4. Axel Springer AG

Umsatz 2007: € 2,578 Mrd.

Überblick

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Als größter Zeitungsverlag und zugleich einer der größten Medienkonzerne des Landes stellt die Axel Springer AG eine so traditionsreiche wie machtvolle Institution der deutschen Medienlandschaft dar. Gelegentliche Rückschritte bremsen Springer-Chef Mathias Döpfner kaum bei seiner Strategie mit dem Ziel, "das bestintegrierte Multimediaunternehmen in Europa zu werden". Dank zahlreicher Verkäufe und Zukäufe vor allem im Online-Geschäft kann Springer als der dynamischste deutsche Medienkonzern gelten.

Basisdaten

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Hauptsitze: 
Axel Springer Haus Berlin
Axel-Springer-Straße 65    
10888 Berlin
Telefon: 030-25-91-0
Internet: www.axelspringer.de

Axel Springer Haus Hamburg
Axel Springer Platz 1
20350 Hamburg
Telefon: 040-347-244-99
Branche: Zeitungen, Zeitschriften, Druckbetriebe, Pressevertrieb, Fernsehsender, Radio, Onlinedienste, TV-Produktion
Rechtsform: Aktiengesellschaft
Geschäftsjahr: 01.01. - 31.12.
Gründungsjahr: 1909

 

Tab. I: Ökonomische Basisdaten (Beträge in Mio. €)

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

Konzernumsatz

2.611,6

2.728,5

2.578

2.367

2.392

2.402

2.320

2.777

2.864

Gewinn (Verlust)

152,6

571

(288)

291

231

147,5

111,6

61

(198)

Aktienkurs (in € Jahresende)

75,05

51,39

98

136

108

86,00

70,00

49,20

58,00

Dividende (pro Aktie in €)

4,4

4,4

4

1,7

3,5

1,20

1,20

0,65

-

Beschäftigte

10.740

10.666

10.348

9.733

10.166

10.700

10.949

13.203

14.069

 

 

Tab. II: Umsatz/Jahr nach Sparten (Beträge in Mio. €)

Jahr

Zeitungen national

Zeitschriften nat.

Digital

Services

2006

1.092,5*

498,2

2007

1.073,7

483,0

6,1

76,8

2008

1.087,1

481

23,5

81,3

2009

1.035,2

447

21,4

*inklusive bild.t-online.de, immonet.de, stepstone.de

Geschäftsführung

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Geschäftsführung/Vorstand (Schlüsselpositionen):

  • Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender, Vorstand "Welt"-Gruppe/Regionalzeitungen, Vorstand Internationales 
  • Rudolf Knepper, Stellv. Vorstandsvorsitzender, Vorstand Technik und Logistik
  • Lothar Lanz, Vorstand Finanzen und Dienstleistungen
  • Dr. Andreas Wiele, Vorstand "Bild"-Gruppe und Zeitschriften´

Aufsichtsrat:

  • Dr. Giuseppe Vita, Berlin, Vorsitzender
  • Dr. h.c. Friede Springer, Berlin, Stellv. Vorsitzende
  • Dr. Gerhard Cromme, Vorsitzender des Aufsichtsrats der ThyssenKrupp AG und Siemens AG, Düsseldorf
  • Oliver Heine, Rechtsanwalt, Hamburg
  • Klaus Krone, Kaufmann, Berlin
  • Dr. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf GmbH + Co. KG, Ditzingen
  • Prof. Wolf Lepenies, Hochschullehrer, Berlin
  • Michael Lewis, Geschäftsführer (CEO) der Oceana Retail Holdings Limited, London
  • Dr. Michael Otto, Vorstandsvorsitzender Otto GmbH & Co., Hamburg

Geschichte und Profil

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Der Axel Springer Verlag geht zurück auf den 1789 gegründeten Druckereiverlag Hammerich & Lesser in Altona bei Hamburg. 1909 erwirbt der Kaufmann Hinrich Springer den maroden Betrieb, der ab 1924 die täglichen „Altonaer Nachrichten" herausgibt. 1941 fällt das Blatt an das NS-Presseimperium. Verlegersohn Axel Cäsar Springer erhält nach Kriegsende eine Lizenz für „Hör zu", die er zur meistgelesenen Programmzeitschrift der Bundesrepublik Deutschland ausbaut. Andere Objekte folgen: 1948 steigt Springer mit dem „Hamburger Abendblatt" in den Zeitungsmarkt ein; 1952 gründet er die „Bild-Zeitung", 1953 erwirbt er von britischen Besatzungsoffizieren „Die Welt". In Berlin kauft sich der rastlose Verleger Ende der 50er Jahre in die Ullstein AG („Berliner Morgenpost", „B.Z.") ein. Nach einem kurzen Gastspiel von nur drei Jahren stößt Springer den erworbenen Zeitschriftenverlag Kindler & Schiermeyer („Eltern", „Jasmin") wieder ab - ganz unter dem Eindruck einer öffentlichen Debatte über die große Springer-Meinungsmacht und über eine Konzentrationsregelung im deutschen Pressewesen. In den 70er Jahren steigt der Presseunternehmer in Regionalblätter und in Spezialzeitschriften ein. Auch ins Fernsehen will Verleger Springer schon früh investieren und 1965 das ZDF kaufen, kann Pläne eines Verleger-TV jedoch nicht vollenden.

Jahrelang hatte Axel Springer mit seinem patriarchalischen Stil die Unternehmenskultur geprägt. Der Verlag fühlte als Familie, die schweren Angriffen zu widerstehen hatte - etwa denen der APO in den 60er Jahren. Damals galt der für eine Wiedervereinigung mit der DDR kämpfende Springer als Symbol eines repressiven Staates.
Nach Axel Springers Tod 1985 brachen im Management Grabenkämpfe aus, von denen sich das Unternehmen lange nicht erholte. Die badische Verlegerfamilie des Senators Franz Burda erwies sich nicht als die gedachte starke Stütze. Burda verkaufte bereits 1988 sein erst 1983 erworbenes Springer-Aktienpaket von knapp 25% wieder an die Springer-Familie, nachdem es zunächst dem Münchner Filmhändler Leo Kirch zufallen sollte. Der hatte im Zuge des Springer-Börsengangs 1985 vorab einen Aktienanteil von 10% erworben, den er anschließend sukzessive ausbaute. Sein Kampf um Springer wurde für einige Jahre zum entscheidenden Thema im Konzern. Wenn die Springer-Spitzenmanager nicht untereinander kämpften, dann mit dem expansionswilligen Großaktionär. Unter Vorstandschef Peter Tamm eskalierte der Konflikt bis hin zu mehreren Gerichtsverfahren. Nach einer Ruhezeit unter den Tamm-Nachfolgern Günter Wille und Günter Prinz, die auf einen „Friedensschluss" zwischen der Springer-Familie und Kirch von Ende 1990 zurückgeht, ging Jürgen Richter, Springer-Vorstandsvorsitzender 1994 bis 1997, wieder auf Konfrontation zu Kirch. Er übernahm die Mehrheit an Sat.1-Gesellschafter Aktuell Presse Fernsehen (APF) und erhöhte das Gewicht des Zeitungskonzerns im von Kirch beherrschten Sender: Springer disponierte schließlich über 40% des Sat.1-Kapitals und vier von acht Aufsichtsratsstimmen. Nach trickreichen Gegenattacken Kirchs musste Richter seinen Posten räumen.

Seit Mitte der 80er Jahre bringt das Verlagsmanagement immer neue Ableger der „Bild"-Zeitung, von „Bild der Frau" bis „Sport-Bild" heraus, und investiert zusehends im Ausland. Im Fernsehgeschäft beteiligte sich der Verlag zunächst im Schatten von Kirch an Sat.1 und dem Deutsches Sport-Fernsehen (DSF, heute: "Sport 1") sowie an der Sportrechte-Agentur ISPR. Ende 1996 konsolidiert Springer sein TV-Geschäft: Die verlustreiche DSF-Beteiligung wird verkauft, die Sat.1-Beteiligung aufgestockt. 1998 kommen etliche Beteiligungen an Produktionsfirmen hinzu: So will der Verlag TV-Inhalte an Sat.1 liefern, wo Springer inzwischen für den journalistischen Part zuständig ist, die Führung aber an Kirch abgetreten hat. Schließlich einigen sich die ungleichen Partner im Sommer 2000, dass Springer seine Sonderposition bei Sat.1 aufgibt und dafür 11,5 Prozent an der neuen Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media AG erhält - verbunden mit dem Recht, dieses Aktienpaket spätestens im Februar 2002 für 767 Millionen € an Kirch zu verkaufen.

Genau davon macht Mathias Döpfner, seit 2002 Springer-Vorstandsvorsitzender, Gebrauch. Das hat unter anderem die Insolvenz der Kirch-Gruppe zur Folge. Unter Döpfner befreit sich der Verlag nicht nur von der Last des Leo Kirch, auch die Bilanz, die 2001 noch riesige Verluste ausgewiesen hat, bessert sich. Döpfner investiert in ausländische Publikationen, vornehmlich in Osteuropa, wo Springer in Polen die Boulevardzeitung „Fakt“ und in Russland eine Lizenzausgabe von "Forbes" gründet. Die versuchte Übernahme der Londoner Zeitungsgruppe rund um den „Daily Telegraph“ scheitert 2004, weitere Investitionen gelten zusehends elektronischen Medien.

Eine schwere Niederlage erleidet Döpfner Anfang 2006, als das Bundeskartellamt Springer die Mehrheitsübernahme des Münchner TV-Konzerns ProSiebenSat.1 von Großaktionär Haim Saban zum Preis von 2,45 Mrd. Euro untersagt. Diese Entscheidung war von einer öffentlichen Debatte über die Meinungsmacht des Springer-Konzerns begleitet. 2010 bestätigte der von Springer angerufene Bundesgerichtshof das Verbot.

Management

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Mathias Döpfner
An der Spitze des Vorstands steht seit Anfang 2002 Mathias Döpfner. Der promovierte Musikwissenschaftler, Jahrgang 1963, wurde 1982 Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. 1992 wechselte er als Vorstandsassistent zu Gruner + Jahr, bevor er die Chefredaktionen der Blätter „Wochenpost" (gegründet 1953 in der DDR, 1996 eingestellt), „Hamburger Morgenpost" und „Die Welt" leitete. Bei Springer löste er August Fischer ab, der mit einer Expansion im Ausland und bei elektronischen Medien gescheitert war.
Döpfner ist als Manager trotz Rückschlägen weitaus erfolgreicher als bei seinen vorherigen Engagements als Chefredakteur: Nachdem ein sehr kurzer Einstieg ins Postgeschäft dem Konzern 2007 noch einen Fehlbetrag in Höhe von 288,4 Mio. Euro bescherte, folgte schon im Geschäftsjahr 2008 der höchste Jahresüberschuss seit Gründung des Unternehmens.

Vor dem Hintergrung der kontroversen Geschichte des Springer-Verlags sucht Döpfner seit 2006 immer wieder den Dialog mit prominenten Kritikern des Konzerns wie etwa Günter Grass, der seit 30 Jahren Springer-Publikationen boykottiert. Immer wieder zeigt Döpfner sich zu „einer selbstkritischen Revision“ der Rolle des Verlags anno 1968 bereit, sofern auch die damaligen Gegner „über die inhaltlichen Verirrungen der 68er Bewegung“ diskutieren. Dieses fordernde Entgegenkommen wird von den Angesprochenen nicht unbedingt ernstgenommen - wie zumal das gescheiterte "Springer-Tribunal 2009" zeigte: Im Licht der Erkenntnis, dass der West-Berliner Polizist, der 1967 den demonstrierenden Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat, ein Stasi-Agent war, forderten Döpfner und "Welt"-Chefredakteur Thomas Schmid Entschuldigungen für "Enteignet Springer"-Forderungen der 60er Jahre (siehe z.B.: "Springer ist Unrecht widerfahren"/ Döpfner im "FAS"-Interview; Entgegnung Hans Leyendeckers in der "SZ"). Im Juli kündigte der Verlag an, das "Springer-Tribunal", wie es 1968 die damaligen Gegner des Konzerns planten, nachzuholen. Im August erfolgte bereits die Absage ("68er verweigern Dialog"; zum Echo siehe z.B. "Altpapier" zur Ankündigung, zum Aus). Am Ende führten die Versuche, die Debatte neu zu beleben, zu wenig mehr als rund 5.900 nun dank Springer gratis online (medienarchiv68.de) verfügbaren Pressequellen aus den 60er Jahren.

Auch sonst will Döpfner dem Haus ein liberales, offenes Image vermitteln. Zwar wird der propagierte interne Meinungspluralismus immer wieder auf die Probe gestellt (wie etwa die Posse um Kritik, die der „Welt“-Redakteur Alan Posener 2007 in seinem Blog an "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann übt; siehe Bildblog). Doch erweisen sich der Konzern und seine Spitzen als lernfähig. Zwischenzeitlich bloggte Diekmann selbst und erweckte "geschickt den Eindruck, er sei vielfacher Landesmeister in den Disziplinien Selbstkritik und Selbstironie", wie selbst das Bildblog konzedieren musste.

Vor allem schieden sich die Geister an Döpfners Plänen der medienübergreifenden Expansion ins Fernsehen. Kritiker befürchten eine Gefährdung der Meinungsvielfalt. Im Zusammenhang mit der (zuvor Springer verbotenen) Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG durch die ausländischen Finanzinvestoren Permira und KKR wurden Stimmen laut, die für einen Verbleib dieser Fernsehsender in deutscher Hand plädierten. Die Frage der Meinungsmacht privater Medienkonzerne in Zeiten rasanter Konvergenz dürfte die Unternehmensstrategie des Berliner Verlagshauses auch in Zukunft nachhaltig beeinflussen.

Rudolf Knepper
Rudolf Knepper ist seit 34 Jahren im Springer-Konzern tätig. Zuvor war er unter anderem Assistent des Geschäftsführers Technik, Technischer Direktor der Hamburger Druckerei und Leiter des Produktionsbereiches Zeitung. Seit 2002 ist Knepper stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Vorstand der Bereiche Technik und Logistik. Zudem ist er seit 2006 stellvertretender Präsident des Bundes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).
Obwohl Knepper als treibende Kraft hinter dem erfolglosen Einstieg beim Postanbieter PIN gilt, ist seine Position unangefochten. 2009 wurde sein Vertrag "auch über den Zeitpunkt der Vollendung seines 65. Lebensjahres hinaus" verlängert.

Andreas Wiele
Andreas Wiele war vor seiner Tätigkeit beim Springer-Konzern Redakteur der „Hamburger Morgenpost“  und Anfang der 90er Jahre Verlagsleiter der Magazine „Capital“ und „Geo“. Bevor er im Jahr 2000 den Posten des Vorstandes für Zeitschriften und Internationales beim Springer-Konzern bekleidete, war er Executive Vice President und Chief Operating Officer beim Verlag Gruner + Jahr. Wiele gilt neben Döpfner als treibende Kraft hinter der Online-Expansion des Unternehmens. Er ist zudem seit 2007 Aufsichtsratsvorsitzender des Onlinewerbespezialisten Zanox.de AG.
Seit Januar 2008 ist Wiele zudem Super-Vorstand der „Bild“-Gruppe (und löste damit Christian Nienhaus ab, der zuvor Vorsitzender der Verlagsgeschäftsführung der Zeitungsgruppe war und zur WAZ-Gruppe wechselte). Außer der Zeitungsgruppe verantwortet Wiele seither auch den Online-Auftritt der „Bild“-Zeitung und die zuvor dem Zeitschriftenbereich zugehörigen Titel  wie „Auto Bild“ und „Computer Bild“.

Lothar Lanz
Im März 2009 wurde die vorzeitige Ablösung des Finanz-Vorstands Steffen Naumann (der 2001 von Bertelsmann zu Springer gekommen war und bei Döpfners Umstrukturierung des Konzerns eine Schlüsselrolle spielte) bekannt, kurz darauf die Verpflichtung Lothar Lanz' als neuer Vorstand für Finanzen und Dienstleistungen. Dass Lanz zuvor langjähriger Finanzvorstand bei ProSiebenSat.1 war, befeuerte die immer wiederkehrenden Spekulationen, Springer könnte doch noch groß ins deutsche Fernseh-Geschäft einsteigen - zumal Lanz auf Seiten des Fernseh-Konzerns schon am gescheiterten Fusionsvorhaben beteiligt war.

Friede Springer u.a. Gesellschafter
Die Mehrheit der Aktien liegt bei den Erben des Verlegers Axel Cäsar Springer. Der Verlegerwitwe Friede Springer, der stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats, werden die Stimmrechte von 55% plus 10 Aktien zugerechnet (5% Eigenbesitz sowie die Stimmrechte der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik GmbH, die ihrerseits über 50% der Aktien der Axel Springer AG verfügt). Daneben sind nur noch die Springer-Enkel Ariane und Axel Sven mit kleinen Anteilen dabei. Die Kinder des Gründers wurden bereits mit dicken Geldbeträgen abgefunden. Die Anteile der Münchner Kirch-Gruppe, die bis Mitte 2002 mit 40,05% beteiligt war, sind auf Friede Springer, die Axel Springer AG selbst und die US-amerikanische Finanzgesellschaft Hellman & Friedman übergegangen. Der Rest ist Streubesitz bei über 1.000 Aktionären.
Ende 2006 platzierte Hellman & Friedmann 10% seines Aktienpakets an der Börse, um die Liquidität des Konzerns insgesamt zu erhöhen. Das geringe frei handelbare Aktienvolumen der Axel Springer AG galt bis dato als eines der Haupthindernisse für eine dauerhafte Wertsteigerung der Verlagsaktien. Der Einfluss des Finanzinvestors hat sich dadurch reduziert. Im Dezember 2008 reduzierte Hellman & Friedman seine Beteiligung von zuletzt 9,9 Prozent weiter auf rund 1,6 Prozent, während die Deutsche Bank ihre auf insgesamt rund 8,4 Prozent erhöhte. Die Bank kündigte an, diese Aktien in einem erholten Kapitalmarktumfeld mittelfristig breit im Markt zu platzieren und den Streubesitz zu erhöhen. H&F-Geschäftsführer Brian M. Powers hat sich aus dem Springer-Aufsichtsrat zurückgezogen.

Geschäftsfelder

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Zeitungen
Der Axel Springer Verlag ist das wichtigste deutsche Zeitungshaus. Weiterhin rührt seine Macht hauptsächlich von der „Bild"-Zeitung her, die täglich im Durchschnitt noch immer mehr als drei Mio. Exemplare verkauft und Stimmungen im Volk boulevardesk reflektiert. Kaum ein Politiker glaubt, bei seiner PR-Arbeit auf „Bild" verzichten zu können. Die Cashcow „Bild“ sowie erfolgreiche - bis zur bundesweiten Einführung der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ 2001 - konkurrenzlose Sonntagszeitungen („Bild am Sonntag“, „Welt am Sonntag“) begründen die Sonderstellung Springers im deutschen Pressemarkt. Wie im gesamten Markt, sinken Springers Umsätze im Segment "Zeitungen National" leicht, aber kontinuierlich.

Das Flaggschiff "Bild"-Gruppe - seit März 2008 nicht mehr in Hamburg, sondern mit den wichtigsten Redaktionen in Berlin ansässig - ist zwar für stattliche Gewinne gut, gleichwohl sinken die Auflagen. Durch Beteiligung der Leser an der inhaltlichen Gestaltung des Blattes („Bild-Leser-Reporter“) versucht das Management seit 2006 auf presserechtlich umstrittene Weise dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Ende 2008 brachte das Blatt gemeinsam mit der Discounter-Kette Lidl (über deren Praxis der Mitarbeiter-Überwachung 2008 vielerorts, nicht aber in "Bild" kritisch berichtet worden war) eine preiswerte Videokamera für Leserreporter auf den Markt (siehe "carta.info"). 2009 folgte die "User Generated Advertising“-Aktion "BILD dir deine Werbung", bei der Leser aufgerufen waren, Print- und Plakatanzeigen sowie für Werbespots für die "Bild"-Zeitung einzureichen. Das Ergebnis brachte dem Blatt ein Lob des viel zitierten Internet-Experten Jeff Jarvis ("Was würde Google tun?") ein. Inzwischen zählt bild.de zu den führenden deutschen Webseiten.

Im Februar 2008 vermeldete Springer stolz, dass die um die traditionell verlustreiche Tageszeitung „Die Welt" angesiedelte "Welt"-Gruppe (mit "Welt kompakt", "Welt am Sonntag", "Welt Online") "erstmals schwarze Zahlen" schreibt. Sogleich verkündete der ehrgeizige Döpfner das "nächste Zehn-Jahres-Projekt" für die "blaue Gruppe": "Wir wollen die publizistisch und wirtschaftlich erfolgreichste Gruppe werden.“ Im Februar 2010 übernahm Jan-Eric Peters die Chefredaktion der Gruppe, sein Vorgänger Thomas Schmid rückte zum Herausgeber auf. Christoph Keese, vor Schmid Träger der redaktionellen Gesamtverantwortung für die "Welt"-Gruppe, leistet inzwischen als "Konzerngeschäftsführer Public Affairs" der Axel Springer AG Lobbyarbeit im politischen Raum und mischt - wie Döpfner - in zahlreichen aktuellen Debatten mit.

Aus Springers lange als wichtig angesehenem Geschäft mit Regional- und Lokalzeitungen bleibt inzwischen allein das "Hamburger Abendblatt" als bedeutender Titel. Zuvor wurden die "Berliner Morgenpost" weitgehend mit der "Welt"-Gruppe verschmolzen und die sonstigen Zeitungsbeteiligungen 2009 in zwei Etappen verkauft: Zunächst gingen Springers Anteile an der "Leipziger Volkszeitung" (50 Prozent), den "Lübecker Nachrichten" (49 Prozent), den "Kieler Nachrichten" (24,5 Prozent), der Verlagsholding "Hanseatische Verlags-Beteiligung" (23 Prozent) sowie mittelbar ein 50-Prozent-Anteil an der Rostocker "Ostsee-Zeitung" für 310 Mio. Euro an die Verlagsgruppe Madsack.
Wenig später verkaufte der Konzern die "Elmshorner Nachrichten" sowie die 23,44-prozentige Beteiligung am "Pinneberger Tageblatt" an den "Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag" (SHZ). Auch wenn die Kartellgesetze stets größere Zukäufe verhindert hatten, kam dieser Ausstieg überraschend. War doch der frühere "BamS"-Chefs Claus Strunz wurde, als er 2008 auf den Chefredakteurs-Posten des "Hamburger Abendblatts" 2008 wechselte, gleich auch zum "Sprecher eines neu gegründeten Chefredakteur-Gremiums, das die Zusammenarbeit der Regional- und Abozeitungen koordiniert", ernannt worden. Koordination hatte sich rasch weitgehend erübrigt.

 

Zeitschriften
Auch aus dem generell schrumpfenden Geschäft mit deutschen Zeitschriften zieht sich der Verlag sukzessive zurück.

Zwar gelang Springer 2004 im traditionell wichtigen Segment Programmpresse („Hörzu", „Funk Uhr", „TV neu") mit „TV Digital“ eine der erfolgreichsten Neugründungen überhaupt. Die Auflage stieg 2008 auf mehr als zwei Millionen Exemplare, sank anschließend allerdings erheblich (verkaufte Auflage IV/2009: 1,77 Mio.) . Ebenfalls 2004 wurden die in den 90er Jahren gestartete Frauenzeitschrift „Allegra" eingestellt und das „Journal für die Frau“ an Burda verkauft (und ebenfalls eingestellt). 2008 bündelte der Verlag seine Frauen-, Jugend- und Musikzeitschriften in der neuen Verlagsgruppe "Frauen, Jugend und Musik", wobei die Standorte Hamburg (Frauenzeitschriften wie "Bild der Frau") und München mit Jugend- und Musikzeitschriften zunächst bestehen blieben. Doch wurden der Männer-Titel "Maxim" an die Marquard-Gruppe abgegeben, die zuletzt monatlich erschienene "Yam" 2009 eingestellt und dann auch die Münchener Dependance, Axel Springer Mediahouse, mit Titeln wie „Jolie“ und "Mädchen" sowie der 50-prozentige Anteil am bisherigen Gemeinschaftsunternehmen Family Media (u.a. "Familie&Co") an den OZ-Verlag, Rheinfelden, verkauft.
Außerdem legte Springer 2009 mit "geringen Anpassungen im Personalbereich" die Redaktion der "Frau von Heute" mit der der "Bild der Frau" zusammen.

Die Münchener Musiktitel ("Rolling Stone", "Musikexpress", "Metal Hammer") bleiben im Verlag - unter Zuständigkeit der "Welt"-Gruppe in Berlin und des stellvertretenden "WamS"-Chefredakteurs Ulf Poschardts als Herausgeber. Zum Angebot gehören die erfolgreichen „Computer Bild" und „Auto-Bild" mit zahlreichen internationalen Lizenzausgaben, „Sport-Bild", „Bild der Frau" sowie die Spezialzeitschriften („Tennis-Magazin", „Fliegenfischen") der Tochter "Jahr Top Special Verlag". Der Wirtschaftsverlag Finanzen ("Euro", "Euro am Sonntag") zählt seit 2010 nicht mehr zum Konzern.

Zusammengenommen stehen die deutschen Zeitungen und Zeitschriften 2009 noch für 66, 3 Prozent (2008: 70 Prozent) des Springer-Umsatzes.  Auf vielen kleinen Baustellen arbeitet der Konzern an weiterer Erhöhung der Profitabilität - sei es, dass Artikeltausch-Modelle für konzerneigenen Blätter entwickelt werden, sei es 2009 in der heftigen Auseinandersetzung der deutschen Verlage mit den Grossisten (in der Springer mit der "Bild"-Zeitung viel Gewicht besitzt).

 

Onlineangebote
Von der Konzernspitze als Wachstumsmarkt identifiziert, setzt der Konzern vehement auf eine Digitalisierung journalistischer Inhalte und Dienstleistungen und investiert Einnahmen aus Verkäufen im Print-Bereich in dieses Geschäftsfeld. 2009 hatten Internetangebote 18 Prozent (2008: 14 Prozent) Anteil am Umsatz, diese Marke soll auf Sicht auf 50 Prozent steigen.

Bei den Versuchen, im Kampf gegen die "Gratismentalität" Einnahmen im Internet zu erzielen, agiert Springer auf vielen Ebenen emsiger als andere deutsche Verlage. So gehörte der Konzern zu den Initiatoren der 2009 von zunächst sechs Verlagen unterzeichneten "Hamburger Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums", die später zahlreiche weitere, auch internationale Verlage sowie die Verlegerverbände WAN-IFRA und EPC
unterschrieben (während sie in unabhängigen Internet-Communitys dagegen Kritik erregte, vgl. Stefan Niggemeier: "Hamburger Bankrott-Erklärung"). In diesem Zusammenhang werden Details des von den deutschen Verlegern, vor allem Springer, geforderten, von der Bundesregierung zugesagten Leistungsschutzrechts für Verlage gespannt erwartet.

Nachdem der Internetauftritt der "Bild"-Zeitung, bild.de, zunächst als Joint Venture mit T-Online positioniert wurde, übernahm der Verlag zum 1.1. 2008 die bisher von der Deutsche Telekom gehaltenen 37 Prozent und wurde zum alleinigen Gesellschafter. Seit Januar 2009 erreicht "bild.de" laut IVW monatlich mehr als eine Milliarde Page Impressions, im vierten Quartal 2009 verzeichnete es 6,41 Millionen Unique User (und nach einer neuen, allerdings umstrittenen Zählweise 2010 sogar 11 Mio., vgl. dwdl.de). Auch in der Zähleinheit der Visits wird "Spiegel Online" oft überholt. So sieht sich das Angebot "unter den Nachrichten-Angeboten deutschlandweit auf Platz 1" im Internet. Es wird zusehends mit Bewegtbildern (wie der von MME "in Kooperation mit dem Reichweitenpartner 'Bild', dem Fashion-Partner Otto und dem Musik-Partner Warner Music" produzierten Web Serie "Deer Lucy") umrahmt. Seit 2009 zählt mit Klaus Ebert ein "Programmdirektor Bewegtbild" zur 'Bild'-Chefredaktion". Auch eine "Widget-Offensive" mit Applikationen trägt zur Reichweite bei. Eine "Bild"-App und "Welt"-App als (moderat) kostenpflichtige Applikationen für das iPhone des US-Konzerns Apple sowie kostenpflichtige lokale Angeboten in Hamburg und Berlin zählen zu den Baustellen, auf denen Springer seit 2009 im Kampf gegen die Gratiskultur des Internet voranzupreschen versucht.

Während er sich von diversen Presse-Aktivitäten verabschiedet, erwirbt der Konzern laufend Online-Unternehmen - so 2006 die Preissuchmaschine Idealo und 2007 Anteile an der ZANOX.de AG (seit 2009 hält Springer 52,5 Prozent, den restlichen Anteil hält die PubliGroupe AG, Lausanne). 2009 übernahmen diese beiden Partner 50,1 Prozent der Anteile am britischen Affiliate-Netzwerk "Digital Window" mit rund 100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz "von mehr als 40 Millionen Euro". Digital Window wiederum übernahm 2010 von AOL Inc. das in Großbritannien, den USA und Skandinavien aktive Unternehmen "Buy.at", weshalb Springer bereits von "europäischer Marktführerschaft beim erfolgsbasierten Online-Marketing" sprincht. Inzwischen schlossen Springer und die PubliGroupe Zanox mit Digital Window zusammen. Im März 2010 wurde der frühere Ebay-Manager Philipp Justus Vorstandsvorsitzender bei Zanox. Der Mediendienst meedia.de sieht "die international wohl profilierteste deutsche Web-Führungskraft" bereits als "neuen Kronprinz" im Konzern.

Ferner übernahm der Konzern im Dezember 2006 die Minderheitsbeteilung des Immobilienverbands IVD an der Immonent GmbH und wurde alleiniger Gesellschafter. Die mehrheitliche Übernahme der französischen Webseite auFeminin.com - Springer zufolge "Europas führende Online-Plattform für die weibliche Zielgruppe" (deutsche Version: gofeminin.de) - wurde von Beobachtern als überteuert gewertet; für 2009 verkündete Döpfner jedoch eine operative Ergebnismarge von 38,5 Prozent. 2010 übernahm die goFeminin.de GmbH Betrieb und Vermarktung von bildderfrau.de.

Ferner übernahm Springer die Mehrheit an der norwegischen StepStone ASA (Umsatz 2008: 123,5 Mio. EUR). Nach einem öffentlichen Übernahmeangebot an die freien Aktionäre hält der Konzern 87,8 Prozent am Betreiber der gleichnamigen internationalen Jobbörse. Bislang war er Minderheitsgesellschafter sowie Partner des deutschen StepStone-Portals. Die Software-Abteilung des Unternehmens wurde 2010 wiederum verkauft, ebenso wie die wallstreet:online AG, an der Springer seit 2009 75,01 Prozent hielt. 

Weitere Ausdrücke der Digitalisierungsoffensive sind die Gründung der Axel Springer Digital TV GmbH (2006), die Bewegtbildinhalte für digitale Medienangebote, vor allem das Internet produzieren und vermarkten soll und die Errichtung des größten integrierten Newsrooms Deutschlands für die Zeitungsgruppe „Die Welt/Berliner Morgenpost“ im November 2006. 2007 gaben der unter Arcandor firmierende ehemalige Karstadt-Quelle-Konzern und die Axel Springer AG den Startschuss für ihr Internet-Handelsportal „Myby“. Das Portal sollte "zum führenden Elektronik-Online-Fachmarkt im deutschen Internet werden", was bis zur Arcandor (Karstadt-)Insolvenz 2009 freilich nicht gelang.

 

Fernsehsender/Fernsehproduktion
Zum Jahreswechsel Ende 2007/ 2008 beendete die Springer AG ihr Engagement auf dem deutschen Fernsehmarkt vorerst. Der Zwölf-Prozent-Anteil an ProSieben Sat.1 wurde im Januar 2008 für rund 500 Millionen Euro an die Hauptgesellschafter der Sendergruppe, die Private-Equity-Firmen KKR und Permira, verkauft. Döpfner und der damalige "Bild"-Verlagsgeschäftsführer Christian Nienhaus legten ihre Mandate im ProSiebenSat.1-Aufsichtsrat nieder.

Springer hält 27 Prozent an den Lokalsendern Hamburg 1 und TV Berlin und besitzt die Produktionsfirma Schwartzkopff TV. Prinzipielles Interesse an einem Einstieg in den deutschen Free-TV-Markt, das dem Unternehmen lange nachgesagt und von ihm auch bekundet wurde, dürfte sich mit der BGH-Entscheidung zum Verbot des ProSiebenSat.1-Kaufs vorerst erledigt haben.

 

Radio
Im Hörfunk ist Springer direkt beteiligt an der Radio Hamburg GmbH (25%), der Antenne Bayern Hörfunkanbieter GmbH (16%), der Radio/Tele FFH GmbH (10,3%), der Stuttgart Regional Hörfunk GmbH (10,3%) sowie der Regiocast GmbH (7,5%). Dadurch kann der Konzern auf eine Vielzahl von Radioprogrammen Einfluss nehmen, u.a. auf die großen landesweiten Sender Radio Schleswig-Holstein, Radio Hamburg, Radio ffn in Niedersachsen, Radio FFH in Hessen, Antenne Bayern, Antenne 1 und Radio NRW u.v.m.

 

Sonstige
Im Buchgeschäft engagiert sich Springer allein über die Verlagstochter Ullstein GmbH. Den Heyne-Verlag übernahm Bertelsmann (Mediendatenbank), die anderen Firmen der Econ-List-Gruppe übernahm der schwedische Bonnier-Konzern. Aus dem Cora-Verlag für Romanheftchen zog sich Springer 2010 zurück.

Verkauft wurden auch Grundstücke und eine Mehrheits-Beteiligung an der Tiroler Landeszeitung. Die eigenen Tiefdruck-Aktivitäten wurden in eine gemeinsame Firma mit Bertelsmann ausgelagert, die Privonis Ltd. Co. KG. Bei den elektronischen Medien kommt über AS Interactive der Computel-Telefonservice für 0190er-Nummern hinzu. Seit 2007 vermarktet der Konzern über die "Bild"-Zeitung auch eigene Mobilfunktarife.

2007 sorgten der Einstieg ins Briefzustellgeschäft sowie der noch überraschendere Ausstieg für viel Aufsehen. Im Juni erwarb Springer für rund 510 Millionen Euro von den Miteigentümern "WAZ", Holtzbrinck und der luxemburgischen Beteiligungsgesellschaft Rosalia die Mehrheit am Post-Dienstleister PIN AG. Als sich im November die Einführung eines Postmindestlohns abzeichnete, ruderte Döpfner zurück. Zwar startete die „Bild“-Zeitung eine Kampagne gegen den Mindestlohn (nachdem sie Monate zuvor noch gegen so genannte „Hungerlöhne“ mobil gemacht hatte), doch ohne Wirkung. Döpfner, der gern in Superlativen spricht, bezeichnete das Scheitern der Pin AG als „schwerste Niederlage“ seines Lebens, wollte aber keine Managementfehler erkennen.

Engagement im Ausland

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Die Axel Springer AG ist in Europa, Russland und der Türkei unternehmerisch tätig. Im Jahr 2009 verlegt der Konzern mehr als 170 Zeitungen und Zeitschriften in 36 Ländern, in eigenen Tochterfirmen oder als Lizenzausgaben unter fremdem Vertrieb. Das Segment "Print International" erwirtschaftete 11,9 Prozent (2008: 15 Prozent) des Gesamtumsatzes.
 
West- und Mitteleuropa
Die Aktivitäten des Springerverlags in West- und Mitteleuropa konzentrieren sich auf die Schweiz und Frankreich. Durch die Übernahme der Jean Frey AG 2007 verlegt der Konzern in der Schweiz außer der „Handels-Zeitung" zwei Wirtschaftszeitungen, fünf Zeitschriften und drei weitere Zeitschriften („Beobachter“, „Bilanz“, „TV-Star“). 2007 folgte die Übernahme von vier weiteren Schweizer Blättern (u.a. „Tele“, „TVVier“) vom Verlag Ringier.
In Frankreich ist der Konzern bisher mit lediglich drei verlegten Zeitschriften im Vergleich zu anderen Länder schwach auf dem Printmarkt vertreten. 2007 wurde das Projekt eines angekündigten Ablegers der „Bild“-Zeitung, für den 120 Mio. Euro Investitionskosten eingeplant waren, überraschend aufgegeben. Das fragmentierte französische Distributionssystem, das strenge Persönlichkeitsrecht und nicht zufrieden stellende Resonanz bei mehreren Nullnummern hätten den Ausschlag gegeben.
In Spanien umfasst das Engagement des Verlags 12 Zeitschriften (2010).

Osteuropa
Im März 2010 kündigte Springer an, seine Geschäfte in Polen, Ungarn und Tschechien (wo dem Verlag sechs Zeitschriften gehören) und Ungarn mit denen der Schweizer Ringier AG, die in Serbien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn vertreten ist, vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung in einem 50-50-Joint Venture zu bündeln. Die in Zürich angesiedelte, von Springer konsolidierte Holdinggesellschaft soll mit rund 4800 Mitarbeitern "mehr als 100 Printtitel und über 70 Online-Angebote" verlegen, auf Basis der Zahlen von 2009 einen Jahres-Umsatz von rund 414 Mio. Euro machen und "in drei bis fünf Jahren an die Börse" gebracht werden. Seit Juli 2010 ist die "Ringier Axel Springer Media AG" unter Leitung von Florian Fels aktiv.

Bis dahin sah sich Springer in Ungarn als "mit über 30 Zeitschriften und zehn Zeitungen" größter Verlag des Landes. Noch größer wurde das Engagement in Polen. Axel Springer Polska bringt die auflagenstarke überregionale Tageszeitung "Fakt" (zeitweise über 500.000 Exemplare, III/ 2009: 491.000), eine Sporttageszeitung sowie zehn Zeitschriften (darunter eine "Newsweek"-Lizenzausgabe) heraus. Die 2006 zunächst erfolgreich eingeführte Qualitätszeitung "Dziennik" verkaufte Anfang 2009 durchschnittlich nur noch weniger als 90.000 Exemplare, nachdem es ein Jahr zuvor noch 157.000 waren. So ging sie im Herbst 2009 im Joint Venture "Infor Biznes" mit dem Wirtschaftsverlag Infor PL auf, an dem Springer lediglich 49 Prozent hält. Die Mitteilung, dass "Dziennik" und die von Infor PL publizierte Wirtschaftstageszeitung "Gazeta Prawna" "zu einer neuen Qualitätstageszeitung zusammengeführt" werden, ließ sich auch so lesen, dass Springer seine "polnische Qualitätszeitung einstellen" muss ("Standard"/ APA). Wie in Deutschland, so ist Springer auch in Polen mit dem Versuch, in den Fernsehmarkt einzusteigen, an der Wettbewerbsbehörde gescheitert.

In Rumänien ist Springer weiterhin mit 40 Prozent am Joint Venture Edipresse AS Romania beteiligt.

Russland
In Russland, das ebenfalls nicht vom Osteuropa-Joint-Venture betroffen ist, verlegt Springer Lizenzausgaben der Zeitschriften „Forbes“ und „Newsweek“ - die Kooperation mit Forbes wurde 2008 bis "mindestens 2020" verlängert und soll um Line-Extensions erweitert werden -, einen russischen Ableger der „Computer BILD“ und mit „OK!“ ein People-Magazin (beide seit 2006). Ende 2009 übernahm der Konzern das Russland-Geschäft des deutschen Rivalen Gruner+Jahr, der sich aus dem Markt zurückzog, und erweiterte so sein Portfolio an Lizenzausgaben um Titel wie "Geo", "Gala Biografia" und "Geo Traveller" sowie Internetportale. 

Türkei
Zu einem endlosen Hin und Her entwickelt sich der erstmals Ende 2008 verkündete Einstieg Springers bei der Dogan Yayin Holding. Zur führenden türkischen Mediengruppe, die 2007 einen Umsatz von etwa zwei Mrd. USD erwirtschaftete, gehören Zeitungen wie "Milliyet" und die - auch in Deutschland präsente - "Hürriyet". Da Springer zugleich 5,1 Prozentpunkte seiner erst 2006 zum stolzen Preis von 375 Mio. Euro. erworbenen 25-Prozent-Beteiligung an der Dogan TV-Gruppe wiederum an die Dogan Yayin Holding verkaufte, sollten "letztendlich 30 Mio. Euro an Springer zurück" fließen ("FTD"). Helmut Thoma, der langjährige RTL-Geschäftsführer, sollte für die Deutschen in den Verwaltungsrat der Dogan Yayin Holding einziehen.
Doch wurde gerade dieses komplizierte Geschäft einer der Anlässe für gewaltige, insgesamt umgerechnet mehr als zwei Mrd. Euro umfassende Strafzahlungen, die die türkische Regierung dem Dogan-Konzern auferlegte. Tatsächlicher Hintergrund dürften politische Auseinandersetzungen zwischen der islamistischen Regierungspartei AKP des Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan und der säkularen Opposition sein, zu der Dogan gerechnet wird (siehe "taz"/ Februar 2009; "FR"/ September '09). 2009 kündigte der Konzern erneut einen Einstieg bei Dogan - und kurz darauf erneut einen Rückzug von diesem Plan an, der weiterhin auf Eis liegt. Einstweilen bleibt Springer allein an Dogan TV beteiligt.

Aktuelle Entwicklungen

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Wie in den Vorjahren bewegt sich Axel Springer auch 2010 in der geschäftlichen Erfolgsspur. Sowohl für das erste Quartal wie auch für das gesamte erste Halbjahr konnte Vorstands-Chef Mathias Döpfner positive Geschäftsentwicklungen verkünden. Inzwischen rechnet er damit, für das gesamte Jahr 2010 das Rekordjahr von 2008 erreichen zu können. Das Halbjahresergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag nach vorläufigen Konzernangaben mit 261,2 Mio. Euro um 61 Prozent über dem Vorjahreswert .

"Das anhaltend dynamische Wachstum des Segments Digitale Medien trug weiterhin maßgeblich zu diesem Anstieg bei", heißt es in derselben Mitteilung. Dass es, dem umtriebigen Konzern-"Außenminister" Christoph Keese zufolge, "nicht der Journalismus sei, mit dem man das Geld im Netz verdiene, sondern Firmen wie idealo.de oder Zanox" (stefan-niggemeier.de), wird nur gelegentlich erwähnt. Dennoch steht Springer auch dank seiner Initiative für journalistische Bezahl-Angebote im Internet im Fokus des Interesses. Mit Pathos ("Hamburger Abendblatt": "Vielleicht ist es aussichtslos. Vielleicht ist es selbstmörderisch. Vielleicht ist es auch unverschämt. Doch vor allem ist es eins: Es ist alternativlos") sicherte sich der Konzern zumindest eine Pionierrolle.  Gespannt erwartet bleibt die Gesetzesform, in die die Bundesregierung das den Verlegerverbänden versprochene (und besonders von Springer eingeforderte) Leistungsschutzrecht für Verlage gießen wird. 

Ganz besonders aktiv zeigt er sich weiterhin bei Apps für das iPhone und den neuen Table-Computer iPad des Herstellers Apple. Im amerikanischen Fernsehen sagte Döpfner, jeder Verleger sollte "sit down once a day and pray to thank" Apple-Chef Steve Jobs für das iPad. Über Springers "iKiosk" sind das für exklusiv den iPad konzipierte Magazin "The Iconist" auf deutsch und englisch wie auch digitale Ausgaben von "Auto Bild", "Computer Bild" und "Sport Bild" zu erwerben - im Einzelverkauf und in unterschiedlichen Abo-Modellen. Für seine Zugpferde, die iPhone-Apps von "Bild" und "Welt", meldete Springer im Juni 2010 "bislang mehr als 200.000" Verkäufe.

Bei all den großen Zahlen, die der Superlativfreund Döpfner stets gern verkündet, wird 2010 auch ein eine Million Euro schwerer "Sonderetat für journalistische Exzellenz" geschaffen. Daraus wird vor allem ein neues, ab September aktives, siebenköpfiges "Investigativ-Reporterteam der 'Welt'-Gruppe" finanziert. Das wohl am gespanntesten erwartete journalistische Projekt des Jahres in Deutschland allerdings, das vom früheren "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust als Zeitschrift wie auch online und fürs Fernsehen entwickelte Magazin-Projekt namens "Woche", bliesen Springer als Hauptfinanzier und die WAZ-Gruppe als ursprünglicher Finanzier jedoch kurzfristig ab. Ebenso kam ein Markttest mit der Berliner Boulevardzeitung "B.Z." zum "Kampfpreis" von 40 Cent, kaum dass er bekannt (und als "Zeitungskrieg in Berlin" gespannt erwartet) wurde, "nach eingehender Prüfung der wirtschaftlichen Grundlagen des Projekts" doch nicht zustande. Insbesondere bei Druck-Erzeugnissen agiert Springer längst deutlich vorsichtiger als konkurrierende Konzerne wie Hubert Burda Media.

Weiterhin herrscht gewaltiges Kommen und Gehen bei Springers Geschäftsbereichen. Verkauft wurden im Frühjahr und Sommer die gedruckten Finanztitel "Euro" und "Euro am Sonntag" (im Rahmen eines Management-Buy-Outs an den bisherigen Geschäftsführer Frank B. Werner) sowie die Mehrheitsbeteiligungen an der wallstreet:online AG und angeschlossenen Unternehmen (an das bisherige Management und die verbliebenen Gesellschafter). Ferner der 50-prozentige Anteil am auf romantische Bücher konzentrierten Cora-Verlag (ebenfalls an den bisherigen Joint Venture-Partner Harlequin Enterprises) und der in London ansässige Geschäftsbereich "Solutions" der in den Vorjahren erworbenen Online-Jobbörse StepStone (an den Finanzinvestor HgCapital LLP).

Seit 1. Juli 2010 ist die erst im Frühjahr angekündigte Ringier Axel Springer Media AG operativ tätig, in der die schweizerische Ringier AG und Axel Springer ihr Osteuropageschäft zusammenführten. Der Hauptsitz der Gesellschaft in Zürich. Mit der Übernahme der Lizenzrechte an der Zeitschrift "Geo" in Ungarn (wo Springer und Ringier noch getrennt agieren, da die kartellrechtliche Zustimmung noch aussteht), Tschechien und der Slowakei vom derzeit weniger erfolgsverwöhnten Verlag  Gruner+Jahr, der sich aus diesen Märkten zurückzieht, konnte das Joint Venture einen ersten Deal vermelden.

Worauf man 2010 verzichten muss: eine von Springer 2009 angekündigte "Veranstaltungsstadt" unter den Logos der "Bild"-Markenfamilie ("Erleben Sie Ihr rotes Wunder!") in Herne im Ruhrgebiet. Von diesen Plänen einer gewaltigen Kirmes mit Marketingpartnern nahm der Konzern doch wieder Abstand.

Links

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Informationen des Unternehmens:

» Allgemeine Informationen
» Geschäftsberichte

 Presseberichterstattung:

- Handelsblatt: Stepstone - Axel Springer poliert seine Bilanz auf (04.09.2009)
- FAZ: Mathias Döpfner - „Bild.mobile auf dem iPhone muss bezahlt werden“ (14.08.2009)
- Der Spiegel: Springer will Geld für Onlinejournalismus (13.08.2009)
- Manager Magazin: Umsatzrückgang - Werbeflaute trifft Springer (06.08.2009)
- Der Spiegel: Springer lädt 68er zum Tribunal (02.07.2009)
- Süddeutsche Zeitung: Im Zweifel Stasi (13.06.2009)
- netzeitung.de: „Bild“ zieht nach Berlin (17.03.2008)
- Süddeutsche Zeitung: Höhere Vorstandsgehälter – Schlechter Stil (12.03.2008)
- FAZ: Mathias Döpfner - Der Verlierer (16.12.2007)

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