen&Partner“, „Schillerstraße“) zeitweise den Publikumsgeschmack treffen und den Marktführer RTL als Innovationsmotor ablösen konnte. Ein wichtiger Schritt zu Synergien und weiteren Einsparungen ist der 2009 vollzogene Umzug des Berliner (vormals Mainzer bzw. Hamburger) Senders Sat.1 ins Sendergruppen-Hauptquartier nach Unterföhring.

Nach dem Ausscheiden des schillernden Saban wird das Unternehmen offiziell von den neuen Gesellschaftern, der Permira Beteiligungsberatung GmbH und Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) kontrolliert. KKR zählt zu den weltweit größten und erfahrensten Finanzinvestoren. Seit 1976 übernimmt die in den USA gegründete Beteiligungsgesellschaft angeschlagene Konzerne und trimmt diese auf Rendite. Nach eigenen Angaben hat KKR mehr als 165 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen in Höhe von über 420 Mrd. US-Dollar getätigt (Stand 2009). Dagegen wirkt die Unternehmensvita 1985 gegründeten Partners Permira (lat.: „sehr überraschend“) bescheiden, auch wenn das Unternehmen inzwischen auf über 190 Investments zurückblickt. Beide Unternehmen verfügten und verfügen über Mehrheitsbeteiligungen in den Bereichen Medien und Telekommunikation.  KKR gehörten oder gehören zum Beispiel „PagesJaunes“(Frankreich), „SevenMediaGroup“ (Australien) und „Primedia“ (USA). Permira engagierte sich in Deutschland als Mehrheitseigner von „debitel“ und war Eigentümer des Bezahlsenders „Premiere“ bis zu dessen Börsengang. 
Auch wenn ein Gutachten des Bredow-Instituts bereits zum Ergebnis kam, dass Finanzinvestoren aus rundfunkrechtlicher Sicht nicht zu beanstanden seien, bleibt die Frage nach den langfristigen Auswirkungen ihres Engagements im sensiblen Medienbereich auf der Agenda.

Bereits vor ihrem ProSiebenSat.1-Deal besaßen Permira und KKR gemeinsam die paneuropäische Sendergruppe SBS. Erwartungsgemäß fusionierten die Eigentümer ihre beiden Sendergruppen am 3. Juli 2007. Als Nummer zwei in Europa hinter der RTL Gruppe erreichte die "neue" ProSiebenSat.1 nach eigenen Angaben 78 Millionen Haushalte in 14 Ländern (2009: über 78 Mio. Haushalte in 12 Ländern). Ihren Sitz hat sie weiterhin bei München. Unter Permira/ KKR wurde sie zunächst weiterhin operativ von Guillaume de Posch geführt, den bereits Vorbesitzer Saban von der französischen TF1-Groupe abgeworben hatte. Der Belgier hatte Sabans Vorgabe, den Konzern für den Verkauf aufzupolieren, meisterhaft bewältigt und richtete sein Handeln auch auf die Renditeziele der neuen Herren aus. Experten bezifferten das Einsparpotenzial nach der Fusion auf bis zu 90 Millionen Euro. Schon wegen des hohen SBS-Kaufpreises von rund 3,3 Mrd. Euro, der ProSiebenSat.1 als Schulden auferlegt wurde, setzte de Posch seinen harten Sparkurs fort. Trotz gegenteiliger Versicherungen wurden 2007 und 2008 100e Mitarbeiter entlassen. Sat.1 stellte die Boulevardformate „Sat 1 am Mittag“ und „Sat 1 am Abend“ ein und sparte an Nachrichtensendungen, Anchorman Thomas Kausch verließ den Sender. woraufhin die "FAZ" "Heuschreckenlogik" beklagte ("Die Eigentümer des Privatsenderkonzerns ProSiebenSat.1 haben in dieser Woche ein Kapitel der deutschen Rundfunkgeschichte beendet. Sie haben es begraben ...").

Im Geschäftsjahr 2007, in dem die Nettofinanzverschuldung des Unternehmens von 122 Mio. € auf  3.328,4 Mio € stieg, führte vor allem das Bußgeld von 120 Millionen Euro, das das Bundeskartellamt gegen den konzerneigenen Werbezeitenvermarkter SevenOneMedia verhängt hatte, zum faktischen Gewinneinbruch. 2008 verschärfte sich die Krise. Dass trotz der schlechten Lage und des hohen Schuldenstands 98,9 Prozent des bereinigten Konzernjahresüberschuss als Dividende ausgeschüttet wurden, während andererseits zusätzliche 70 Millionen Euro im Budget fürs laufende Jahr eingespart werden sollten, löste bei Kleinaktionären und Presse heftige Kritik aus ("Süddeutsche Zeitung": "Ein Schlachtfest").

Als die Eigentümer später selbst ihre Geschäftspolitik öffentlich hinterfragten (Permira-<dfn>Chairman</dfn> Thomas Krenz im November '08 zum "Spiegel": "Als die Entscheidung gefallen ist, hatten wir keine drohende Weltrezession und berechtigte Hoffnungen wegen des neuen Verkaufsmodells. Deshalb ist es aus heutiger Sicht richtig, zu fragen, ob man das nicht anders hätte machen sollen.") hatten Finanzkrise und sinkende Werbeeinnahmen die Lage weiter verschlechtert. Im dritten Quartal 2008 erreichte der Schuldenstand 3,85 Milliarden Euro. ProSiebenSat.1 müsse "allein 250 bis 260 Millionen Euro pro Jahr für die Bedienung der Zinsen aufbringen, ohne auch nur einen Euro der Schulden zu tilgen", berichtete der Mediendienst dwdl.de. Unwesentlich reduziert, liegt die Netto-Finanzverschuldung Ende 2009 bei 3.534,4 Mio. Euro.

Nach der Ankündigung des Vorstandsvorsitzenden Guillaume de Posch im Juni 2008, das Unternehmen zum Jahresende zu verlassen, brachte die Nachfolgersuche erst im Dezember ein Ergebnis: Seit März 2009 führt Thomas Ebeling, bisheriger CEO des Pharma-Unternehmens Novartis Consumer Health, den Medienkonzern.
Daneben kam es 2008 zu weiteren Umstrukturierungen in der Sendergruppe. Aus dem Vorstand schieden Lothar Lanz (Finanzen, seit Oktober 2000 dabei, inzwischen in gleicher Position bei Axel Springer) und Peter Christmann (Sales & Marketing) aus. Besonders das von Christmann verantwortete Werbezeiten-Verkaufsmodell hatte zu schlechten Zahlen geführt. "Rund 5 % Werbemarktanteil – in absoluten  Zahlen etwa 100 Mio. Euro – hat die Gruppe 2008 durch eigenes Verschulden mit ihrem missglückten Vermarktungsmodell verloren", schätzte der "kressreport". Die beiden wurden durch Axel Salzmann sowie Klaus-Peter Schulz, der 2009 wieder ausschied, ersetzt.  Sein Nachfolger als Sales und Marketing-Vorstand ist Vorstandschef Ebeling.

Auch unter dieser Ebene führte bereits de Posch neue Management-Ebenen ein: Der bisherige ProSieben-Geschäftsführer Andreas Bartl stieg zum "Managing Director" der "German Free-TV Holding GmbH" mit Gesamtverantwortung für die deutschen Sender Sat.1, ProSieben, kabel eins und N24 auf (und wurde kurz darauf in den Vorstand berufen). In Bartls Verantwortung wiederum koordinieren "Content-Manager" die Bereiche Fiction, Infotainment & Magazine und Unterhaltung senderübergreifend. Das sei eine "Anpassung an das erfolgreiche Management-Modell in anderen Ländern der Gruppe wie den Niederlanden, Belgien, Schweden oder Norwegen", so de Posch.

Bei Vorlage der Zahlen für 2008 konnte der Konzern einen auf rund 3 Mrd Euro gestiegenen Konzernumsatz verkünden, musste jedoch auch ein negatives Jahresergebnis von 129,1 Mio. einräumen. Beides hängt mit der erstmals ganzjährig konsolidierten SBS-Gruppe zusammen, die auf Jahresbasis insgesamt gut ein Drittel des Umsatzes beisteuert. Ein "Goodwill-Impairment" (Wertbereinigung) auf SBS von 180 Mio. Euro macht sich beim Gewinn bemerkbar. Infolge der Zahlen und vielleicht auch der im Vorjahr geäußerten Kritik wurde die Dividende bis an den Nullpunkt gekürzt. Finanzvorstand Salzmann schlug 0,02 Euro (statt zuvor 1,25) je Vorzugsaktie vor; auf Stammaktien - von denen KKR und Permira die meisten halten - wurde gar keine Dividende gezahlt.

Im Jahr 2009 stieß das überarbeitete Werbezeitenverkaufsmodell auf bessere Akzeptanz, doch sorgte die Wirtschaftskrise für sinkende Werbeeinnahmen.  Wegen "geringer Marktvisibilität" verzichtete der neue Chef Ebeling auf eine Prognose, kündigte jedoch weitere Kosteneinsparungen ein, die weiterhin nicht im Programm sichtbar sein sollen. Mit der Entscheidung, Sat.1 nach Unterföhring zu verlagern (Bartl zur "FAZ": "Durch den direkten Austausch zwischen den Sendern wird ein großes Potential freigelegt"), ging und geht weiterer Managment-Umbau einher. So übernahm Kabel 1-Chef Guido Bolten die Sat.1-Geschäftsführung.

Geschäftsfelder

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Die ProSiebenSat.1 Media AG ist auf allen Stufen der TV-Wertschöpfung aktiv. Dies umfasst Produktions- und Distributionsaktivitäten sowie die Vermarktung (Merchandising, Werbezeiten, Multimedia). Die Strategie des Konzerns zielt auf den Ausbau seiner Position auf dem Free-TV-Markt und insbesondere im Internet sowie die Stärkung von Randbereichen (Diversifikation). Der neue Vorstandschef Ebeling kündigte (ähnlich wie seine Vorgänger) an, bis 2014 30 Prozent der Einnahmen außerhalb der Werbung erzielen.
Im Zuge kontinuierlicher Konzernumbau-Maßnahmen bemüht sich der Konzern sowohl um Konzentration auf Kernkompetenzen wie auch um Expansion.

Free-TV
Kernstück des Unternehmens sind die inzwischen in der "German Free TV Holding" zusammengefassten Sender Sat.1, ProSieben, Kabel1 und N24, die 2008 einen durchschnittlichen Zuschauermarktanteil (Zuschauer ab 3 Jahren) von 21,5 % erreichten. ProSiebenSat.1 beziffert seinen Anteil auf dem Markt der deutschen Fernsehwerbung auf 43 Prozent (Stand 2009).
Insgesamt konnten sich die deutschen Sender der Gruppe 2008 über eine leichte Steigerung ihres Gesamtmarktanteils bei den "werberelevanten" Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren um 0,4 Prozentpunkte auf 29,4 Prozent freuen. Beim Gesamtpublikum kamen Sat.1 auf 10,3 Prozent und ProSieben auf 6,6 Prozent Marktanteil.

Sat.1
Der Sender, bei dem 2009 Guido Bolten als Geschäftsführer Matthias Alberti ablöste (der 2006 den Schweizer Roger Schawinski abgelöst hatte), zog trotz Mitarbeiter-Protesten und des ersten Streiks im deutschen Privatfernsehen bis Sommer 2009 ins Sendergruppen-Hauptquartier nach Unterföhring. Beim Publikumserfolg erlebt Deutschlands ältester Privatsender schon lange ein heftiges Auf und Ab. 2006 hatten Quotenbringer wie die Telenovela „Verliebt in Berlin“ (bis zu 38,6 Prozent Marktanteil bei der "werberelevanten" Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren) und US-Serien wie „Navy CIS“ (bis zu 22,0%), eine positive Umsatzentwicklung und ein verbessertes Kostenmanagement noch dazu geführt, dass Sat.1 laut Konzernangaben „zur Riege der profitabelsten TV-Sender im deutschen TV-Markt“ gehörte; der durchschnittliche Marktanteil lag bei 11,3%.  2007 sank er auf 10,6 Prozent. Mutige Entscheidungen wie die zu einer Hauptnachrichtensendung, die wie die ARD-"Tagesschau" um 20.00 Uhr beginnt, und zur Ausstrahlung deutscher Fiction-Serien trotz zahlreicher Flops zahlten sich kaum aus. 

Schon 2008, noch in Berlin, ist es zu zahlreichen Umstrukturierungen gekommen. So wurde N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann zum weiteren, für die Bereiche Information & Magazine, Marketing und Controlling zuständigen Geschäftsführer ernannt und gab diesen Titel wieder auf, als er Geschäftsführer der neu gegründeten N24-Tochter Maz & More GmbH wurde, in welcher die über 100 Mitarbeiter der in Berlin verbleibenden Sat.1-Zentralredaktion das Frühstückfsernsehen und das Vorabendmagazin herstellen. Inzwischen gingen große Teile dieses Unternehmens im Rahmen einer Auslagerung an die konzernfremde Fernsehwerft GmbH über. Nur wenige Berliner Sat.1-Mitarbeiter machten den Sender-Umzug nach Bayern mit, was dem Konzern zur Einsparung durchaus zupass kam.

2009 machte ProSiebenSat.1 viele Schlagzeilen mit spektakulären Verpflichtungen bekannter Fernseh-Namen vor allem für Sat.1. Seit Herbst '09 senden Oliver Pocher (zuvor neben Harald Schmidt für die ARD tätig) und Johannes B. Kerner, der langjährige Multi-Talker des ZDF, für Sat.1. Auch in das Personal hinter den Kulissen wurde investiert: Wolfgang Link, zuvor Executive Producer der Show "Deutschland sucht den Superstar" des Rivalen RTL, ist Sat.1-Unterhaltungschef. Die reanimierte Fußball-Show "ran" (in der Sat.1 bis 2003 im Free-TV von der Fußball-Bundesliga berichtet hatte) soll den teuren Erwerb wichtiger Fußballrechte kapitalisieren. Der durchschlagende Erfolg dieser Maßnahmen blieb bislang aus. Kerner musste seinen anfännlichen Sat.1-Sendeplatz am Montagabend bereits aufgeben. Der durchschnittliche Marktanteil des Senders in seiner Zielgruppe lag im November 2009 bei 10,9 Prozent (November 2008: 10,8 Prozent).

ProSieben
Im Jahr 2008 steigerte ProSieben seinen Marktanteil um 0,1 Prozentpunkt auf 11,8 Prozent. Traditionell erfolgreich sind Hollywood-Blockbuster wie „Fluch der Karibik“, die Marktanteile von bis zu 40% erreichen. Zu den wesentlichsten Erfolgsgaranten gehört Stefan Raab, der im März 2009 das zehnjährige Jubiläum seiner viermal pro Woche ausgestrahlten Show "tv total" beging. Mit der Samstagabendshow "Schlag den Raab" entwickelte er zudem einen veritablen Exportschlager. Ebenfalls langfristig erfolgreich laufen Castingshows wie „Popstars“ (bis zu 30%) und „Germany’s Next Topmodel“ mit Heidi Klum; das Finale der dritten Staffel erreichte 30,0 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe. Mit zahlreichen Internetaktivitäten entwickelte sich "GNTM" zu einem Paradebeispiel für crossmediale Vermarktung.

Kabel1 und N24
Kabel1 und N24 tragen durch höhere TV-Werbeeinnahmen zum guten Geschäftsergebnis bei. Der Marktanteil von Kabel 1 lag im Gesamtjahr 2008 bei 5,5% (2007: 5,6%). Neben Wiederholungen von Spielfilmklassikern prägen zunehmend Dokutainment-Formate das Profil des Senders.

N24 erreichte 2008 bei den "Werberelevanten" 1,3% und beim Gesamtpublikum 1,0%. Im Oktober 2008 bezog er neue Studios am Potsdamer Platz in Berlin und ist seit dem Wegzug von Sat.1 einziges ProSiebenSat.1-Standbein in der Hauptstadt. Ende 2009 steht der als Nachrichtenkanal bezeichnete Sender (der freilich im Abendprogramm längst vor allem US-amerikanische Dokumentationen à la "Job am Limit: Einsatz im Atomkraftwerk" zeigt) auf dem "Prüfstand": ProSiebenSat.1 erwägt, N24 zu verkaufen oder zu das Konzept zu verändern. Ebelings Aussage in einem Interview, Nachrichten seien zwar "für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern", bringt Politiker auf, die ein Abrücken vom dualen Rundfunksystem drohen sehen. Die rund 200 N24-Mitarbeiter richteten einen offenen Brief (z.B. bei kress.de) an Ebeling.

Beim konzerneigenen Werbezeitenvermarkter SevenOneMedia stellte das Bundeskartellamt am 19. Juni 2007 Unterlagen sicher, die wettbewerbswidrige Absprachen belegen sollten. Dabei ging die Behörde, wie zugleich auch beim Werbezeitvermarkter IP (RTL), Hinweisen über so genannte „Share Deals“ (Werbezeitvermarkter gewähren Mediaagenturen hohe Rabatte, wenn diese einen großen Anteil Werbespots bei ihnen buchen) nach.  ProSiebenSat1 erklärte sich zur Zahlung eines Bußgeldes von 120 Millionen Euro bereit, um weitere Untersuchungen abzuwenden (ebenso wie RTL, das 96 Millionen Euro zahlen musste). Diese Strafe und die erforderliche Umstellung des Rabattsystems, die den Unterföhringern schlechter gelang als RTL, belasteten ProSiebenSat1 erheblich. 

TV-Produktion
Immer wieder werden bei P7S1 der Ausstieg aus der und der Einstieg in die Fernsehproduktion verkündet. Bemühungen, die ProSiebenSat.1-Produktion, die überwiegend als technischer Dienstleister fungiert, im Zuge einer Konzentration auf Kernkompetenzen zu verkaufen, blieben lange erfolglos. Daraus entwickelte sich u.a. im April 2008 die Übernahme der IT-Abteilung durch IBM im Rahmen eines Outsourcing-Vertrags; der geplante Ausbau eines neuen Playout-Centers in München ist mit Stellenstreichungen verbunden.

2005 gründete das Unternehmen gemeinsam mit dem Produzenten Christian Popp die Firma "Producers at work" (PAW). Popp war zuvor für die Herstellung der erfolgreichen Telenovelas/Daily Soaps bei der zur Bertelsmann AG gehörenden UFA tätig. Während Konkurrent RTL im Bereich der TV-Produktion mit Firmen wie UFA und der Fremantle Media blendend aufgestellt ist, bleibt der Erfolg von "Producers at Work"-Produktionen noch oft aus. So wurden 2008 die am Donnerstag nacheinander programmierten Sat.1-Serien "Plötzlich Papa - Einspruch abgelehnt" und "Dr. Molly & Karl" vorzeitig abgesetzt. Die Telenovela "Anna und die Liebe" knüpfte erst spät an den erhofften "Verliebt in Berlin"-Erfolg an. Dennoch wurden weitere Produktionsfirmen wie die "Red Seven Entertainment", die Unterhaltungsformate inhouse produzieren soll anstatt sie an externe Produzenten zu vergeben, und die PAW-Tochter "Magic Flight Film" gegründet.

Transaktions-TV
Um die Abhängigkeit vom Werbemarkt zu verringern, übernahm ProSiebenSat.1 im Juni 2005 sämtliche Anteile an der Euvia Media AG, die den Call-In-Sender 9Live und den Reise-Shoppingkanal sonnenklar.tv betreibt. 9Live finanziert sich hauptsächlich durch Telefonanrufe. Der Umsatz dieses Geschäftsbereichs verdoppelte sich im Vergleich zunächst nahezu (auf 95,8 Mio. Euro). Wollte der heftig umstrittene Sender sich 2006 noch „durch innovative Programmformate“ von Mitbewerbern abgrenzen, führten mehrere Kurswechsel ab 2008 nicht zu Erfolg. Eine neue Sendung der einstigen WDR- und Sat.1-Moderatorin Margarethe Schreinemakers erreichte Marktanteile zwischen 0,0 und 0,2 Prozent und wurde eingestellt (siehe "Tagesspiegel"). Mit Programmideen wie Teleshopping und Gewinnspiele für Minderjährige (vgl. dwdl.de) erregt der Sender bei Medienkritikern Ärger, macht aber keine guten Geschäfte mehr. Gerüchte, der Konzern könne den (nicht in die "German Free TV Holding" integrierten) Sender verkaufen, kommen immer wieder auf.

Digital
Vor allem das Internet gewinnt bei den Konzernaktivitäten rasant Bedeutung. Im Juli 2006 wurde das Video-on-Demand-Portal „maxdome“ gestartet. Dank einer Kooperation mit dem Internetprovider United Internet (gmx, web.de), seit 2008 50-prozentiger maxdome-Miteigner, erreicht das Angebot nach eigenen Angaben rund 200.000 aktive Nutzer (Stand: 2009). Die Anzahl der in "Deutschlands größter Online-Videothek" verfügbaren Titel liegt inzwischen bei 20.000 und umfasst inzwischen auch: Filme in HD-Qualität (High Definition), dank Vereinbarungen mit den Rechteinhabern Transit Film und Progress deutsche Filmklassiker aus der DDR ("Die Legende von Paul und Paula") und der Vorkriegszeit (Fritz Langs "Metropolis") sowie ZDF-Produktionen wie die zahllosen Rosamunde Pilcher-Verfilmungen. Überdies lassen sich auf Sendern wie "Schalke 04 TV" auch Fußballspiele verfolgen, die das Free-TV nicht überträgt.
2008 neu eingeführte Videoportale der Free-TV-Sender wie www.ProSieben.tv, auf denen Eigenproduktionen wie "Galileo" und aktuelle "Germany`s next Topmodel"-Folgen kostenlos abrufbar sind, sind ebenfalls mit dem (überwiegend) kostenpflichtigen maxdome-Angebot verbunden.

2006 erwarb die Sendergruppe Anteile an den Onlineplattformen „MyVideo.de“ (einer deutschen Variante des erfolgreichen amerikanischen Bewegtbild-Webseite "Youtube") und „lokalisten.de“ (seit 2008 zu 90 Prozent in P7S1-Besitz; 2009 zumindest nach PageImpressions unter den zehn erfolgreichsten deutschen Webseiten), die es Nutzern erlauben, eigene Inhalte im Internet zu präsentieren und sich untereinander zu vernetzen. So wie die Verlagsgruppe Holtzbrinck (Mediendatenbank), die „StudiVZ“ erwarb, erkannte auch ProSiebenSat.1 Vermarktungspotentiale auf diesem Gebiet. Viele Inhalte wie etwa die (von der konzerneigenen "Producers at work" hergestellte) Telenovela "Anna und die Liebe" tauchen inzwischen auf mehreren konzerneigenen Plattformen auf (siehe "Netzeitung"). Unter dem Label "MyVideo Prime TV" vermarktet P7S1 2009 mit monatlich 1,45 Millionen Zuschauern bzw. Unique Usern "eine der größten vermarktungsfähigen Reichweiten im Bereich Bewegtbild im deutschsprachigen Internet."

Bereits 2007 übernahm der Konzern eine Mehrheitsbeteiligung an der Ratgeberplattform "wer-weiss-was.de", 2008 eine an "Webnews.de", einem "Social-News"-Angebot, das auf den Erfolg des US-Angebots "digg.com" spekuliert. Bei Webnews ist Holtzbrinck Minderheitspartner. Außerdem wurde "Feeem Media" (inzwischen: "fem.com") erworben, ein Internetportal für Frauen. Das entspricht Marktforschungs-Ergebnissen, denen zufolge weibliche Zielgruppem im Internet noch nicht hinreichend adressiert würden und Engagements konkurrierender Medienkonzerne im selben Segment (Springer: aufeminin.com, Burda: bequeen.de). 2010 soll auf dieser Basis mit "FEM TV" ein Fernsehsender starten.
Die Preissuchmaschine "billiger.de", ebenfalls mehrheitlich 2007 erworben und noch 2008 Objekt von Internationalisierungs-Bestrebungen, wurde wieder verkauft, da "eine sinnvolle Vernetzung zu unserem TV-Content jedoch kaum realisierbar" schien.

Darüber hinaus zum Konzern gehören die (2008/09 fusionierten) Multimediasparten SevenOne Media und SevenOne Interactive sowie die Vermarktungsabteilung SevenOne International, die die Eigenproduktionen der Gruppe international vertreibt: Zu einem gewaltigen Exporterfolg entwickelte sich das von der konzernunabhängigen Brainpool AG für ProSieben entwickelte Format „Schlag den Raab“. Adaptionen der Sendung, bei der Zuschauer den Moderator Stefan Raab herausfordern und im Falle eines Sieges bis zu 500.000 € einstreichen können, laufen in 14 Ländern zwischen England und China. SevenOne International vertreibt Produktionen Dritter, aber auch eigene Produktionen wie die in acht Länder zwischen Frankreich und der Ukraine verkaufte Telenovela "Verliebt in Berlin" international. Die dabei erzielten Gewinne werden nicht veröffentlicht.
Bei SevenSenses wird das Pay-TV Angebot des Konzerns gebündelt, das in Deutschland in den Kanälen „Sat.1 Comedy“ und „kabel eins classics“ besteht. Eigenproduktionen dieser Sender wie etwa "Die Niels Ruf-Show" („Sat.1 Comedy“ und zeitweise auf Sat.1) werden auch über "Maxdome" angeboten und treiben so die Konvergenz voran.

Diversifikation
Seit 2005 betreibt das Unternehmen in Kooperation mit Warner Music das Label starwatch music, das eigene Künstler aufbauen und vermarkten soll. Die Popband „Monrose“, die als erster Sieger aus der ProSieben-Show „Popstars“ hervorging, ist bei diesem Label ebenso unter Vertrag wie der deutsche Swingsänger Roger Cicero und der irische Sänger Chris der Burgh. Das "Künstlermanagement von familieneigenen und -fremden Stars" zählt zur Mission des Unternehmens. Im Rahmen des P7S1-typischen permanenteb Umstrukturierens wurde die "Gründung eines Profit Centers für Live-Entertainment" angekündigt. Gemeinsam mit Warner Music sollen etwa "Public-Viewing-Events" zu "Germany's next Topmodel", einem zentralen Zugpferd des Senders ProSieben, stattfinden.

Die 2006 gegründete ProSiebenSat.1 Mobile krankte daran, dass sich Handy-TV bislang nicht in Deutschland durchsetzte. Die Spiele-Plattform "sevengames.com" und Ableger für Handy-Empfang sollen am wachsenden Markt für Computerspiele und ab 2009 auch für Multiplayer-Online-Games partizipieren. ProSiebenSat.1 beteiligte sich mit neun Prozent am US-amerikanischen Spieleproduzenten ZeniMax. Auch in diesem Segment werden Synergien gesucht. Beispielsweise erschloss SevenOne Interactive "Germany's next Topmodel" für das In-Game-Advertising und band Werbepartner (die Kosmetikmarke Maybelline Jade und der Einzelhändler C&A) in das begleitende Online-Spiel "Germany's next Topmodel - the Game" ein.

Engagement im Ausland

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Bis Ende Juni 2007 war ProSiebenSat.1 kaum im Ausland aktiv, sondern bot bloß über den deutschsprachigen Pay-TV-Sender „ProSiebenSat.1 Welt“  Programminhalte in den USA (seit 2004) und Kanada (seit 2006) an. 2009 wurden 20.000 (2008: 18.000) Abonnenten des Angebots in Nordamerika vermeldet, das neuerdings mit dem Slogan "The best of one nation on one station!" wirbt.

Mit der Übernahme der Sendergruppe SBS 2007 wurde aus ProSiebenSat.1 mit einem Schlag ein multinationaler Anbieter von 19 kommerziellen TV-Sendern in neun europäischen Ländern (Niederlande, Schweden, Dänemark, Norwegen, Belgien, Finnland, Bulgarien, Ungarn und Rumänien). In der Schweiz und Österreich ist er mit lokalen Ausgaben von Sat.1  und ProSieben vertreten, außerdem erwarb er 2007 den Wiener Ballungsraumsender "Puls TV". Hinzu kommen diverse Radiostationen, eine davon in Griechenland. So beschäftigt die integrierte Sendergruppe 2009 bei Free-TV-Sendern und Radiostationen gut 5.400 Mitarbeiter in 14 europäischen Ländern von Finnland bis Griechenland.

2008 wurde das schwedische Pay-TV-Unternehmens "C More" an TV 4 (Bonnier Group) verkauft. Die Rede war von einem Preis von rund 320 Mio. Euro.  Ansonsten bemüht sich ProSiebenSat.1 in vielen kleinen Schritten um das Internationalisieren der zahlreichen Aktivitäten. Beispielsweise expandierte die Internet-Video-Community "MyVideo" nach Belgien und in die Niederlande, die deutsche Games-Plattform SevenGames.de startete in einer englischsprachigen Version. Mit der Produktion der Show "The next Uri Geller" in einer deutschen und der holländischen Fassung "back to back" in einem Studio in Köln wurden Synergiepotenziale im Fernsehbereich ausgetestet.
Die von den Eigentümern bei der P7S1/ SBS-Verschmelzung avisierten Synergieeffekte blieben bislang aus. Womöglich ändert ein 2009 geschlossener Exklusivvertrag mit Dick de Rijk, "einem der Top-Kreativen der Fernsehindustrie", etwas daran.

Aktuelle Entwicklungen

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Bei der Geschäftszahlen-Verkündung konnte der Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling 2009 trotz der allenthalben beklagten Rückgänge auf dem Werbemarkt auch gute Nachrichten überbringen. Im zweiten Quartal wurde trotz (um neun Prozent auf 694 Mio. Euro) gesunkenen Umsatzes wieder ein Konzernüberschuss (45,5 Mio. Euro) erzielt; der Umsatzrückgang sei durch Senkung der operativen Kosten (um 17,6 Prozent auf 495,8 Mio ) kompensiert worden. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte Ebeling im November gar, es sei denkbar, dass der Umsatz in den letzten Quartal 2009 im deutschen Geschäft das Vorjahresniveau erreiche. 

Das Sparen im Programm wird von der Kritik durchaus erkannt (z.B. "FAZ-Fernsehblog": "Strategie der vergangenen Monate..., notfalls auch die öffentliche Blamage zu riskieren, wenn es nur der Gewinnmaximierung dient"). Dennoch verbesserte die Senderfamilie ihren Gesamtmarktanteil gegenüber den Vorjahreswerten, auf 29 Prozent im zweiten und 30,5 Prozent im dritten Quartal 2009. Zeigen muss sich, ob die Quoten-Probleme, die vor allem Sat.1 mit seiner teuren Neuverpflichtung Johannes B. Kerner hat, sich mit Geduld lösen lassen.

Weiterhin ächzt die Sendergruppe unter ihren Schulden. Die Nettofinanzschulden von 3,5 Mrd. Euro erzürnten auch auf der Hauptversammlung im Juni '09 die Kleinaktionäre. Berichte über finanzielle Probleme der Zwischenholding Lavena und Verluste bei den Eigentümern (KKR meldete für 2008 einen Jahresverlust von 1,2 Mrd. US-Dollar) hatten dazu beigetragen. Wiederholt erwiesen sich auch Äußerungen des Vorstandschefs Ebeling zur künftigen Strategie als missverständlich oder unglücklich - ob es um einen vermeintlich geplanten Einstieg ins Pay-TV ("Handelsblatt") ging, oder um die ungewisse Zukunft des als Nachrichtenkanal firmierenden Senders N24 ("Süddeutsche").

Wie ein roter Faden durch die jüngste ProSiebenSat.1-Geschichte ziehen sich Abgänge von Spitzenmanagern. 2009 verließen sowohl Sales und Marketing-Vorstand Klaus-Peter Schulz (der kurz zuvor noch den Vollzug der Fusion von SevenOne Media und SevenOne Interactive zum "mit Abstand größten medienübergreifenden Vermarktungsunternehmen im deutschen Werbemarkt" verkünden konnte) wie auch Matthias Alberti, der zuvor vom Sat.1-Unterhaltungschef und -Geschäftsführer zum Geschäftsführer der German Free TV-Holding aufgestiegen war, das Unternehmen. Mit dem Italiener Andrea Malgara, der zuletzt die europäischen Vermarktungsaktivitäten verantwortete, SevenOne-Geschäftsführer Matthias Falkenberg und SevenOne Intermedia-Geschäftsführer Tobias Oswald verabschiedeten sich weitere, teils langjährige Manager.

Andererseits geht auch das P7S1-typische permanente Umstrukturieren weiter. Ein Beispiel für Firmengründungen innerhalb des Konzerns ist die "innovative Investment Initiative" Seven Brand Ventures. Beispiele für neu geschaffene Posten sind der "Chief Strategy Officer" (den Christian Wegner, zudem Vorsitzender der Geschäftsführung der ProSiebenSat.1 Produktion und der ProSiebenSat.1 Applications GmbH bekleidet) sowie der "Senior Vice President Group Format Acquisitions & Development". "Immerhin in einem Punkt wird bei ProSiebenSat.1 nicht gespart: Bei der Länge der Bezeichnung der Posten, die der Konzern zu vergeben hat", scherzte dwdl.de aus Anlass der Beförderung Michael Schmidts.

Die langlebigen Gerüchte, dass Konzerne wie Axel Springer oder der in Unterföhring benachbarte Pay-TV-Sender "Sky" (das ehemalige Premiere, inzwischen wieder in Rupert Murdochs Einflussbereich) einzelne Sender der Gruppe kaufen könnten, sollten sich durch die Zusammenlegung der Standorte und die Reorganisation erledigt haben. Dennoch schwebt über dem Unternehmen die Gewissheit, dass die Finanzinvestoren sich mittelfristig aus dem Geschäft verabschieden wollen - mit möglichst hohem Gewinn oder zumindest möglichst geringem Verlust. Im Sommer 2007 sagte der damalige Aufsichtsrats-Vorsitzende Götz Mäuser, als "Investor auf Zeit" pflege Permira bei deutschen Unternehmen durchschnittlich fünfeinhalb Jahre an Bord zu bleiben.

News

09.02.10 / ProSiebenSat.1

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13.01.10 / ProSiebenSat.1

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